Kultur

Osterfeuer: Heidnischer Brauch in christlichem Gewand?

Bild (Osterfeuer bei Graz): Willard Austria via Wikimedia Commons [CC BY-SA 3.0]

Zwischen Karsamstag und Ostermontag werden vielerorts im deutschsprachigen Raum sogenannte „Osterfeuer” entzündet. Was hat es mit dem alten Brauch eigentlich auf sich?

Angesichts der biblischen Geschichte um die Kreuzigung und Auferstehung Christi gilt das Osterfest als wichtigster Feiertag der Christenheit. Die Mobilität des heutigen Festes leitet sich nicht zuletzt aus der Lage des jüdischen Pessachfestes nach dem dort gebräuchlichen lunisolaren Kalender ab. Immerhin wurde Jesus während dieses Festes hingerichtet. Die Berechnung des Osterdatums ist seit dem Konzil von Nicäa im Jahre 325 n.U.Z. geregelt. Freilich liegt das Fest auch nahe genug am Frühlingsanfang um Spekulationen über den Einfluss vorchristlicher, heidnischer Bräuche anzustellen.

Ostern als christliches und heidnisches Fest?

Bis heute bestehen etwa nebeneinander Gedankenströmungen, welche im Hasen und Ei hohe christliche Symbolik vermuten – sowie solche, welche diese als bildhafte Beschreibung der Wiederkehr der Natur verstehen. Immerhin gilt das Ei als Fruchtbarkeitssymbol schlechthin, auch Hasen haben ihre traditionelle Paarungszeit im Frühjahr. Der auch für die wichtigste deutsche Märchensammlung bekannte Volkskundler und Linguist Jakob Grimm fügt eine Dimension dazu. Er verweist auf die Schriften des Beda Venerabilis, eines englischen Mönchs, der eine Frühlingsgöttin Éastre erwähnt. Hartnäckig hält sich seitdem in neuheidnischen Kreisen auch die Interpretation, wonach es sich beim Osterhasen um das Lieblingstier ebendieser Göttin handle.

Osterfeuer mit vorchristlichen Wurzeln

Gesichert ist hingegen die vorchristliche Existenz eines Osterfeuers. Ein Briefwechsel aus dem Jahr 751 zwischen dem Missionar Bonifatius und Papst Zacharias belegt, dass der Brauch der römischen Kirche noch unbekannt war. Bonifatius fragt den heiligen Stuhl darin nach dem empfohlenen Umgang mit der Tradition. Entsprechend wird auch die Frage aufgeworfen, inwieweit das heute vor allem im christlichen Kontext gefeierte Feuer ursprünglich germanisch‐heidnische Vorstellungen übernommen hat.

Dies gilt etwa für der Verbrennung von Strohpuppen. Eine solche Praxis ist auch regional bei Sonnwend‐ und Bergfeuern sowie beim Erntedankfest und von Funkenfeuern zur Winterauskehr bekannt. Selbst christliche Gelehrte vermuten darin ein heidnisches Relikt. Längst hat das Osterfeuer aber auch Einkehr in das christliche Kirchenjahr gefunden. Traditionell ist vielerorts die Entzündung der Osterkerze durch den Pfarrer direkt am traditionellen Feuer. Diese wird dann durch die dunkle Kirche getragen, das Licht soll Christus als Licht der Welt zeigen und die Kirchengemeinde segnen.

Große regionale Unterschiede

Einig ist man sich bei diesem Brauch wenig, auch der Zeitpunkt des Feuers kennt einige Breite. Während man in der Steiermark die Abendstunden des Karsamstags dafür auserkor, feiern einige Gemeinden im westfälischen Sauerland dieses Brauchtum überhaupt erst am Ostermontag. In Luxemburg, der Eifel und Teilen Hessens findet das Feuer bereits eingangs der Fastenzeit statt, dasselbe gilt für die Funkenfeuer im alemannischen Raum. Einen besonderen Brauch kennt man in einigen Gebieten Bayerns. Im mittelfränkischen Heimbach erhält sich die Tradition sogenannter „Osterbrände”. Kinder legen halb abgebrannte Birkenstämme aus dem Osterfeuer auf den heimischen Dachboden. Dies soll das traute Heim vor Blitzschlag bewahren.

Brauchtumsfeuer sind genehmigungspflichtig

Oftmals wetteifern benachbarte Orte um den höchsten Stoß, dieser wird oft von den Männern des Dorfes bewacht. Als besonders große Schande gilt entsprechend die vorzeitige Entzündung. Eine Besonderheit ergibt sich allerdings im östlichen Österreich, wo die Osterfeuer als fester Bestandteil der Osternacht eher in einem familiären Kreis abgehalten werden. Auch diese sind meist mehrere Meter hoch, die Dichte ist oftmals hoch  – in derselben Ortschaft können gleich mehrere Meiler stehen.

Auch deshalb fühlen sich Behörden immer häufiger auf den Plan gerufen. Für Aufsehen sorgte in der Steiermark 2011 die Ankündigung, in der Landeshauptstadt Graz ganzjährig Brauchtumsfeuer zu verbieten. In dessen Nachbargemeinden werden mittlerweile nur mehr ein Osterfeuer pro Ort genehmigt. Dieses ist außerdem vorab als Brauchtumsveranstaltung zu melden. Auch in Tirol sind diese einem starken Regiment unterworfen. Dort darf man überhaupt darf nur zu Ostern sowie rund um die Sommersonnwende ein Brauchtumsfeuer entzünden.

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