Gesellschaft

Grazer Klimaforscher: Konsumverhalten schadet der Umwelt

Symbolbild (Fabrikschlote in Deutschland): ProfessorX via Wikimedia Commons [CC BY-SA 4.0]

Ein Grazer Klimaforscher plädiert für einen Paradigmenwechsel bei der Treibhausgasbilanz. Bisher zeigt diese den CO2‐Ausstoß bei der Güterproduktion an, nicht aber bei ausländische Konsumgütern. Er fordert darüber hinaus die Besteuerung der Emissionen, um schadstoffarm hergestellten Produkten eine Chance zu geben.

Einem Online‐Artikel des ORF zufolge kritisiert der Klimaforscher Gerfried Jungmeier vom Grazer Institut Joanneum Research, dass derzeitige Statistiken nur heimische Produkte betreffen. Gerade alltägliche Gegenstände wie Fahrzeuge oder elektronische Geräte werden aber häufig im Ausland produziert und fließen deshalb nicht in die Treibhausgasbilanz der Republik Österreich ein. Mahnend wies er auf das Beispiel Großbritannien hin. Dort lagerte man zunehmend Industrie ins Ausland aus und erreichte dadurch den Schein einer besseren Klimabilanz.

Treibhausgasbilanz erfasst Konsumverhalten nicht

In einer gemeinsamen Arbeitsgruppe mit dem Zentrum Klimawandel arbeitete man heraus, dass tatsächliche konsumbilanzierte Emissionen sich auf etwa 110 bis 130 Millionen Tonnen CO2‐Äquivalent beliefen. Dies stelle einen um etwa 50 bis 60 Prozent stärkeren ökologischen Fußabdruck dar, als die nationale Treibhausgasbilanz erfasst. Jeder Österreicher sei entsprechend für 15 Tonnen CO2‐Ausstoß verantwortlich. Dies sei etwa zehnmal mehr als die Selbstverpflichtung der Pariser Klimakonferenz. Diese weist eine bis anderthalb Tonnen pro Person als klimaverträglichen Lebensstil aus. Der Großteil dieser Treibgase würden durch Konsumgüter wie Handys, Computer oder Kleidung entstehen. Große Posten beträfen auch Mobilität und Heizung.

Plädoyer für Nachhaltigkeit

Jungmeier appelliert außerdem an das Konsumverhalten des Einzelnen. Zukünftig müsse das Ziel fort von der Wegwerfgesellschaft gehen, hin zur allgemeinen Nachhaltigkeit.

Vielleicht werden wir in Zukunft weniger Produkte haben. Meine Tochter geht zum Beispiel ins Geschäft und kauft ein T‐Shirt um einen Euro, und dann nimmt sie gleich zehn oder zwölf. In Zukunft kauft sie vielleicht nur mehr ein T‐Shirt, das aber nachhaltig und treibhausgasarm erzeugt ist, das langlebiger und qualitätsvoller ist.“

Politik in der Pflicht

Gefordert sei in diesem Zusammenhang auch die Politik. Er wünscht sich, dass man auch auf Emissionen von Treibhausgasen Steuern einhebt. Dies würde schadstoffärmeren Produkten erst die Möglichkeit geben, zukunftsfähig zu sein. Außerdem möchte er eine verpflichtende Angabe auf allen Produkten, wie viel CO2 durch Produktion und Transport entstanden sind.

Das Joanneum Research ist das größte außeruniversitäre Forschungsprojekt der Steiermark und verfügt über drei Standorte in der Steiermark, in Kärnten sowie in Wien. Jungmeier hofft, dass die Erkenntnisse seines Instituts sowie der Arbeitsgruppe auch Impulse zur neuen Klima‐ und Energiestrategie der Bundesregierung liefern können. Diese wird derzeit erarbeitet und soll einer Ankündigung zufolge Anfang April vorgestellt werden.

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