Kultur

Muttertag: Gedenkfeier zwischen Blumenindustrie und Dankbarkeit

Blumenstrauß als fester Bestandteil des Muttertags. Bild: Pixabay [CC0]

Im deutschsprachigen Raum begeht man seit Jahren am zweiten Sonntag im Mai den Muttertag. Viele Menschen verbringen Zeit mit ihren Müttern. Dabei hat der Tag seinen Ursprung eigentlich in einem traurigen Anlass – und längst hat die Wirtschaft das Potenzial der Festlichkeiten erkannt. 

Begründet wurde der Muttertag in seiner heutigen Form nämlich von der US‐amerikanischen Methodistin Anna Marie Jarvis. Die Inspiration nahm sie 1907 von einem Gedenkgottesdienst zu Ehren ihrer zwei Jahre zuvor verstorbenen Mutter. Ein Jahr später wiederholte sie Gelegenheit und ließ dabei in ihrer Heimatpfarre in Grafton (West Virginia) eine Messe zu Ehren aller Mütter abhalten. Sie verteilte außerdem hunderte von Nelken an die Mütter des Ortes.

Schnelle Verbreitung der Idee

Die Idee wurde derart positiv angenommen, dass sie sich fortan für eine landesweite Anerkennung des Tages einsetzte. Ein erster Versuch im Jahr 1908, diesen auch gesetzlich verankern zu lassen, scheiterte noch. Nachdem Jarvis sich allerdings für die Etablierung eines Muttertages einsetzte und dieser bald in allen Bundesstaaten gefeiert wurde, verankerte letztlich Präsident Woodrow Wilson diesen auch gesetzlich. So wurde am zweiten Maisonntag des Jahres 1914 erstmals in den Vereinigten Staaten ein landesweiter Muttertag begangne.

Muttertag: Blumenindustrie erkennt Potenzial

Damit war der weltweite Siegeszug eingeleitet, wobei sich die Feierlichkeit immer weiter von seinem ursprünglichen Zweck entfremdete. So war es wenig verwunderlich, dass der Muttertag sich in Deutschland erstmals im Jahr 1923 auf Initiative von Blumenhändlern flächendeckend etablierte. Auch heute noch hat der wirtschaftliche Aspekt eine große Bedeutung – Floristen verzeichnen den höchsten Umsatz des Jahres, noch vor dem Valentinstag. Diese auch andernorts eintretende Entwicklung missfiel seiner amerikanischen Erfinderin. Jarvis bereute ihren früheren Einsatz und setzte sich nun erfolglos für eine Abschaffung ein.

Wechselhafte Geschichte

Anders gestaltete sich dessen Verbreitung in den übrigen deutschsprachigen Regionen. Bereits 1917 fand der Brauch in der Schweiz einen Anklang, wobei sich besonders christliche Verbände hierfür einsetzten. In Österreich wiederum war es Marianne Hainisch, eine frühere Frauenrechtlerin, welche sich gemeinsam mit der Pfandfinderbewegung für diesen Tag starkmachte. Während der zweiten Amtszeit ihres Sohnes Michael als Bundespräsident wurde für 1924 der erste heimische Muttertag ausgerufen.

Variabel war auch die weitere Geschichte des Tages im deutschsprachigen Raum. Im Dritten Reich war dieser als „Tag des deutschen Mutter” sogar ein ausgiebig öffentlich begangener gesetzlicher Feiertag und beförderte vor allem Kinderreichtum als erstrebenswertes Ideal. Die DDR hingegen brach insgesamt mit den Bräuchen zum Tag und feierte die Mütter des Landes stattdessen als Teil des Internationalen Frauentages am 8. März.

Kein weltweit einheitliches Datum

Begangen wird der Muttertag allerdings nicht überall am zweiten Sonntag im Mai. In Großbritannien, eines der ersten Länder, die den Tag übernahmen, findet dieser bereits im März statt. Der Grund ist ein geschichtlicher – man legte diesen kurzerhand mit dem Mothering Sunday am vierten Fastensonntag zusammen, ursprünglich eigentlich eine Feier zu Ehren der örtlichen Mutterkirche.

Auch in anderen Ländern nimmt man sich ein Beispiel am christlichen Glauben. So gilt in Armenien der Verkündungstag des Herrn – nach dem julianischen Kalender gerechnet (7. April) – als Muttertag. Einen ähnlichen Ursprung hat das Datum Sloweniens am 25. März, auch hier stand die Gottesmutter Maria der Datumsfindung Pate. Das früheste Muttertagsdatum weltweit hat Norwegen, dort findet dieser bereits am zweiten Febersonntag statt. In Indonesien wiederum feiert man diesen erst am 22. Dezember.

 

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