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Meinung

Wahlanalyse: „Grüne müssen sich neu positionieren”

Julian Schernthaner

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Wenn die Grünen am 5. Mai zu ihrem "Neubeginn" laden, wird Bundessprecher Werner Kogler die Zeichen der jüngsten Wahlergebnisse richtig lesen müssen. Bild (Werner Kogler 2013): Manfred Werner - Tsui via Wikimedia Commons [CC BY-SA 3.0

Der vergangene Wahlsonntag brachte für die Grünen zwei höchst unterschiedliche Ergebnisse – einen klaren Sieg in Innsbruck und eine beinahe historische Schlappe in Salzburg. Die Ursachen sind sinnbildlich für die Richtungssuche der Partei. 

Kommentar von Julian Schernthaner

Himmelhoch jauchzend – zu Tode betrübt. So in etwa könnte man die Feierlaune der grünen Fraktion in Innsbruck der Katerstimmung ihrer Gesinnungsfreunde im Bundesland Salzburg gegenüberstellen. In Salzburg wurden die Grünen nach dem Rekordergebnis beim vorherigen Urnengang regelrecht dezimiert (minus 11,1 Prozent) und verlieren einen weiteren Bundesrat. Die angestrebte Fortsetzung der Koalition mit der ÖVP ist rechnerisch außer Reichweite. In der Tiroler Landeshauptstadt holte man den ersten Platz, brachte seinen Bürgermeisterkandidaten souverän in die Stichwahl und trotzt seit über einem Jahr erstmals dem bundesweiten Trend.

Vieles richtig gemacht in Innsbruck…

Die Väter des überzeugenden Wahlsiegs des für grüne Verhältnisse als bürgerlich geltenden und über die Parteigrenzen beliebten Willi sind schnell erklärt. Er vermochte es, die Grünen als urbane Partei der Angebote zu vermarkten. Mit einem Container am zentralen Marktplatz gab man sich betont bürgernah, Stadtpolitik zum Angreifen. Die den Tirolern so wichtigen Themen Nachhaltigkeit und Transparenz vermittelte man durch plastikfreie Plakate und eine Offenlegung der Wahlkampfkosten noch vor dem Wahltag.  Zur Werbung setzte man mit dem #Innstream erstmals großspurig auf die Möglichkeiten sozialer Medien und schaffte es, sich in der stark von Studenten geprägten Stadt als jugendlich darzustellen. Man traf den Zahn der Zeit – und konnte durch die gebotene Themenbreite auch die Stammwählerschaft bei Laune halten. Sein „grüner Weg der Mitte” landete punktgenau in der Mitte der Gesellschaft.

Auch die Frustration vieler Innsbrucker über etliche Baustellen für das Regionalbahn-Projekt umschiffte er elegant. Mit dem langjährigen Obmann der Arbeitsgemeinschaft Innsbrucker Nahverkehr (AIN), Manni Schneiderbauer, erarbeitete er ein umfassendes Mobilitätskonzept. Der verstandene Tenor: hier entsteht etwas, was die Stadt voranbringt. Mit dem Thema leistbares Wohnen setzte er auf eines der Grundthemen der teuersten Stadt Österreichs. Für einen vermeintlich populistischen Sager in diesem Zusammenhang erntete er einen prominenten Parteiaustritt – Die Tagesstimme berichtete – und Pluspunkte bei den Wählern. Die logische Konsequenz: abgestraft für eine stellenweise bescheidene Bilanz wurden die übrigen drei Parteien der Stadtkoalition. Die SPÖ, bei der Nationalratswahl im Herbst noch stärkste Fraktion in Innsbruck, kam sogar nur auf den fünften Platz, weil das „linke Wählerpotential” nun durch die Bank grün wählte.

…und beinahe alles falsch in Salzburg

Ganz anders in Salzburg. Erfolglos versuchte man mit Sujets zur Stärkung des ländlichen Raums im Innergebirg Fuß zu fassen. Gleichzeitig traf die große Unzufriedenheit über „Tempo 80” im angestammten städtischen Milieu die bisherige Vizelandeschefin Astrid Rössler mit voller Breitseite. Und zwar, obwohl – oder gerade, weil – sie sich im Wahlkampf als „keine Politikerin” darstellte. Was für Bürgernähe und Handschlagqualität stehen sollte, wirkte belehrend, abgehoben und disqualifizierend. Zu guter Letzt warb man wenig glaubwürdig mit dem Heimatbegriff. Was noch vor anderthalb Jahren als frischer Impuls schlechthin für den Präsidentschaftswahlkampf wahrgenommen wurde, wirkte im Frühjahr 2018 wie eine abgedroschene Alibiaktion in der Not.

Insgesamt versuchten sie es mit alten Mitteln und wurden je nach Themenkomplex von den Wahlgewinnern zerrieben. Den Ruf als unangenehme, urbane Partei konnten die NEOS für sich beanspruchen. Der bäuerlich-ländliche Raum jenseits des Pass Lueg wurde zum Grundstein für den Erdrutschsieg der Volkspartei. Selbst der schärfste Ausritt gegenüber den Freiheitlichen blieb diesmal einem pinken Politiker vorbehalten. In sozialen Medien versuchte man sich indes als Gegenpol darzustellen und bewarb kulturelles Programm. Dies wirkte aber altbacken, elitär und wenig authentisch. Wer sich im digitalen Zeitalter als jung, dynamisch und unangenehm positionieren möchte, muss sich auch dementsprechend präsentieren.

Grüne müssen sich neu positionieren

Wie Patrick Lenart bereits angesichts der Kärnten-Wahl im März in einem Gastbeitrag bilanzierte: die Grünen haben eigentlich den Anspruch „anders” zu sein. Erarbeitet haben sie sich in den vergangenen Jahren aber den Ruf einer Vernaderer- und Verbotspartei. Das Klientel ist anspruchsvoll – und entsprechend müssen sie sich ins Zeug legen. Wenn sie sich als authentische und dynamische Aufklärungs- und Umweltpartei präsentieren, die um Transparenz, Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit bemüht ist, werden sie auch Wahlerfolge feiern.

In Innsbruck ist dies gelungen – es könnte durchaus ein Impuls zur Wiederbelebung der Grünen sein. Selbst im Vergleich zur Landtagswahl vor weniger als zwei Monaten lernte die Partei dort dazu und konnte den Staub des „umgefallenen Juniorpartners” in der Zentralstadt des Landes schlagartig ablegen. Wenn sich die Grünen an den Zeichen dieses Wahlerfolgs orientieren, werden sie auch weiterhin eine wichtige Rolle in der Innenpolitik des Landes spielen und vermutlich auch bei der nächsten Nationalratswahl ins Hohe Haus einziehen. Entscheidend ist beim grünen Brainstorming („Zukunft gestalten”) am 5. Mai in Linz also auch, welche Lehren die Parteibasis aus den jüngsten Ergebnissen zieht.

Menschen mögen keine Verbote und „Heimathasser”

Dort, wo sie abgehoben und mit Verboten agieren, werden sie nämlich auch weiterhin an Beliebtheit einbüßen. Wenn sie weiterhin versuchen, anderen Menschen ein authentisches Heimatverständnis abzusprechen, werden sich die Wähler auch in den verwandten Themenfeldern Umwelt und Natur anderen Angeboten zuwenden. Die Werbung mit dem Heimatthema nehmen die Wähler ohnehin nur den bürgerlichen Ausläufern des Spektrums ab. Den Schmäh mit der Ausgrenzung haben die Menschen tausendmal gehört – er zieht nicht mehr. Egal ob er in Ansätzen berechtigt erscheinen mag.

Das Thema funktioniert bei dem aus einem naturnahen Bergtal stammenden van der Bellen. Es funktioniert auch beim „netten Grünen aus dem Kirchenchor”, wie der Standard Willi einst bezeichnete. Bei der kurzhaarigen Städterin Rössler wirkt es hingegen wenig authentisch und sorgt bestenfalls für ein müdes Schmunzeln. Auch weiterhin pflegen einige Grünfunktionäre ein schwieriges Verhältnis zur eigenen Heimat, und das ist dem Wähler nicht entgangen. Wer darauf setzt, muss sich seiner Sache gewiss sein – halbe Sachen sind in der Politik nicht glaubwürdig. Der neue Bundessprecher Werner Kogler sollte sich dieser Weisheit bewusst sein. Er hat die (un-)dankbare Aufgabe, die Partei auf ihre Kernkompetenzen zu verweisen, welche ihr einst zum Höhenflug verhalfen.

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Gesellschaft

Wort zum Sonntag: Wer glaubt, lebt länger

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ASDF Symbolbild (CC0)

Studien belegen: Je häufiger der Gang in die Kirche, umso länger das Leben. Der regelmäßige Besuch von Gottesdiensten scheint mit zusätzlichen Lebensjahren belohnt zu werden. Er schützt vor kardiovaskulären Erkrankungen als auch vor Krebs.

Kolumne von Raphanus

Forscher fanden heraus, dass regelmäßige Kirchgänger 27 Prozent geringer von kardiovaskulär bedingten und 21 Prozent geringer von krebsverursachten Todesfällen betroffen sind. Gleichzeitig wiesen sie aber bei Menschen, die nichts von Gottesdiensten hielten, eine höhere Sterberate nach (hier zum Bericht der Ärzte Zeitung).

Religiöse Beteiligung und Lebensdauer

Eine andere Studie zum selben Thema kam zum Ergebnis, dass religiöse Menschen um 5,64 Jahre länger als Nichtgläubige lebten. Der Forscher Baldwin Way ist sich sicher: „Die Studie liefert überzeugende Beweise, dass es eine Beziehung zwischen religiöser Beteiligung und der Lebensdauer eines Menschen gibt.“

Wissenschaftler vermuten, dass der starke Zusammenhalt in religiösen Gemeinschaften die psychosoziale Resilienz erhöht und einen günstigen Einfluss auf die Lebensweise ausübt, da stark gesundheitsschädliches Verhalten bei frommen Menschen eher weniger zu erwarten sei.

Theologe sieht Studien kritisch

Der katholische Theologe Manfred Lütz hält aber nichts von Studien, wonach religiöse und betende Menschen länger leben. „Stellen Sie sich vor, bei der Studie wäre herausgekommen, wer betet, lebt kürzer. Würden Sie dann nicht mehr beten?“, so seine Frage, bei der er gleichzeitig vor einem Trend der „Gesundheit als Religion“ warnte.

Ob Beten zum längeren oder zum kürzeren Leben führt, sei völlig egal“, so der Theologe. „Wir sind nicht Christen, weil wir gesund sein wollen, sondern beten, um unsere Beziehung zu Gott erhalten“. Lütz wies weiter darauf hin, dass Jesus bereits mit 33 Jahren am Kreuz gestorben ist. „Das war nicht besonders gesund.“

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Kultur

ORF-Themenabend: Ein wenig Kontroverse und ganz viel Hegemonie

Julian Schernthaner

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ASDF Im Bild: der Campingbus in dem die Kandidaten und Hanno Settele zu Plätzen reisen an denen sie ihre Ansichten auf den Prüfstand stellen müssen. Fotocredit: ORF/Neulandfilm [honorarfrei bei Programmberichterstattung / redaktioneller Berichterstattung zu Sendung]

Am Donnerstag hielt der öffentlich-rechtliche ORF einen Themenabend ab, welcher sich mit der Links-Rechts-Dichotomie beschäftigte. Ein gewagtes Format – das allerdings nur teilweise hielt, was es versprach.

Nachbetrachtung von Julian Schernthaner.

Eigentlich schien es wie angemacht für das pikanteste Format, welches der verstaubte ORF seit Jahren präsentierte. Starjournalist Hanno Settele, bekannt dafür, kontroverse Sichtweisen aufeinanderprallen zu lassen und beiden Seiten eine Stimme zu geben, zerrte einen Rechtsintellektuellen und eine prononcierte Linke in einen Campingbus und chauffierte sie quer durch die Alpenrepublik. Die Kontroverse blieb nicht aus – die Überraschung schon.

Die ‚Linke’ will das Gespräch plötzlich verweigern

Dabei hatte alles so gut angefangen: Unsere beiden Gäste, die – in diesen Zeiten kaum zu glauben – zuvor wenig voneinander wussten, bauten ganz harmonisch gemeinsam einen Hocker zusammen. Aber dann googelte die Veronika, später darauf bedacht vom Gegenüber samt Nachnamens gesiezt zu werden, ihren Kontrahenten und fiel aus allen Wolken. Jössas na, der Mensch ist nicht einfach Autor, Verleger und Straches Ex-Pressesprecher. Nein, er publizierte sogar schon in der Sezession!

In einer Mischung aus Schockstarre, peinlicher Schnappatmung und Ekel will Bohrn-Mena jetzt einfach nur weg: „Nachdem ich jetzt weiß, in was für einem Feld er sich bewegt, wo er publizistisch tätig ist, mit welchen Menschen er zusammenarbeitet, kann ich nur sagen, dass er ideologisch ganz, ganz tief in der Neuen Rechten und im Rechtsextremismus verhaftet ist.” Und anstatt dieses linke Narrativ angesichts des offenbar doch nicht so bösen Rechten im Raum anzuzweifeln, geht ihr das „einfach zu weit”.

…und der ‚Rechte’ sucht den Dialog umso mehr

Ihre Furcht, ihrem Gegenüber überhaupt „eine Bühne zu geben”, erreicht die Freude von Konrad Weiß. Treffend stellt er fest: Sie ziehe „diesen ganzen ‚Kampf gegen rechts’ in die Sendung” hinein: „Nein, der ist böse, nein, das will ich nicht”. Dabei zeige sich das „ganze Problem ‚in a Nutshell’ „: Eine Ausgrenzung nach dem Muster Gut und Böse, er stellt einen „anderen Zugang”, und zwar den des Dialogs und Gedankenaustausches, entgegen.

Dann spielt Settele für den ORF erstmals zu düsterer Musik den Erklärbar – und zwar zur Sezession. Diese sei das „publizistische Zentralorgan der Neuen Rechten”, wer dort publiziere, und sei es nur als Gastautor wie Weiß, stünde „weit rechts”. Nur unter der Bedingung, dass er das Thema „Bevölkerungsaustausch” ausspare, will Bohrn-Mena weitermachen. Eine „Selbstzensurierung”, der Weiß nichts abgewinnen kann. Gleichzeitig für ihn auch Zeichen jener „linken Arroganz”, aufgrund der er mitmache.

ORF spielt Deutungsmacht aus

Wer nach diesen heißen sechs Minuten dachte, in diesem Takt würde es weitergehen, wurde leider bitter enttäuscht. Mal sitzt Weiß vorne, mal sitzt Bohrn-Mena vorne. Während sie immer wieder die Sozialpolitik ins Gespräch bringt und auch die linke ‚Kontaminationsangst’ vor allem Rechten einen zweiten Anlauf kriegt, erklärt er die Migrationsfrage zur Mutter aller Probleme. Die einzige Schnittmenge ergibt sich bei der Frage nach der Anrechnung der Kinderbetreuungszeiten – aus verschiedenen Gründen. Und, dass Weiß in einer Moschee mehr über fremde Kulturen lernen will, um die eigene besser zu verstehen, lässt linke Augen leuchten.

Der Großteil entfaltet sich aber an Grundsatzdebatten. Nicht, dass es die Akteure nicht versuchen. Ab und an gelingt es Weiß, einen Stich zu setzen: Er erinnert an die hohe Kriminalitätsrate von Zuwanderern, an die mangelnde Neutralität des ORF und seiner Expertenauswahl. Aber immer, wenn er seine Mitinsassin in die Bredouille zu bringen scheint, fährt ihm der Sender in die Parade. Seine Zahlen und Aussagen bekommen stets einen Faktencheck, welcher ihn anzweifelt. Bei Bohrn-Mena entfällt dieser hingegen. Sie darf auch bei jedem Thema im Zusammenschnitt das letzte Wort, also quasi den ‚Küchenzuruf’, haben.

Erwartbare Rollenverteilung

So ist es erstaunlich, dass der erfrischendste Teil die Analysen einer Politologin in Wien sind, welche die Doku immer wieder einstreut. Mit erstaunlich neutraler Präzision erklärt sie die Lager und deren Gräben, begibt sich auch auf die Metaebene. Einzig die Feststellung, dass es auch ein drittes, liberales Lager gibt, welches mal nach links, mal nach rechts ausschert und die Wirtschaftspolitik eigentlich jeder Mitte-Links- und Mitte-Rechts-Regierung der letzten Jahrzehnte bildete, spart sie aus.

Am Ende bleiben vierzig kurzweilige, aber erwartbare Minuten: Eine Linke, welche abwechselnd die ewig gleichen Phrasen im Gut-Böse-Schema drischt und ihr altlinkes Hausthema der sozialen Gerechtigkeit fährt. Ein Rechter, dem man ansieht, dass er intellektuell weit mehr drauf hat, als das Regierungsprogramm der gesprengten türkis-blauen Koalition runterzubeten. Und ein ORF-Schnitt, der dies zu verhindern weiß, indem er das Migrationsthema noch mehr als Weiß’ privates Steckenpferd hinstellt, als es selbst dem wie ein Lebenscoach wirkenden Settele geheuer scheint. Immerhin sahen beide Teilnehmer das Experiment danach als Mehrwert.

Talkrunde: Normalos gegen gackernde Feministinnen

Die endgültige Entlarvung, dass es dem ORF nicht um äquidistante Standortbestimmung ging, zeigte aber die folgende Diskussion. Auf der einen Seite werfen zwei radikale, prononciert linke Verfechterinnen der politischen Korrektheit mit sprachpolizeilichen Vorstellungen umher. Ihnen gegenüber sitzen keine genuinen Rechten, sondern ein etwas verschrobener, eher linker Buchautor, der halt keine Sprechverbote mag. Und der grandiose, Ex-Linke Efgani Dönmez, der in keine Schublade passt.

Am Ende ist es auch diese Einladungspolitik, welche die eigentlich beworbene Links-Rechts-Frage nicht wirklich aufkommen lässt. Es wird auch keine Diskurshoheit besprochen, geschweige denn infrage gestellt. Am ehesten noch versuchen zwei Normaldenkende recht souverän, die wirren Utopien zweier Getriebener zu parieren. Am Ende bleibt für den gewogenen Seher einzig jene Feststellung, dass weit links stehende Gäste nicht nur Positionen haben, die in der Bevölkerung kaum Anklang finden, sondern auch jede Gelegenheit zur grotesken Selbstentblößung suchen.


Weiterlesen:

ORF bringt politischen Themenabend zum Thema ‚Rechts gegen Links’ (19.9.2019)

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Meinung

Kolumne: „Niemand hat die Absicht, eine Gesinnungsdiktatur zu errichten!”

Julian Schernthaner

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ASDF Betreibt gefährliche Macht-Spiele mit Grundrechten gegen inhaltlich nicht allzu ferne Unliebsame: Altkanzler Sebastian Kurz (ÖVP). Bild (Kurz 2016): Dragan tatic / Rat Brüssel via Flickr [CC BY 2.0] (Bild zugeschnitten)

In den vergangenen Tagen gab sich mehrfach der Anlass, sich über die totalitär anmutenden Ansichten und Absichten verschiedener Akteure im Widerschein imaginierter All-Macht zu wundern.

Kolumne von Julian Schernthaner.

Die Kaiserstadt Wien in ihrer stolzen Geschichte hat viel Freud und Größe, aber auch viel Leid erlebt. Als wäre es ein Wink des Schicksals, fußen beide aktuellen Debatten über den Wunsch nach Unterdrückung unliebsamer, vermeintlich böser rechter Gedankengänge auf Geschehnissen in der Donaumetropole. Und doch sind sie beide grundverschieden.

Düsteres Diktat über Gesellschaftsbilder…

Bereits am Donnerstag trug sich das Konzert des deutschen Haltungsbarden Herbert Grönemeyer in der ausverkauften Wiener Stadthalle zu. Unter tosendem Applaus grölte der deutsche Musiker, man müsse im ‚Kampf gegen Rechts’ mehr Engagement zeigen und in diesem Zusammenhang „diktieren, wie eine Gesellschaft auszusehen hat”. Mehr brauchte es nicht, und die Stadthalle wurde zum Sportpalast. Links und rechts purzelten die Nazi-Vergleiche, in der Hoffnung, einige Meter zu machen.

Verkennend, dass man damit exakt das linke Narrativ befeuert, dass jede Form totalitärer Haltung originär ‚rechts’ sei. Verkennend, dass ein Musiker jenseits seines Zenits mit bourgeoisem Publikum wohl niemandem etwas diktiert, der davon nicht ohnehin überzeugt ist. Ebenso verkennend, dass Kulturschaffende für exponierte Äußerungen wie für Andienung an den Zeitgeist gleichermaßen schon immer bekannt sind. Ähnlich wie viele Journalisten sind sie frei nach Nietzsche ein Sklave von Moment, Meinung und Moden. Es überrascht also so sehr wie der Donner nach dem Blitze.

…und Wohlfühl-Eingriffe in Grundrechte

Ein ganz anderes Kaliber ist da schon das wohlig-staatsmännisch angedachte Ansinnen der ÖVP, tatsächlich für billige Punkte im Wahlkampf das Grundrecht der Vereinsfreiheit zu beschneiden. Denn völlig inhaltsleer versucht Kurz ‚von oben’ in die freie Meinungs- und Willensbildung einzugreifen. Seine Verbotsfantasien zielen dabei nicht etwa auf linksextreme Krawallbrüder, welche regelmäßig Andersdenkende angreifen. Und sie reiten auch nur als zahnloser Tiger, als Zuckerbrot für Kritiker, gegen islamistische Möchtegern-Kopfabschneider aus.

Der Anlass für diese überbordenden Überlegungen ist eine programmatisch gewaltfreie, von Freispruch zu Freispruch eilende, patriotische Protestbewegung. Was an dieser „widerlich” sein soll und sich gegen die „demokratische Grundordnung” richten soll, ist der Volkspartei wohl selbst nicht einmal bekannt. Denn angesichts dessen, dass sich Ideologie und Vokabular in allen Schnittbereichen mit den eigenen Positionen deckt, müsste die Altkanzlerpartei eigentlich, rein aus inhaltlicher Sicht, ihre Selbstauflösung bekannt geben.

Eine Anklage erstickt im schwiegenden Keim

Wie weitreichend die Deckungsgleiche hier ist, stellte diese Woche nämlich eine Studie des patriotischen Freilich-Magazins heraus – Die Tagesstimme berichtete im Gegensatz zu etablierten Leitmedien. Denn dort geben sich im vorliegenden Fall inhaltliche und personelle Torwächter die Klinke in die Hand. Denn einerseits sind Recherchen von patriotischen Quellen für die Inhaber der medialen Hegemonie sowieso pfui Teufel. Und das drohende Verbot einer ihnen nicht genehmen Gruppierung ist halt insbesondere ein Kollateralschaden, welcher eisernes Schweigen rechtzufertigen scheint.

Sie schweigen im Wahlkampf darüber, dass eine Partei die Forderungen einer Gruppe übernahm, welcher sie nun mit der Heckenschere den Garaus machen will. Anstatt diese eierlegende Wollmilchsau des zweischneidigen Schwertes zu nutzen, akzeptieren sie die Monopolisierung eines brennende Themas unter maximaler Repression gegen seine Avantgarde. Die Dauerempörten spenden tosend Applaus, ihr J’accuse bleibt ihnen wohlgefällig im Hals stecken. Wenn überhaupt fürchten sie, dass das Gesetz in herzig-österreichischer Schlamperei auch ihren eigenen Dunstkreis trifft.

Öffentliche Schweigespirale schafft Machtposition…

Und genau das ist das eigentlich Gefährliche dieser Tage: Diese ohrenbetäubende Schweigespirale, die fehlende Hinterfragung des Narrativ des gütigen Bald-Wieder-Sonnenkanzlers, der uns noch vor der Wahl vor dem Beelzebub schützen will. Ein einst übermächtiger Gegner, dessen offene Flanke nicht mehr zum Angriff taugt, weil die Waffe von den Falschen und zum Nutzen der noch Falscheren gereicht wurde. Es ist dieses medial-politische Doppelspiel, welcher dieses gefährliche Klima des Schweigens über rechtsstaatliche Sauereien erst wirksam ermöglicht.

Und plötzlich steht nicht weniger am Spiel wie jene Bürgerrechte, welche sich mutige Menschen vor 150 Jahren erst blutig vom Kaiser erstreiten mussten. Wenn man schon auf billigen historischen Analogien steht, erinnert die Stimmung rund um eine chirurgisch präzise auf die Identitären zugeschnittene Vereinsrechtsänderung sodann ein wenig an die sinnlosen Machtspiele vor der später als Selbstausschaltung des Parlaments verkauften Machtergreifung eines christlichsozialen Vorgängers von Kurz.

…aber Öffentlichkeit braucht Macht zur Entfaltung

Irgendwelche Krakelereien in Stadthallen sind dagegen aber harmlos. So befremdlich Grönemeyers pathetischer Aufruf auch sein mag – zu aller Öffentlichkeit bedeutet er keine Machtausübung. Teils bildet er den Status quo ab, teils ist es der Hilfeschrei einer bröckelnden Hegemonie, geäußert von einem seiner schillerndsten Mittsechziger im Kreise eines übergroßen Kegelvereins mit 80.000 in der allgemeinen Inhaltsleere ihres Schrebergartenlebens schwelenden Mitgliedern.

Würde Öffentlichkeit ohne besondere Macht ausreichen, stünde wohl in der Asche der Umsetzung des ‚Nerobefehls’ des Spätmärz 1945 die Berliner Mauer noch als Holzpalisade. Lautes Einpeitschen mag zwar schaurig sein, im Vergleich zur parallel drohenden, stillschweigenden, tatsächlichen Demokratieerosion im perfiden Zusammenspiel von Leitmedien und Politik ist das aber wie ein Gartenzwerg unterm Eiffelturm: Drollig, aber unbedeutend.


Weiterlesen:

Identitäre: Freilich‐Magazin untersucht „gelbe Flecken” der ÖVP (17.9.2019)

Wien: Grönemeyer sorgt mit Aufruf „gegen Rechts” für Empörung (15.9.2019)

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