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Technik

Gaming Disorder”: WHO setzt Videospielsucht auf Liste psychischer Krankheiten

Julian Schernthaner

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Am Montag erscheint die elfte Ausgabe des Krankheitenkatalogs (ICD-11) der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Erstmals ist auch die krankhafte Sucht nach Videospielen aufgelistet. Experten aus mehreren Felder sowie Vertreter aus der Branche kritisierten die Einstufung massiv. 

Es handelt sich bei ICD-11 um die erste gesamtheitliche Erneuerung der wichtigen Krankheitenliste seit 1990. Der bislang gebrauchte ICD-10-Index ordnete die 12.161 anerkannten Krankheitsbilder in 22 Kapitel, 261 Untergruppen und 2037 Krankheitsklassen ein. Das erstmals anerkannte „Gaming Disorder” soll nach Auskunft des ORF-Onlineportals orf.at direkt nach der Glücksspielsucht (bisher ICD-10 F63.0) eingeordnet werden.

Fünf von neun Kriterien notwendig

Zuvor wurde der krankhafte Videospielkonsum bereits in der 2013 in Kraft getretenen fünften Ausgabe des US-amerikanischen Leitfadens zur Diagnose mentaler Störungen (DSM‑5) erwähnt. Für eine Einstufung unter diesem Krankheitsbild muss ein Patient über eine Dauer von mindestens zwölf Monaten fünf von neun Kriterien erfüllen. Diese sind: Gedankliche Eingenommenheit, Entzugssymptome, Toleranzentwicklung, fehlende Kontrolle, Verlust anderer Interessen, exzessive Nutzung, Vertuschung, Flucht und andere schwerwiegende Folgen.

Durch die Inklusion des „Gaming Disorder” in ICD-11 erhofft sich die WHO eine Stimulierung der Forschung in diesem Feld. Nach Einschätzungen der Weltgesundheitsorganisation betrifft die tatsächliche Verbreitung dieses Krankheitsbilds etwa ein bis zwei Prozent aller regelmäßigen Videospieler. Gelegentliche Spieler mit einem intakten sozialen Leben und einer ausgewogenen Freizeitgestaltung müssen sich also demnach keine Sorgen machen.

Psychologen: „Keine vorschnellen Diagnosen”

Experten bezweifeln allerdings, ob die Hinzunahme der Videospielsucht in den künftigen Krankheitenkatalog zweckmäßig ist. Etwa dreißig Psychologen und Psychiater warnten vor einigem Monat in einem offenen Brief vor dem Schritt. Man unterstütze zwar die notwendige „volle Aufmerksamkeit” für Suchtverhalten in diesem Bereich. Gleichzeitig bestünde „das Risiko, dass solche Diagnosen missbraucht” würden.

Man müsse vielmehr prüfen, ob die Behandlung nicht bei zugrunde liegenden Problemen wie Depressionen und sozialen Angststörungen ansetzen sollte. Man solle nicht in „moralische Panik” und „vorschnelle Diagnosen” verfallen. Vielmehr sei eine solche Einstufung geeignet „Million von Kindern zu stigmatisieren”, welche Videospiele in einem gesunden Rahmen konsumieren.

Kritik an „Pathologisierung” von Videospielen

Auch andere Experten sprachen sich damals gegen eine entsprechende Klassifikation aus. Der Kommunikationswissenschaftler Thorsten Quandt von der deutschen Uni Münster befürchtet sogar einen „Dammbruch” in der Diagnostik. In der Folge sei es möglich, diverse Nutzungsverhalten neuer Medien als „Medien-Krankheit” einzustufen. Damit wären „zahlreiche” Menschen aller Altersgruppen „qua Definition von heute auf morgen therapiebedürftig”.

Ähnlich der Tenor aus der betroffenen Videospielindustrie. Der Geschäftsführer des deutschen Verbandes Game, Felix Falk, findet es etwas „problematisch”, wenn Spielen „pathologisiert” und die Spieler „stigmatisiert” würden. US-amerikanische Kollegen empfinden die ICD-11-Inklusion als „enorm mangelhaft”. Dies stünde der „bildenden, therapeutischen und erholsamen Wirkung” von Videospielen zuwider.

ICD-11: Änderungen auch in Struktur

Allerdings ist noch unbekannt, wann die entsprechende Liste allgemeine Gültigkeit besitzt. Bei der Vorgängerversion dauerte es mehrere Jahre bis die WHO-Mitgliedsstaaten diese annahmen, teilweise in nationalen Abwandlungen. Diese Probleme aus der Praxis sollen mit ICD-11 der Vergangenheit angehören, darüber hinaus ist die neue Liste völlig den Herausforderungen der digitalen Welt angepasst.

Durch die Verwendung von diagnostischen Kurzbeschreibungen anstatt wie bisher einzeiligen Bezeichnung erhofft sich die WHO eine erhöhte Nutzerfreundlichkeit. Außerdem bieten sich durch die Einbettung in ein semantisches Netzwerk freiere Möglichkeiten, ein bestimmtes Krankheitsbild beim Patienten präziser als bislang zu klassifizieren.

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Gesellschaft

Nach 14 Jahren: YouTube sperrt rechten Blogger Molyneux

Julian Schernthaner

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Am Montagabend forderte der Kahlschlag gegen kritische Stimmen auf YouTube neuerdings ein prominentes Opfer: Diesmal betraf es den bekannten irisch-kanadischen Publizisten Stefan Molyneux.

San Bruno/Mississauga. – Seit 14 Jahren betrieb das ehemals rechts-libertäre Schwergewicht der patriotischen Szene im englischsprachigem Raum einen YouTube-Kanal. Dieser hatte zuletzt beinahe eine Million Abonnenten und konnte auf über 650 Millionen Aufrufe verweisen. Nun ist sein meinungsbildendes Format – nach Eigendefinition die „beliebteste Philosophie-Sendung im Internet” – erst einmal auf das Exil angewiesen. Auf seiner Homepage verweist er auf seine Kanäle in alternativen Plattformen.

Molyneux: „Koordinierter Schlag gegen Dissidenten”

Noch am Abend der Löschung teilte Molyneux eine Videobotschaft mit seinen etwa 450.000 Followern auf Twitter. Darin bezieht er Stellung zu den Vorfällen. YouTube unterstelle ihm die Beförderung von „Hass und Gewalt”. Diese Behauptung weist er von sich. Er habe immer für das Prinzip der Gewaltfreiheit eingestanden und den Austausch von Vernunft und Fakten als bevorzugte Methode zur Beilegung sozialer Dispute gesehen.

Er sieht andere Mechanismen greifen, neben ihm selbst habe es im Zeitraum von nur einer Stunde auch „viele weitere Dissidenten und anti-kommunistische Intellektuelle” getroffen – und zwar auf mehreren Plattformen. Dabei handle es sich seiner Einschätzung nach um einen „koordinierten Schlag” gegen lästige Stimmen: „Die Bücherverbrennung läuft gerade”. Das Ziel sei wohl die „Entfernung der rationalen Mitte”, welche für friedliche Lösungen auf die Probleme der Jetztzeit einstehe.

Weitere Löschungen

Und tatsächlich wurden zur  gleichen Zeit auch einige andere Kanäle von YouTube gelöscht. Betroffen waren unter anderem der führende Alt-Right-Aktivist Richard Spencer und dessen „National Policy Institute” sowie der Kanal „American Renaissance” von Jared Taylor.

Bereits im Februar hatte es mit Nick Fuentes einen jungen Kopf der „Dissident Right”, die sich vor allem auf paläokonservative Denker beruft, getroffen. Dabei suchen ihre Vertreter die Distanz sowohl zu republikanischen „Neocons” als auch zur „Alternative Right” – Die Tagesstimme berichtete.

Im deutschen Sprachraum legten sowohl Identitären-Chef Martin Sellner als auch der patriotische Vlogger Niklas „Neverforgetniki” Lotz im Vorjahr mit anwaltlicher Hilfe erfolgreiche Rechtsmittel gegen ihre Sperren ein.


Weiterlesen:

YouTube löscht Kanal des rechten Bloggers Nick Fuentes (17.02.2020)

Nach Löschung: YouTube-Kanal von Martin Sellner ist wieder online (29.08.2019)


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Technik

Rassismus-Debatte: Begriffe bei IT-Firmen künftig politisch korrekt

Monika Šimić

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Mit dem Argument, dass Sprache das Denken forme, wollen Kritiker Unternehmen dazu bewegen, bestimmte Begriffe nicht mehr zu verwenden.

Die aktuellen „Black-Lives-Matter”-Proteste führen dazu, dass Kritiker auch von der IT-Branche ein Umdenken fordern. Nicht zum ersten Mal gibt es etwa Kritik an den Begrifflichkeiten „Master” und „Slave”, die in der Programmiersprache bereits seit Jahrzehnten verwendet werden. Doch auch „Blacklist” und „Whitelist” seien problematisch. Einige Unternehmen haben sich deshalb bereits von solchen angeblich problematischen Begriffspaaren verabschiedet, andere wollen noch nachziehen.

Terminologie kollektiv aufgeben”

Kritiker sehen in den Begriffen, die nicht nur in der Programmiersprache, sondern auch in anderen Bereichen wie zum Beispiel der Fotografie Verwendung finden, eine schmerzhafte Erinnerung an die Zeit der Sklaverei. „Sollte von einem afroamerikanischen Softwareentwickler verlangt werden, Code zu schreiben, in dem ein Master-Prozess Sklaven befehligt?”, fragt der Yale-Student Sinclair in einem Gastbeitrag für die Washington Post. Er forderte die Industrie dazu auf, „kollektiv die Master/Slave-Terminologie” aufzugeben. Die weit verbreitete Programmiersprache Python hat das bereits gemacht und verwendet die Begriffe „Master” und „Slave” seit 2018 nicht mehr.

„Blocklist” statt „Blacklist”

Auch die Entwickler des Chrome-Browsers wollen sich von bisher verwendeten Begrifflichkeiten verabschieden. In Zukunft wollen sie etwa auf die Begriffe „Blacklist” und „Whitelist” verzichten. Die Art, wie diese Begriffe genutzt werden, reproduziere rassistische Stereotype, so die Begründung der Entwickler. Denn in diesem Gegensatzpaar werde schwarz als negativ und weiß als positiv begriffen. Die Bezeichnungen sollen deshalb durch „Blocklist” und „Allowlist” ersetzt werden.

Zudem veröffentlichte Google schon im Oktober 2019 ein Dokument, das als Richtlinie für Programmcodes im Hinblick auf Inklusivität dienen soll und worin von der Verwendung bestimmter Termini explizit abgeraten wird. Den Entwicklern werden dabei auch andere Maßnahmen empfohlen, wie zum Beispiel der Verzicht auf eindeutig einem Geschlecht zugeordnete Begriffe und Pronomen.

Austausch ist schwieriges Unterfangen

Wie schnell diese Änderungen umgesetzt werden können, ist aber nicht so leicht zu beantworten. Denn dabei handelt es sich nicht um Details, sondern um ein großes Unterfangen. Es reicht im Normalfall nämlich nicht, entsprechende Ausdrücke einmalig zu entfernen. Denn oft sind diese in großen Projekten teils über unzählige Dateien verteilt. Zusätzlich hängen häufig auch andere Projekte von betroffenen Codes ab – auch bei diesen müssten dann entsprechenden Änderungen vorgenommen werden.

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Technik

Rassismus-Debatte: Dating-App für Homosexuelle löscht Filter „Ethnie”

Monika Šimić

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In Zukunft wird es den Nutzern dieser App nicht mehr möglich sein, nach der Ethnie zu filtern. Das gefällt nicht allen.

Die Dating-App „Grindr”, die von homo- und bisexuellen Männern sowie Transsexuellen genutzt wird, hat als Reaktion auf die aktuelle Debatte über Rassismus und Polizeigewalt in den USA angekündigt, die Filter-Einstellung „Ethnie” in der neuesten App-Version zu löschen. Damit wolle man als Unternehmen ein Zeichen setzen und die „Black-Lives-Matter”-Bewegung unterstützen. „Grindr” stand wegen des Filter-Merkmals schon häufiger in der Kritik.

„Grindr” will Rassismus bekämpfen

Die Filter-Einstellung, die nur Premium-Nutzer vorbehalten ist, ermöglicht es, die Suchergebnisse nach ethnischer Zugehörigkeit, Größe, Gewicht und anderen Merkmalen zu sortieren. Das Unternehmen hat den Filter lange Zeit verteidigt und gesagt, dass man Angehörige von bestimmten Minderheiten damit bei ihrer Suche nach anderen Personen eben jener Minderheit unterstützen würde. Auch bei anderen Dating-Apps stehen Nutzern ähnliche Filter-Einstellungen zur Verfügung.

In einer gestern auf Instagram veröffentlichten Stellungnahme schreibt das Unternehmen: „Wir zeigen uns solidarisch mit der #BlackLivesMatter-Bewegung und den Hunderttausenden von queeren farbigen Menschen, die unsere App täglich nutzen.” Man werde Rassismus auf „Grindr” weiterhin bekämpfen, sowohl durch den Dialog mit der Community als auch durch eine Null-Toleranz-Politik gegen Rassismus und Hassrede, heißt es in der Stellungnahme weiter.

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We will not be silent. Black lives matter. ⁣ ⁣ We were planning to announce our #PridePerseveres initiative today, but in light of the ongoing violence and injustices against our POC family, that no longer feels appropriate. How can we launch a month of celebration when so many of us are hurting? How can we celebrate Pride without acknowledging that we wouldn’t even HAVE a Pride month if it weren’t for the brave black, brown, trans, and queer folks whose uprising against the police at Stonewall gave birth to the modern LGBTQ+ rights movement? It is our responsibility to speak out against the hate and violence that such a vital part of our community continue to face.⁣ ⁣ We stand in solidarity with the #BlackLivesMatter movement and the hundreds of thousands of queer people of color who log in to our app every day. We will not be silent, and we will not be inactive. Today we are making donations to the Marsha P. Johnson Institute @mpjinstitute and Black Lives Matter @blklivesmatter, and urge you to do the same if you can (links in bio). We will continue to fight racism on Grindr, both through dialogue with our community and a zero-tolerance policy for racism and hate speech on our platform. As part of this commitment, and based on your feedback, we have decided to remove the ethnicity filter from our next release.⁣ ⁣ Tomorrow, we will announce our #PridePerseveres calendar, but in a different light. Yes, we can still come together in the spirit of Pride, but Pride this year has an added responsibility, a shifted tone, and a new priority that will be reflected in our programming—support and solidarity for queer people of color and the #BlackLivesMatter movement.

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Erst am vergangenen Wochenende hatte es für das Unternehmen massive Kritik gehagelt. Grund dafür war ein mittlerweile gelöschter Tweet des Unternehmens. Darin war der Aufruf „Fordere Gerechtigkeit” in Kombination mit dem Hashtag „Black Lives Matter” enthalten. Viele sahen diesen Tweet aufgrund der besagten Filter-Einstellung als hohle Solidaritätsbekundung.

Nutzer sind gespaltener Meinung

In den Sozialen Medien ist man bezüglich der Entfernung des Filters allerding gespaltener Meinung. Viele Nutzer zeigten sich wegen der kommenden Änderung erfreut, andere wiederum befürchten, dass Schwarze nun erst recht isoliert würden.

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