Kultur

Georgstag: Von Nothelfern und Drachentötern

Bild (Statue von August Kiß in Berlin, 1855): Miriam Guterland via Wikimedia Commons [CC BY 3.0]

Der 23. April ist der Gedenktag des Hl. Georg, eines frühchristlichen Märtyrers aus Kappadokien. Der bereits im Frühmittelalter beliebte Heilige spielte eine bedeutenden Rolle bei der Bekehrung im oberdeutschen Sprachraum. Bekannt sind auch eine Sage über die Tötung eines Drachen sowie diverse Tagesbräuche. 

Georg gehört zu den Vierzehn Nothelfern, einer Gruppe von frühchristlichen Heiligen aus dem zweiten bis vierten Jahrhundert. Sowohl katholische als auch evangelische Christen verehren diese im Gebet, letztere sehen sie generell als Vorbilder im Glauben. Er gilt als Landesheiliger mehrerer Länder und Regionen wie England, Georgien oder Katalonien, dazu einiger Städte wie Genua, Barcelona oder Freiburg/Breisgau. Bis 1772 war er außerdem der Landespatron des Bundeslandes Tirol – ersetzt wurde er dort anschließend vom Hl. Josef, dessen Gedenktag am 19. März stattfindet. In ganz Europa sind dem Hl. Georg eine Vielzahl von Kirchen geweiht.

Georg, der Drachentöter

Die Sage mit dem Drachen findet besonderen Niederschlag in die Volkskultur. Volkskundliche und theologische Deutungen verstehen darunter traditionell seinen Sieg über das Heidentum. Tatsächlich wird dabei vermutet, dass einige frühe Georgskirchen auf vorchristlichen Kultplätzen errichtet wurden. So verwundert es auch kaum, dass etwa eine englische Sage die Drachentötung durch den Hl. Georg auf einen kleinen Kreidehügel direkt neben dem frühgeschichtlichen Kulturdenkmal Uffington White Horse verlegt. Im Nikolaiviertel in Berlin erinnert ein detailgetreues Standbild des schlesischen Bildhauers August Kiß (1802–1865) an die Sage.

Allerdings ist die Drachentöter‐Sage ein weltweit beliebtes Motiv in Sagen und Legenden. Ob Beowulf, Siegfried, Tristan, Herakles oder Dobrynja Nikititsch – auch in europäischen Legenden und Mythologien findet sich die Überwindung zahlreicher solcher und ähnlicher Gestalten. Möglich ist deshalb auch einfach eine Übertragung der Sage der Landbevölkerung auf „ihren” Heiligen. Ein besonderes Zeugnis der Verschmelzung christlicher und vor‐christlicher Vorstellungen findet sich im südslawischen Kulturraum. Dort gilt der Georgstag als Frühlingsfest, welches auch mit einem Notfeuer begangen wird.

Georg als Traditionsstifter

Jedenfalls gewiss ist die Sage als Ursprung des Schutzpatronats Georgs über Pferde und Reiter. In Teilen Bayerns und Salzburgs findet deshalb traditionell der Georgiritt statt. Dabei ziehen geschmückte Pferde und Wagen zum Gotteshaus – vorzugsweise eine Georgskirche. In einigen Orten wird die Kirche dabei vor dem Gottesdienst mehrfach umritten. Abgerundet wird das Brauchtum meist von Gesellschaftsspielen und Wettbewerben, sowie manchmal von historisierenden Darbietungen.

Ebenfalls mit einer regionalen Georgstradition verbindet man das Zusammenfallen mit dem jährlichen Welttag des Buches. In Katalonien war es früher Brauch, sich an diesem Tag mit Rosen und Büchern zu beschenken. Im Burgenland galt der Tag im Mittelalter als Zinstag, an diesem Tag war es außerdem Dienstboten gestattet, ihren Dienstherrn zu wechseln. Im Lechrain galt der Tag – neben dem Weißen Sonntag und der Walpurgisnacht – als eine der drei Freinächte der Ledigen. Entsprechend mussten sich die Dorfbewohner an diesem Tag besonders vor dem Unfug und Schabernack der Jugend in Acht nehmen.

 

 

 

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