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Gesellschaft

Rassismus-Debatte: Petition macht gegen Coburger Stadtwappen mobil

Julian Schernthaner

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Nach der Debatte um diverse Lebensmittel-Marken hat der öffentliche Druck nun auch Stadtwappen erreicht. Dabei ist diese Diskussion zumindest im oberfränkischen Coburg eine historisch nicht unbelastete.

Coburg. – Eine malerische 40.000-Einwohner-Stadt ist neuerdings ins Kreuzfeuer des linken Bildersturms geraten. Denn eine Petition will jetzt den Mohren aus dem Stadtwappen tilgen lassen, weil sie diesen für ein „höchst rassistisches Überbleibsel aus der Kolonialzeit“ halten. Diese Darstellung ist freilich aus historischer Sicht mehrfach pikant.

Coburger Mohr wiederholter Stein des Anstoßes

Tatsächlich soll das seit mindestens dem 15. Jahrhundert bekannte Wappen den Hl. Mauritius, einen frühchristlichen Heiligen aus Nordafrika zeigen. Wohl aufgrund einer falschen Volksetymologie wurde der Coburger Stadtpatron seit dem Mittelalter als dunkelhäutig dargestellt. Die Verehrung des Schutzheiligen der Soldaten und der Waffenschmiede war derart breit, dass bis heute zahlreiche Menschen einen Vor- oder Nachnamen wie Moritz oder eben Mohr tragen.

Im Fall des Coburger Mohren wäre eine Entfernung kein Neuland – denn bereits zwischen 1934 und 1945 musste dieser weichen. Die nationalsozialistische Stadtverwaltung ersetzte das Mohrenbild damals durch ein Schwert mit einem Hakenkreuz im Knauf. Dass sich die Linke mit ihren Forderungen ausgerechnet in deren Tradition stellen würden, thematisierte etwa der Freiburger AfD-Stadtrat Dubravko Mandić auf Twitter.

Berliner Grüne wollen eine „George-Floyd-Straße“

Noch einen Schritt weiter möchten die Grünen in Berlin gehen, wo die Wissenschaft davon ausgeht, dass der Straßenzug „Mohrenstraße“ in Gegensatz zum Namensvetter in Coburg tatsächlich auf Afrikaner zurückgeht. Die Grünen-Fraktionschefin Antje Kapek will der Welt zufolge die aktuellen Geschehnisse nutzen und plädiert für eine Umbenennung der Straße und zugehörigen U-Bahn-Station in „George-Floyd-Straße“.

Auch gegen Pizza Hawaii formiert sich Petition

Auch sonst nimmt die Debatte mittlerweile Stilblüten an, welche sich zahlreichen Beobachtern nicht mehr erschließen. Nach der wiederholten Thematisierung des auf den Brauereigründer Josef Mohr zurückgehende Wappen des Dornbirner „Mohrenbräu“, wollen einige Linke mittlerweile sogar die Pizza Hawaii umbenennen lassen. Dies mit der Begründung, dass damit kolonialistische Stereotype verbreitet würden, auch weil die Ananas gar keine häufige Zutat der hawaiianischen Küche sei.


Weiterlesen: 

Bildersturm 2.0: Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan…? (Kolumne, 22.6.2020)

Rassismus-Debatte: Traditions-Marke „Uncle Ben’s” will Logo wechseln (19.06.2020)


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