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Afghanistan: Erste Waffenruhe nach 17 Jahren befeuert Friedenshoffnung

Symbolbild (Waffenrückgabe durch Ex-Taliban-Kämpfer 2012): isafmedia via Wikimedia Commons [CC BY 2.0]

Zum ersten Mal in 17 Jahren hielten die Taliban und die afghanische Regierung zum Ende des Fastenmonats Ramadan eine dreitägige Feuerpause ein. Es folgte am Montag sogar ein Gespräch des Innenministers Wais Barmak mit einigen Taliban‐Vertretern. Diese Ereignisse lassen die afghanische Bevölkerung, die seit nunmehr 40 Jahren in permanentem Kriegszustand lebt, auf längerfristigen Frieden hoffen.

Anlass für die Waffenruhe waren die für Muslime hohen Eid‐Feiertage zwischen Freitag und Sonntag. Dabei spielten sich Szenen ab, die in dieser Form in Afghanistan seit Jahrzehnten nicht mehr denkbar waren. Zehntausende Taliban‐Kämpfer verließen ihre Posten an der Front und feierten gemeinsam mit der Zivilbevölkerung in sonst abgeschotteten Städten. Obwohl der gemeinsame Waffenstillstand nur drei Tage dauerte, handelt es sich um die ersten Tage ohne gröbere Auseinandersetzungen seit dem Sturz des früheren Taliban‐Regimes im Herbst 2001.

Gespräche zwischen Regierung und Taliban

Die einstweilige Waffenruhe nährte die Hoffnung vieler Afghanen, dass die Feuerpause eine beidseitige Verlängerung erfahren könnte. Allerdings kam es bereits am Sonntagabend in einigen Provinzen erneut zu Taliban‐Attentaten. Das erstmalige Ruhen der Waffen könnte dennoch eine Annäherung der Streitparteien bringen. Der afghanische Innenminister Wais Barmak traf sich am Montagmorgen mit einigen Taliban‐Vertretern.

Die Aussichten, dass diese Gespräche womöglich der erste Schritt zu einem dauerhaften Waffenstillstand sein könnten, hieß die Bevölkerung mit Jubelrufen willkommen. Die afghanische Regierung hatte zuvor bereits am 12. Juni eine einseitige Feuerpause angeordnet und damit die vergangene, bilaterale Aussetzung der Kampfhandlungen ermöglicht.

Afghanistan: Beobachter fürchten IS‐Erstarken

Die Taliban sind jedoch nicht die einzige islamistische Miliz, welche der Regierung des zentralasiatischen Landes Sorgen bereitet.  Die dschihadistische Gruppe Islamischer Staat (IS) beteiligte sich am Wochenende nicht an der Feuerpause. Vielmehr verübten die Anhänger der Terrormiliz mehre blutige Attentäte nahe der Staat Jalalabad mit über 100 Todesopfern. Die Taliban befahlen ihren Kämpfern am Sonntag deswegen sogar, die betroffenen Städte zu meiden, um Verluste in den eigenen Reihen zu verhindern.

Auch wenn die IS‐Anhängerschaft in Afghanistan seit Jahren bei ca. 4000 Anhängern stagniert, stellt er dennoch eine Bedrohung für einen möglichen, zukünftigen Frieden im Land dar. Beobachter befürchten, dass die weiterhin instabile politisch Lage der salafistischen Miliz einen willkommenen Nährboden bereiten könnte.

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