Gesellschaft

Studie: Österreich und Deutschland werden laufend unsicherer

Symbolbild: Pixabay [CC0]

Aktuelle Statistiken belegen, dass das Sicherheitsempfinden in Deutschland und Österreich seit einigen Jahren rückläufig ist – und zwar sowohl aus Sicht der ansässigen Bevölkerung als auch in der internationalen Bewertung. 

Das Weltwirtschaftsforum (WEF) führt alle zwei Jahre eine Umfrage unter Spitzenkräften weltweit durch. Während Deutschland zwar insgesamt sowohl als gutes Reiseziel und Unternehmensstandort gilt, gibt der Bereich „Sicherheit” Anlass zur Sorge: Deutschland fiel in der Erhebung 2017 auf Platz 51 zurück – 2015 lag man noch auf Platz 20, 2013 sogar auf Platz 14. Dies deckt sich auch mit dem subjektiven Empfinden der Menschen im Land: Einer Anfang 2017 publizierten Umfrage zufolge gaben etwa 58% der deutschen Frauen an, dass sie öffentliche Orte als unsicherer wahrnehmen als noch ein Jahr zuvor.

WEF: Westeuropäische Reiseländer unsicher

Gegenüber der Welt gab Georg Schmitt, ein Sprecher des WEF, als Grund für das gefallene Sicherheitsempfinden eine steigende Angst vor terroristischen Anschlägen an. Diesen Trend teile man sich mit anderen westeuropäischen Reiseländern wie Frankreich (Platz 67), Italien (74), Großbritannien (78). Besser eingeschätzt wurden hingegen die übrigen deutschsprachigen Länder: die Schweiz befindet sich auf dem achten Platz, Österreich nimmt Rang 14 ein. Luxemburg kommt dabei auf den 12. Platz, in Liechtenstein wurden keine Daten erhoben. Auffällig ist auch das durchwegs gute Abschneiden der nordischen Länder: Finnland gilt als sicherstes Land weltweit, Island nimmt Rang 3 ein. Auch Norwegen (7), Schweden (16) und Dänemark (27) sind unter den Top 30 zu finden.

Österreich: 30% der Frauen finden Heimweg unsicher

Auch für Österreich bedeutet der im internationalen Vergleich beachtliche 14. Platz allerdings einen Rückfall: Im Jahr 2015 nahm man den fünften Platz ein, 2013 immerhin auch Rang 7. Dieser Befund deckt sich mit einer heimischen Studie zum allgemeinen Sicherheitsempfinden in Österreich: 2016 gaben 22% der Österreicher an, dass sie sich allein auf dem Heimweg unsicher oder sehr unsicher fühlen, bei Frauen trifft dies besonders zu. Während nur jeder achte Mann (12,8%) dieses Gefühl hat, gilt dies für jede vierte Frau (29,7%).

Auch hier ist ein Anstieg zu verzeichnen: Noch 2014 hatten nur 15,9% der Österreicher Angst vor dem Heimweg. weit entfernt ist man vom Spitzenwert aus dem Jahr 2002 (8,9%). Ähnlich ist die Entwicklung bei älteren Menschen: In der Bevölkerungsgruppe über 65 Jahren bewerten gleich 30,2% der Befragten ihren täglichen Weg nachhause als unsicher, zwei Jahre zuvor waren es noch 21,9%. Ebenfalls auffällig ist das Stadt‐Land‐Gefälle: Während jeder vierte Stadtbewohner (25%) eine Unsicherheit attestiert, gilt dies nur für 19% der Landbewohner. Beides stellt im Vergleich zu 2014 (17 bzw. 12 Prozent) aber einen markanten Anstieg dar.

Beinflusst Migration das Sicherheitsempfinden?

Interessant ist, dass FPÖ‐Wähler sich als besonders unsicher fühlen: 38,1 Prozent dieses Lagers bewerteten 2016 den Heimweg als unsicher, diese Statistik verdoppelte sich im Vergleich zu 2014 (18,3%) – dazwischen liegen die Zuwandererströme des Sommers 2015. Möglicherweise ist das gefallene subjektive Sicherheitsempfinden unter Blauwählern auch tatsächlich teilweise auf die Migrationsfrage zurückzuführen – immerhin gaben bei einer Wahltagsbefragung zur Nationalratswahl 2017 des Meinungsforschers Peter Hajek im Auftrag von ATV die Wähler der Freiheitlichen als stärkstes Wahlmotiv an, dass sie dieser Partei am ehesten eine Lösung in der Asylpolitik zutrauen. Allerdings galt laut einer IMAS‐Umfrage einige Tage vor der Wahl der Themenbereich „Migrationspolitik und Integration” überhaupt als wichtigstes wahlentscheidendes Thema. Für 56 Prozent der Österreicher stellte dies im Oktober ein zentrales Thema dar, über das eine öffentliche Debatte gewünscht wird.

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