Österreich Politik

Stichwahl in Innsbruck: Erster grüner Bürgermeister in Landeshauptstadt

Bild (Georg Willi im Innsbrucker Stadtteil Hötting): Innsbrucker Grüne via Service/Pressefotos - cropped & resized to fit [redaktionelle Nutzung honorarfrei]

Bei der Stichwahl am Sonntag schaffte es das grüne Urgestein Georg Willi, die Stichwahl gegen Amtsinhaberin Christine Oppitz‐Plörer (Für Innsbruck) zu gewinnen. Damit stellt die Partei erstmals in einer Landeshauptstadt den Stadtchef.

Herausforderer Willi errang dabei 52,9 Prozent der Stimmen, die bisherige Bürgermeisterin demnach 47,1 Prozent. Die Wahlbeteiligung war mit nur 43,7 Prozent niedrig. Bereits im ersten Wahlgang konnte Willi die meisten Stimmen auf sich vereinen. Als Favorit ging anschließend dennoch die Amtsinhaberin ins Rennen – auch weil das Abstimmungsverhalten der Anhänger des drittplatzierten FPÖ‐Kandidaten Rudi Federspiel ungewiss war.

Erstmals grüner Chef in Landeshauptstadt

Damit trotzen die Grünen einem bundesweiten Abwärtstrend und stellen nun in der Tiroler Landeshauptstadt nicht nur die stärkste Fraktion, sondern auch den Stadtchef. Für eine Landeshauptstadt ist dies ein absolutes Novum. Bisher stellte man in in mehreren Städten dieser Ordnung – einschließlich Innsbrucks – immer wieder einen Vizebürgermeister, erstmalig aber das eigentliche Stadtoberhaupt.

Insgesamt ist eine Stadtgemeinde mit einem grünen Bürgermeister für Österreich aber kein Neuland. Auf dem Ticket einer umweltbewussten Bürgerliste war der langjährige Bundessprecher der Vereinigten Grünen Österreichs (VGÖ), Josef Buchner, von 1997 bis 2012 Stadtchef von Steyregg (Oberösterreich). Es ist auch dieselbe bürgerliche der beiden grünen Vorgängerorganisationen, für welche Willi von 1989 bis 1994 erstmals im Tiroler Landtag saß. Anschließend wechselt er die Fronten zur erfolgreicheren ‚Grünen Alternative’.

Bürgerlicher Wahlkampf – Linke Hinterbank

Auch im Wahlkampf setzte Willi auf Themen, welche eine breite Wählerschicht ansprechen. Nicht zur Freude mancher eigener Parteigrößen – kurz vor dem Urnengang verließ die scheidende grüne Vizebürgermeisterin Sonja Pitscheider wegen eines vermeintlich populistischen Sagers die Partei – Die Tagesstimme berichtete. Die Geschicke des neuen grünen Bürgermeisters werden nun auch davon abhängen, inwiefern er den linken Flügel seiner Partei hinter sich zu vereinen vermag. Mehrere Vertreter dieser Strömung zogen bei der erfolgreichen Wahl für die Grünen in den Gemeinderat ein.

Willi will keine Koalition mit FPÖ

Bereits im Vorfeld hatte Willi angekündigt, den bei der Gemeinderatswahl zweitplatzierten Freiheitlichen keine Koalitionsbeteiligung anzubieten. Diese würden zwar im Gemeinderat eine „wichtige Kontrollfunktion” ausüben – Sondierungsgespräche in diese Richtung werde es aber keine geben. Ebenfalls kündigte er schon vor der Stichwahl an, im Falle eines Wahlsieges der letztlich tatsächlich unterlegenen Oppitz‐Plörer den Stellvertretersessel als Vizebürgermeisterin anzubieten. Deren politische Zukunft ist derzeit allerdings noch ungewiss.

1 Kommentar

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  • Mein Beileid.
    Im Volksmund hält sich die Erkenntnis: der Tiroler wird erst mit 40 gscheiter.
    Offenbar hat sich diese Einsicht bis auf die letzten Schritte vor der Bahre verschoben.

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