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Interview

Kerbl (IB Steiermark): „Brauchen echte Meinungsvielfalt im öffentlichen Diskurs”

Redaktion

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Bild (Luca Kerbl bei "Defend Europe: Mission Alps): Luca Kerbl / Identitäre Bewegung Österreich / Defend Europe

Mit aufsehenerregenden Aktionen sorgt die Identitäre Bewegung immer wieder für Schlagzeilen, zuletzt durch eine Blockade der italienisch-französischen Grenze, um ein Zeichen gegen Masseneinwanderung zu setzen. Am 11. April fiel in Graz der Startschuss zur Kampagne „Österreich – wir müssen reden”. Im Tagesstimme-Interview erzählt Luca Kerbl, Leiter der IB Steiermark, von den Zielen der neuen Kampagne.

Tagesstimme: Herr Kerbl, im April hat die Identitäre Bewegung Österreich ihre neue Kampagne „Österreich – wir müssen reden” gestartet. Worüber müssen wir denn reden?

Luca Kerbl: Die neue Kampagne fordert zum Gespräch auf – zum Gespräch über Extremismus in Österreich. In Österreich stellen Islamismus und Linksextremismus eine immer größere Gefahr dar und dennoch wird gerne darüber geschwiegen oder man beschönigt sie. Wir wollen über diese Missstände aufklären und sie in die öffentliche Debatte bringen.

Tagesstimme: Und welche Forderungen und Ziele hat die Kampagne konkret?

Luca Kerbl: Wir wollen eine angstfreie Debatte in Österreich etablieren, damit auch Patrioten endlich ein Sprachrohr finden. Wir brauchen im öffentlichen Diskurs eine echte Meinungsvielfalt, die heute noch nicht gegeben ist. Denn das Scheitern der Integration durch den Großen Austauschs verschlimmert die Lage in Österreich jeden Tag weiter. In vielen Straßen und Vierteln sind Österreicher bereits in der Minderheit. Damit ist eine Integration, die von der Politik ständig gefordert wird, gar nicht mehr möglich – Islamismus ist nur eine der Folgen. Wir müssen über die Zukunft unseres Landes reden!

Tagesstimme: Sie haben Linksextremismus und Islamismus erwähnt. Kritiker Ihrer Bewegung bezeichnen die Identitären als „rechtsextrem”. Wie reagieren Sie auf diesen Vorwurf?

Luca Kerbl: Extremismus hat mit Gewalt zu tun. Bei der Identitären Bewegung gab es niemals irgendeine Gewalttat und wir haben immer betont, dass wir Gewalt als politisches Mittel aufs Schärfste ablehnen. Extremismus und Gewalt zeigt sich aber beim Terror von Islamisten oder bei Attacken von Linksextremen auf Patrioten.

Tagesstimme: Können Sie uns solche linksextremen Attacken nennen?

Luca Kerbl: Ja, auch in Graz gab es bereits mehrere Angriffe und Drohungen. Unter anderem sprühte man mir nachts Pfefferspray durchs Fenster in die Wohnung, nachdem ich bereits vor einem linken Szene-Lokal angegriffen wurde. Bei einigen Aktivisten wurden auch schon die Scheiben eingeschlagen und von Martin Sellner sogar das Auto in Brand gesetzt. So will man uns einschüchtern. Den Höhepunkt erreichte ein Mordversuch während einer unserer Demonstrationen. Linksextreme warfen Steine von einem Haus auf unsere Aktivisten und verletzten einen schwer. Er musste im Krankenhaus notoperiert werden und wäre fast gestorben. In den Medien wird diese Gewalt leider häufig geleugnet oder beschönigt.

Tagesstimme: Der offizielle Start der neuen Kampagne war vor zwei Wochen in Graz. Da haben Sie unter dem Titel „Identitäre Zone” eine Demonstration mit Stand in der Herrengasse angemeldet. Was hat es mit diesem Begriff auf sich?

Luca Kerbl: Wir haben unsere Veranstaltung „Identitäre Zone” genannt, weil wir den öffentlichen Raum auch für uns beanspruchen. Wir haben unser Zelt aufgebaut, einen Tisch und Sitzmöglichkeiten. Aktivisten verteilten Flyer, luden Kritiker zur Diskussion ein und es gab Redebeiträge. Wir haben viele interessante Gespräche mit allen möglichen Bürgern, Sympathisanten und auch Kritikern geführt. Eine Woche später waren wir in Wien. Dort hat die „Autonome Antifa“ dann versucht, die Gespräche bei der „identitären Zone” zu verhindern –  aber das ist ihnen nicht gelungen.

Tagesstimme: Wird es solche „identitären Zonen” auch in weiteren Städten geben? 

Luca Kerbl: Ja, am Mittwoch sind wir in Linz und wenn es wieder gut läuft, werden wir auch in andere Städte Österreichs kommen. Wir haben noch viele gute Ideen, die wir im Rahmen der Kampagne verwirklichen werden.

Tagesstimme: Wie kann man die Kampagne unterstützen?

Luca Kerbl: Man braucht sich nur bei uns zu melden, dann bekommt man Informationen, wo die nächsten Veranstaltungen stattfinden. Außerdem kann man über die Homepage „Heimatschützer” werden und unterstützt damit unsere kontinuierliche Arbeit für den Erhalt unserer Heimat.

Tagesstimme: Österreich hat jetzt eine türkis-blaue Regierung, die mit dem Anspruch angetreten ist, bei Asyl und Migration einen Wandel einzuleiten. Braucht es dann überhaupt noch die Identitäre Bewegung, die sich gegen Masseneinwanderung und Islamisierung einsetzt?

Luca Kerbl: Demokratie ist viel mehr, als nur alle fünf Jahre wählen zu gehen. Bei der ersten ÖVP-FPÖ-Regierung haben auch viele Österreicher geglaubt, dass sich nun einiges ändern werde. Doch gerade bei der Einwanderung kam es zu keiner Kurskorrektur – im Gegenteil. Es fehlte damals eine patriotische Zivilgesellschaft. Heute sind wir hier viel weiter und das ist auch ein Verdienst der Identitären Bewegung.

Tagesstimme: Vielen Dank für das interessante Gespräch!

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Interview

Scharfmüller: „Müssen der Zensur immer einen Schritt voraus sein!”

Julian Schernthaner

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ASDF Bild (Michael Scharfmüller, 2018): Privat.

Im Interview mit der Tagesstimme spricht Michael Scharfmüller, Geschäftsführer von Info-DIREKT, über die Wichtigkeit patriotischer Medien – und darüber, wieso ihn die Facebook-Sperre seines Magazins kalt lässt.

Die Tagesstimme: Mit Facebook sperrte das derzeit noch wichtigste soziale Netzwerk die Seite Ihres Magazins mit über 20.000 Fans. Was bedeutet es für ein kleines Magazin, wenn eine derart reichweitenstarke Plattform vom einen auf den nächsten Moment wegfällt?

Michael Scharfmüller: Für Info-DIREKT ist das weniger schlimm, weil wir schon lange mit einer willkürlichen Sperre gerechnet haben. Zudem müssen wir mit Info-DIREKT keine Massen erreichen. Unsere Zielgruppe ist sehr genau definiert: politisch-interessierte Patrioten, die kritisch denken und bei Diskussionen am Arbeitsplatz, im Wirtshaus, in der Familie und im Internet das Wort ergreifen. Die Frage ist, was es für eine Demokratie bedeutet, wenn Zensur stattfindet – das halte ich für viel problematischer.

Die Tagesstimme: Immer wieder kommt es dort zu Sperrungen kritischer Medienangebote, auch in Österreich ist Info-DIREKT nicht als erstes von solchen Maßnahmen betroffen. Werden sich kritische Stimmen andere Angebote suchen müssen, um ihre Botschaft abzubringen – und wie könnten diese aussehen?

Scharfmüller: Wer sich kritisch informieren will, ist auch heute nicht mehr nur auf Facebook unterwegs. Menschen unter 30 findet man zudem kaum mehr auf Facebook. Wenn wir weiterhin erfolgreich sein wollen, müssen wir der Zensur immer einen Schritt voraus sein und auch Trends rechtzeitig erkennen. Eine Rolle spielt dabei die WhatsApp-Alternative „Telegram“.

Die Tagesstimme: Besteht bei alternativen Plattformen wie „Telegram” denn nicht die Gefahr, mittelfristig nur mehr innerhalb des erweiterten eigenen Lagers wahrgenommen zu werden?

Scharfmüller: Das hängt davon ab, wie Telegram genutzt wird. Unser Telegram-Kanal dient dazu unseren Lesern Texte, kurze Kommentare und Bilder zur Verfügung zu stellen, die sie dann selbstständig in den sozialen Medien, per E‑Mail, WhatsApp und Co. weiterverbreiten können.

Aus meiner Sicht muss es erst einmal das Ziel sein, das erweiterte eigene Lager flächendeckend und regelmäßig zu erreichen. Ich lerne immer wieder Menschen kennen, die Info-DIREKT noch nicht kennen, obwohl sie zu unserer Zielgruppe gehören.

Die Tagesstimme: Ihr Magazin erreichte in den vergangenen Monaten durch provokante Berichterstattung sowie Interviews mit hochrangigen Politikern bundesweite Bekanntheit. Wie haben Sie die öffentliche Debatte um Ihr Medium erlebt?

Scharfmüller: Als verlogen und heuchlerisch, aber sehr erfreulich. Wir konnten über den Sommer unsere Bekanntheit, unser Ansehen im patriotische Lager steigern und auch jede Menge Abos verkaufen. Als provokant würde ich unsere Medienarbeit jedoch nicht bezeichnen – eher als selbstbewusst.

Die Tagesstimme: Ihnen feindlich gesonnene Akteure wie das „Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands“ unterstellen Info-DIREKT „alle wesentlichen Bestimmungsmerkmale des Rechtsextremismus“ zu bedienen. Wie kann man sich gegen derart stigmatisierende Darstellungen wehren?

Scharfmüller: Nur indem man sagt, wer das DÖW überhaupt ist – nämlich eine „kommunistische Tarnorganisation“ und eine Art „Privat-Stasi“. Das DÖW arbeitet nicht nur unwissenschaftlich, sondern auch unseriös. Die wesentliche Bestimmung für „Extremismus“ ist übrigens das Anwenden oder Gutheißen von Gewalt, um die bestehende Ordnung zu beseitigen. Somit trifft diese Zuschreibung auf Info-DIREKT nicht zu. Auf einige Antifa-Organisationen hingegen vielleicht schon …

Die Tagesstimme: Kritiker patriotischer Medien stellen diese häufig pauschal als im Vorfeld der FPÖ agierend dar. Inwiefern trifft diese Einschätzung zu?

Scharfmüller: Was Info-DIREKT betrifft, bemühen wir uns um einen guten Kontakt zu allen, relevanten patriotischen Akteuren im gesamten deutschen Kulturraum – als „Magazin für Patrioten“ ist das auch unsere Aufgabe.  Natürlich haben wir deshalb auch eine Nähe zur FPÖ. Im Unterschied zu einigen anderen Medien sind wir jedoch – außer von unseren Abonnenten – von niemanden abhängig.

Die Tagesstimme: Kümmern sich patriotische Parteien im deutschen Sprach- und Kulturraum überhaupt ausreichend um das Gedeihen tendenziell wohlgesonnener Medienangebote?

Scharfmüller: Einzelne Politiker der AfD und der FPÖ haben sicher verstanden, dass wir, um in Europa etwas verändern zu können, ein Zusammenspiel zwischen patriotischer Zivilgesellschaft, alternativer Medien und mutigen Politikern brauchen. In diesem Bereich gibt es noch viel Luft nach oben.

Die Tagesstimme: Immer wieder thematisieren Kritiker der patriotischen Publizistik auch einzelne Werbeschaltungen in Ihrem Magazin und ähnlichen Blättern. Wie ehrlich wird diese Debatte tatsächlich geführt?

Scharfmüller: Ehrlich? Bisher ist die Debatte an Verlogenheit nicht zu überbieten! In ca. 2,5 Jahren haben „rechte“ Medien insgesamt 116.000 Euro an sogenannten „Regierungsinseraten“ erhalten. Wohlgemerkt von einer Summe von über 384,5 Millionen Euro. In Prozent ausgedrückt sind das 0,03 Prozent.

Info-DIREKT hat davon 3.060 Euro, also 0,0008 Prozent der Gesamtsumme erhalten. Dass das zum Skandal gemacht wird, ist lächerlich. Dass die FPÖ patriotische Medien in ihrer Regierungszeit nicht gerechter behandelt hat, ist hingegen traurig.


Weiterlesen:

Schlag gegen patriotisches Medium: Facebook löscht „Info-DIREKT” (22.10.2019)

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Gesellschaft

Philip Stein: „Ghettoisierte” Zustände lassen weitere Teilnahme offen

Monika Šimić

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am

ASDF Bild: Inhaber des Jungeuropa-Verlages Philip Stein / Screenshot: YouTube (Klartext: Eine Absage an den Verfassungsschutz) [@03:21]

Im Interview mit der Tagesstimme erzählt Philip Stein, Inhaber des aufstrebenden patriotischen Jungeuropa-Verlags von seinen Eindrücken der Frankfurter Buchmesse und lädt zu einem Ausblick auf das Verlagsprogramm im Herbst.

Die Tagesstimme: Sehr geehrter Herr Stein! Die Frankfurter Buchmesse ist gelaufen. Heuer waren Sie als Gründer des Jungeuropa-Verlages erstmals auch Aussteller bei der international bekannten Messe. Welches Resümee ziehen Sie nach den Messetagen?

Philip Stein: Um ganz ehrlich zu sein, habe ich mir ein abschließendes Urteil noch nicht bilden können. Nachdem Götz Kubitschek und seine Mannschaft die Berichterstattung über die vergangenen Buchmessen dominierten, hat die Messeleitung dieses Jahr einen durchaus als intelligent zu bezeichnenden Weg gewählt, um derlei zu verhüten: die Positionierung rechter Verlage und Zeitungen in einer Sackgasse, fernab des üblichen Publikumsverkehrs. Wirtschaftlich und medial muss dieses „Ghetto“ ganz klar als gravierender Wettbewerbsnachteil gewertet werden.

Als junger Verlag haben wir also zu einem Zeitpunkt erstmals an der Frankfurter Buchmesse teilgenommen, an dem die Spannungskurve anscheinend an ihrem vorläufigen Ende angekommen ist. Der große Medienhype ist ausgeblieben – auch für unseren Verlag. Doch damit haben wir eigentlich auch gar nicht gerechnet.

Insgesamt hat es unserer ganzen Jungeuropa-Mannschaft sehr gut gefallen. Die Atmosphäre auf der Frankfurter Buchmesse ist trotz der linksliberalen Prägung der Branche einzigartig und faszinierend. Wir haben zahlreiche interessante Kontakte geknüpft, Übersetzer kennengelernt, Leser und zukünftige Leser getroffen – und in den Rechteabteilungen ausländischer Verlage gewildert. Ich lasse mich also doch zu einem kleinen Resümee hinreißen: Spaß hat’s gemacht!

Die Tagesstimme: Wie wichtig ist es für junge und vor allem für rechte Verlage, sich auf einer so großen Messe wie jener in Frankfurt zu präsentieren? Die entscheidende Frage lautet hier vermutlich: Ist eine Präsenz um der Präsenz willen sinnvoll und vor allem notwendig?

Stein: Ich kann diese Frage noch nicht abschließend beantworten. Wenn ich die Aussagen der durchaus zahlreichen Standbesucher – „normale“ Messebesucher eingeschlossen – Revue passieren lasse, so muss die eingangs erwähnte Frage mit einem klaren Ja beantwortet werden. Zuspruch, Empörung über das Verhalten der Messeleitung und der Wunsch, auch nächstes Jahr wieder auszustellen, dominierten die Gespräche. Unsere Hartnäckigkeit und unser Durchhaltevermögen werden also definitiv wahrgenommen und honoriert.

Andererseits sind mit einer solchen Messe, vor allem der Frankfurter Buchmesse, natürlich immense Kosten verbunden. Von der „verlorenen“ Arbeitszeit gar nicht zu sprechen. Ob eine zukünftige Teilnahme unter den „ghettoisierten“ Zuständen sinnvoll ist, wird ein interner Diskussionsprozess ergeben.

Die Tagesstimme: Möchten Sie auch im kommenden Jahr bei der Frankfurter Buchmesse beziehungsweise bei anderen Messen wie jener in Leipzig ausstellen?

Stein: Als Verleger werde ich definitiv teilnehmen. Ob wir jedoch wieder einen Messestand anmelden, steht derzeit noch nicht fest. Es gibt verschiedene Ideen. In den nächsten Wochen wissen wir mehr.

Die Tagesstimme: Neben dem Jungeuropa-Verlag war auch Götz Kubitschek mit dem Antaios Verlag – jedoch nicht zum ersten Mal – Aussteller bei der Frankfurter Buchmesse. Wie in sozialen Medien und später auch in Berichterstattungen etablierter Medien zu lesen war, kam es dort wegen eines freien Journalisten, der unter anderem für „Jungle World” schrieb, sogar zu einem Polizeieinsatz. Haben Sie etwas von diesen Szenen mitbekommen?

Stein: Wissen Sie, im Grunde genommen ist es doch immer das gleiche Spiel: „Journalisten“, die wir in diesem Fall wohl besser als Fotografen mit denunziatorischen Absichten beschreiben, fertigen widerrechtlich Portraitaufnahmen sämtlicher Besucher, Diskussionspartner und Mitarbeiter an. Später finden sich diese Aufnahmen dann auf Internetseiten ohne Impressum. Die Gesinnungsfahndung beginnt.

Herr Tobias Bezler, der seit Jahren unter dem Pseudonym Robert Andreasch agiert, versuchte am Samstag der Buchmesse, Mitarbeiter und Besucher an unserem Messestand zu fotografieren. In einer kaum erträglichen, larmoyanten Art beschwerte er sich fast durchgehend bei der Polizei, „die“ Rechten würden immer vor seiner Linse stehen, wenn er gerade wieder abdrücken will. Eine eigentlich wirklich bedauernswerte Gestalt.

Der „Polizeieinsatz“, den Sie ansprechen, ereignete sich in meiner Abwesenheit. Hier war es, soweit ich das mitbekommen habe, Herr „Jonas Fedders“, der sich über die vermeintliche Behinderung seiner Arbeit beschwerte. Natürlich ähnlich larmoyant, ähnlich empört über einen Polizisten, der ausnahmsweise geltendes Recht durchsetzte.

Die Tagesstimme: Nach der Buchmesse geht der Betrieb in Ihrem Verlag vermutlich ganz normal weiter. Verraten Sie unseren Lesern, ob es vielleicht schon bald neuen Lesestoff aus Ihrem Hause geben wird?

Stein: Den wird es selbstverständlich geben – und zwar im November. Unsere Leser können sich auf ein Venner-Doppelpack freuen. Zum einen wird es eine erweiterte und korrigierte Neuauflage von „Für eine positive Kritik“ geben – d.h. ergänzt um ein aktuelles Nachwort von Benedikt Kaiser, drei erstmals übersetzte, ergänzende Texte von Venner sowie einige seiner privaten Briefe.

Zum anderen haben wir „Was ist Nationalismus?“, eine prägende Ausgabe von Venners legendärer Zeitschrift EuropeAction, erstmals ins Deutsche übersetzen lassen. Das sehr persönliche Vorwort steuert hier Alain de Benoist bei. Beide Bücher werden etwas günstiger im Doppelpack zu haben sein und können gewissermaßen als „Schwesterbände“ bezeichnet werden.

Im kommenden Jahr folgen dann spannende Übersetzungen aus der Türkei, der Ukraine und ein ganz besonderer Kracher: Alain de Benoists aktuellstes Werk, „Gegen den Liberalismus“. Wir haben uns die Rechte exklusiv gesichert. Es wird spannend, kontrovers und wohltuend grundsätzlich.

Die Tagesstimme: Vielen Dank für das Gespräch!

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Interview

Sellner: „Die Nutzung digitaler Plattformen muss ein Grundrecht werden!”

Julian Schernthaner

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ASDF Bild: Ehem. Facebook-Seite Martin Sellner

Im Interview mit der Tagesstimme spricht der patriotische YouTuber, Aktivist und Leiter der Identitären Bewegung Österreich (IBÖ), Martin Sellner, über Meinungsfreiheit, die lebendige Kultur Europas und den Zustand seiner Bewegung.

Die Tagesstimme: Sehr geehrter Herr Sellner, nachdem Sie eine Hausdurchsuchung während Ihres Urlaubs in Osttirol überraschte, löschte YouTube Ihren Kanal ausgerechnet, als Sie sich gerade auf dem Weg in Ihre Flitterwochen befanden. Wie nervenaufreibend ist das Wissen, dass man als Aktivist und Systemkritiker seine Ruhephasen nie wirklich planen kann?

Martin Sellner: Es ist natürlich etwas mühsam und auf Dauer zehrend, dafür ist unser Leben nicht langweilig! Ich wollte mein Leben immer so leben, dass ich, würde ich es als Film sehen, nicht wegklicken würde. Das ist derzeit der Fall. Ich bin immer gespannt, was als nächstes passiert, und wie es weitergeht.

Die Tagesstimme: Die Löschung Ihres YouTube-Kanals mit über 100.000 war nicht die erste in jüngerer Vergangenheit, die einen patriotischen Kommentator betraf. Was bedeuten diese Schläge gegen kritische Stimmen für die demokratische Willens- und Meinungsbildung?

Sellner: Es sind enorme Attacken, die uns auch vom Wesentlichen ablenken. Meine letzten Videos zB beschäftigten sich zu einem guten Teil mit den Sperren von mir und Niki [Kanal „Neverforgetniki” von Niklas Lotz, Anm. d. Red.], einem anderen betroffenen Youtuber. Damit geht der Fokus von den wichtigen Themen verloren und man gerät in die Defensive. Die ständigen Einschnitte in den patriotischen Diskurs verzerren auch die gesamtgesellschaftliche Debatte und sabotieren die Demokratie.

Die Tagesstimme: Ihr Kanal wurde nach einem Einspruch und anwaltlichem Beistand wiederhergestellt. Welche weiteren Schritte planen Sie gegen YouTube – oder ist durch die zweite erfolgreiche Wiederherstellung nach „Neverforgetniki” die Gefahr für patriotisch-kritische Stimmen auf der Plattform vorerst gebannt?

Sellner: Nein, die Gefahr besteht immer. Youtube ist komplett unvorhersehbar, die Regeln sind nicht nachvollziehbar und der Konzern fühlt sich keiner Rechenschaft schuldig. Das betrifft alle großen Plattformen. Damit sind Youtube, Facebook, Twitter und Co. wie eine feindliche Matrix, die sich jederzeit gegen uns richten kann.

Die Tagesstimme: Befürworter derartiger Sperrungen verweisen regelmäßig auf das Recht privater Firmen, eigene Geschäftsbedingungen durchzusetzen. Inwiefern irrt diese Ansichtsweise bei Angeboten wie Facebook, YouTube, usw.?

Sellner: Genauso absurd wäre es wenn einem ein Telefonanbieter den Vertrag kündigen würde, weil man sich im Gespräch positiv über die AfD äußert. Wenn ein Unternehmen eine globale Monopolstellung hat und zu einer unumgänglichen Bedingung für erfolgreiche digitale Kommunikation geworden ist, dann greift die privatrechtliche Vertragsfreiheit nicht mehr.

Die großen digitalen Plattformen zu nutzen, muss im Rahmen der Strafgesetze ein Grundrecht werden, ebenso wie man öffentliche Verkehrsmittel benutzen darf und ein Recht auf ein Bankkonto hat.

Die Tagesstimme: Was schreiben Sie linken und bürgerlichen Personen ins Stammbuch, welche sich über Sperrungen rechter Akteure auf sozialen Netzwerken – wie in Ihrem Fall, mitunter vorschnell – freuen?

Sellner: Ihnen könnte das Lachen noch im Halse stecken bleiben. Ich werde alles dafür tun, dass Rechte, wenn sie eines Tages politische Macht innehaben sollten, nicht so verlogen, totalitär und heuchlerisch agieren werden.

Die Tagesstimme: Sie haben für Ihre Hochzeitsreise die italienische Hauptstadt Rom auserkoren. Welchen Symbolwert hat die ‚ewige Stadt’ für einen Liebhaber europäischer Kultur, insbesondere für einen Katholiken?

Sellner: Rom ist eines der Herzen Europas. Hier sieht man was Europa wirklich ist: kein Vertrag, kein Bündel an abstrakten „Werten”, sondern greifbare, konkrete Tradition. Es ist lebendige Geschichte, heidnische Antike, christliches Mittelalter und die Moderne. All das sieht und erlebt man in Rom: dass Europa lebendig ist.

Die Tagesstimme: Sie haben sich für die Ehe – und eigenen Aussagen zufolge auch für die Gründung einer Familie – entschieden. Viele Menschen, auch im patriotischen Lager, zweifeln, ob es in turbulenten Zeiten überhaupt noch angebracht sei, diesen Weg zu gehen. Welche aufmunternden Worte geben Sie diesen Menschen mit?

Sellner: Ich würde sie fragen, wer denn ein Interesse daran hat, dass sie so denken und sich im schlimmsten Fall das Wichtigste im Leben, eine unwiederbringliche Chance, rauben lassen. Gerade und ausgerechnet jetzt müssen wir trotzdem ‚Ja zum Leben’ sagen und das bedeutet in letzter Konsequenz ‚Ja zur Familie’.

Die Tagesstimme: Sie sind Leiter der österreichischen Identitären. In den letzten Monaten war die Identitäre Bewegung nicht mehr aufgrund ihres Aktionismus, sondern nur noch wegen Razzien, Gerichtsverfahren oder Ähnlichem in den Medien. Wird die IB diesen Druck überstehen?

Sellner: Selbstverständlich. Druck schafft Diamanten und der erwünschte Effekt der Repression, die soziale Isolation, ein Verlust der Unterstützer und Wegfall der Aktivisten, traten trotz schwersten Geschützen nicht ein. Im Gegenteil: die IB ist bekannter denn je und zum Faktor der Innenpolitik geworden.

Die Tagesstimme: Man muss jedoch festhalten, dass die IB nicht mehr so stark mobilisieren kann wie noch 2015/2016 während der Hochphase der Asylkrise. Hat die IB vielleicht ihren Zenit überschritten – und hat der Aktivismus der vergangenen Jahre überhaupt etwas im Land ändern können?

Sellner: Selbstverständlich. Der metapolitische Posten der IB erzeugt immer wieder nötige, erfrischende Dissonanzen im Propagandachor der linken Globalisten. Die IB hat durch ihren sichtbaren Widerstand, dem metapolitischen Linksruck die Stirn geboten und eine ganze Generation junger Patrioten geprägt und gebildet. Solange die IB existiert, ist die Frage nach dem Bevölkerungsaustausch präsent. Das ist der Grund für die bisher erfolglose Vernichtungskampagne, die seit April 2018 ununterbrochen läuft.

Selbstverständlich hat sich die IB in ihrem Auftreten an diesen Zustand angepasst und fokussiert ihre Kräfte auf die Abwehr der wöchentlichen Angriffswellen. Doch das sind keine Mobilisierungsprobleme, kein öffentliches Desinteresse oder Passivität der Aktivisten. Es ist ein Zeichen unserer metapolitischen Bedeutung, unserer Wirksamkeit und der Nervosität der Antidemokraten. Sie sind zurecht nervös, denn wir werden uns weiter friedlich für eine offene Debatte einsetzen und ein Faktor bleiben, mit dem man rechnen muss.

Die Tagesstimme: Vielen Dank für das Gespräch!

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