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Interview

„Wir zeigen, dass auch die guten Jungs Comics machen können“

Redaktion

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Comics sind heute nicht mehr nur eine Sache für Nerds. Gerade die Hollywood-Verfilmungen der Marvel-Reihe haben in den letzten Jahren viel zur Bekanntheit und Beliebtheit dieses Genres beigetragen. Seit Kurzem gibt es in Deutschland ein neues politisch unkorrektes Comic-Projekt namens HYDRA COMICS. Ins Leben gerufen wurde es von Michael Schäfer. Wir sprachen mit dem 38-Jährigen über sein Projekt, die Comicszene und die ersten Reaktionen.

Tagesstimme: Bevor wir zum Projekt „Hydra“ kommen wäre es vielleicht sinnvoll, dass Sie zunächst einmal erklären, worum es sich bei „Comics“ handelt und wieso es ausgerechnet rechter Comics bedarf? Die meisten Leser dürften mit Comics wenig mehr als Superman und vielleicht noch so manches alte Asterix oder Tim und Struppi Heft verbinden. Worüber sprechen wir also, wenn wir uns über Comics unterhalten und sind Geschichte über Superman und Co nicht eigentlich völlig frei von Politik?

Schäfer: Da machen Sie gleich zum Anfang drei ganze große Fässer auf. Das Besondere an der Kunstform Comic ist, dass sie – zumindest in unserem Fall – von mehreren Künstlern erschaffen wird und dadurch eine einmalige Zusammenarbeit entsteht, die sich gegenseitig antreibt. In Comics können wir, auch mit einem niedrigen Budget, neue visuelle Welten erschaffen und in sie eintauchen. Wir können auf wenigen Seiten ganze Imperien entstehen und vergehen lassen – es gibt keine technischen Grenzen. Zudem sind Comics so vielseitig wie ihre Leser, und werden oft unterschätzt. Es gibt heute zu jedem Thema und aus jeder gesellschaftlichen Ecke Comics – also selbstverständlich auch aus dem patriotischen Lager. Bei uns auf der Internetseite sehen Sie, dass wir mit HYDRA COMICS nicht die einzigen sind, die sich an Comics abseits des Mainstreams versuchen. Comics waren auch schon immer politisch. So flog der von Ihnen erwähnte Superman bereits im Zweiten Weltkrieg auf der Seite der Alliierten und machte Propaganda im Schützengraben und an der Heimatfront. Es gibt sogar eine Geschichte, wo er sich Stalin und Hitler schnappt und sie beim Völkerbund vor Gericht stellt. Auch heute werden Comics für die Propaganda genutzt. So nutzen auch obskure Gruppen, wie die Stimmungsmacher von „Correctiv“ und der „Amadeu Antonio Stiftung“ Comics für ihre zweifelhaften Zwecke. Wir zeigen, dass auch die guten Jungs Comics machen können.

Die erste Ausgabe (© HYDRA COMICS).
Tagesstimme: „Mit unserem Verlag schließen wir eine klaffende Lücke in der deutschsprachigen Comicszene und im Bereich der grafischen Kunst… Aktuell steht in weiten Teilen der Kunst- und Comicszene Ideologie über Talent.“ Unter anderem mit diesen Feststellungen stellen Sie ihr Projekt vor. Während „Cancel-Culture“ ein gängiges Schlagwort geworden und die ideologische (Selbst-)Zensur im Literaturbetrieb schon lange bekannt ist, dürften die wenigsten Patrioten Einblicke in die Comicszene haben. Wie sehen denn die Innenansichten dieser Szene aus? Und wieso sollte sich die patriotische Bewegung ausgerechnet diesem Thema annehmen?

Schäfer: Wie derzeit in allen Kulturbereichen gibt es auch in der Comicszene den Versuch, Ideologie über Kunst zu stellen. Als die großen US-Comicverlage vermehrt probierten, beispielsweise die „Diversity“-Ideologie durchzudrücken, endete es mit einem Aufstand der Händler und einer kleinen Rolle rückwärts, weil die Leser den Unsinn nicht mitmachen wollten. In Deutschland erleben wir auch eine kleine laute Minderheit, die selbst die kritische Berichterstattung in den Fachzeitschriften niederbrüllen will. Selbst deutsche Comicurgesteine wie Ralf König geraten ins Visier der Gesinnungswächter. Zu viele lassen sich das gefallen, weil sie einfach keinen Ärger haben wollen oder Angst um ihre wirtschaftliche Existenz haben. Genau da kommen wir ins Spiel. Wir erlauben uns den Luxus, anecken zu können. Bei uns gibt es keine Denkschranken. Uns müssen die Comics, die wir machen, gefallen und gut unterhalten. Dieses komplette Ignorieren der politischen Korrektheit der Schreihälse ist der Mehrwert für alle und für einige vielleicht schon „rechts“. Zudem nehmen wir uns des Themas an, weil wir die Kunstform lieben. Alle Beteiligten stecken unglaublich viel Idealismus in das Projekt, verehren das Medium Comic und wollen ihren Beitrag für eine offene Comicszene in Deutschland und Europa leisten.

© HYDRA COMICS
Tagesstimme: Wie muss man sich „rechte“ Comics vorstellen? Ihr erstes Heft ist ja mittlerweile veröffentlicht und weitere Projekte sind angekündigt, können Sie ihre bisherigen Arbeiten einmal vorstellen? Und wie reagierte das patriotische Lager auf das Projekt Hydra? Das Klischee des comiclesenden Nerds dürfte sicherlich auch in manchem patriotischen Kopf verankert sein und Vorbehalte für ein solches Projekt begründen?

Schäfer: Ich weiß auch nicht, was genau „rechte“ Comics sind. Wir machen einfach die Geschichten, die uns gefallen und sprechen unbequeme Themen an – das reicht oft schon für den „rechten“ Stempel. In HYDRA COMICS Nummer 1 haben wir eine Zeitreisegeschichte, die als Sci-Fi-Story auch islamistischen Terrorismus und aktuelle gesellschaftliche Verwerfungen thematisiert. Das alles kommt nicht mit dem Holzhammer daher, denn zuallererst wollen wir gut unterhalten und Geschichten mit viel Subtext erzählen.

Neben dem Projekt HYDRA COMICS, in das sich jeder als ein neuer Kopf der Hydra einbringen kann, werden wir verschiedene ausländische Comics veröffentlichen. Wir starten mit einer Comicbiografie zum Schriftsteller und Putschisten Yukio Mishima. Gerade die Mishima-Ankündigung hat viele Menschen auch im patriotischen Lager begeistert. Auch der 50. Todestag von Mishima im November 2020 hat für viel Beachtung unseres Projektes gesorgt. Die Unterstützung der Bürgerinitiative „Ein Prozent“ in Sachen Reichweite und Kulturförderung hat sehr geholfen. So konnten wir bereits die Hälfte der 1.200 Stück großen Erstauflage von HYDRA COMICS 1 unter die Leute bringen. Vorbehalte erleben wir kaum, weil sie uns höchstwahrscheinlich gar nicht erst erreichen und die Klischees über Comicnerds leben und pflegen wir selbst so gut es geht.

Tagesstimme: Wie waren konkret die Rückmeldung auf das erste Heft und lässt sich abschätzen, wer den größten Teil der Käufer ausmacht: Bisher nicht politisierte Comic-Fans, Patrioten ohne Comicszenebezug oder eine Form von gemischtem Klientel?

Schäfer: Anhand der positiven Rückmeldungen lässt sich erahnen, dass viele Kunden bereits zuvor mit Popkultur zu tun hatten und froh sind, dass es solche Projekte gibt. Es gibt aber auch die Besteller, die froh sind, dass die Enkelin oder der Neffe mal ein Heft in die Hände bekommen, das bewusst politisch unkorrekte Bildgeschichten verspricht. Wir versuchen uns durch neue Projekte noch breiter aufzustellen und hoffen, dass das durch die Leser honoriert wird.

Tagesstimme: Hat die Comicszene selbst bereits auf das Projekt Hydra reagiert, oder ist man dazu noch zu unbekannt?

Schäfer: Erst einmal sind wir selbst Teil der Comicszene und haben diese um ein interessantes Projekt erweitert. Zudem gab es auch ein paar überraschende Rückmeldungen von Künstlern, die froh sind, dass „endlich jemand gegenhält“ (Zitat). Zudem wissen wir, wie in der Szene etwas hilflos über Projekte wie HYDRA COMICS diskutiert wird. So wurde im Fachmagazin ALFONZ lange darüber beratschlagt, ob man den Comic „Der Vigilant“ überhaupt besprechen dürfte. Herausgekommen ist ein dumpfer Verriss, der keinerlei wirklichen Inhalt hatte. Auf unserem Blog hat der Autor Franz Rheinberger auf diesen Unsinn geantwortet. Kurz gesagt, in den Fachmagazinen und in Teilen der Comicforschung weiß man nicht, wie man mit uns umgehen soll. Das gefällt mir.

© HYDRA COMICS
Tagesstimme: Sie arbeiten ja mit verschiedenen Künstlern und Autoren zusammen und haben explizit neue Talente dazu aufgerufen, sich zu melden. Gibt es bereits Rückmeldungen?

Schäfer: Wir machen ja nicht nur ein Comicheft, sondern bieten im Heft und auf unserer Netzseite Nachwuchskünstlern ein Forum für ihre Arbeit. So hat der bekannte Kalligraphie-Künstler Wolf PMS für unser erstes Heft ein wunderbares Variant-Cover gezeichnet und das Thüringer Nachwuchstalent Remata’Clan hat ganz klassisch mit Farbe und Pinsel für den Einstieg in unsere Geschichte „Schakal“ seine erste Comicseite abgeliefert, die wir so genial fanden, dass wir sie auch als Kunstdruck ohne störende Sprechblasen anbieten.

Auch der Rummel um den Start von HYDRA COMICS hat dafür gesorgt, dass einige Talente auf uns aufmerksam geworden sind und uns hoffentlich als einen Ort begreifen, wo sie sich ausprobieren können. Zudem erhalten nur unsere Zeichner einen kleinen Obolus für ihre Arbeit als ganz bewusste Nachwuchsförderung, während der Rest der Mannschaft ehrenamtlich arbeitet.

Tagesstimme: Wie geht es mit Hydra im neuen Jahr weiter, was darf der Interessierte von Ihnen erwarten?

Schäfer: Das Frühjahr wird ganz im Zeichen des Mishima-Comicromans stehen, den wir gerade vorbereiten. Dann muss natürlich schleunigst HYDRA COMICS Nummer 2 auf den Markt, damit die ganzen irren Geschichten, die in unseren Köpfen herumgeistern, zu Papier gebracht werden und dann können wir hoffentlich zeitnah neue Übersetzungen präsentieren. Wir ergänzen unser Programm durch das klassische Nerd-Merchandise. Ob Kunstdrucke oder T-Shirt, bei uns kann der geneigte Comicfan das finden, was er anderorts vermisst.

Tagesstimme: Viel Erfolg und herzlichen Dank für das Interview!

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Zur Person:

Michael Schäfer ist Diplom-Politikwissenschaftler und Wirtschaftsfachwirt. Der 38-Jährige lebt und arbeitet in Dresden und leitet das Projekt HYDRA COMICS.

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