Kultur

Ausladung durch Gemeinde: Kabarettist wittert „politische Zensur”

Bild Going: Keith Ruffles via Wikimedia Commons [CC BY 3.0] // Bild Markus Koschuh: Albert Bloch (Fotograf) / Kufsteinerland via Flickr [CC BY 2.0] // Collage: Die Tagesstimme.

In Tirol sorgt die Streichung eines Auftritts des überregional bekannten Kabarettisten Markus Koschuh von einem Auftritt im Oktober derzeit für Aufregung. Der Künstler sieht sich als Opfer „politischer Zensur”.

Das aktuelle Programm des sozial‐ und gesellschaftskritischen Unterhaltungskünstlers („Hochsaison – Der letzte macht das Licht aus”) geht aufgrund anhaltenden Erfolges in seine zweite Spielsaison. Das Werk ist eine bitterböse Groteske, welche die gewinnbringenden Vermarktung der heimischen Tradition sowie das geschäftstüchtigen Treiben von Touristikern und Seilbahnbetreibern schonungslos aufs Korn nimmt.

Koschuh sieht „politische Zensur in Reinkultur”

Ebendieses hätte Koschuh Anfang Oktober auf Gemeindekosten auch in Going am Wilden Kaiser vorführen sollen. Nun wurde der durch seine scharfsinnigen Parodien gleichermaßen streitbare wie beliebte Künstler einem Bericht der Tiroler Tageszeitung zufolge ausgeladen. Dieser vermutet nun eine Intervention von Touristikerverbänden und bezeichnet die Streichung seines Auftritts als „politische Zensur in Reinkultur”.

In einem Facebook‐Beitrag machte Koschuh seinem Ärger Luft. Er erhebt darin Anschuldigungen, wonach sogar ein Vertreter der Landesregierung dem dortigen Bürgermeister die Absage nahegelegt habe. Wenn wegen seines Kabaretts „von höchster Stelle interveniert” werde, so Koschuh, dann sei „Schluss mit lustig”.

TVB‐Adelsberger: „Haben auch Mitterer ausgehalten”

Der Regionalobmann des Tourismusverbandes (TVB), Hans Adelsberger, dementierte indes eine Einflussnahme seines Verbandes. Immerhin habe man auch die Satiren eines Felix Mitterer ausgehalten. Auch letzterer parodierte in den 1990er‐Jahren mit seiner „Piefke‐Saga” die touristische und gesellschaftliche Landschaft Tirols, welche im vierten Teil in einer dystopischen Zukunftsvision ihren umstrittenen Höhepunkt nahm. Adelsberger unterstrich, dass er lange genug im Geschäft sei, um zu wissen, dass es durchaus Dinge im heimischen Tourismus gäbe, welche man kritisieren könne.

Bürgermeister: Ausladung nach YouTube‐Durchsicht

Auch Bürgermeister Alexander Hochfilzer erklärte, es habe vonseiten des Landes Tirol keinerlei Intervention stattgefunden. Vielmehr habe man sich nach der ursprünglichen Buchung anhand von YouTube‐Ausschnitten über das Programm des Künstlers informiert. Man wolle den guten Draht zu Tourismusverbänden, Seilbahnbetreibern und Land nicht dadurch gefährden, indem man mit öffentlichen Geldern einen Kabarettisten auftreten, welcher „scharf gegen die Regierung schießt”. Man wolle sich in Zukunft vorzeitig stärker informieren, bevor man einen Künstler engagiert.

Koschuh selbst möchte jedenfalls weiterhin in der Gemeinde auftreten und bat seine Fangemeinde, ihm Ausweichlokale in Going vorzuschlagen. Seiner Ansicht nach müsse „Kabarett in Tirol möglich sein”.

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