Wirtschaft

US‐Gemeinde streitet mit Nestlé um Wasserquelle

Bildquelle: Pixabay

In der US‐amerikanischen Kleinstadt Osceola stellen sich die Einwohner gegen Nestlé, die Quellwasser der Gemeinde abzapft. Viele Bewohner beschuldigen den Lebensmittelkonzern, die Umwelt zu gefährden.

Federführend im Kampf um das Quellwasser ist eine pensionierte Lehrerin, die mit Fotos die Veränderungen im Twin Creek River dokumentiert, seitdem Nestlé dort Quellwasser abzapft. Seit den frühen 2000ern wird Wasser aus dem Fluss entnommen und als „Ice Mountain“ wiederverkauft. Die Lehrerin möchte mit ihren Fotos belegen, dass sich das Flussbett sowie die Wassertemperatur verändert hat.

Grundwasserspiegel stark gesunken

Die Pläne des Unternehmens wurden im Januar offengelegt. Nestlé möchte in der 900‐Einwohner‐Ortschaft eine neue Pumpverstärkerstation bauen, mit der 1500 Liter Wasser pro Minute gefördert werden können. Der Gemeinderat will nun gegen ein Bezirksgericht vorgehen, das im Rechtsstreit für Nestlé entschieden hat.

Sie müssen kein Geologe oder Hydrologe sein, um diese Wasserstände zu sehen: Die Grundwasserspiegel sind heute niedriger als vor zwei Jahren“, warnt Ortsvorsteher Tim Ladd laut Bericht des Standard. Nestlé reagiert abweisend. Das Unternehmen meint in einer offiziellen Stellungnahme, dass es keine messbaren Veränderungen an Bächen oder dem Leben im Gewässer gäbe. Auch nahe gelegene Dämme könnten keine optischen Veränderungen im besagten Bach erzeugen.. Dabei beruft sich Nestlé auf eigene Untersuchungen, unabhängige Studien gibt es nicht. Nestlé Waters North America zahlt, trotz des profitreichen Geschäfts, jährlich nur 200 Dollar Entschädigung für die Wasserentnahme.

Nestlé sorgt weltweit für Schlagzeilen

In anderen Fällen ist die Situation bereits gravierender. Bekannt wurde die Geschichte eines Dorfes in Pakistan, in dem die örtliche Bevölkerung keinen Zugang zu Trinkwasser hat, während Nestlé dort Wasser fördert und teuer verkauft. Es gibt viele Familien, die sich das teuere abgefüllte Wasser nicht leisten können und somit verunreinigtes Wasser konsumieren müssen. Ähnliches passiert im wasserarmen Südkalifornien, das mit Wüstenbildung, Wasserknappheit und anderen Umweltproblemen kämpft. Nestlé zapft auch dort Wasser, um es in „Pure Life“-Flaschen zu füllen und zu verkaufen. Die US‐Regierung hat in diesem Fall keinerlei Eingriffsrechte, weil sich das Grundwasser im trockenen Reservat der Morongo befindet.

Grundrecht oder Wirtschaftsgut?

Nestlé bezeichnet Wasser jedoch immer wieder als Wirtschaftsgut. Der Verwaltungsratschef des Nahrungsmittelkonzerns meinte mehrmals, dass die Gefahr der gedankenlosen Wasserverschwendung bestünde, wenn es keinen ökonomischen Wert hätte. Kritiker sehen in dieser Argumentation einen Widerspruch zu dem Grundrecht der Menschen auf Zugang zu sauberem Wasser.

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