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Aufregung nach Papstsager zu Homosexualität

Monika Šimić

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Kritik an den jüngsten Aussagen des Papstes kommen etwa aus den USA und aus Deutschland. Lob hingegen kommt von der Österreichischen Bischofskonferenz.

Rom. – Die Aussagen von Papst Franziskus zum rechtlichen Schutz gleichgeschlechtlicher Paare schlugen weltweit hohe Wellen. Während Gay-Lobbygruppen dem katholischen Kirchenoberhaupt Beifall spendeten, kam von konservativen Katholiken scharfe Kritik. Wie kathpress berichtet, dränge sich zunehmend der Verdacht auf, dass bei der Veröffentlichung des neuen Dokumentarfilms „Franceso“ etwas gehörig schiefgelaufen sein muss. Die Papstworte dürften aus dem Zusammenhang gerissen worden sein, wie es nun heißt.

Passage herausgeschnitten

Recherchen hätten ergeben, dass die zentralen Passagen aus älterem Material in veränderter Reihenfolge zusammengeschnitten wurden. Sie sollen aus einem Interview stammen, das Mitte 2019 für den mexikanischen Sender Televisa geführt wurde. Darin nahm der Papst unter anderem zu der Frage Stellung, wie Eltern mit homosexuellen Kindern umgehen sollten. In diesem Kontext fiel der Satz: „Homosexuelle haben das Recht, in einer Familie zu leben.“

Die Forderung nach einer rechtlichen Absicherung von Homo-Paaren fehle in der damals in Mexiko ausgestrahlten Fassung, berichtet kathpress weiter. Wieso sie herausgeschnitten wurde, dazu gebe es widersprüchliche Angaben. Televisa hätte angedeutet, man habe den Part über eingetragene Partnerschaften nicht für spannend erachtet. Ähnliches sei von Franziskus bereits Jahre zuvor gesagt worden. Ein Bericht der New York Times lege indes nahe, der Vatikan habe diesen Abschnitt nicht freigegeben.

Kirchenvertreter sehen Vatikan in der Pflicht

Es stehe jedoch fest, dass Regisseur Jewgeni Afinejewski, dem Zugang zum vatikanischen Filmarchiv gewährt worden wäre, die Brisanz des nicht veröffentlichten Ausschnitts erkannt habe. Diese hätte er dann mit einer gewissen dramaturgischen Freiheit, die in der Branche durchaus üblich sei, in seine Doku eingebaut.

Viele einflussreiche Kirchenvertreter sind bezüglich des Papstsagers zu keinem Kommentar bereit. Sie sehen den Vatikan in der Pflicht. Zumal es in einem 2003 von der römischen Glaubenskongregation veröffentlichten Schreiben heißt: „Nach der Lehre der Kirche kann die Achtung gegenüber homosexuellen Personen in keiner Weise zur Billigung des homosexuellen Verhaltens oder zur rechtlichen Anerkennung der homosexuellen Lebensgemeinschaften führen.“ Von dort kam bisher aber noch keine offizielle Stellungnahme.

Lob aus Österreich

Einige wenige meldeten sich aber doch zu Wort. Für die Österreichische Bischofskonferenz hat sich deren Familienreferent, der Innsbrucker Diözesanbischof Hermann Glettler, zu den Aussagen im Film geäußert. Die katholische Kirche in Österreich pflege seit vielen Jahren einen „bewusst wertschätzenden Umgang“ mit homosexuell orientierten Menschen, so Glettler. In einigen Diözesen gebe es drüber hinaus spezielle Initiativen und Arbeitskreise, „um Vorurteile abzubauen, spirituelle Heimat zu ermöglichen und mit und für diese Zielgruppe auch als Kirche präsent zu sein“, sagte der Bischof.

Der Pastoraltheologe Paul Zulehner betont stärker die Zäsur und spricht von einem „großen Schritt nach vorn“, der freilich für „Panik im Vatikan“ sorgen werde und dem Papst „bei seinen konservativen ‚Freunden‘ weiteren Ärger einbringen“ dürfte. Positiv wertete Zulehner, dass sich „ideologische Diskriminierer“ nun nicht mehr auf den Papst berufen könnten. Der Brixener Moraltheologe Martin Lintner stößt ins selbe Horn. Die Äußerungen des Pontifex müssten „konsequenterweise“ zu einer „Neubewertung von homosexuellen Partnerschaften in der katholischen Lehre“ führen.

Kritik aus USA und Deutschland

Kritische Stellungnahmen kommen indes unter anderem aus den USA. So sieht etwa der Bischof von Providence (Rhode Island), Thomas Tobin, Franziskus mit seinen Äußerungen „in klarem Widerspruch zu der seit Langem bestehenden Lehre der Kirche“. Die Erzdiözese New York veröffentlichte einen Artikel mit der Überschrift „Wie mit Fehlern des Papstes umzugehen ist“. Der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller, früherer Chef der Glaubenskongregation, wirft Franziskus in der Zeitung Corriere della Sera vor, mit unbedachten Äußerungen „große Verwirrung“ gestiftet zu haben. Jetzt heiße es, der Papst gebe seinen Segen zu homosexuellen Verbindungen, obwohl das nicht stimme. „Er sollte vorsichtiger sein“, so Müllers Ratschlag.

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