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Technik

Gaming Disorder”: WHO setzt Videospielsucht auf Liste psychischer Krankheiten

Julian Schernthaner

Veröffentlicht

am

Symbolbild: Luke Hayfield via Flickr [CC BY 2.0]

Am Montag erscheint die elfte Ausgabe des Krankheitenkatalogs (ICD-11) der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Erstmals ist auch die krankhafte Sucht nach Videospielen aufgelistet. Experten aus mehreren Felder sowie Vertreter aus der Branche kritisierten die Einstufung massiv. 

Es handelt sich bei ICD-11 um die erste gesamtheitliche Erneuerung der wichtigen Krankheitenliste seit 1990. Der bislang gebrauchte ICD-10-Index ordnete die 12.161 anerkannten Krankheitsbilder in 22 Kapitel, 261 Untergruppen und 2037 Krankheitsklassen ein. Das erstmals anerkannte „Gaming Disorder” soll nach Auskunft des ORF-Onlineportals orf.at direkt nach der Glücksspielsucht (bisher ICD-10 F63.0) eingeordnet werden.

Fünf von neun Kriterien notwendig

Zuvor wurde der krankhafte Videospielkonsum bereits in der 2013 in Kraft getretenen fünften Ausgabe des US-amerikanischen Leitfadens zur Diagnose mentaler Störungen (DSM‑5) erwähnt. Für eine Einstufung unter diesem Krankheitsbild muss ein Patient über eine Dauer von mindestens zwölf Monaten fünf von neun Kriterien erfüllen. Diese sind: Gedankliche Eingenommenheit, Entzugssymptome, Toleranzentwicklung, fehlende Kontrolle, Verlust anderer Interessen, exzessive Nutzung, Vertuschung, Flucht und andere schwerwiegende Folgen.

Durch die Inklusion des „Gaming Disorder” in ICD-11 erhofft sich die WHO eine Stimulierung der Forschung in diesem Feld. Nach Einschätzungen der Weltgesundheitsorganisation betrifft die tatsächliche Verbreitung dieses Krankheitsbilds etwa ein bis zwei Prozent aller regelmäßigen Videospieler. Gelegentliche Spieler mit einem intakten sozialen Leben und einer ausgewogenen Freizeitgestaltung müssen sich also demnach keine Sorgen machen.

Psychologen: „Keine vorschnellen Diagnosen”

Experten bezweifeln allerdings, ob die Hinzunahme der Videospielsucht in den künftigen Krankheitenkatalog zweckmäßig ist. Etwa dreißig Psychologen und Psychiater warnten vor einigem Monat in einem offenen Brief vor dem Schritt. Man unterstütze zwar die notwendige „volle Aufmerksamkeit” für Suchtverhalten in diesem Bereich. Gleichzeitig bestünde „das Risiko, dass solche Diagnosen missbraucht” würden.

Man müsse vielmehr prüfen, ob die Behandlung nicht bei zugrunde liegenden Problemen wie Depressionen und sozialen Angststörungen ansetzen sollte. Man solle nicht in „moralische Panik” und „vorschnelle Diagnosen” verfallen. Vielmehr sei eine solche Einstufung geeignet „Million von Kindern zu stigmatisieren”, welche Videospiele in einem gesunden Rahmen konsumieren.

Kritik an „Pathologisierung” von Videospielen

Auch andere Experten sprachen sich damals gegen eine entsprechende Klassifikation aus. Der Kommunikationswissenschaftler Thorsten Quandt von der deutschen Uni Münster befürchtet sogar einen „Dammbruch” in der Diagnostik. In der Folge sei es möglich, diverse Nutzungsverhalten neuer Medien als „Medien-Krankheit” einzustufen. Damit wären „zahlreiche” Menschen aller Altersgruppen „qua Definition von heute auf morgen therapiebedürftig”.

Ähnlich der Tenor aus der betroffenen Videospielindustrie. Der Geschäftsführer des deutschen Verbandes Game, Felix Falk, findet es etwas „problematisch”, wenn Spielen „pathologisiert” und die Spieler „stigmatisiert” würden. US-amerikanische Kollegen empfinden die ICD-11-Inklusion als „enorm mangelhaft”. Dies stünde der „bildenden, therapeutischen und erholsamen Wirkung” von Videospielen zuwider.

ICD-11: Änderungen auch in Struktur

Allerdings ist noch unbekannt, wann die entsprechende Liste allgemeine Gültigkeit besitzt. Bei der Vorgängerversion dauerte es mehrere Jahre bis die WHO-Mitgliedsstaaten diese annahmen, teilweise in nationalen Abwandlungen. Diese Probleme aus der Praxis sollen mit ICD-11 der Vergangenheit angehören, darüber hinaus ist die neue Liste völlig den Herausforderungen der digitalen Welt angepasst.

Durch die Verwendung von diagnostischen Kurzbeschreibungen anstatt wie bisher einzeiligen Bezeichnung erhofft sich die WHO eine erhöhte Nutzerfreundlichkeit. Außerdem bieten sich durch die Einbettung in ein semantisches Netzwerk freiere Möglichkeiten, ein bestimmtes Krankheitsbild beim Patienten präziser als bislang zu klassifizieren.

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Deutschland

Meldepflicht: Soziale Netzwerke müssen „Hass-Beiträge” an BKA spielen

Joshua Hahn

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Im Kampf gegen vermeintliches „Hatespeech“ geht die Regierung erneut einen Schritt weiter. So einigten sich die Bundesministerien für Inneres und Justiz auf eine neue Meldepflicht.

Berlin. – Künftig sind die Betreiber von sozialen Netzwerken dazu verpflichtet, vermeintliche „Hass-Postings“ nicht nur zu löschen, sondern diese auch direkt an das Bundeskriminalamt weiterzuleiten. 

Löschen ist nicht mehr ausreichend

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sowie Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) einigten sich auf eine Änderung des von Heiko Maas (SPD) etablierten „Netzwerkdurchsetzungsgesetzes“. Künftig reicht es nicht mehr aus, dass Betreiber von sozialen Netzwerken Beiträge löschen, welche vermeintliche „Hetze“, z.B. Volksverhetzung, darstellen.

Stattdessen müssen die Betreiber laut dem Spiegel den entsprechenden Beitrag samt der IP- und Port-Adresse des Verfassers an das Bundeskriminalamt weiterleiten. Sollte die Weiterleitung nicht sachgemäß erfolgen, drohen Facebook und Co. ab sofort Geldstrafen. 

Änderung gilt nicht für bloße Beleidigungen

Für bloße Beleidigungen gelte die Änderung des NetzDG jedoch nicht. In diesem Fall müsse das Opfer selbst aktiv werden und Anzeige erstatten. Um die Flut an Meldungen bewerkstelligen zu können, hofft die Bundesregierung auf Einrichtung von „Schwerpunktstaatsanwaltschaften“, welche die Anklagen betreuen. Als konkrete Beispiele für meldepflichtige Inhalte wurden „Hakenkreuz-Postings“, Morddrohungen und Volksverhetzung genannt.

Erst kürzlich beschloss das Bundesland Bayern, härter gegen „Hass und Hetze“ vorgehen zu wollen. Ist der Tatbestand der Verleumdung erfüllt, können fortan Haftstrafen von bis zu fünf Jahren verhängt werden – die Tagesstimme berichtete.

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Technik

Provider sollen künftig IP-Adressen angeblicher Rechtsextremer melden

Joshua Hahn

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Bei einer Konferenz in Hamburg haben die norddeutschen Innenminister beschlossen, im Kampf gegen vermeintlichen Rechtsextremismus mehr Druck auf Netz-Provider ausüben zu wollen.

Hamburg. – Beispielsweise sollen diese dazu verpflichtet werden, gegebenenfalls die IP-Adressen direkt an Behörden weiterzuleiten. Die Maßnahme zielt erstem Vernehmen auf ein breites Spektrum von Akteuren im patriotischen Lager ab.

Provider müssen IP-Adresse zur Verfügung stellen

Der Innensenator Andy Grote (SPD) sagte nach der Konferenz laut der „Zeit“: „Wenn ich Hasskriminalität intensiver bekämpfen will, dann bedeutet das auch die Verpflichtung der Provider und Plattformanbieter, strafrechtlich relevante Inhalte auszuleiten und den Sicherheitsbehörden zur Verfügung zu stellen“.

So solle künftig auch die IP-Adresse des Verdächtigten direkt weitergeleitet werden. Im Internet gebe es eine „kommunikative Eskalation“. Diese helfe angeblich dabei, Gewalttaten vorzubereiten und zu unterstützen. Tatsächlich sind diese in der polizeilichen Statistik im Vergleich zu sogenannten ‚Propagandadelikten’ allerdings in der Minderheit.

Demokratiegefährdende Bedrohungslage“

Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamts, sprach auf der Konferenz von einer „demokratiegefährdenden Bedrohungslage“. Es ließe sich außerdem eine „extrem verstärkte Gewaltbereitschaft“ feststellen, sagte der christdemokratische Innenminister Mecklenburg-Vorpommerns, wie „Heise Online“ berichtet. Die Minister forderten deshalb die Netzbetreiber dazu auf, künftig besser mit den Behörden zu kooperieren.

Maßnahme zielt auf diverse rechte Inhalte ab

Als Grundlage für die Maßnahme soll dabei ein Lagebild dienen, welches zu vermeintlichen Rechtsextremismus erstellt würde. Der Chef des Hamburger Verfassungsschutzes, Torsten Voß, stellte heraus, dass man sein Augenmerk vordergründig auf lose Netzwerke legen will sowie Kameradschaften mit regionalen Bezügen beobachten möchte.

Neben diesen Gruppen nimmt man allerdings auch die programmatisch gewaltfreie Identitäre Bewegung (IBD) ins Visier, weil sie angeblich „Angst vor Flüchtlingen” schüre. Die patriotische Protestgruppe erreichte kürzlich vor dem Verwaltungsgericht Köln eigentlich, dass der Verfassungsschutz sie nicht mehr als „gesichert rechtsextremistisch” bezeichnen darf – Die Tagesstimme berichtete.

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Technik

Verdacht auf Kartellbildung: Facebook drohen weitere Untersuchungen

Joshua Hahn

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am

Offenbar will das US-amerikanische Justizministerium Ermittlungen einleiten.

Menlo Park. – Laut der Nachrichtenagentur Reuters sollen dem Konzernweitere Kartelluntersuchungen drohen. Sollte dies tatsächlich der Fall sein, wäre es bereits die vierte laufende Untersuchung gegen das soziale Netzwerk.

Informationen von Insider

Reuters bekam die Informationen über die angeblich bevorstehende Untersuchung von einer mit der Sache „vertrauten Person“. Facebook rückte in der Vergangenheit bereits mehrmals in den Fokus von Ermittlungen. Immer wieder wird dem Unternehmen eine zu große Marktmacht unterstellt.

Auch ein mangelnder Datenschutz ist oft Thema, zuletzt äußerte sich dieser beim Cambridge Analytica-Skandal während der Präsidentschaftswahl in den USA. Derzeit laufen drei Untersuchungen gegen den Milliardenkonzern. Laut „n‑tv“ äußerte sich Facebook selbst nicht zu den Vorwürfen des Insiders. 

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