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Meinung

Kolumne: „Die Freiheitlichen ringen um ihre Glaubwürdigkeit”

Julian Schernthaner

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am

Symbolbild (Strache 2008): Christian Jansky via Wikimedia Commons [CC BY-SA 3.0] [Bild zugeschnitten]

Über Jahre hinweg schaffte es die FPÖ sich – samt ihrer Beschreibung als „soziale Heimatpartei” – zunehmend die Gunst des „kleinen Mannes” zu sichern. In der Regierung angekommen, müssen sich die Freiheitlichen nun strecken, um dieses Klientel bei Laune zu halten. 

Kommentar von Julian Schernthaner

Außer Frage steht, dass ich mich zu jener relativen Mehrheit der Bevölkerung zähle, welche mit der Arbeit der neuen Regierung zufriedener ist als mit ihrer Vorgängerkoalition. Sie konnte etwa wichtige familienpolitische, und sicherheitspolitische Impulse setzen. Gleichzeitig fällt auf: Profiteur im öffentlichen Ansehen ist nicht der Neuling in der Koalition, sondern der alte Hase – selbst bei einstigen freiheitlichen Kernthemen. Die Freiheitlichen ringen indes um ihre Glaubwürdigkeit.

Die bequeme Lage der Volkspartei

Freilich: zu einem gewissen Anteil ist’s die alte Weisheit. Traditionell verbucht der Souverän etwa die guten Dinge für den Kanzler – und scheltet seinen Vize für die schlechten. Der langjährige Vergleich zeigt: die Position des Stellvertreters ist ein politisches Himmelfahrtskommando. Nur zwei Vizekanzler machten den ultimativen Schritt zum Kanzler – Sinowatz und Schüssel. Schärf konnte sich immerhin zum Bundespräsidenten aufschwingen, für den Löwenanteil der siebzehn übrigen Strache-Vorgänger war die politische Karriere weitestgehend gelaufen.

Zusätzlich kommt der Volkspartei inhaltliche und personelle Breite sowie über 30 Jahre durchgängiger Regierungsverantwortung zugute. Angesichts der Unmöglichkeit der früheren und nunmehrigen Präferenz der Arbeiter zur Zusammenarbeit, weiß die ÖVP, dass de facto kein Weg an ihr vorbei führt. Interessen ihres Wirtschaftsflügels konnten deshalb zur Koalitionsbedingung werden – wahlweise für einen roten oder blauen Partner. Die Partei kann nun gleichzeitig einen „neuen Stil” predigen – und jahrelange Forderungen als konsequente Wertetreue vermarkten.

Klassische FPÖ-„Umfaller”

Für die Freiheitlichen bedeutet das Mitschneiden am Regierungskuchen hingegen einen Zwang, einige frühere Positionen in diesem Bereich hochkant über Bord zu werfen. Gewiss, für die allermeisten Arbeitnehmer wird sich durch die neuen Arbeitszeitregeln weder etwas zum Positiven noch zum Negativen verändern. Dennoch bezeichnete Heinz-Christian Strache den Vorstoß in der Opposition einst als „asoziale, leistungsfeindliche Idee” und macht sich damit zum willkommenen Ziel der Kritik.

Norbert Hofer wiederum wollte als potentieller Bundespräsident dem umstrittenen Freihandelspakt CETA die Unterschrift verweigern. Nun trug er ihn als Infrastrukturminister mit. Den mäßigenden Gegenpol durfte stattdessen sein ehemaliger Widersacher Alexander van der Bellen geben. Ob ein blauer Präsident seinem langjährigen Weggefährten und dessen (Vize-)Königsmacher hier einen Strich durch die Rechnung gemacht und ähnlich gehandelt hätte, darf bezweifelt werden.

Steilvorlage für Sozialdemokraten?

Völlig richtig ist zwar der Einwand, dass auch die SPÖ in diesen Fragen unter Schirmherrschaft ihres – zum Glück für die Regierung – weiterhin seine Oppositionsrolle suchenden Kurzzeit-Kanzlers Christian Kern einen beachtlichen Schwenk in beiden Fragen unternahm. Allerdings wechselte die Wählergunst der Arbeiterschaft kaum von der SPÖ zu den Freiheitlichen, weil sie sich durch die roten Impulse der vergangenen Jahre gut vertreten fühlten – im Gegenteil.

Die Partei verfügt außerdem über ein ungebrochen starkes Netzwerk in Gewerkschaften, Gremien und Kammern. Die SPÖ-Nähe vieler Journalisten in Medienhäusern und im Rundfunk kommt ihr ebenso zugute. Während sich die Freiheitlichen in einem Vielfrontenkrieg gegen den Vorwurf des „Arbeiterverräters” wehren müssen, erfreut sich die Oppositionspartei bei ihrer Reinwaschung als wiedergeborener Arbeiterfreund der Reichweite gesinnungsnaher Akteure.

Mögliche Eigentore in den Startlöchern

Dass sich das Ganze noch nicht in Umfragen auswirkt, dürfte auf die noch fehlende Wirkung der Maßnahmen zurückgehen. Noch kauft man der FPÖ ihre Beschwichtigungen eher ab als der SPÖ die Rückbesinnung auf ihre Wurzeln. Gesichert scheint dennoch: Sobald der Pflasterer Günther tatsächlich 4,5 Tonnen täglich mehr über seinen Buckel hebt, ist’s völlig einerlei, ob der Planierer Peter ein verlängertes Wochenende hat. Zivilgesellschaftlich, sozialpartnerschaftlich und medial wird man die sprichwörtliche (blaue) Sau durchs Dorf treiben, dass kein Stein auf dem anderen bliebt.

Und weitere kapitale „Böcke” stehen an – etwa durch die Nichtverlängerung der Befreiung von der Studiengebühr bei berufstätigen Studenten durch das ÖVP-Wirtschaftsministerium. Da vor allem Menschen aus finanzschwachen Familien dabei auf einen Zuverdienst angewiesen sind, beschneidet man durch die freiheitliche Goutierung obendrein die Bildungschance des eigenen Klientels; Dauerstudenten aus grünem Akademikerelternhaus, die als Beruf „Sohn/Tochter” sind, betrifft das nämlich eher nicht. Die einstige Abschaffung forcierte man übrigens gemeinsam mit SPÖ und Grünen einst selbst.

Solidarität und Rückgrat als Gretchenfrage

Insgesamt sieht der Autor dieser Zeilen für die Glaubwürdigkeit der Partei einigermaßen schwarz – auch weil die Partei bislang auf Gegenwind oft falsch reagierte. Bei Anwürfen aller Art war nicht Angriff die beste Verteidigung – in der Sachpolitik übte man Beschwichtigung. Bei Kampagnen gegen Funktionäre oder patriotische Akteure reagierte man mit Distanzierung anstelle von Solidarität. In Niederösterreich stolperte sogar der eigene Spitzenkandidat über die rot-grüne Salamitaktik – und trat wegen unbestätigter und letztlich unhaltbarer Vorwürfe zurück.

Und im Mammutprozess gegen siebzehn patriotische Aktivisten in Graz bleibt das Statement des freiheitlichen Justizsprechers gegenüber der Tagesstimme weiterhin die einzige (!) prominente, freiheitliche Wortmeldung zur Causa. Obwohl das Verfahren im Ernstfall auch eigenes Ungemach bedeuten könnte, hüllen sich weite Teile der Partei weiterhin in Schweigen. Dabei erwartet sich die patriotische Zivilgesellschaft genau hier eigentlich eine ähnliche Solidarität, wie sie seitens von SPÖ und Grünen den Tierschützern im VGT-Prozess zuteil wurde.

Das Dilemma der Freiheitlichen

Die Freiheitlichen befinden sich in einer gefährlichen Situation, nicht unähnlich dem Seehofer-Dilemma beim Nachbarn. Sie müssen die Zugeständnisse innerhalb der Regierung jonglieren und gleichzeitig die Kernwählerschaft bei Laune halten. Weite Teile der Medienlandschaft und viele personal- und finanzstarke Akteure sind ihnen gegenüber – milde ausgedrückt – abwartend gesonnen und warten auf willkommenes Futter. Und dass sie keinen Alleinanspruch auf ihre traditionellen Themen hat, zeigte die letzte Nationalratswahl. Im Frühjahr noch bei 35 Prozent in den Umfragen, reüssierte stattdessen der Spitzenkandidat des späteren Koalitionspartners an der Urne – mit freiheitlichen Schwerpunkten.

Dreierlei Notwendigkeiten

Bereits einmal musste die FPÖ eine interne und externe Duckmäuserei mit erheblichem Vertrauensverlust beim folgenden Wahlgang bitter bezahlen. Will sie das Schicksal vermeiden, muss sie eine Reihe an Dingen beachten. Sachpolitisch muss sie ihr Profil schärfen und auch dem Koalitionspartner Paroli bieten. Bei Anschuldigungen aus dem Abseits soll sie die Vorgänge intern prüfen anstatt medienwirksam über jedes Stöckchen feindlich gesinnter Akteure zu springen.

Weiters sollte sie den Aufbau einer patriotischen Gegenöffentlichkeit goutieren und fördern – anstatt wegen vermeintlicher oder tatsächlicher Kleininserate in alternativen Medien ins Schwitzen zu geraten, wenn millionenschwer geförderte Konkurrenzblätter dies skandalisieren. Das einzig positive aus Sicht der Freiheitlichen für ihre Glaubwürdigkeit bei der Basis ist: bis zu den nächsten Wahlen auf Landes- oder Bundesebene verbleibt einige Zeit, an den nötigen Schrauben zu drehen. Aber: Tempus fugit.

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1 Kommentar

1 Kommentar

  1. Avatar

    Zickenschulze

    18. Juli 2018 at 14:04

    ” CETA. Nun trug er ihn als Infrastrukturminister mit. ”
    Ein Koalitionsdünnschiss.

    Italien erteilt CETA eine Abfuhr.

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Meinung

SPÖ-Politikerin nützt Hanau für billigen Angriff auf patriotische Medien

Julian Schernthaner

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Die Instrumentalisierung des fürchterlichen Amoklaufs von Hanau will auch eine Woche später nicht aufhören. Für die innenpolitische Sprecherin der SPÖ, Sabine Schatz, ist es sogar ein Anlass, wieder einmal gegen patriotische Medien vom Stapel zu lassen.

Kommentar von Julian Schernthaner.

Ja, sie hat es wieder getan. Weil irgendein Verrückter in einem anderen Land zur Waffe greift und Personen mit Migrationshintergrund erschießt, wird das ganze patriotische Lager in Geiselhaft genommen. Im Fall von Sabine Schatz heißt das, sie widmet sich wieder einmal ihrem Intimfeind: der patriotischen Publizistik. Diesmal zielt sie insbesondere auf die beiden oberösterreichischen Medien Info-DIREKT und Wochenblick ab. Das ganze ist ein durchschaubares Manöver, die Gegenöffentlichkeit mit absurden Anschuldigungen aus der Geltung zu bringen.

Der billige Schuss auf patriotische Medien

Freilich, die ganze Sache kommt nicht von ungefähr. Bereits im bundesrepublikanischen Meinungsmacher-Irrsinn hatten sich einige Elemente der veröffentlichen Meinung nicht nur auf die AfD eingeschossen. Der Spiegel-Miteigentümer Jakob Augstein ging einen Schritt weiter und wetterte auch gegen Mitbewerber. Er machte Thilo Sarrazin, Henryk Broder und Roland Tichy verantwortlich, diese seien „Wegbereiter der Gewalt”, welche die „Verrohung des Diskurses” vorangetrieben hätten. Ein Amoklauf wurde also zum freien Schuss gegen jene, welche die Lücken schließen, die auch das eigene Relotius-Medium hinterlässt.

Nun hat die Debatte die österreichische Politik erreicht. Denn Sabine Schatz, erinnerungspolitische SPÖ-Sprecherin aus Oberösterreich, will allen Ernstes vom Innenminister wissen, ob der mutmaßliche Täter von Hanau heimische patriotische Magazine oder Blogs konsumiert habe. Wörtlich nennt sie dabei den Wochenblick und Info-DIREKT. Sie fragt auch nach Verbindungen des kriminellen Einzeltäters zu den Identitären oder zu Burschenschaften. Diesmal völlig ohne Grundlage, Anlass oder Anfangsverdacht – sondern einfach, damit die Frage wieder einmal auf dem Tapet ist.

Schatz-Feldzug gegen freie Medien hat System

Man könnte es als hysterische Überreaktion einer Berufsempörten weglachen. In Wirklichkeit hat die Sache bei Schatz aber System. Vor anderthalb Jahren war sich die Dame nicht einmal zu schade, zu skandalisieren, dass sechs patriotische Medien, insgesamt 31,90 Euro aus einem 40.000-Euro-Topf für Google-Werbung erhielten. Besonders schlimm war damals, dass die Tagesstimme mit sagenhaften €2,72 am vermeintlich üppigen Inseratenkuchen mitgeschnitten hatte. Sie wetterte, dass das damals blaue Innenministerium „mit Steuergeld dubios-rechte Medien” finanziere. Im Fall des Wochenblick forderte sie explizit einen Inseratenstopp, der sich auf die vermeintliche Gesinnung eines Redakteurs stützte.

Das ganze wäre halb so kurios, wenn nicht gerade in Wien eine Untersuchungskommission über nebulöse Förderungen für wohlgesonnene Medien tagen würde. Dort soll das selbsterklärte Bürgerfernsehen Okto TV, dessen tägliche Seherzahlen sich im dreistelligen Bereich bewegen, neben einer Millionenförderung auch noch weitere Dienstleistungen abgerechnet haben – es gilt die Unschuldsvermutung. Abgenickt hat das dort unter anderem auch die Partei von Schatz. Aber kaum erhalten patriotische Medien eine Summe, die nicht einmal für eine überregionale Zugfahrt ausreicht, ist der Teufel los. Folgerichtig skandalisierte sie auch, dass die gesamte patriotische Publizistik 116.000 Euro von insgesamt 384 Mio. Euro an politischen Inseraten und Förderung erhielt. Wir gingen übrigens leer aus.

Es geht ihnen nur um die Deutungshoheit

Mit welchem Eifer die Gesinnungswächter dabei vorgehen, ist bemerkenswert. Seit Anfang 2018 forderte Schatz in etwa zwanzig Aussendungen mehr oder minder deutliche Inseratenverbote für patriotische Medien. Gegen den reichweitenstarken Wochenblick schoss sie nicht weniger als zwölf Mal. Info-DIREKT wurde zumindest fünf Mal zum Ziel ihrer Tiraden, Unzensuriert immerhin auch dreimal. Als sie gegen die Tagesstimme schoss, behandelte sie uns wie Voldemort und verzichtete auf eine Namensnennung. Trotzdem wiederholte sie damals eine längst widerlegte Behauptung eines berüchtigten linksradikalen Portals, das nicht in der Lage war, eine automatisierte Google-Anzeige von einem kostenpflichtigen Inserat zu unterscheiden. Bei uns gibt es tatsächlich keine Inserate, die man „stoppen” könnte.

Im Wechselspiel thematisiert Schatz dabei eine vermeintliche Nähe patriotischer Medien zu diversen FPÖ-Politikern – oder eben zu anderen Akteuren im dritten Lager. Sogar die Zeichnungen patriotischer Künstler waren bereits ein Anlass für die Kampagnenbereitschaft der Genossin. Freilich immer unter dem Deckmantel eines Kampfes gegen den „Rechtsextremismus”, der für Schatz wohl von besonders breiten Teilen der Bevölkerung befördert wird. Besonders grotesk wird dies vor dem Hintergrund, dass Schatz sich für ihre eigene politische Argumentation mitunter bei Recherchen des Kontrast-Blogs bedient. Der ist übrigens kein parteinahes, sondern ein parteieigenes Medium des SPÖ-Parlamentsklubs. Wasser predigen, Wein saufen – und eine völlige Entlarvung: Es geht ihr vor allem um eine nicht hinterfragte Deutungshoheit.

Patriotische Medien sind alle im gleichen Boot

Die Reaktion der Betroffenen folgte auf dem Fuß. Wochenblick-Chefredakteur Christian Seibert forderte bereits, dass Schatz „endlich damit aufhört, sich an der Pressefreiheit in Österreich zu vergreifen”. Und nichts anderes ist es am Ende: ein ständiger Anschlag auf die Pressefreiheit. Denn jede Behauptung, welche patriotische Medien in ein ungustiöses Licht rückt, ist eine offene Attacke auf die Existenzgrundlage von Menschen, deren einziges „Vergehen” es ist, ihre Mitbürger unter widrigsten Bedingungen möglichst breit mit Standpunkten zu versorgen, welche der gleichgeschaltete, etablierte Blätterwald ausspart. Die patriotische Publizistik ist dabei ein Mosaik unterschiedlichster Stile, Formate und auch Augenmerke: Für jeden Geschmack von Patrioten und anderen kritischen Geistern ist etwas dabei.

Bei aller Unterschiedlichkeit eint uns aber eines: Wir sitzen alle im gleichen Boot. Denn die Inhaber der linksgerichteten Hegemonie wollen schlichtweg keine Gegenöffentlichkeit zulassen. Auch deshalb gilt es, zusammenzustehen und den Angriff auf andere Blätter als Katapult für einen Angriff auf das eigene Medium zu verstehen. Auch wenn wir diesmal um eine Erwähnung „herumgekommen” sind: Wenn Kollegen in der patriotischen Medienlandschaft fälschlicherweise aus heiterem Himmel der ominösen ‚geistigen Brandstiftung’ bezichtigt werden, ist das ein Auftrag, sich mit ihnen solidarisch zu zeigen.


Weiterlesen: 

Kolumne: SPÖ-Schatz macht wieder Stimmung gegen patriotische Medien (22.11.2018)

Skandal: Die Tagesstimme erhielt zwei Euro aus öffentlicher Hand! (21.9.2018)

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Meinung

Instrumentalisierung in Hanau: Totalitäre Träume kommen wieder in Mode

Julian Schernthaner

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Nach dem fürchterlichen Amoklauf im hessischen Hanau bleiben viele Fragen offen. Nur in einem sind sich die Etablierten offenbar einig: Jeder, der auch nur ansatzweise rechts der Mitte steht, hat quasi mitgeschossen.

Kommentar von Julian Schernthaner.

Eigentlich kommt es nicht überraschend. Dieselben Charaktere, welche bei jedem islamistischen Anschlag zur Besonnenheit aufrufen und das Mantra des „psychisch verwirrten Einzeltäter” beten, sind nun auf den Plan gerufen, wenn wirklich einmal ein offenbar isolierter Irrer um sich ballert und ein paranoides Weltbild mit fremdenfeindlichem Einschlag besitzt. Sie instrumentalisieren, was das Zeug hält und lassen ihren Gelüsten und Wünschen freien Lauf, mit welchen Kanonen man nun auf die einzige wirkliche Opposition im Bundestag schießen möge.

Hanau: Alle beschuldigen die AfD

Sie glauben, werter Leser, ich übertreibe? Mitnichten. Dabei ist es egal, wie hanebüchen die Vorwürfe sind. Politiker verklären die AfD wieder einmal zum „politische[n] Arm des Rechtsterrorismus“ (Midyatli, SPD) oder zumindest des „Hasses” (Özdemir, Grüne). Für Ulle Jelpke, Mandatarin der mehrfach umbenannten und heute als ‚Die Linke’ agierenden SED ist sie gar „Stichwortgeber für solche rassistisch motivierten Terroranschläge”.

Das geht so weit, dass Konstantin Kuhle von der FDP – also jener Partei, die für die Empörten neuerdings auch eine Art braune Kloake ist, seitdem sich ihr Kandidaten von den „Falschen” wählen ließ, behauptet, das Manifest des irren Schützen von Hanau lese sich wie eine Rede von Gottfried Curio. Bei aller Polemik des wortgewaltigen Berliners AfD-Politikers: ich kann weißgott keine Parallelen erkennen.

SPD-Rennen um die verrückteste Äußerung

Beinahe am weitesten aus dem Fenster lehnten sich in diesen Stunden und Tagen aber schon jede Menge roter Genossen, wohl im Kampf um billiges politisches Kleingeld, wenn sonst alles im Argen liegt. Für Generalsekretär Lars Klingbeil hat die AfD in Hanau „munitioniert”. Und Karl Lauterbach aus dem äußersten Westen der Republik sieht in den Vertretern der Partei gleich „potenzielle Terroristen”.

Den absoluten Vogel schießt aber wieder einmal Ralf Stegner ab, das etwas fahle Nordlicht der Richtung Einstelligkeit trudelnden Sozialdemokratie. Er fordert ein Ende des „Lügenmärchens von Einzeltätern”. Das Netz sei „voll von rechtem Hass, Rassismus und Intoleranz”. PEGIDA, Reichsbürger, AfD, Identitäre & Co. würden die Gesellschaft „vergiften”. Freilich agiert auch er mit zweierlei Maß, wie ein Twitter-Nutzer aufzeigt:

Totalitärer Ruf nach dem Verfassungsschutz

Aber die ganze Sache wäre ja geschenkt, wenn der Deutsche in Form seiner gewählten Vertretern nicht wieder den historisch ausgeprägten Hang zum Totalitarismus ausleben ließe. Und damit meine ich jetzt keine verträumten bayerischen Könige, die sich aus Haushaltsgeldern Traumschlösser bauen. Sondern all jene Apparatschiks, welche aus der Geschichte wirklich nichts gelernt haben und Andersdenkende wieder einmal ausmerzen wollen.

So will etwa Norbert Röttgen, Kandidat für den CDU-Vorsitz, das „Gift bekämpfen, das von der AfD und anderen in die Gesellschaft getragen” würde. Christian Lindner, Parteichef der vermeintlich Liberalen, will den Verfassungsschutz einschalten, ähnlich der bereits erwähnte Lars Klingbeil (SPD). Und Ruprecht Polenz (CDU) macht sich selbst alle Ehre und bemüht mal wieder Reichskanzler Wirth im Jahr 1921. Nur der Komplettheit halber: der Satz fiel erst im Juni 1922.

Auch Medien beschwören die Ausgrenzung

Wahrlich komplett wäre das Bild freilich nicht ohne die vierte Macht im Staat. Es ist ein medialer Mainstream, der den Eindruck macht, als wäre er in Deutschland längst kein Korrektiv für die Mächtigen mehr, sondern deren verlängertes Sprachrohr. So schießt Spiegel-Miteigentümer Augstein einfach einmal gegen unbotmäßige Konkurrenz, kanzelt auch sie als vermeintliche „Wegbereiter der Gewalt” ab.

Tiefe Einblicke bietet auch ein Pressespiegel des linksliberalen Standard. Er zitiert Journalisten, die einen nebulösen „Kampf gegen den Rassismus” führen wollen. In Sportvereinen und den Kirchen, in Jugendgruppen und Schulen, in Bürgerinitiativen und Betrieben müsse man angebliche „Rassisten” ausgrenzen. Andere fordern die Aufrechterhaltung eines „Sperrgürtels zur Isolierung der AfD und ihresgleichen” fordern. Im Jahr 2020 ist es also wieder schick geworden, Abweichler vollständig zu ächten.

Kein Indiz für Vernetzung

In Wirklichkeit deutet derzeit absolut kein Indiz daraufhin, dass der Täter von Hanau irgendwie vernetzt gewesen wäre. Erst recht nicht, dass ein seit offenbar seit 20 Jahren abstruse Verschwörungstheorien verbreitender Mann durch eine Partei radikalisiert worden wäre, die erst seit sieben Jahren existiert. Er war auch so Ich-bezogen, dass er sich auf keine Parteien, Gruppen, Autoren oder Ideologien beruft, die ihn inspiriert haben könnten.

Wenn überhaupt hätten die Behörden jemanden, der sich mit seinen wirren Ideen selbst einst beim Generalbundesanwalt meldete, besser am Radar haben müssen. In der Realität verschwinden dann aber auch so kleine Details wie Tötung der eigenen Mutter knapp vor der Selbstrichtung, welche eher auf einen Amoklauf als einen politischen Anschlag deuten. Im ominösen „Kampf gegen rechts” ist eben alles erlaubt – wen kümmern da ein paar unscharfe Begriffe?


Weiterlesen:

Hanau: Gauland (AfD) weist Schuldvorwürfe zurück (21.2.2020)

Hanau: Elf Tote nach Schüssen – Ermittlungen wegen Terrorverdachts (20.2.2020)

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Kultur

Andreas Hofer: Sandwirt, Volksheld und zeitloses Leitbild

Julian Schernthaner

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Am heutigen Donnerstag jährt sich der Todestag des bekannten Tiroler Volkshelden Andreas Hofer zum 210. Mal. Dennoch bleibt seine Geschichte stets aktuell.

Kommentar von Julian Schernthaner.

Es sind die oftmals verzwickten Umstände, welche einfache Menschen zu unwahrscheinlichen Heldenfiguren machen. Die Lebensgeschichte von Andreas Hofer ist eine solche Geschichte – mit einer Strahlkraft, die bis heute anhält. In den Wirren der napoleonischen Kriege wurde der Wirt aus dem Südtiroler Passeiertal zum Anführer der kämpfenden Tiroler Schützenverbände – und lange nach seinem Tod zum Sinnbild für den Widerstand des einfachen Volkes gegen die herrschenden Zustände.

Hofer: Ein Volksheld wider Erwarten

Man möge mir als gebürtigem Tiroler den etwas schwulstige und theatralischen Einstieg verzeihen – in der heute mittelfernen Heimat ist er allgegenwärtig. Denkmäler, Straßen – ja auch die Landeshymne ist dem sanften Riesen gewidmet. Dabei deutete eigentlich nichts auf eine solche ‚Karriere’ des „Sandwirts” hin, der nach Lehr- und Wanderjahren in Welschtirol das verschuldete Familiengasthaus übernahm, zum Schützenhauptmann wurde und sich in den offenen Landtag wählen ließ.

Dann fiel Tirol nach der Niederlage Österreichs im dritten Koalitionskrieg im Jahr 1805 an die mit Napoleon verbündeten Bayern. Diese machten sich als Landesherren aber keine besonderen Freunde. Eine im tiefgläubigen Tirol höchst unbeliebte Kirchenreform trübte die Stimmung. Als das seit 1511 bestehende Landlibell, das den Tiroler Schützen zusicherte, nur zur Verteidigung der engeren Heimat einrücken zu müssen, gekippt wurde, lief das Fass über – es kam zu insgesamt vier Schlachten am Bergisel südlich von Innsbruck.

Tapfer auch im Angesicht des Todes

Am Ende des Aufstandes stand das Scheitern und ein gebrochener Anführer, der sich im Gebirge versteckt hielt. Dort wurde er schließlich von einem einstigen Getreuen verraten und kam nach Mantua, wo seine Hinrichtung bevorstand. Seine legendären letzten Worte – „Franzosen! Ach, wie schießt ihr schlecht!” – halfen, das Bild eines furchtlosen Mannes zu prägen, den auch im Angesicht des sicheren Todes mit nur 42 Jahren und trotz Frau und Kindern zuhause die Pflicht nicht verließ.

Rein inhaltlich war sein Aufstand in der Nachbetrachtung vielleicht ein fruchtloses Aufbegehren gegen Veränderungen, die kaum aufzuhalten waren. Und auch Kampfschauplätze betrafen auf beiden Seiten am härtesten das einfache Volk. Im blutig von Tirolern und Vorarlbergern unter Hofer geplünderten Allgäu etwa funktioniert die Heldengeschichte der verjagten Besatzer andersrum. Aber weitaus größer als der direkte realpolitische Effekt blieb die Symbolkraft.

Eine Geschichte, die bewegt

Andreas Hofer und sein zeitloser Aufruf – „Mander, s’ isch Zeit” – bewegen zeitlos Jung und Alt gleichermaßen. In Erinnerung an den Tiroler Aufstand wird jeder zum Patrioten mit Herzblut. Zum Landesfestumzug zum 200. Gedenken kamen 70.000 Tiroler. Die Dornenkrone als Zeichen der schmerzvollen Teilung Tirols wurde damals mit Rosen bestückt. Nur einzelne Unkenrufe von den Grünen, die in Hofer eine Art Taliban sehen wollten, trübten die allgemeine Erinnerung.

Aber nicht nur in der engeren Heimat wurde er zum gefeierten Volkshelden. In zahlreichen Städten in Österreich erinnert man mit Straßen und Plätzen des bärtigen Hünen aus dem Passeier. Und selbst im katholischen Irland rezipierte man seine Geschichte. Der frühe irische Nationalismus instrumentalisierte das Vorbild eines einfachen, katholischen Mannes vom Land, der sich gegen verhasste Besatzer auflehnt.

Ein Leitbild, das zu begeistern vermag

Was bleibt, ist also ein Symbol für Generationen, auch 210 Jahre danach. Und vielleicht ein klein bisschen der Wunsch von Patrioten jeder Zeit, dass sich Männer vom Kaliber Hofers, Speckbachers oder Haspingers unter uns befinden, sich – friedlich, aber bestimmt – von deren Beispiel leiten lassen, und sich für die Verteidigung von Heimat und Tradition einsetzen.

Zu Mantua in Banden, der treue Hofer war – und im widerständigen Andenken jener, die nach ihm kommen lebt sein Opfer weiter. Vielleicht auch deshalb, weil er seinen Zeitgenossen zufolge immer bodenständig blieb und somit genauso gut einer von uns sein könnte. Im tapferen Herzen ist er es ohnehin schon lange. Und mit ihm sein Land Tirol.

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