Welt

Saudi‐Arabien lockert Kleidervorschriften für Frauen

Symbolbild (Niqab): Marcello Casal Jr / Agência Brasil via Wikimedia Commons [CC BY 3.0 BR]

Mehr Freiheit für Frauen soll es künftig in Saudi‐Arabien geben – zumindest, was ihre Kleidung betrifft. Kronprinz Mohammed bin Salman will den Araberinnen in Zukunft selbst die Wahl überlassen, was ein „dezentes und respektvolles“ Outfit ausmacht.

Wie der Standard berichtet, hat der saudische Kronprinz am Sonntagabend dem Sender CBS mitgeteilt, dass er den Frauen keine ganzkörperliche Verhüllung mehr vorschreiben wolle. Das islamische Scharia‐Recht, auf welchem die Gesetzgebung des Landes beruht, schreibe sowohl Männern als auch Frauen dezente und respektvolle Kleidung vor. Diese müsse aber nicht zwingend aus der traditionellen weiten, schwarzen Robe „Abaya” beziehungsweise einer schwarzen Kopfverhüllung bestehen.

Ungeschriebenes Gesetz

Obwohl es in Saudi‐Arabien kein staatliches Verschleierungsgesetz gibt und lediglich eine lange, figurverhüllende Gewandung vorgeschrieben war, gingen Polizei und Sittenwächter immer wieder gegen Frauen ohne Abaya oder Gesichtsverhüllung vor. Nach den Vorgaben der Scharia müssen sich alle Frauen ab der Pubertät an diesen Dresscode halten. Auch nicht muslimische Ausländerinnen müssen in dem arabischen Königreich Arme und Beine bedecken und ein weites, nicht tailliertes Gewand tragen.

Regionale Unterschiede

Noch steht in den Sternen, welche Auswirkungen die Worte des Kronprinzen auf die Entscheidungsfreiheit der saudischen Frauen haben werden. Das gesamte Verhüllungswesen unterstand bislang uneinheitlicher Handhabe. In den konservativen, zentralen Provinzen Riad und Buraida war der Gesichtsschleier bisher de facto Pflicht. In liberaleren Gegenden wie der Hafenstadt Dschidda war es Frauen hingegen bereits länger möglich, joggen zu gehen, ohne ihr Gesicht und ihre Haare zu verhüllen. Das Strafmaß bei Sittenverstößen oblag zu einem Großteil dem jeweiligen Richter. Frauenrechtler hoffen nun, dass bald im ganzen Land Maßstäbe wie in Dschidda gelten.

Bin Salman als Reformator

Seit der 32‐jährige Mohammed bin Salman Mitte 2017 zum Kronprinz ernannt wurde, hat er bereits mit einigen Reformvorschlägen in dieser Frage für internationales Aufsehen gesorgt. Jüngst erlaubte er den Frauen, den Führerschein zu machen – bisher waren diese auf einen männlichen Fahrer angewiesen. Dies ist nun sogar ohne die Einwilligung eines männlichen Vormundes möglich. Für die meisten Entscheidungen benötigen Frauen allerdings nach wie vor das Einverständnis ihres Gatten oder eines männlichen Verwandten.

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  • Ohne erhebliche Reformen in der Gesellschaft sowie in der Wirtschaft droht KSA der Bankrott. Der Erdölpreis ist seit 2008 um mehr als die Hälfte eingebrochen. Das Ende des Öl‐Zeitalters ist auch absehbar.
    Kronprinz Muhammad bin Salman al‐Saud möchte KSA nun eine einschneidende Kur auferlegen. Er will staatliche Zuwendungen kürzen, Konzerne privatisieren, die Privatwirtschaft ankurbeln. Ohne mehr Frauen in Beschäftigung wird das aber nicht gehen. Bildung ist ein Schlüsselwort, Mobilität das andere. Bislang sind Millionen Frauen auf das Wohlwollen ihres Vormunds angewiesen, wenn sie zur Arbeit wollen. Für viele lohnt sich ein Job unter solchen Bedingungen nicht. Ende 2016 war daher etwa ein Drittel der Frauen in KSA arbeitslos. Bei den Männern sind es ungefähr sechs Prozent. Die Frauen in KSA sind in der Regel sehr gebildet, viele sind auch erfolgreich. Die neuen Reformen werden sie anregen und KSA wird davon profitieren.

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