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Italien: Salvini für Aufhebung der umstrittenen Impfpflicht für Kinder

Symbolbild: Pixnio [CC0]

Ein Jahr nach der Einführung einer allgemeinen Impfpflicht für Kinder in Italien gibt es erneut Debatten zur Sinnhaftigkeit der Regelung. Der neue Innenminister Matteo Salvini (Lega) plant eine Lockerung der bisherigen Bestimmungen. 

Besonders eine Regelung, wonach ungeimpften Kindern der Schulbesuch verweigert werden kann, sorgte in der Vergangenheit für erhitzte Gemüter. Diese soll nun fallen, ab kommendem Schuljahr sollen Kinder auch dann wieder die Regelschule besuchen dürfen, wenn sie ungeimpft sind. Auch in Österreich entbrennen immer wieder ähnliche Debatten, heimischen Eltern bleibt es jedoch weiterhin freigestellt, ob sie ihre Kinder einer Schutzimpfung unterziehen wollen.

Salvini: „Niemanden aus Klassengemeinschaft ausschließen”

Gegenüber dem toskanischen Hörfunk‐Sender RadioStudio 54 bekräftigte Salvini seine Ansicht, wonach die Priorität sei, niemanden „aus der Klassengemeinschaft auszuschließen”. Damit löse er ein Wahlversprechen ein, außerdem seien die Anzahl von zehn Pflichtimpfungen „zu viel des Guten”. In vielen Fällen halte er dies sogar „gefährlich für die Gesundheit”. Allerdings müsse er sich diesbezüglich noch mit dem Koalitionspartner M5S absprechen.

Dieser stellt mit Giulia Grillo – nicht verwandt mit Parteigründer Beppe Grillo – die Gesundheitsministerin. Auch wenn sie Impfungen als „fundamentales Mittel” für die öffentliche Gesundheit sehe, bestätigte sie die Absicht der Regierungskoalition, das Gesetz aufzuheben bzw. abzuändern. Mit diesem erhoffte sich die Vorgängerregierung einen Anstieg der Durchimpfungsrate auf die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen 95%.

Zustimmung und Ablehnung zu Vorstoß

Die Aussagen Salvinis weckten im Land unterschiedliche Reaktionen. So sieht etwa Arno Kompatscher (SVP), Landeshauptmann der mehrheitlich deutschsprachigen Autonomen Provinz Südtirol, die eigenen Ansichten bestätigt. Man sei zwar der „Überzeugung, dass Impfen schützt” und Leben rette. Gleichzeitig dürfe man das Recht auf Gesundheit nicht gegen das Recht auf Bildung ausspielen.

Der Immunologe Roberto Burioni – bekannter Befürworter der einstigen Impfpflicht‐Einführung – hingegen protestierte gegen die Äußerungen des Innenministers. Die zehn Impfstoffe, welche dieser vermeintlich als „sinnlos und schädlich” bezeichne, würden weltweit „das Leben von Millionen” Menschen retten. Salvini sei kein Wissenschaftler und solle vielmehr konkret benennen, welche Impfungen er als überflüssig betrachte.

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