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Gesellschaft

Nach Asylkritik: Suhrkamp-Verlag distanziert sich von Autor Uwe Tellkamp

Redaktion

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Bild: Screenshot Facebook Dresden 2025

Uwe Tellkamp hat mit seiner Kritik an der deutschen Asylpolitik für mediales Aufsehen gesorgt. Der Suhrkamp-Verlag distanzierte sich auf Twitter von den Äußerungen seines Autors. Das Verhalten des Verlags führte schließlich zu heftigen Diskussionen.

Am Donnerstag veranstaltete das Dresdner Kulturhauptstadtbüro eine Podiumsdiskussion mit Uwe Tellkamp und Durs Grünbein. Unter dem Titel “Streitbar” diskutierten die beiden renommierten Autoren über die Meinungsfreiheit in Deutschland. Über 700 Menschen hörten sich das Streitgespräch im Dresdner Kulturpalast an.

Kritik an Merkels Grenzöffnung

Als die beiden Autoren auf die Asylpolitik der deutschen Bundesregierung zu sprechen kamen, erklärte Tellkamp:
„Die meisten fliehen nicht vor Krieg und Verfolgung, sondern kommen her, um in die Sozialsysteme einzuwandern: über 95 Prozent. Wenn man die 30 Milliarden Euro, die die Flüchtlinge im Jahr kosten, und das ist die offizielle Zahl aus dem Finanzministerium, wenn wir die in die Rentenlöcher stecken, ist das Problem Rentenloch erledigt.”

In den entscheidenden Debatten wie der Grenzöffnung 2015 habe es im Bundestag “noch nicht einmal von der Linken eine Opposition” gegeben. Bundeskanzlerin Angela Merkel habe den Bundestag bis heute nicht darüber entscheiden lassen, so Tellkamp.

Zudem warnte der Autor des preisgekrönten DDR-Romans Der Turm vor einer “Gesinnungsdiktatur” und der Aushöhlung der Meinungsfreiheit.

Suhrkamp reagiert auf Twitter

Am Tag darauf distanzierte sich der Suhrkampf-Verlag von den Aussagen seines Bestseller-Autors:

Es braucht einen offenen Diskurs

Die Distanzierung des Verlags sorgte am Wochenende schließlich für große mediale Aufregung in Deutschland. Im Deutschlandfunk etwa bezeichnete die Moderatorin und Publizistin Alexandra Gerlach die Reaktion des Suhrkamp-Verlags als “Drama”: Anstatt eine “grundlegende Debatte zu entfachen”, werde Tellkamp “sanktioniert”, “in die Ecke gestellt” und als Rechter “geschmäht”.

“Es wird Zeit, einen Weckruf wie den von Tellkamp ernst- und aufzunehmen, statt zu ächten. Denn genau diese Intoleranz hat den Populisten leichtes Spiel bereitet”, so Gerlach.

Das gehe ihrer Ansicht nach aber nur, wenn “ohne ideologische Scheuklappen diskutiert” und auch “unliebsame, unbequeme Meinungen offen und skandalfrei” debattiert würden.

“Es geht ein Riss durch die Gesellschaft, das ist unübersehbar. Wenn wir diesen kitten wollen, brauchen wir viel mehr Offenheit, viel mehr Toleranz und viel mehr von diesem Dresdner Diskurs”, zeigt sich die Moderatorin überzeugt.

“Überflüssig wie ein Kropf”

Und auch Tilman Krause von der Welt stellte sich hinter Tellkamp:

“Die linke Meinung ist natürlich frei, sich in allen Facetten und Feinheiten zu äußern. Wer sich hingegen vom linken Mainstream (der für sich selbst in Anspruch nimmt, linksliberal zu sein) entfernt, tja, der muss höllisch aufpassen, dass er nicht in die rechte, am besten gleich in die rechtsradikale Ecke gestellt wird”, kritisiert der leitende Feuilleton-Redakteur.

Der Tweet des Verlags sei “überflüssig wie ein Kropf”.

“Und Uwe Tellkamp hat jedes Recht der Welt, über die Abertausende von Flüchtlingen, die dieses Land – im Gegensatz zu seinen europäischen „Verbündeten“ – aufgenommen hat, zu sagen, was er denkt”, betont Krause.

Ministerpräsident verteidigt Tellkamp

Ebenfalls zu Worte meldete sich der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU): „Ich wünsche mir, dass wir in der Sache diskutieren. Wenn ein Streitgespräch zur Verurteilung einer Person führt, darf man sich nicht wundern, wenn keine offene Debatte mehr geführt wird.”

Anderer Ansicht ist hingegen die sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kultur, Eva-Maria Stange. Nach Angaben der Welt sagte die SPD-Politikerin am Samstag gegenüber der dpa: “Verallgemeinerungen dieser Art geben denen Futter, die mit ausländerfeindlichen Parolen das gesellschaftliche Klima vergiften. Viele Menschen, die zu uns kommen, fliehen vor Krieg, politischer Verfolgung und Diskriminierung sowie wirtschaftlicher Not in ihren Heimatländern und bedürfen dringend unserer Hilfe.”

Autor Klaus-Rüdiger Mai zieht Konsequenz

Erste direkte Auswirkungen hat der Tweet des Suhrkamp-Verlages bereits: Wie Tichys Einblick berichtet, zog der Autor Klaus-Rüdiger Mai seine mit dem Verlag besprochene Publikationsabsicht zurück. In einer E-Mail an den Verleger Thomas Spaar warf er Suhrkamp vor, sich zu einem “Parteiverlag” zu entwickeln. “Sie haben sich gegen die Vielfalt und für die politische Einfalt entschieden. Ich sehe nicht und glaube auch nicht, wie ein kritischer Essay, wie ich ihn projektiert habe, bei Ihnen erscheinen kann. Ich ziehe hiermit meinen Vorschlag zurück. Er wird andernorts und mit mehr Recht erscheinen.”

 

Auf YouTube findet man das gesamte Gespräch zwischen Tellkamp und Grünbein:

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Gotthelm Fugge

    11. März 2018 at 17:59

    Uwe Tellkamps Aussage:
    “”Wir veranstalten ein Großexperiment, ohne dass die Leute, die daran teilnehmen müssen, gefragt werden.
    Machen Sie sich keine Sorgen, dass sich das Land in sehr kurzer Zeit verändert?
    95 % der Migranten fliehen nicht vor Krieg und Verfolgung.
    Sie wandern in die Sozialsysteme ein.“”

    Was ist an dieser Aussage eigentlich FALSCH?
    Es ist ein nüchterner, nein besser noch: Ein sehr ernüchternder Tatbestand.

    “”Dieser Uwe Tellkamp war immerhin unbeschadet einer der Unterzeichner einer „Charta 2017“ der Dresdner Buchhändlerin Susanne Dagen (Buchhaus Loschwitz), die in einem offenen Brief an den Börsenverein den Umgang mit „andersdenkenden Verlagen“ auf der Frankfurter Buchmesse kritisiert hatte.””

    Das mit dem Unterschreiben von Listen, Petitionen, etc. hat schon in der DDR nicht so recht funktioniert.
    Besonders nicht auf der Ebenen von Intellektuellen.

    Man entsinne sich nur der zwölf namhaften Künstlerinnen und Künstler, die im November 1976 mit ihrer Unterschrift gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns protestierten.
    Durch “Gespräche“ und “Strafandrohungen” sollten die Künstler dazu bewogen werden, ihre Unterschriften zurückzuziehen.
    Wer das nicht tat, wurde aus dem Partei- und Schriftstellerverband ausgeschlossen – was einem Berufsverbot gleichkam.
    Einige Unterzeichnende wurden mit Auftritts- und Veröffentlichungsverboten belegt.
    Die Folge:
    Viele Prominente wie Manfred Krug oder Armin Mueller-Stahl verließen sofort oder in den folgenden Jahren die DDR.

    Nun, lieber Suhrkamp-Verlag, das war sie, die Blaupause – “Von Freunden lernen, heisst siegen lernen!”
    Dazu ein herzliches “Rot Front”, “Vorwärts immer, rückwärts nimmer”!

    Und es gibt sie, Gott sei es gadankt, auch weiterhin, die Mutigen, Aufrechten.
    Wie z.B. ein Klaus-Rüdiger Mai (Dramaturg, Regisseur und Schriftsteller, mit einem für sein Alter schon beachtlichem Schaffensumfang):

    Er positionierte sich klar gegenüber dem Verlag Suhrkamp, einem Steigbügelhalter der herrschenden politischen Klasse, ihrer gesellschaftlichen Kollaborateure und ihrer öffentlichen Claqueure, die sich schon viel zu lange als globale moralische Superhelden inszenierten.

    Sein Fazit gegenüber dem Verlag:
    “”Sie haben sich gegen die Vielfalt und für die politische Einfalt entschieden.
    Ich sehe nicht und glaube auch nicht, wie ein kritischer Essay, wie ich ihn projektiert habe, bei Ihnen erscheinen kann.””

  2. Avatar

    peter

    12. März 2018 at 10:53

    Jeder Autor, der auch nur im Entferntesten von Meinungsfreiheit etwas hält und gegen Zensur und Diktatur ist, sollte sich von diesem Verlag entfernen. Das System versteht solche Handlungen besonders gut.

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Gesellschaft

“Großer Austausch”: 140 Besucher bei Identitären-Vortrag in Wien

Joshua Hahn

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ASDF Bild (Martin Sellner während seinem Redebeitrag): Privat

Am Samstag luden die Identitären zu einer Informationsveranstaltung über den sogenannten “Großen Austausch” ein. Thematisiert wurden nicht zuletzt die gängigen Fehlinterpretationen und die oftmals bewussten Falschaussagen über den Begriff.

Wien. – Die Redner bei der Veranstaltung waren Martin Sellner sowie der neurechte Publizist Martin Lichtmesz.

Das Thema wurde besonders in Bezug auf das Attentat in Christchurch in letzter Zeit immer wieder medial thematisiert. Fehlinterpretationen und die Unterstellung einer „Verschwörungstheorie“ stellten dabei jedoch weniger eine Ausnahme als die Regel dar.

Etwa 140 Besucher

Der Wirbel um die Thematik schlug sich auch bei den Besucherzahlen des Vortrages nieder. Der Vortragsraum war mit etwa 140 Besuchern trotz der Ereignisse um Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) gut gefüllt, die Eintrittskarten waren bereits im Vorfeld schnell vergriffen.

Begriffsfragen und Auswirkungen

Der erste der beiden Vorträge wurde vom Publizisten Martin Lichtmesz gehalten. Der thematische Schwerpunkt lag hierbei vor allem auf der Klärung des Begriffs. Anhand mehrerer Beispiele aus diversen Zeitungsartikeln und Reportagen rund um die angebliche „Verschwörungstheorie“ ging Lichtmesz auf die Vorwürfe ein und unterzog sie einer kritischen Analyse.

Beispielsweise ging der Publizist auf den Vorwurf ein, die Identitären würden einen von einer privilegierten Gruppe explizit gesteuerten “Großen Austausch” propagieren. Zwar stecke hinter dem Vorgang kein „Masterplan“, der von einer Gruppe beschlossen wurde. Sehr wohl müsse man sich jedoch eingestehen, dass es mittlerweile eine große Zahl an Lobbys und NGOs gebe, welche sich zumindest finanziell an Entgrenzungen beteiligen und dem “Austausch” nicht entgegenwirken, sondern ihn dadurch aktiv fördern.

“Ersetzungseinwanderung”

Identitären-Chef Martin Sellner behandelte in seinem Vortrag besonders die unmittelbaren Auswirkungen auf die Gesellschaft. Anhand verschiedener Grafiken und Statistiken vermittelte er die Folgen für Österreich.

Abschließend plädierte Sellner dafür, den Begriff der „Masseneinwanderung“ mit dem der „Ersetzungseinwanderung“ zu tauschen, da dieser für die Problematik deutlich passender sei.

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Gesellschaft

Kopftuchverbot beschlossen: IGGÖ will sich an VfGH wenden

Monika Šimić

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ASDF Bild: Verfassungsgerichtshof in Wien / Haeferl [CC BY-SA 3.0 at], via Wikimedia Commons (Bild zugeschnitten)

“Das Kopftuchverbot an Volksschulen führt erst zu Segregation und Diskriminierung von muslimischen Mädchen”, meint Ümit Vural, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft Österreich (IGGÖ).

Wien. Am Mittwochabend hat der Nationalrat das Kopftuchverbot für Volksschulkinder beschlossen. Damit wird “das Tragen weltanschaulich oder religiös geprägter Bekleidung, mit der eine Verhüllung des Hauptes verbunden ist”, untersagt. Ausgenommen sind aber Verbände aus medizinischen Gründen bzw. Kopfbedeckungen aus Witterungsgründen. Dass die jüdische Kippa und die Patka der Sikhs nicht gemeint sind, soll dadurch klar gestellt werden, dass es um Kleidungsstücke geht, “welche das gesamte Haupthaar oder große Teile dessen verhüllen”. Für diese Neuregelung stimmten die ÖVP, die FPÖ, aber auch zwei Abgeordnete der Fraktion JETZT. Kritik kommt von der Islamischen Glaubensgemeinschaft Österreich (IGGÖ).

Kopftuch ein “politisches Symbol”

Laut ÖVP-Mandatar Rudolf Taschner stellt das Kopftuch ein “politisches Symbol der Unterdrückung und der Unterwerfung von Frauen und Mädchen” dar. Die Geisteshaltung dahinter “bedeute nichts weniger, als die Drohung eines Endes der Aufklärung”. Nico Marchetti (ebenfalls ÖVP) meinte, dass Mädchen vor “überzogenen Auslegungen des Islam” geschützt werden müssten. “In einer normalen Auslegung des Islam tragen Mädchen vor der Geschlechtsreife kein Kopftuch, daher sei es im Volksschulalter auch gar nicht erforderlich”. Aus diesem Grund könne auch keine Rede von einer Einschränkung der Religionsfreiheit sein, so Marchetti.

Auch die FPÖ sieht das Kopftuch als Symbol des politischen Islam, gegen den man sich wende und den man in Österreich nicht wolle. Durch den politischen Islam habe in vielen Ländern in den letzten Jahrzehnten ein klarer Rückschritt in Fragen der Frauenrechte stattgefunden, so Peter Wurm (FPÖ). Das Kinderkopftuch sei auch aus Sicht von Islamexperten ein Verstoß gegen die Kinderrechte. Ein Verbot sei daher unumgänglich, und schon durch einen Einzelfall gerechtfertigt.

Kopftuchverbot soll Integration fördern

In der Gesetzesnovelle zum Kopftuch heißt es nun: “Um die bestmögliche Entwicklung und Entfaltung aller Schülerinnen und Schüler sicherzustellen, ist diesen bis zum Ende des Schuljahres, in welchem sie das 10. Lebensjahr vollenden, das Tragen weltanschaulich oder religiös geprägter Bekleidung mit der eine Verhüllung des Hauptes verbunden ist, untersagt. Dies dient der sozialen Integration von Kindern gemäß den lokalen Gebräuchen und Sitten, der Wahrung der verfassungsrechtlichen Grundwerte und Bildungsziele der Bundesverfassung sowie der Gleichstellung von Mann und Frau”. Bei einem Verstoß hat die Schulleitung die zuständige Bildungsdirektion zu verständigen, die wiederum die Eltern zu einem verpflichtenden Gespräch zu laden hat. Findet nach dem Gespräch ein weiterer Verstoß statt, ist mit einer Geldstrafe von bis zu 440 Euro zu rechnen.

IGGÖ kritisiert Verbot

Nachdem die Gesetzesnovelle zum Kopftuch am Mittwoch beschlossen wurde, meldete sich die IGGÖ zu Wort und erklärte, dass sie das Kopftuchverbot vor den Verfassungsgerichtshof (VfGH) bringen wolle. “Das Kopftuchverbot an Volksschulen führt erst zu Segregation und Diskriminierung von muslimischen Mädchen”, kritisiert Ümit Vural, Präsident der IGGÖ. In einer Aussendung wirft Vural der Regierung außerdem vor, dass es ihr nicht nur um das Kindeswohl ginge. Das vorliegende Gesetz diskriminiere ausschließlich das islamische Kopftuch. Dieses sei aber “Teil der religiösen Praxis”.

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Gesellschaft

Körperverletzung mit Todesfolge: Milde Urteile im Todesfall von Köthen

Julian Schernthaner

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am

ASDF Symbolbild: PxHere [CC0]

Für einiges Unverständnis dürfte das Urteil des Landgerichts Dessau-Roßlau sorgen. Im Fall rund um den nach einer brutalen Attacke verstorbenen Deutschen in Köthen fasste der Haupttäter nur 17 Monate Haft aus. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Köthen/Dessau-Roßlau. – Es war ein Fall, welcher bundesweit für Aufregung sorgte: Ein junger Deutscher (22) versucht einen Streit zwischen drei Afghanen zu schlichten. In der Folge kommt es zu einem Raufhandel, mehrfach treten die Migranten auf ihren Kontrahenten ein, selbst als dieser bereits auf den Boden liegt. Im Krankenhaus verstirbt der herzkranke Mann.

Körperverletzung mit Todesfolge: Milde Urteile

Zwar stellte die vorsitzende Richterin dem Focus zufolge fest, dass dessen Ableben kein bloßer Unfall war und führte seinen Tod auf die Körperverletzung vonseiten der Angeklagten zurück. Selbst die Staatsanwaltschaft ging dabei davon aus, dass die Täter nicht mit der Herzerkrankung ihres Opfers rechnen konnten – und forderte eine Jugendstrafe für die beiden Angeklagten im Alter von 17 und 19 Jahren.

Nun erging tatsächlich ein entsprechend mildes Urteil gegen die beiden Afghanen. Der Haupttäter erhielt wegen Körperverletzung mit Todesfolge lediglich 17 Monate Haft. Der Zweitangeklagte fasste – aufgrund zweier weiterer Vergehen – eines Gesamtfreiheitsstrafe von 19 Monaten aus. Damit ist unklar, ob die beiden überhaupt in Haft müssen. Ihre Verteidiger hatten ursprünglich überhaupt einen Freispruch für beide Angeklagten gefordert.

Bruch mit bisheriger Rechtsprechung

Die Familie des Getöteten nahm die Urteilsverkündung weniger wohlwollend zur Kenntnis, sie reagierten aggressiv. Sein Bruder warf einen Tisch um, seine Schwester schrie. Letztlich mussten Justizbeamte die Lage beruhigen, die Angeklagten wurden zwischendurch aus dem Raum geführt.

Tatsächlich steht das Urteil im krassen Gegensatz zur bisherigen Judikatur in ähnlichen Fällen. Im vielbeachteten Fall Brunner in einem Münchener Vorort etwa verstarb ein herzkranker Mann ebenfalls nach Tritten von Jugendlichen. Beide Buben mussten anschließend mehrjährige Haftstrafen verbüßen, einer davon sogar wegen Mordes.

Proteste nach Tötungen in Köthen und Chemnitz

Bereits unmittelbar nach dem Vorfall mobilisierten verschiedene rechtsgerichtete Akteure zu einer gemeinsamen Kundgebung. Etwa 2.500 Menschen demonstrierten in der sachsen-anhaltischen Kleinstadt, einige Redner prangerten die herrschenden Zustände mit teils scharfer Rhetorik an. Auch am folgenden Wochenende rief ein breites Bündnis patriotischer Kräfte zu neuerlichen Demonstrationen auf.

Der Fall sorgte auch deshalb im September für besondere Betroffenheit aufgrund seiner möglichen Parallelen zu einem Vorfall zwei Wochen zuvor in Chemnitz. Auch dort verstarb ein Deutscher infolge eines Angriffs vonseiten mehrerer Migranten, tagelange Proteste folgten auch jenem Tötungsdelikt.


Weiterlesen:

Köthen: Wirbel um Todesfall nach Streit zwischen Deutschen und Afghanen (10.9.2018)

Deutsche Medien und Politiker nehmen Abschied vom Hausverstand (Kolumne, 11.9.2018)

Köthen: Breites Bündnis ruft zu Demonstration am Sonntag auf (13.9.2018)

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