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Gaza‐Streifen: 58 Tote nach Eröffnung von US‐Botschaft in Jerusalem

Symbolbild: By IDF Spokesperson's Unit [CC0], via Wikimedia Commons

Am Montag wurden bei Protesten am Gazastreifen zwischen Israel und Palästina mindestens 58 Menschen getötet. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um Palästinenser, die von israelischen Soldaten erschossen wurden. Grund für die Ausschreitungen war die Verlegung der amerikanischen Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem.

Bereits seit mehreren Wochen ist die Stimmung in der Region äußerst unruhig. Beim palästinensischen „Marsch der Rückkehr“ zur israelischen Grenze war die Lage bereits eskaliert. Mindestens 18 Palästinenser wurden bei den Protesten getötet (Die Tagesstimme berichtete). Die Eröffnung der amerikanischen Botschaft am Montag brachte das Fass schließlich zum Überlaufen. Mit der Verlegung der Botschaft erkennen die USA als erster Staat der Welt Jerusalem als Hauptstadt Israels an.

Blutigster Tag seit Gaza‐Konflikt

Bei den neuerlichen Protesten am Montag eskalierte die Situation dermaßen, dass letzten Endes mindestens 58 Palästinenser, die aus israelischer Sicht eine Bedrohung darstellten, von Soldaten erschossen wurden. Das berichtet die Neue Zürcher Zeitung (NZZ). Demnach war es der Tag mit den meisten Todesopfern seit dem Gaza‐Konflikt 2014. Mehr als 2.770 weitere Personen wurden laut Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums verletzt. Insgesamt waren wieder zehntausende Palästinenser zur israelischen Grenzanlage marschiert. Israel erklärte dazu, dass „Terroristen mit Schusswaffen” versucht hätten, israelische Soldaten zu entführen.

Trump sieht Hoffnung auf Frieden

Auf der israelischen Seite der Grenze wurde unterdessen gefeiert, nachdem pünktlich zum 70. Jahrestag der Staatsgründung die USA mit der Verlegung der Botschaft Jerusalem als Hauptstadt anerkannt hatten. Mehr als 800 Personen fanden sich zur Eröffnungsfeier ein. Trump selbst war nicht anwesend, erklärte aber in einer Videobotschaft, dass er die Anerkennung Jerusalems als große Friedenshoffnung sehe. Von internationaler Seite war durchaus Kritik zu spüren: Die EU beispielsweise lehnt die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt ab, solange keine Friedenslösung vorliege. Österreich war als einziges EU‐Land mit seinem Botschafter Martin Weiss vertreten.

Internationale Kritik

Vor allem aus arabischen Staaten und der Türkei kamen scharfe Worte für das Vorgehen gegen die Palästinenser. Der palästinensische Gesundheitsminister Jawad Awad sprach von einem „Massaker an unbewaffneten Demonstranten”. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete es gar als „Genozid”. Deutschland betonte, dass Israel das Recht auf Selbstverteidigung habe. Dies müsse aber mit Maß angewandt werden.

Wie die NZZ weiter berichtet, hatte die radikal‐islamistische Hamas, die das Gebiet um den Gazastreifen kontrolliert, zuvor im Internet Skizzen mit den schnellsten Wegen zu israelischen Siedlungen in Grenznähe veröffentlicht und zum Töten aufgerufen.

USA blocken unabhängige Untersuchung

Die USA stellten sich umgehend hinter das Vorgehen Israels. Für die US‐Regierung ist die Hamas schuld an der Eskalation des Gaza‐Konflikts. Deshalb sei es auch nicht nötig, Israel zur Zurückhaltung aufzurufen, sagte Trump‐Sprecher Raj Shah. Eine unabhängige Untersuchung des Vorfalls blockierten die USA im UN‐Sicherheitsrat.

1 Kommentar

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  • Nachdem sich D. Trump während seines Treffens mit B. Netanyahu im Februar 2017 aufgrund des sturen und unkonstruktiven Verhaltens der Palästinenser von der Zwei‐Staaten‐Lösung distanziert hat, ist die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt durch die USA und die Verlegung der US‐Botschaft dorthin der konsequente Schritt.
    Wieder einmal erwiesen sich die Palästinenser mit M. Abbas an der Spitze als gefährlicher Zündler, die die Gefährlichkeit ihres Handelns offenkundig nicht abschätzen können.

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