Gesellschaft Welt

Nach Titelgewinn: Schwere Ausschreitungen erschüttern Frankreich

Frankreich sieht sich seit geraumer Zeit zusehends mit Unruhen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund konftrontiert. Symbolbild (Krisenübung von US-Marines und franz- Gendarmerie 2014): Wikimedia Commons [CC0]

Im Land des frischgebackenen Fußball‐Weltmeisters Frankreich kam es am Sonntagabend während der Feierlichkeiten zu schweren Ausschreitungen. Während hunderttausende Menschen friedlich den 4:2-Finalsieg der „Les Bleus” gegen die kroatische Auswahl bejubelten, sorgten Randalierer mit Plünderungen und Unruhen für negative Schlagzeilen. 

In der Hauptstadt Paris plünderten etwa dreißig Jugendliche ein Spirituosengeschäft auf der Nobelmeile Champs‐Elyssées. In Lyon kam es zu Brandstiftungen und Straßenschlachten mit der Polizei, etwa 100 Personen beteiligten sich an den Tumulten. Auch aus Straßburg, Marseille und Rouen kam es laut Medienberichten zu Ordnungswidrigkeiten. In Nancy wurden zwei Kinder – drei und sechs Jahre alt – durch ein Motorrad angefahren und erheblich verletzt, der Lenker beging Fahrerflucht. Es kam in der Folge zu dutzenden Festnahmen.

Paris‐Plünderer: Aufregung um Migrationshintergrund

Für Aufregung in sozialen Medien sorgte derweil ein Video von der Erstürmung der Boutique auf der Pariser Prachtstraße. Ein nach Eigendefinition ‚konservatives Mediennetzwerk’ teilte das Filmdokument, welches mittlerweile von mehreren hunderttausend Menschen gesehen wurde. Da es sich bei den abgebildeten Personen vorwiegend um dunkelhäutige Personen handelt, kommentierte das Portal die Vorgänge mit den Worten:  „Wenn man die dritte Welt importiert, wird man selbst zur dritten Welt”:

Bereits im Vorfeld des Finalspiels stilisierten mehrere Medien das Aufeinandertreffen zwischen Frankreich und Kroatien zu einem Kräftemessen zwischen dem multikulturellen französischen Team und dem vermeintlich nationalistischen kroatischen Team. Entsprechend orientierten sich auch die Kommentare konservativer Kritiker in ihrer mitunter scharfen Bewertung der Vorfälle im Umkehrschluss an diesem Narrativ:

Erinnerung an jüngste Banlieue‐Krawalle

Manche Beobachter fühlten sich außerdem an die jüngsten Banlieue‐Krawalle eingangs des Monats erinnert. Auslöser war dort die Polizeikontrolle eínes 22‐jährigen Migranten, welche mit dessen Tod endete – die Exekutive sprach von Notwehr. In der Folge kam es in mehreren französischen Städten zu gewalttägigen Auseinandersetzungen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund und Einsatzkräften. Insbesondere in Nantes wurden vonseiten der Randalierer dabei Autos, Busunterstände, Geschäfte und örtliche Einrichtungen verwüstet.

Frankreichs Kampf mit Migranten‐Unruhen

Seit über zehn Jahren kämpft Frankreich mit regelmäßigen Unruhen in den stark von Migranten geprägten Vororten, immer wieder kommt es dort zu heftigen Protesten. Das Land befand sich aufgrund anhaltender Terrorgefahr außerdem nach den Anschlägen von Paris im November 2015 über zwei Jahre lang durchgehend im Ausnahmezustand. Auch mehrere der damaligen Attentäter wuchsen in den Brennpunktgegenden im Außengürtel der großen französischen Städte auf.

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