Kultur

Johannis‐/Bergfeuer: Volkstradition erhält uralte Sonnwendbräuche

In vielen Gegenden ist auch das Abrollen eines brennenden Strohrades fester Bestandteil des Sonnwendbrauchtums. Symbolbild: Wikimedia Commons [CC0]

Landlauf, landab werden rund um den 23./24. Juni wieder die Bergfeuer entzündet. Der beliebte Brauch, welcher vielerorts das Fest des Hl. Johannes darstellt, geht auf alte, heidnische Wurzeln zurück. 

Anlässlich der Sommersonnwende finden sich im alpenländischen Brauchtum diverse Bräuche. Der wohl bekannteste davon ist das Johannisfeuer. In deren Feier vereinen sich einmal mehr uralte, vorchristliche Vorstellungen mit biblischen Ansätzen zu einem allseits beliebten Volksbrauch. In Österreich ist das Abbrennen von Brauchtumsfeuern genehmigungspflichtig. Dort organisieren heute zahlreiche Vereine von Pfadfindern über Alpenvereinssektionen bis zu Studentenverbindungen ihre eigenen Bergfeuer.

Bergfeuer: Alte heidnische Relikte

In der Forschung gelten die heidnischen Wurzeln des Festes als gesichert. Für die naturverbundenen Völker war der Sonnenlauf von großer Bedeutung für Leben und Überleben. Selbst die Etymologie der zeitweise jeweils obersten Götter der Indogermanen wie Zeus, Jupiter, Tiwaz/Ziu (< uridg. *dyeu‐ „leuchten, scheinen”) lässt eine frühe Sonnenverehrung vermuten. Auch die Vorstellung der Sonne als sich stets drehendes Rad im Tages‐ und Jahreskreis ist bereits in der Bronzezeit bezeugt – und hält sich im Brauchtum teilweise bis heute.

In vielen Gegenden Nord‐ und Mitteleuropas ist das Abrollen eines feurigen Strohrades von einem Berg tatsächlich weiterhin fester Bestandteil der Sonnwendbräuche. Mancherorts ist es weiterhin üblich, auch Strohfiguren am Feuer zu verbrennen. Ein Sprung über das Feuer soll reinigen, bei Paaren symbolisiert es die baldige Vermählung. Auch neuheidnische Gruppen übernahmen in den vergangenen Jahrzehnten diese alte Vorstellung für ihre Feste.

Christliches Johannisfest

Die Bedeutung der Feiern war derart groß, dass es der Kirche nicht möglich war, die heidnischen Sitten vollends zu brechen. Entsprechende Bestrebungen gab man deshalb bereits im 5. Jahrhundert auf. Wie auch bei einigen Bräuchen des Osterfestes versuchte man stattdessen, den Feiern einen christlichen Anstrich zu geben. Anhand einer Berechnung aus dem Lukasevangelium legte man die Feier des Hl. Johannes des Täufers auf den 24. Juni und verband einige Überlieferungen mit den Bräuchen.

Denn sowohl für die Bergsymbolik, ein Taufritual in symbolischem Feuer sowie die Sonne als Sinnbild Jesu gibt es biblische Belege. Als ausgewiesen christlicher Volksbrauch sind Feuerbräuche an diesem Tag erstmals ab dem 12. Jahrhundert zweifelsfrei belegt, sowie am dem 14. Jahrhundert regelmäßig. Angesichts der vielen beinahe unverfälschten Bräuche ist jedoch von einer ungebrochenen Kontinuität auszugehen. Im Laufe der Zeit ergänzte man diese dann durch christliche Traditionen oder Umdeutungen des Volksglaubens.

Herz‐Jesu‐Feuer: Keine direkte Verbindung

Keine direkte Verbindung haben die oftmals zur selben Jahreszeit stattfindenden Herz‐Jesu‐Feuer in Tirol. Die weithin sichtbaren Signalfeuer beziehen sich auf den überraschenden Sieg der Tiroler Schützen gegen französische Truppen im Jahr 1796/97. Der Abt des traditionsreichen Zisterzienserstift Stams schlug im Vorfeld vor, das Tiroler Schicksal dem „Heiligsten Herz Jesu” anzuvertrauen.

Die Feuer selbst fungierten dabei als Aufruf zum Landsturm. Da sich das entsprechende Fest anhand des Oster‐ und Pfingstdatums errechnet, kommt es dabei regelmäßig vor, dass Bergfeuer und Herz Jesu‐Feuer zeitlich zusammenfallen. Nicht in diesem Jahr – aufgrund des frühen Osterfestes fand auch Herz Jesu 2018 bereits am 9. Juni statt.

Nordisches Midsommar/Sankt Hans

Eine Besonderheit bei den alljährlichen Feiern zum Sommerbeginn stellt hingegen das schwedische Midsommar dar. Im nordischen Land haben die Bräuche im Gegensatz zu den meisten europäischen Ländern kaum christliche Überformung erhalten. In Schweden gilt das Fest als zweitwichtigste Feier nach dem Weihnachtsfest, gefeiert wird gemeinsam mit Freunden und Verwandten in ländlichen Regionen.

Die Bräuche samt Tanz um den Maibaum sowie den typischen kulinarischen Spezialitäten wie Hering und Erdbeeren fanden weltweiten Niederschlag in der Popkultur. Ebenfalls einzigartig sind die Feste im benachbarten Dänemark: Dort übernahm man Elemente des kontinentalen und nordischen Brauchtums. Je nach Region findet man dort wahlweise Feuerbräuche einschließlich der Verbrennung von Strohhexen, oder Maibäume – oder mitunter beides. In Schweden hingegen sind Feuerbräuche zum Fest hingegen eher unüblich.

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