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Neue Migrationsströme drohen: Keine Entspannung in Asylfrage

Unvergessene Bilder des vorläufigen Höhepunkts der Migrationskrise im Jahr 2015: Große Menschenströme an Migranten warten am Wiener Westbahnhof auf ihre Weiterfahrt nach Deutschland. Bild: Bwag via Wikimedia Commons[CC BY-SA 4.0]

Im Jahr 2017 ist die Anzahl der Asylanträge in Europa zurückgegangen. Dies ist allerdings nicht auf eine verbesserte Asylpolitik, sondern vor allem auf die Schließung der Balkanroute zurückzuführen. Zudem haben sich seit der Asylwelle im Jahr 2015 neben dem Nahen Osten und Afrika neue geographische Problemherde gebildet, deren Bewohner nun die Flucht wagen.

Seit im März 2016 der EU‐Türkei‐Flüchtlingspakt in Kraft trat, haben weniger Menschen als in den Jahren davor versucht, über die sogenannte Balkanroute über Griechenland nach Europa zu gelangen. Auch die zentrale Mittelmeerroute von Afrika nach Italien und Spanien unterliegt nun stärkeren Kontrollen. So war europaweit ein Rückgang zu verzeichnen, über einer Million Asylwerbern im Jahr 2015 stehen 172.000 im vergangenen Jahr gegenüber.

Bald neuer Ansturm aus dem Nahen Osten?

Insgesamt stellen Afghanen, Syrer und Iraker die größte Zahl an Asylwerbern in Europa. Obwohl der Islamische Staat (IS) weitestgehend zurückgedrängt wurde und auch in Syrien die Rebellengruppen beinahe besiegt sind, ist es höchst unwahrscheinlich, dass die Migranten in ihre Herkunftsländer zurückkehren werden. Ganz im Gegenteil: das UNHCR schätzt, dass alleine in Syrien 6,5 Million intern Vertriebene leben.

Es gilt als denkbar, dass auch ein Großteil der intern Vertriebenen das zerbombte Syrien verlässt, um in Europa ein besseres Leben zu suchen. Zudem leben auch in der Türkei 3,5 Million syrische Flüchtlinge, die nur ein temporäres Bleiberecht besitzen. Da sich die Flüchtlinge aufgrund der Ausdehnung des Syrienkrieges schon länger als angenommen im Land befinden, kommt es in der Gesellschaft immer wieder zu Spannungen.

Afrika und Lateinamerika als neue Krisenherde

Auch die Lage in Afrika ist nach wie vor verheerend. 2017 suchten 43 500 Nigerianer als größte afrikanische Gruppe im Westen um Asyl an. Diese relativ geringe Zahl täuscht jedoch. Das UNHCR betreut in Afrika 5 Millionen Geflüchtete. Alleine in den nordafrikanischen Staaten Libyen und Marokko wartet etwa eine halbe Million Menschen auf ihre Überfahrt in Europa – Die Tagesstimme berichtete.

Relativ neu in der Asylstatistik ist die rasch steigende Zahl der Asylwerber aus Lateinamerika, hier vor allem aus Venezuela, El Salvador, Guatemala und Honduras. Die Menschen fliehen vor den Drogenkriegen und der stagnierenden Wirtschaft. Die vorgezogene Destination dieser Migranten sind – neben anderen süd‐ und mittelamerikanischen Staaten – weiterhin die USA. Unter allen 44 untersuchten Ländern war die Anzahl der Anträge mit 228.000 im Jahr 2017 in den Vereinigten Staaten am Höchsten.

Österreich bei Asylwerbern überdurchschnittlich

Obwohl Österreich 2017 mit 22 160 Asylbewerbern einen Rückgang von 44 Prozent gegenüber 2016 verzeichnen konnte, so liegt es dennoch mit 2 526 Asylwerbern pro Million Einwohner deutlich über dem EU‐Schnitt von 1 270. Höhere Quoten hatten im Vorjahr nur die Mittelmeerstaaten Griechenland (5.295/Mio.), Zypern (5.235/Mio.) und Malta (3.502/Mio.) sowie der Kleinstaat Luxemburg (3.931/Mio.).

Die beiden 2016 als einzige vor Österreich platzierten Länder Deutschland und Schweden, fielen diesmal hinter Österreich zurück. Mit 2.402 beziehungsweise 2.220 erstmaligen Asylwerbern je Million Einwohner bleiben sie allerdings weiterhin beliebte Migrationsziele.

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