Kultur

Zuggers: Waldviertler und Tschechen restaurieren mittelalterliche Kirche

Bild: Miloš Hlávka via Wikimedia Commons [CC BY-SA 3.0]

Unweit der österreichisch‐tschechischen Grenze befindet sich die über 600 Jahre alte Kirche von Zuggers. Nach der Entsiedelung nach dem Zweiten Weltkrieg verfiel das Gotteshaus zusehends. Nun wollen Gläubige zu beiden Seiten der Lainsitz dem alten Sakralbau neues Leben einhauchen.

Wie der ORF berichtet, feierte die Kirchengemeinde am gestrigen Ostermontag einen zweisprachigen Festgottesdienst, um dieses Ziel zu bekräftigen. Die Baufälligkeit der Kirche ist kaum übersehbar: Stellenweise bröckelt der Putz von den Wänden, der Boden ist nackt. Teilweise fehlen die Fenster, auch der Dachstuhl muss erneuert werden. Das Gotteshaus hat keinerlei Heizung, zur Beleuchtung dienen mangels Stromanschlusses Kerzen. Das Fresko mit der Täuferszene im Hauptalter weist ebenfalls erhebliche Beschädigungen auf.

Verfallene Kirche zeigt traurige Geschichte

Bei Zuggers handelt es sich um eines der ältesten Dörfer der Gegend. Bereits im 12. Jahrhundert findet es in einer Urkunde des römisch‐deutschen Kaisers Friedrich I. „Barbarossa” Erwähnung. Die Kirche selbst ist dem heiligen Johannes dem Täufer geweiht und wurde um 1400 erbaut. Zuggers wuchs in seiner Blütezeit auf über 800 Bewohner an. Auch die Menschen aus dem benachbarten Erdweis (heute Nová Ves nad Lužnicí) sowie ausgewählten Ortschaften im heutigen grenznahen Niederösterreich gingen dort zur Messe.

Nach dem Krieg wurde die vorwiegend deutschsprachige Bevölkerung aufgrund der Beneš‐Dekrete vertrieben, es verblieben vorerst sieben Familien. Die nahegelegene Grenze zwischen Ost‐ und Westeuropa tat ihr Übriges, teilweise zweckentfremdeten die Kommunisten die Kirche als Kasernengebäude und Materiallager. Auch die wenigen geduldeten Bewohner übersiedelte man später nach Erdweis. So wurden Ort und Kirche ähnlich dem nahen zweigeteilten Gmünd zum Sinnbild der Zerschneidung eines gewachsenen Kulturraumes.

Treffpunkt für Angehörige beider Völker

Durch den Fall des Eisernen Vorhangs sind die Menschen im Grenzgebiet nun wieder zusammengewachsen. Die Kirche von Zuggers in der heute entvölkerten Ortslage Krabonoš ist ein beliebter Treffpunkt für Angehörige beider Ethnien. Viele Menschen, die heute im nordwestlichen Waldviertel wohnen, haben ihre Wurzeln eigentlich am anderen Lainsitzufer. Für manche davon ist es sogar die Pfarre, welche ihre Großeltern und Urgroßeltern besuchten.

Die Initiative zur Restauration startete der Pfarrer Tomáš Vyhnálek aus Znaim (Znojmo), der für alle Kirchen in der engeren Region zuständig ist. Dazu suchte er auch gezielt den Kontakt zu früheren Zuggersern und ihren Nachfahren. Und fand rege Begeisterung für die Wiederherstellung der altehrwürdigen Kirche.

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