Meinung

Streit um Grazer Uni‐Rat: ÖH wird Burschenschafter akzeptieren müssen

Symbolbild: By Jacktd [GFDL or CC-BY-SA-3.0], from Wikimedia Commons

Ein Burschenschafter als designierter Universitätsrat löst Proteste bei ÖH und Professoren aus. Die Burschenschaft und der Betroffene verteidigen sich. Es geht dabei auch um den Einfluss konservativer und patriotischer Kräfte an der Universität.

Ein Kommentar von Tino Taffanek

Am 20. April soll die konstituierende Sitzung des neuen Universitätsrats an der Universität Graz stattfinden. Teil dieses Rats wird Alois Gruber, Mitglied der Burschenschaft Arminia Czernowitz zu Linz, sein. Dies löste vor allem bei der traditionell linkslastigen Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) Proteste aus.

ÖH bezeichnet designierten Uni‐Rat als „rechtsradikal”

Die ÖH der Universität Graz bezeichnete Gruber in einer Aussendung als „rechtsradikal”. Grund dafür sei seine Mitgliedschaft in der Burschenschaft. Sie forderten ihn auf, „sich öffentlich zu äußern und sich den kritischen Fragen von Personal und Studis der KFU zu stellen“. Sollte sich Gruber dieser Aufforderung verweigern, so legte ihm die ÖH seinen „freiwilligen“ Rücktritt nahe.

Gruber und Burschenschaft verteidigen sich

Weder Gruber noch die Burschenschaft ließen sich diese Unterstellungen gefallen. Sie reagierten mit einer Klagsandrohung an die ÖH. Es wurde eine Frist gesetzt, die Vorwürfe zu Unterlassen und einen Widerruf zu schalten. Andernfalls werde man den Rechtsweg beschreiten.

Über die Vorwürfe des DÖW äußerte sich Rechtsanwalt und Vereinsobmann der Burschenschaft, Michael Schilchegger, folgendermaßen: „Das DÖW kann uns bezeichnen, wie es will. Wir würden uns als nationalkonservativ oder nationalliberal einstufen.” Eine klare Zurückweisung der selbst zugeschriebenen Deutungshoheit eines privaten Vereins, wie des DÖW, über andere politische Organisationen.

ÖH „enttäuscht” über Klagsandrohung

Michael Ortner (VSStÖ), stellvertretender Vorsitzender der ÖH Uni Graz, zeigte sich „enttäuscht” über Grubers Reaktion. Jemanden mit Unterstellungen und Rücktrittsforderungen zu bedenken und dann über die Androhung einer Klage enttäuscht zu sein, zeigt welche Art von „Dialog“ hier von der ÖH gewünscht ist.

Auch die von Ortner getätigte Aussage „Vielfalt wird an der KFU groß geschrieben“ kann kaum verschleiern, dass es ihm nicht um Meinungsvielfalt geht. Der Versuch ein unliebsames Mitglied des Universitätsrats loszuwerden, kann nur dazu dienen, den eigenen Einfluss und die eigene Meinungshoheit auf der Universität zu verteidigen.

Petition gegen Burschenschafter

Auch eine durchaus stattliche Anzahl an Professoren macht gegen das neue Uniratsmitglied mobil. Christian Fleck, außerordentlicher Professor für Soziologie an der Universität Graz, initiierte eine Petition gegen Burschenschafter im Uni‐Rat. Laut der Aussendung der ÖH wird die Petition von 32 Professoren unterstützt.

Anzeichen für „Kulturkampf”

Man könnte diese Vorgänge als einen beginnenden „Kulturkampf” um die Deutungshoheit an den Universitäten interpretieren. Die Petition gegen Burschenschafter zeigt die Hegemonie der 68er über das akademische Milieu. Ein konservatives Gegenstück, das Partei für Burschenschafter oder andere patriotische Kräfte ergreift, lässt sich momentan noch nicht einmal erahnen.

Auch die ÖH‐Wahlen spiegeln dieses Kräfteverhältnis wider. Der Ring Freiheitlicher Studenten (RFS) liegt seit gut zehn Jahren mit meist einem einzigen Mandat stabil am Rande dieses Einflussbereichs. Aber die Zeichen der Zeit deuten in eine andere Richtung. Das Ergebnis der letzten Nationalratswahl in Österreich sowie das Erstarken von zahlreichen anderen patriotischen Projekten zeigen, wo der Weg hingehen könnte – auch an den Universitäten.

Auseinandersetzung nicht scheuen

Um hier Einfluss wiederzugewinnen, dürfen Patrioten diese (meta-)politische Auseinandersetzung nicht scheuen. Gruber und die Burschenschaft Arminia Czernowitz zu Linz haben verstanden, dass es nichts bringt, sich hier an den politischen Gegner anzubiedern. Stattdessen gingen sie offensiv gegen die Vorwürfe und Unterstellungen vor – etwas das beispielsweise die FPÖ noch lernen muss, wie der halbherzige Versuch, es den Kritikern mit einer Historikerkommission recht zu machen, weiterhin zeigt.

Gruber wird voraussichtlich am 20. April seinen Posten antreten. Die ÖH wird das akzeptieren müssen. Und es ist auf eine positive Entwicklung zu hoffen, dass der patriotische Einfluss auf den Universitäten in Zukunft ausgebaut werden kann.

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