Verbinde Dich mit uns
WERBUNG

Kultur

Georgstag: Von Nothelfern und Drachentötern

Julian Schernthaner

Veröffentlicht

am

Der 23. April ist der Gedenktag des Hl. Georg, eines frühchristlichen Märtyrers aus Kappadokien. Der bereits im Frühmittelalter beliebte Heilige spielte eine bedeutenden Rolle bei der Bekehrung im oberdeutschen Sprachraum. Bekannt sind auch eine Sage über die Tötung eines Drachen sowie diverse Tagesbräuche. 

Georg gehört zu den Vierzehn Nothelfern, einer Gruppe von frühchristlichen Heiligen aus dem zweiten bis vierten Jahrhundert. Sowohl katholische als auch evangelische Christen verehren diese im Gebet, letztere sehen sie generell als Vorbilder im Glauben. Er gilt als Landesheiliger mehrerer Länder und Regionen wie England, Georgien oder Katalonien, dazu einiger Städte wie Genua, Barcelona oder Freiburg/Breisgau. Bis 1772 war er außerdem der Landespatron des Bundeslandes Tirol – ersetzt wurde er dort anschließend vom Hl. Josef, dessen Gedenktag am 19. März stattfindet. In ganz Europa sind dem Hl. Georg eine Vielzahl von Kirchen geweiht.

Georg, der Drachentöter

Die Sage mit dem Drachen findet besonderen Niederschlag in die Volkskultur. Volkskundliche und theologische Deutungen verstehen darunter traditionell seinen Sieg über das Heidentum. Tatsächlich wird dabei vermutet, dass einige frühe Georgskirchen auf vorchristlichen Kultplätzen errichtet wurden. So verwundert es auch kaum, dass etwa eine englische Sage die Drachentötung durch den Hl. Georg auf einen kleinen Kreidehügel direkt neben dem frühgeschichtlichen Kulturdenkmal Uffington White Horse verlegt. Im Nikolaiviertel in Berlin erinnert ein detailgetreues Standbild des schlesischen Bildhauers August Kiß (1802–1865) an die Sage.

Allerdings ist die Drachentöter-Sage ein weltweit beliebtes Motiv in Sagen und Legenden. Ob Beowulf, Siegfried, Tristan, Herakles oder Dobrynja Nikititsch – auch in europäischen Legenden und Mythologien findet sich die Überwindung zahlreicher solcher und ähnlicher Gestalten. Möglich ist deshalb auch einfach eine Übertragung der Sage der Landbevölkerung auf „ihren” Heiligen. Ein besonderes Zeugnis der Verschmelzung christlicher und vor-christlicher Vorstellungen findet sich im südslawischen Kulturraum. Dort gilt der Georgstag als Frühlingsfest, welches auch mit einem Notfeuer begangen wird.

Georg als Traditionsstifter

Jedenfalls gewiss ist die Sage als Ursprung des Schutzpatronats Georgs über Pferde und Reiter. In Teilen Bayerns und Salzburgs findet deshalb traditionell der Georgiritt statt. Dabei ziehen geschmückte Pferde und Wagen zum Gotteshaus – vorzugsweise eine Georgskirche. In einigen Orten wird die Kirche dabei vor dem Gottesdienst mehrfach umritten. Abgerundet wird das Brauchtum meist von Gesellschaftsspielen und Wettbewerben, sowie manchmal von historisierenden Darbietungen.

Ebenfalls mit einer regionalen Georgstradition verbindet man das Zusammenfallen mit dem jährlichen Welttag des Buches. In Katalonien war es früher Brauch, sich an diesem Tag mit Rosen und Büchern zu beschenken. Im Burgenland galt der Tag im Mittelalter als Zinstag, an diesem Tag war es außerdem Dienstboten gestattet, ihren Dienstherrn zu wechseln. Im Lechrain galt der Tag – neben dem Weißen Sonntag und der Walpurgisnacht – als eine der drei Freinächte der Ledigen. Entsprechend mussten sich die Dorfbewohner an diesem Tag besonders vor dem Unfug und Schabernack der Jugend in Acht nehmen.

 

 

 

Klicken zum Kommentieren

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Gesellschaft

Rückendeckung für Neuer nach Aufregung um kroatisches Patrioten-Lied

Monika Šimić

Veröffentlicht

am

Nachdem deutschsprachige Medien das feierliche Mitsingen von Manuel Neuer bei einem patriotischen, kroatischen Lied skandalisierten, springt ihm mit Ivan Rakitić einer der kroatischen Fußball-Helden der letzten WM zur Seite. 

Wien/Zagreb. – Am Wochenende hat ein etwa zweiminütiges Video vor allem im deutschsprachigen Raum für Aufregung gesorgt, das den FC-Bayern Star und Fußballnationaltorwart Manuel Neuer dabei zeigt, wie er gemeinsam mit einer gut gelaunten Gruppe das Lied „Lijepa li si” („Du bist schön”) der kroatischen Band „Thompson” mitsingt.

Vizeweltmeister Rakitić verteidigt Neuer und Lied

Das patriotische Lied, das 1998 veröffentlicht wurde und als inoffizielle Hymne des Landes gilt, besingt die Schönheit der verschiedenen Regionen des Landes. Viele werfen der Band vor, rechtsextrem zu sein. Der kroatische Fußballspieler Ivan Rakitić (FC Barcelona) hat nun sowohl Neuer als auch das Lied selbst verteidigt. „Manu ist in Kroatien wie einer von uns. Wir sind unheimlich stolz, dass er immer wieder nach Kroatien kommt und sich bei uns so wohl fühlt”, erklärte Rakitić gegenüber Sport1.

Perković liebt Kroatien – Kroatien liebt Perković

Einen rechtsextremen Hintergrund hat das Lied nach Meinung von Rakitić nicht. „Das Lied hat damit nichts zu tun und Manu auch nicht. In dem Video singen sie über die Liebe zu Kroatien. Man sieht, wie wohl sich Manu fühlt. Mich haben hunderte von Leuten angerufen und mir erzählt, wie dankbar sie sind, dass er da ist. Es ist schade, was daraus jetzt gemacht wird. Manu hat doch nichts gemacht. Er fühlt sich wohl bei uns und er bringt die Kroaten näher zusammen”, erklärte der kroatische Fußballspieler

Über Marko Perković Thompson, den Frontmann der kroatischen Band, sagte der Starkicker: „Der Sänger ist ein unglaublich bekannter Mann, der in Kroatien geliebt wird”. Er gebe im ganzen Land immer wieder Konzerte. Im Jahr 2018 fuhr der Sänger im Rahmen des Empfangs des WM-Vizeweltmeisters, bei dem sich über 60.000 Menschen versammelt hatten, sogar in einem Bus bis zum Ban-Jelačić-Platz, dem Hauptplatz von Zagreb, mit. Dort sang er gemeinsam mit der Mannschaft und dem Publikum unter anderem die Lieder „Lijepa li si” und „Geni kameni” („Gene aus Stein”).

Medienreaktionen unterscheiden sich nach Kulturraum

Auffallend unterschiedlich waren die medialen Reaktionen, deutschsprachige Medien wählten eher tendenziösen Schlagzeilen, um ihren Lesern den Sachverhalt näherzubringen. Sie titelten etwa:  „Hier singt Neuer das Lied einer rechtsextremen Skandal-Band” (Bild), „Bayern-Tormann Neuer singt in Kroatien-Urlaub Lied einer rechtsextremen Band” (Standard), „Manuel Neuer singt Lied einer rechten Skandal-Band” (Krone).

Kroatische und bosnische Medien hingegen thematisierten eher den Angriff deutschsprachiger Medienkollegen auf den Fußballer. So etwa: „Deutsche Medien attackierten Neuer wegen Thompson-Lied heftig (…)” (klix.ba), „Deutsche attackierten Neuer: Das Lied verherrliche Faschismus (…)” (Večernji list), „Manuel Neuer äußert sich nach Angriff seitens deutscher Medien (…) auch Thompson wäre stolz” (tportal.hr). 

Fanklub verteidigt Lied, unterstellt „böswillige Absicht”

Mittlerweile meldete sich in einem offenen Brief an die Bild-Zeitung auch der kroatische Fanklub „Mi Hrvati” („Wir Kroaten”) zu Wort. Darin heißt es, dass die Zeitung Neuer in böswilliger Absicht und fälschlicherweise beschuldigt hätte, ein Lied gesungen zu haben, das eine Nähe zur  faschistischen Ustaša-Bewegung aufweisen würde.

Das einzige, das im Artikel stimme, sei die Information, dass Neuer das Lied „Lijepa li si” gesungen hat. Über das Lied schreibt der Fanklub, dass es sich um eine Fanhymne handele, die sowohl aus dem Radio als auch bei den unterschiedlichsten Anlässen aus den Lautsprechern töne.


Wir schreiben aus Überzeugung!
In Zeiten von einheitlichem Mainstream, Falschmeldungen und Hetze im Internet ist eine kritische Stimme wichtiger denn je. Ihr Beitrag stärkt die TAGESSTIMME und ermöglicht ein inhaltsvolles rechtes Gegengewicht.

 

Sie wollen ein politisches Magazin ohne Medienförderung durch die Bundesregierung? HIER gibt es das FREILICH Magazin im Abonnement: www.freilich-magazin.at/#bestellen

Weiterlesen

Kultur

Wacken Open Air: Der Metal-Ballermann findet diesmal online statt

Stefan Juritz

Veröffentlicht

am

Das „Wacken Open Air”-Festival wird in diesem Jahr als kostenloser Online-Stream über die Bühne gehen.

Wacken. – Mit jährlich 75.000 Besuchern ist das „Wacken Open Air” in Schleswig-Holstein eines der größten Metal-Festivals der Welt. Aufgrund der Corona-Pandemie musste das Festival in diesem Jahr jedoch abgesagt werden. Damit die Fans aber nicht ganz auf die diesjährige Festival-Saison verzichten müssen, haben sich die Veranstalter etwas Besonderes überlegt: „Wenn ihr nicht nach Wacken könnt, kommt Wacken eben zu euch!”, kündigten die Veranstalter an. Konkret soll das Festival diesmal von 29. Juli bis 1. August als Online-Veranstaltung stattfinden.

Auftritte: Blind Guardian, In Extremo, Kreator usw.

„Das gesamte Team hat in den letzten Wochen und Monaten mit viel Ehrgeiz und Motivation an der Umsetzung des neuen Konzepts zu Wacken World Wide gearbeitet, um ein beispielloses Gesamtpaket auf die Beine zu stellen”, sagte Festival-Mitbegründer Thomas Jensen am Donnerstag.

Bei dem Online-Festival sind Live-Auftritte von Bands wie Blind Guardian, Heaven Shall Burn, In Extremo, Kreator und Beyond The Black geplant. Nach Angaben der Veranstalter sollen die Musikgruppen in Echtzeit mit präzisem Kamera-Tracking abgefilmt und direkt in ein virtuelles Set integriert werden. Die Zuschauer will man darüber hinaus durch Mitmachprogramme und Interaktionen direkt einbinden.

Alle Konzerte werden den Ankündigungen zufolge kostenlos auf der wacken-world-wide.com sowie bei MagentaMusik 360 und MagentaTV zu sehen sein.


Wir schreiben aus Überzeugung!
In Zeiten von einheitlichem Mainstream, Falschmeldungen und Hetze im Internet ist eine kritische Stimme wichtiger denn je. Ihr Beitrag stärkt die TAGESSTIMME und ermöglicht ein inhaltsvolles rechtes Gegengewicht.

 

Sie wollen ein politisches Magazin ohne Medienförderung durch die Bundesregierung? HIER gibt es das FREILICH Magazin im Abonnement: www.freilich-magazin.at/#bestellen

Weiterlesen

Kultur

Hagia Sophia: Umwandlung in Moschee löst international Kritik aus

Monika Šimić

Veröffentlicht

am

Viele Kritiker bedauern die bevorstehende Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee und sehen dies als „provokanten Akt”.

Istanbul/Athen. – Der Gerichtsentscheid über die Umwandlung der Hagia Sophia in Istanbul in eine Moschee hat international teils heftige Kritik hervorgerufen. Die UNESCO etwa teilte mit, dass sie die Umwandlung des als Weltkulturerbe gelisteten Gebäudes bedauere. Die vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan forcierte Entscheidung sei ohne vorherige Abstimmung mit der Organisation getroffen worden, hieß es.

Heftige Kritik kommt aus Griechenland

Kritik an der Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee kam auch von der EU. Die Entscheidungen des türkischen Obersten Verwaltungsgerichts und des Präsidenten Recep Tayyip Erdogan seien „bedauerlich”, erklärte der Vizepräsident der Europäischen Kommission und EU-Außenbeauftragte, Josep Borrell. Die Hagia Sophia habe einen „starken symbolischen, historischen und universellen Wert”.

Besonders heftige Kritik übten Länder, die vom griechisch-orthodoxen Glauben geprägt sind. Griechenlands Präsidentin Katerina Sakellaropoulou wertet die geplante Umnutzung als einen „zutiefst provokanten Akt gegen die internationale Gemeinschaft”. Dieser Schritt beleidige auf „brutale Weise das historische Gedächtnis, untergräbt den Wert der Toleranz und vergiftet die Beziehungen der Türkei zur gesamten zivilisierten Welt”. Auch die griechische Kulturministerin Lina Mendoni kritisierte die Umwandlung scharf. „Es ist eine Provokation für die zivilisierte Welt”, sagte die Ministerin nach Angaben des griechischen Staatsradios. Sie warf dem türkischen Präsidenten vor, „sein Land sechs Jahrhunderte zurückzuführen”.

Wunsch nach freiem Zugang

In Russland sieht man die Umwandlung ähnlich wie in Griechenland. Wladimir Dschabarow, der stellvertretende Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des russischen Oberhauses, sagte: „Es bringt Nationen nicht zusammen, sondern bringt sie im Gegenteil zur Kollision.” Und Patriarch Kirill, Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, erklärte: „Russland ist ein Land, dessen Bevölkerung sich in der Mehrheit zur Orthodoxie bekennt, somit wird, was der Hagia Sophia widerfahren könnte, dem russischen Volk großen Schmerz zufügen.”

Die USA zeigten sich indes enttäuscht über die Entscheidung der türkischen Regierung. Eine Sprecherin des Außenministeriums in Washington appellierte an die türkische Führung, weiterhin allen Menschen einen ungehinderten Zugang zu dem Kuppelbau aus dem 6. Jahrhundert zu gewähren.

„Schritt der Türkei weg von Europa”

Österreichs Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) kritisierte die Entscheidung des Obersten Verwaltungsgerichts der Türkei ebenfalls. „Als Museum stand die Hagia Sophia Millionen Menschen aller Kulturen und Religionen offen. Die heutige Entscheidung, diesen Status aufzuheben, ist ein weiterer Schritt der Türkei weg von Europa, den wir zutiefst bedauern und nicht nachvollziehen können”, erklärte er am Freitag in einer Aussendung. Das Urteil der türkischen Gerichtsbarkeit werfe zudem die ernste Frage nach deren Unabhängigkeit auf. „Sich von der Offenheit eines historischen Bauwerkes für alle Religionen in einer derartigen Form zu verabschieden, sehen wir sehr kritisch”, betonte Schallenberg.

Die Stellung der Hagia Sophia als ehemals größter Sakralbau der Welt gehe weit über dessen architektonische Bedeutung hinaus. „Als essenzieller Bestandteil der UNESCO-Welterbestätte des historischen Istanbuls hat sie großen Symbolwert und versinnbildlicht die geschichtlichen Entwicklungen der Bosporusregion, der für die Symbiose orientalischer und europäischer Kultur steht”, so Schallenberg.

Deutsche Bischofskonferenz äußert Sorge

Wie die Nachrichtenagentur Kathpress berichtet, sieht auch die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) die jüngsten Entwicklungen um die Hagia Sophia in Istanbul mit Sorge. „Mit dem Beschluss des Obersten Verwaltungsgerichts der Türkei zum Status der Hagia Sophia und der Ankündigung von Präsident Erdogan, das Gebäude für muslimische Gebete öffnen zu wollen, scheint sich die Türkei auf den Weg einer Rückverwandlung eines ihrer großen Symbole von einem Museum in eine Moschee begeben zu haben”, sagte der Sprecher der Bischofskonferenz, Matthias Kopp, am Freitagabend.

Der türkische Präsident Receü Tayyip Erdogan kündigte indes an, dass das Gebäude allen offen stehen werde, „für Muslime und Nichtmuslime”. Der Eintritt solle gratis sein. Die Kritiker forderte er auf, die Entscheidung zu respektieren. „Wie die Hagia Sophia genutzt wird, hat etwas mit den Souveränitätsrechten der Türkei zu tun”, betonte er. Bereits Ende Juli soll die Hagia Sophia nach ihrer Umwandlung in eine Moschee mit dem Freitagsgebet eröffnet werden.


Wir schreiben aus Überzeugung!
In Zeiten von einheitlichem Mainstream, Falschmeldungen und Hetze im Internet ist eine kritische Stimme wichtiger denn je. Ihr Beitrag stärkt die TAGESSTIMME und ermöglicht ein inhaltsvolles rechtes Gegengewicht.

 

Sie wollen ein politisches Magazin ohne Medienförderung durch die Bundesregierung? HIER gibt es das FREILICH Magazin im Abonnement: www.freilich-magazin.at/#bestellen

Weiterlesen

Beliebt