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Gesellschaft

Kolumne: „Erdogan instrumentalisiert türkischstämmige Nationalspieler bewusst”

Julian Schernthaner

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Mesut Ozil ist einer der beiden türkischstämmigen deutschen Nationalspieler, welche mit einem Erdogan-Besuch für Wirbel sorgten. Symbolbild: Steindy via Wikimedia Commons [CC BY-SA 3.0]

Es ist der Aufreger der Woche: Obwohl sie mit dem türkischen Präsidenten posierten, dürfen die türkischstämmigen Spieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan voraussichtlich mit zur WM nach Russland. Dies ist wegen des Einflusses von Erdogan auf türkischstämmige Migranten und der Vorbildfunktion von Sportlern problematisch. 

Kommentar von Julian Schernthaner

Ich sage es vorab: Ich bin kein Freund von Denk‑, Sprech und Versammlungsverboten. Ich habe bei aller Forderung nach notwendiger Integration auch Verständnis für das berechtigte Bedürfnis von Menschen mit Migrationshintergrund, in Berührung mit ihren Wurzeln zu bleiben. Trotzdem haben die Herren Özil und Gündogan mehrere Grenzen überschritten, die Empörung ist keinesweges „scheinheilig”, wie etwa ein Zeit-Kolumnist meint.

Vorbildwirkung von Sportlern

Sportler sind für viele die Helden unserer Zeit, und entsprechend gilt ihr Handeln als vorbildhaft und nachahmenswert – auch für die Jugend. Unbestrittener König des Spektakels ist und bleibt dabei der Fußball. Zweimal 45 Minuten, die das Leben bedeuten. Freundschaften werden beim Fachsimpeln geschmiedet und zerbrochen. Fehlentscheidungen des Schiedsrichters können einen Verein Millionen kosten. Und in keinem anderen Bereich des Sports steht jeder Schritt und Tritt, jede Äußerung eines Athleten, dermaßen unter öffentlicher Beobachtung wie im Spitzenfußball.

Und dann lassen sich zwei türkischstämmige Fußballstars einfach mal mit dem türkischen Machthaber ablichten. Nicht irgendwelche, sondern Spieler der deutschen Nationalelf. Jene Nationalelf, welche es während des Sommermärchens bei der Heim-WM 2006 das erste Mal seit Langem wieder schaffte, den Deutschen einen Hauch von Stolz zu geben. Dieser Moment, als sich deutsche Erasmus-Studenten im Ausland nicht mehr für ihre Herkunft schämten, sondern Heimat auf einen Schlag wieder „sexy” wurde.

Gündogan-Widmung für „seinen Präsidenten”

Ausgerechnet zwei vermeintliche Musterbeispiele gelungener Integration machen den Feel-Good-Multikulti-Patriotismus rund um „Die Mannschaft” nun kaputt. Seit Jahren wird sie für Deutungen als ‚Schmelztiegel der Kulturen’ missbraucht. Als Zeichen, welches den Wunsch nach relativer Homogenität endgültig als ‚rückständige Hetze’ widerlegt. Denn welch verkappter Rassist müsste man sein, sich nicht an den technischen Rafinessen eines Mesut Özil zu erfreuen!

Ausgerechnet dieser mit Integrationspreisen überhäufte Spieler steht nun im Zentrum der Kontroverse. Sein Kollege Ilkay Gündogan, gemäß einer BZ-Kolumnistin Teil der „raren Spezies der ‚Fußball-Intellektuellen’ ”, legte dann noch eine Schippe drauf. Er bezeichnet den Despoten jenseits des Bosporus auch noch als „meinen Präsidenten” und überreichte ihm das signierte Trikot. Angeblich nur als harmloses Zeichen der Wertschätzung der eigenen Wurzeln – in Wahrheit viel mehr.

Erdogans großer Einfluss

Prinzipiell bin ich der Meinung, wer den Präsidenten eines anderen Landes für „seinen Präsidenten” hält, sollte nicht für dieses Land spielen. Sein Land als Sportler vertreten zu dürfen bedeutet eine große Ehre. Es gebietet gleichsam, von diesem Land jeglichen Schaden abwenden zu wollen und keine anderweitigen Loyalitäten zu pflegen. Dass man diese dann ausgerechnet der erklärten Antipode des europäischen Freiheitsgedankens entgegen bringt, macht es nicht besser.

Problematisch ist das bei Erdogan aber nicht nur wegen seines Regierungsstils, der Tausende an Journalisten, Lehrer und Oppositionelle in Haft befördert. Besonders problematisch ist nämlich der Einfluss, welchen er auf türkischstämmige Muslime in Europa ausübt. Auch die schockierenden Szenen in Wien mit Kindergartenkindern in Weltkriegsszenen spielten sich in AKP-nahen Einrichtungen ab. Und auch wenn präpubertäre Mädchen entgegen jeder Glaubensvorschrift ein Kopftuch tragen müssen ist das ein Einfluss Erdogans – der nun durch den Vorbildcharakter der beiden Spieler für die Jugend legitimiert wird.

Erdogan weiß also ganz genau, was er da tut – es ist keine harmlose Einladung um deutsch-türkische Freundschaft zu feiern. Er instrumentalisiert die türkischstämmigen Nationalspieler bewusst für seine Zwecke. Es ist bewusste Wahlwerbung bei der türkischen Community in Deutschland.

Schwache Reaktion von Bundestrainer Löw

Es folgte eine schwache Reaktion des fachlich unantastbaren Bundestrainers, Joachim „Jogi” Low”. Nicht etwa, weil es darum geht, Deutschlands stolze Tradition an Rauswürfen aus dem Nationalteam zu verteidigen. Vormals reichte bereits die Bezeichnung des Teamchefs als „unehrlich und link” oder als „Suppenkasper” für einen Heimaturlaub und lebenslangen Ausschluss.

Löw hingegen zeigt Verständnis und hofft lediglich, der landesweite Shitstorm sei „ihnen eine Lehre”. Ein schwer verständliches und völlig deplatziertes badisches „Passt scho!” verglichen mit der ehedem geradezu preußischen Härte von Klinsmann und Beckenbauer gegenüber Wörns und Stein.

Özil soll AKP-Kontakte haben

Dabei handelt es sich im Fall von Özil kaum um einen einmaligen Ausrutscher. Für das deutsche Team zu spielen, entschied er erst nach reiflicher Überlegung im Kreise der Familie – der Onkel und die Mutter wollten, dass er für die Türkei spielt. Später erbat er sich Verständnis für seine Entscheidung, während der Hymne zu Allah zu beten anstatt zu singen.

Seit Längerem soll er gute Kontakte zu AKP-Politikern in der Heimatregion seiner Familie pflegen. Mehr als eine Million Euro soll er dort bereits investiert haben. Dieser Hintergrund alleine rechtfertigt kaum den weichen Klaps auf die Finger bei gleichzeitiger Belohnung mit dem Russland-Ticket. Nicht als einziger frage ich mich, ob das Urteil ebenso milde wäre, wenn ein Spieler nicht mit Erdogan sondern mit der AfD sympathisierte.

Loyalitätsfrage muss geklärt bleiben

Dass es auch anders geht, zeigt Nationalteam-Kollege Emre Can. Auch dieser ist stolz auf seine türkischen Wurzeln – die Loyalitätsfrage stellte sich trotzdem nie. Bereits in Jugendjahren wusste er, dass er für Deutschland auflaufen möchte. Auch er bekam eine Einladung Erdogans – und lehnte dankend ab. Eine Geste von großer Symbolkraft, die wohl nicht nur mir als bekennender Anhänger seines Arbeitgebers, dem FC Liverpool, gefällt. Sie zeigt: Die Rechtfertigungen der beiden anderen sind billige und gefährliche Ausreden.

Da der DFB eine klare Haltung vermissen lässt, sollten die beiden Spieler freiwillig den Hut ziehen. Nur wer sich ohne Wenn und Aber zu seiner neuen Heimat bekennt, sollte diese als Spieler auch vertreten dürfen. Die Menschen erwarten von Personen mit repräsentativer Funktion ein uneingeschränktes Bekenntnis. Man stelle sich den berechtigten Aufstand vor, wenn sich die britische Königin aufgrund ihrer Familiengeschichte eher zu Deutschland hingezogen fühlte. Und selbst das wäre in der gesamtgesellschaftlichen Symbolwirkung weniger verheerend.

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Gesellschaft

Antifa stört Uni-Vorlesung von Historiker Lothar Höbelt

Stefan Juritz

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ASDF Symbolbild (Hauptgebäude Universität Wien): Alexander Johmann via Flickr [CC BY-SA 2.0] (Bild zugeschnitten)

Linke Störer drangen in den Hörsaal ein, während der Historiker Lothar Höbelt seine Vorlesung abhielt.

Wien. – Etwa 40 linke und linksextreme Studenten haben am Dienstag eine Vorlesung des Historikers Lothar Höbelt an der Universität Wien gestört. Dabei entrollten die Störer ein Transparent mit der Aufschrift „Kein Raum für Nazis an der Uni – Sexismus und Rassismus bekämpfen” und verlasen einen kurzen Text, in dem davon die Rede ist, Professor Höbelt weiter zu beobachten, seine Vorlesungen zu dokumentieren und ihm kein ruhiges Leben an der Universität zu ermöglichen. Weiters brüllten die Störer lautstark Parolen, erregten dabei jedoch den Unmut einiger Zuhörer und verließen anschließend nach wenigen Minuten den Hörsaal. Das Freilich Magazin berichtete am Mittwoch über den Vorfall.

Vortrag bei FAV-/IfS-Akademie

Anlass für die Störung war ein Vortrag, den der als FPÖ-nah geltende Historiker Höbelt am kommenden Wochenende bei der Herbstakademie des Freiheitlichen Akademikerverbandes Steiermark (FAV) und des Instituts für Staatspolitik (IfS) in Semriach (Stmk.) halten wird. Die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) an der Universität Wien wirft dem Professor unter anderem deshalb „Rechtsextremismus” vor und fordert seine Entlassung (Die Tagesstimme berichtete). Zur Störung am Dienstag hatte neben der ÖH Uni Wien auch die linksextreme Gruppe autonome antifa [w] aufgerufen.

FAV-Obmann Sickl: „Diesen totalitären Zügen ist Einhalt zu gebieten”

Kein Verständnis für den linken Skandalisierungsversuch bringt hingegen der steirische FAV-Obmann Heinrich Sickl auf. „Diese Forderung erklärt in wenigen Worten die Grundeinstellung der linken Zivilgesellschaft. Unliebsame nicht-linke Protagonisten müssen durch ein Spitzelwesen, das an Metternich und die Stasi erinnert, beobachtet und ihr Wirken verunmöglicht werden. Diesen totalitären Zügen ist Einhalt zu gebieten”, wird Sickl im Freilich-Beitrag zitiert. Bereits zuvor hatte der FAV-Vorsitzende den Rücktritt des ÖH-Vorsitzteams gefordert, um „klare Kante” gegen Linksextremismus zu zeigen.

Kritik kam auch vom Wiener Landtagsabgeordneten Leo Kohlbauer (FPÖ). Auf Twitter schrieb er: „Linksradikale stören den Vortrag des renommierten Professor Lothar Höbelt und diffamieren diesen als ‚Nazi’. Die Unileitung muss sich umgehend von diesen Stiefeltruppen distanzieren. Meinungsfreiheit und Rechtsstaat sind in Gefahr!”

Weiterlesen:

„ÖH forderte Entlassung: Wirbel um Höbelt-Auftritt bei patriotischer Tagung” (30.10.2019)

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Gesellschaft

IGGÖ: „Moscheen dringen notwendig, um Islam transparenter zu machen”

Monika Šimić

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ASDF Symbolbild: Islamisches Zentrum in Wien (großer Gebetsraum der Moscchee) / Bild: Dnalor 01 [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons (Bild zugeschnitten)

Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Ümit Vural, wünscht sich eine große Moschee für jedes Bundesland. Von der FPÖ kam Kritik, die Vural nicht nachvollziehen kann.

Wien. Der Wunsch des Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ), Ümit Vural, eine größere Moschee in jedem Bundesland zu errichten, hat in den vergangenen Tagen für Kritik seitens der FPÖ gesorgt. In diesem Zusammenhang warnten FPÖ-Bundesparteiobmann Norbert Hofer und der Wiener FPÖ-Chef und Vizebürgermeister Dominik Nepp etwa vor einer „schleichenden Islamisierung” und generell vor dem politischen Islam. Man wolle nun sogar die Auflösung der IGGÖ prüfen.

Vural: Plan der IGGÖ „rechtens”

In einer Presseaussendung wehrte sich Vural nun und erklärte: „Wer Muslimen die freie Religionsausübung verwehren will, steht im Widerspruch zu unserer demokratischen Staatsordnung”. Der Plan der IGGÖ in den islamischen Religionsgemeinden der Bundesländer würdige Räumlichkeiten samt Moschee zu etablieren, sei nicht nur rechtens, sondern auch dringen notwendig, um den Islam in Österreich transparenter zu machen.

Jahrelang hat man sich bei den Muslimen beschwert, sie würden nur in ihren Hinterhof-Moscheen bleiben. Aber wenn man würdige Moschee-Bauten anstrebt, die die Hinterhöfe obsolet machen würden, passt es gewissen Kreisen auch nicht”, so Vural weiter.

FPÖ sollte Energie in Aufarbeitung der „eigenen Skandale” stecken

Zu Nepps Ankündigung, die Auflösung der IGGÖ prüfen zu lassen, meinte Vural, dass die FPÖ Wien das gerne tun dürfe. „Diese Energie wäre bei der Aufarbeitung der eigenen Skandale womöglich besser aufgehoben”, so Vural abschließend.

In einem Interview mit der Presse am Sonntag hatte Vural den Wunsch geäußert, eine große Moschee für jedes österreichische Bundesland zu etablieren. Sein Argument lautete, dass es in jedem Bundesland eine Kirche oder Synagoge gebe und nichts dagegen sprechen würde auch eine Moschee zu haben.

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Gesellschaft

Verhinderte de Maizière-Lesung wird unter Polizeischutz nachgeholt

Joshua Hahn

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ASDF Bild (De Maizière 2013): Stephan Röhl / Heinrich-Böll-Stiftung via Flickr [CC BY-SA 2.0] (Bild zugeschnitten)

Unlängst wurde eine Lesung des ehemaligen Innenministers Thomas de Maizière von linksextremen Aktivisten sowie Anhängern der „Fridays for Future”-Bewegung verhindert. Sie soll nun nachgeholt werden.

Göttingen. – Im Rahmen des „Göttinger Literaturherbst“ sollte Thomas de Maizière sein neu erschienenes Buch „Regieren. Innenansichten der Politik“ vorstellen. Wie Die Tagesstimme berichtete, verhinderten etwa 100 Demonstranten die Lesung, weil der ehemalige Innenminister mitverantwortlich für den „Flüchtlingsdeal“ mit der Türkei sei. Nachdem die Blockade Kritik hervorrief, soll die Veranstaltung nun nachgeholt werden. Am 26. November wird der Christdemokrat im Alten Rathaus in Göttingen aus seinem Buch lesen. Dies teilte laut dem „NDR“ eine Sprecherin des „Literaturherbstes“ mit. 

Veranstaltung findet unter Polizeischutz statt

Wie die „Bild“ berichtet, teilte die Sprecherin Nina Hornig auf ihre Anfrage mit: „Uns wurde von Seiten der Polizei versichert, dass die Veranstaltung reibungslos ablaufen kann.“

Niedersachsens Innenminister, Boris Pistorius (SPD), bezeichnete die Blockade als einen „Bärendienst an der Demokratie“. Verantwortlich für die Blockade der Veranstaltung war die „Basisdemokratische Linke“. Sie ist einer von über dreißig Ablegern der „Interventionalistischen Linken“, welche laut dem Bundesverfassungsschutz ein „taktisches Verhältnis zur Gewalt“ aufweist.

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