Österreich Politik

Tirol: Landesschulrat kritisiert Wiedereinführung verpflichtender Schulnoten

Symbolbild (Jahreszeugnis in einer Tiroler Volksschule): Die Tagesstimme [Alle Rechte vorbehalten]

An der geplanten zukünftigen Rückkehr zu verpflichtenden Schulnoten regt sich erneut Kritik – diesmal aus Tirol. In diesem Bundesland verwenden besonders viele Volksschulen eine alternative Leistungsbewertung (ALB). 

Im westösterreichischen Bundesland ist man bei Pädagogen mit den Plänen der Regierung in diesem Bereich offenbar nicht zufrieden. Die türkis‐blauen Bundesregierung schrieb in ihrem Regierungsprogramm fest, dass hinkünftig eine Benotung mit Ziffernnoten wieder maßgeblich sein soll. Eine beschreibende Bewertung ist dann nur mehr zusätzlich und optional möglich – nicht jedoch als alleiniger pädagogischer Maßstab. Umgestellt wird voraussichtlich im Herbst 2019.

Tirol: Landesschulinspektorin gegen Noten‐Rückkehr

Keine Freude mit dem Vorstoß von Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) hat die Tiroler Landesschulinspektorin Ingrid Handle. In Tirol haben besonders viele Schulen von der traditionellen fünfteiligen Notenskala abgesehen. Gleich 226 von 360 Volksschulen im Bundesland verwenden stattdessen die ABL. Handle führt ins Feld, dass sowohl Elternvertreter als auch Schulbedienstete mit dieser Art der Benotung zufrieden seien. Gerade Eltern hätten einen „guten Einblick”, eine Rückkehr zum alten System finde sie hingegen „schade”.

Kritik bereits bei ALB‐Einführung

Seit Beginn des Schuljahres 2016/17 ist es Volksschulen möglich, in den ersten drei Schulstufen anstelle der althergebrachten Ziffernnoten eine beschreibende Bewertung der Schüler vorzunehmen. Bei der Einführung dieses System handelte es sich um ein Prestigeprojekt der ehemaligen Bildungsministerin Gabriele Heinisch‐Hosek (SPÖ). Sowohl Vertreter der Volkspartei, als auch der Freiheitlichen sahen eine notenfreie Grundschule bereits damals kritisch. Bereits kurz nach der ALB‐Einführung sorgten auch die Modalitäten der Umsetzung für einigen Diskussionsstoff.

Bevölkerung: Mehrheit sieht Bildungspläne positiv

Seitdem die neue Bundesregierung bei der Erstellung des Koalitionsabkommens entschied, derartige Leistungsbewertung nur mehr als zusätzliche Option zuzulassen, sind sich Pädagogen uneinig, ob es sich bei dieser Änderung um eine sinnvolle Initiative handelt. Auch Heinisch‐Hoseks Parteikollegin und einstweilige Nachfolgerin im Bildungsressort, Sonja Hammerschmid, bezeichnete den Vorstoß im Jänner als „Retro‐Pädagogik”

Die Mehrheit der Österreich sieht die Bildungspläne der Bundesregierung jedoch vorwiegend positiv. Neben der Wiedereinführung der Schulnoten will man die Prüfung der Schulreife vereinheitlichen. Dazu kommen voraussichtlich „Talente‐Checks” in der dritten und siebten Schulstufe. Diese sollen als Informationshilfe für Eltern und Lehrpersonen dienen, welche Kompetenzen – im positiven wie im negativen – einer zusätzlichen Förderung bedürfen.

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