Kultur Meinung

Black Panther: Wakanda über alles

Symbolbild: By Turbanmann (Own work) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Am 15. Februar startete der Superheldenfilm Black Panther in den heimischen Kinos. Der Film ist fast ausschließlich mit schwarzen Darstellern besetzt und spielte am ersten Wochenende in Nordamerika 192 Millionen Dollar ein. In den sozialen Medien wurde der Film bereits heftig diskutiert.

Kommentar von Tino Taffanek

Black Panther entstammt dem fiktiven Universum von Marvel Comics. Der erste Comic erschien im Jahr 1966, wenige Monate vor der Gründung der Black Panther Party, einer sozialistisch‐revolutionären Bewegung des schwarzen Nationalismus in den USA.

Hauptfigur des Films ist König T’Challa alias Black Panther, Staatsoberhaupt von Wakanda, ein fiktiver hochentwickelter afrikanischer Staat. Die Technologie von Wakanda basiert auf einem Vibranium genannten Metall, das aus einem Meteoriten stammt. Die Technologie ist der aller modernen westlichen Staaten weit überlegen und ermöglicht es Wakanda, sich vor dem Rest der Welt zu verbergen. Wakanda lebt abgeschottet und duldet keine Fremden auf seinem Staatsgebiet. Nach außen hin wird so das Image einer armen Agrargesellschaft aufrechterhalten. Die im Film dargestellte Kultur erinnert an populärkulturelle afrikanische Folklore.

Lob aus den eigenen Reihen

Eine Schauspielerin des Films betont den Einfluss von Marvel auf die zeitgenössische Popkultur. Sie hofft, dass die (wohlgemerkt fiktive) Darstellung Afrikas im Film, die allgemeine Vorstellung über den Kontinent verändert. Die Schauspielerin lobt die Darstellung Afrikas als „Ort, wo man hin möchte“. Von dieser Utopie ist der Kontinent natürlich weit entfernt. Das untermauern auch die nach Europa gerichteten Migrationsströme aus Afrika.

Der Hauptdarsteller erfreut sich an der Umkehrung der Unterrepräsentation von Schwarzen in Hollywood und hofft auf die Entstehung weiterer „ethnisch vielfältiger Filme“. Das unter Vielfalt eine Besetzung aus fast ausschließlich schwarzen Schauspielern verstanden wird, ist typisch für die aktuelle Multikulti‐Ideologie.

Doppelmoral

Der englischsprachige Konservative Paul Joseph Watson wirft hingegen den Fans und Unterstützern des Films Doppelmoral vor. Die Punkte, die im Film und am fiktiven afrikanischen Staat gelobt werden, entsprechen den Forderungen zahlreicher alternativer Rechter in den USA, meint Watson. Im Bezug auf die USA wird diese Staatsauffassung scharf kritisiert, im Film jedoch billigend hingenommen oder sogar gelobt.

Nationalstaat Wakanda

Die Darstellung von Wakanda als ethnokulturell homogene und stark in seiner Tradition verwurzelte Gesellschaft lässt sich kaum bestreiten. Auch das Abstammungsprinzip gelangt in Fragen der Staatsbürgerschaft in Wakanda rigoros zur Anwendung. Der König wird durch Zweikampf aus einem durch Geburtsrecht festgelegtem Kreis aus potentiellen Thronfolgern bestimmt. Von Demokratie kann also auch keine Rede sein. Der Plot dreht sich um einen Konflikt zwischen Kolonialismus, Abschottung und Öffnung gegenüber dem „rückständigen Westen“. Der bei der Krönungszeremonie kollektiv getätigte Ausruf „Wakanda über alles“ dürfte zumindest in der deutschen Synchronisation für den einen oder anderen Schmunzler sorgen.

Nach dem Abspann folgte eine Rede des Königs vor der UN, in der er die Öffnung des als rückständig wahrgenommen Landes bekanntgibt. Diese Rede kam nicht ohne die obligatorische Forderung, „Brücken statt Mauern“ zu bauen, aus. Das von Wakanda gezeichnete Bild bleibt aber trotz dieser Szene bestehen.

Prädikat „unterhaltsam”

Wer sich für diese Themen interessiert, aber sie mit einer gesunden Portion Humor angeht, kann auch als Rechter oder Konservativer Spaß an diesem Film haben. Die Action‐Szenen können sich durchaus sehen lassen und zumindest für meinen Humor gingen auch die Scherze abseits der Politik in Ordnung. Dem kontroversen Filmvergnügen steht also nichts im Wege.

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