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Gesellschaft

Kolumne: „Özil-Debatte zeigt gescheiterte Integration vieler Deutschtürken”

Julian Schernthaner

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am

Am vergangenen Sonntag verkündete der 92-fache deutsche Nationalspieler Mesut Özil medienwirksam seinen Rücktritt. Seitdem blieb kein Stein auf dem anderen – das Thema polarisiert zusehends.

Kommentar von Julian Schernthaner

Alles begann im Mai mit einem vermeintlich harmlosen Bild des mit Integrationspreisen überhäuften Spielers aus Gelsenkirchen mit dem türkischen Machthaber Recep Tayyip Erdogan. Ihr wisst schon, dass ist derselbe ’nette Despot von nebenan’, der nach Bedarf „osmanische Ohrfeigen” an seine Gegner verteilt. Derselbe Erdogan, welcher willkürlich tausende Richter, Lehrer, Oppositionelle und Journalisten inhaftiert. Und auch derselbe, welcher diese Woche Israel als „faschistischstes Land der Welt” bezeichnete, in welchem der „Geist von Hitler” umgehe – Die Tagesstimme berichtete.

Özil-Rundumschlag nach zweimonatigem Schweigen

Während sein Kollege Emre Can den Weitblick hatte, die instrumentalisierende Einladung abzuweisen, ließen sich bekanntlich Ilkay Gündogan und Mesut Özil auf das infame Treffen ein. Entgegen dem allgemeinen Stimmungsbild ließ der DFB – sonst für kleinliche Team-Rauswürfe bekannt – Gnade walten und nahm die beiden sogar mit nach Russland. Es folge eine historisch vermurkste Weltmeisterschaft. Das Publikum quittierte dabei beinahe jeden von Özils Ballkontakten mit einem gellenden Pfeifkonzert.

Schnell war klar: die Milde half weder ihm selbst, noch den Fans, noch der notwendigen Ruhe im Mannschaftsgefüge. Am Ende dauerte es dann allerdings beinahe zwei Monate, bis Özil sein Schweigen brach. In einem dreiteiligen Rundumschlag rechnete der türkischstämmige Spieler schließlich mit Medien, Sponsoren und der DFB-Führung ab. Das ominöse Erdogan-Bild erklärte mit dem Respekt vor dem höchsten Amt im Lande seiner Familie. Einen Respekt, den er andererseits nie aufbrachte, wenn seine Mannschaftskameraden reihum die deutsche Hymne intonierten. Denn Özil bat stets um Verständnis, stattdessen zu beten.

Özil-Rücktritt startet Rassismusdebatte

Was folgte, war eine selten dagewesene Lagerbildung. Während sich einige Stimmen kritisch äußerten, zeigten sich etliche Journalisten und linksgerichtete Politiker solidarisch mit dem Spieler. Denn Özil sah sich nicht als Täter, sondern als Opfer einer Rassismus-Kampagne. Er unterstellte seinen Kritikern in der Öffentlichkeit sogar, „rechte Propaganda” zu schüren. An dieser Stelle sei erinnert – auch andere Spieler der Mannschaft haben ein Migrationshintergrund. Mangels ähnlicher Entgleisungen ersparen sie sich freilich die Pfiffe.

Die ungefragte Solidaritätsbekundungen führten letzten Endes sogar zu einem neuen Trend auf Twitter. Unter dem Hashtag #MeTwo erzählen Personen von tatsächlichen oder vermeintlichen eigenen Rassismuserlebnissen. Aus dem Rasenjungen, welcher sich – unbedacht oder beabsichtigt – mit der Antipode des europäischen Freiheitsgedanken ablichten ließ, wurde der Strohmann, welcher als Heldenbild aller abgehängten und ausgegrenzten Migranten herhalten darf. Denn der größte Feind für die offene, multikulturelle Gesellschaft bleibt der nicht näher bezeichnete ‚rechte Rassist’.

Integrationsdefizit vieler Deutschtürken

Ein gewisses Mitgefühl sollte man mit Özil allerdings vielleicht tatsächlich entgegenbringen: denn er weiß es vermutlich nicht besser. Denn bei allem kolportierten, persönlichen Näheverhältnis zu AKP-Politikern in der Heimatregion seiner Familie – es ist ein allgemeines Stimmungsbild. Eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigte, dass sich türkischstämmige Migranten in Deutschland im Schnitt mehr mit der alten als der neuen Heimat verbunden fühlen. Dass der schüchterne Arbeiterbub aus der Großstadt dabei keine Ausnahme ist, dürfte also kaum verwundern. Die Özil-Debatte zeigt als vor allem eines: die gescheiterte Integration vieler Deutschtürken.

Ein städtischer Türkenbub geht oft erst in einen muslimisch geprägten Kindergarten. In der Schule und im Sportklub machen die Kinder mit demselben Hintergrund oftmals bereits die Mehrheit aus. Danach tritt er vielleicht die Lehre im Handwerksbetrieb des väterlichen Freundes an. Seine Lebensmittel kann er im türkischen Supermarkt kaufen, die Haare vom türkischen Friseur schneiden lassen. Nach Erledigungen bei der türkischen Bank kann er abends mit seinem rein türkischen Freundeskreis in die türkische Bar gehen. Am Ende steht dann oft die endogame Heirat zu einer türkischstämmigen Frau. Die Integration in die Mehrheitsgesellschaft ist für ein glückliches Leben damit schlichtweg nicht nötig.

Deutschland muss Integration einfordern

Wenn Deutschland in Hinkunft verhindern will, dass türkischstämmige Identifikationsfiguren aufgrund ihrer Loyalitäten in Ungnade fallen, muss sie die Integration einfordern. Es ist die Bereitschaft zur Einfügung ins neue Umfeld eine Bringschuld des Einwanderers – nicht der Eiertanz um dessen Befindlichkeiten die Holschuld der autochthonen Bevölkerung. Die Integration ist eine individuelle Entwicklung, deren Geschwindigkeit maßgeblich von der Anpassungsbegeisterung des Neuankömmlings abhängt. Die Schaffung eigener Parallelgesellschaften hingegen fördert dies nicht.

Anleihen, welche Impulse zu setzen sind, könnte man sich indes beim kleinen Bruder holen. In Österreich hat sich die neue Regierung zur Aufgabe gemacht, nicht länger wegzuschauen. Moscheevereine werden auf ihre Nähe zum politischen Islam durchleuchtet, das Kopftuch für Kindergarten- und Volksschulmädchen soll der Vergangenheit angehören. Und, auch um die Sprachkompetenz in der deutschen Umgangssprache zu fördern, fällt demnächst auch die bislang nur durch ein Entgegenkommen gedeckte Möglichkeit, seine Führerscheinprüfung in türkischer Sprache abzulegen.

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Zickenschulze

    27. Juli 2018 at 21:36

    Wer was anderes erhofft hat, der lebt Illussionen.
    Und andersrum. Und warum sollte ein Türke seine eigene Identität verachten und wegschmeißen?
    Um sich in einer werteabhanden, verlebten, schrottreifen Pseudodemokratie als Fisch im Netz einer NWO unter Identitätslosen wieder zu finden?
    Hier ist die fordernde Seite jene, welche der ersten Gewissenserforschung bedarf.

  2. Avatar

    Peter Lüdin

    29. Juli 2018 at 21:29

    In spätestens 50 Jahren hat sich das Thema um Vielfalt, Integration, Toleranz etc. ohnehin völlig erledigt. Dann gibt es nur noch etwa 20 Prozent Deutsche, aber 80 Prozent Migranten in Deutschland. Die echten Deutschen können dann vergeblich nach Minderheitenschutz rufen. Heute ist man tolerant, morgen fremd im eignen Land.
    Und das mit dem Minderheitenschutz der ehemaligen Leistungsträger kann man aktuell sehr gut in Südafrika verfolgen.

    • Avatar

      Zickenschulze

      30. Juli 2018 at 11:31

      Die Baschgler der Ideologie der „Beglückung” sind ja gütig und sagen uns was sie vor haben. Wir sollten es zur Kenntnis nehmen.
      Nichts dergleichen geschieht.
      Hintennach reitet die dumme Urschl.

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Gesellschaft

Wetzlar: Hunderte Muslime beten auf Ikea-Parkplatz

Christin Schneider

Veröffentlicht

am

Zum Ende des Ramadans beteten Hunderte Muslime auf einem Ikea-Parkplatz in Wetzlar. Fotos und Videos des Ereignisses zogen große mediale Aufmerksamkeit nach sich.

Wetzlar. – Am vergangenen Sonntag versammelten sich rund 700 Muslime auf dem Parkplatz des schwedischen Möbelhauses in der mittelhessischen Stadt, um das Ende des Fastenmonats Ramadan zu feiern. Aufgrund der Corona-Beschränkungen war das gemeinsame Beten nicht in einer Moschee möglich, somit fragte man bei der örtlichen Ikea-Filiale an. Veranstalter waren die beiden Moscheevereine DITIB Wetzlar und die Islamische Gemeinschaft Millî Görüs (IGMG) Wetzlar. Laut Verfassungsschutz gehört die umstrittene IGMG zu Teilbereichen der islamistischen „Milli Görüs”-Bewegung an, löse sich aber zunehmend aus der Einflussnahme der Bewegung in der Türkei. „Extremismusbezüge der IGMG sind in den letzten Jahren deutschlandweit – allerdings in regional unterschiedlicher Intensität – schwächer geworden”, heißt es im Verfassungsschutzbericht 2018.

Genehmigung war vorhanden

Eine Ikea-Sprecherin sagte nach Angaben der Süddeutschen Zeitung, dass man sich als „guter Nachbar“ verstehe und da ein Hygienekonzept vorgelegen habe, habe der Möbelhausleiter auch grünes Licht für die Anfrage der Moscheevereine gegeben. Nach Angaben der Stadt sei ein Hygienekonzept eingereicht worden, habe aber nicht extra genehmigt werden müssen. Die Auflagen seien nach Einschätzung des Ordnungsamtes eingehalten worden, heißt es in dem Artikel weiter.

Aktion stößt auf großes mediales Interesse

Medial zog das Ereignis umgehend große Kreise. Eine Luftaufnahme der Aktion, die mehrere hundert Muslime mit ihren Gebetsteppichen auf dem besagten Ikea-Parkplatz zeigt, verbreitete sich auf den verschiedenen Social-Media-Kanälen und erregte große Aufmerksamkeit. Auch international war das Interesse groß, mehrere bekannte Medien berichteten. Darunter auch die BBC, die einen Online-Artikel über die Aktion schrieb, in dem sie auch Kommentare von Twitter-Nutzern zitierte, die sich u.a. über „die Liebe und Freundlichkeit“ freuten, die man „gerade in der Welt bräuchte“.

Kritik: Islamistische Machtdemonstration

Schaut man sich auf Twitter genauer um, so findet man neben den zur Weltoffenheit und Toleranz applaudierenden Kommentaren aber auch viele kritische Stimmen, die jedoch sowohl in der deutschen als auch in der internationalen Presse keinerlei Erwähnung finden.
So twitterte etwa Saïda Keller-Messahli, Menschenrechtsaktivistin und Präsidentin des Schweizer Forums für einen fortschrittlichen Islam: „Islamistische Machtdemonstration der türkischen Verbände DITIB und Milli Görüs, die Manifestation eines politischen Islams, der den öffentlichen Raum einnehmen will. Nicht einmal in muslimischen Ländern ist so etwas üblich!“

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Deutschland

Bundeswehr: Högl will ‚Kampf gegen rechts’ verstärken

Joshua Hahn

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Gerade erst vereidigt, will die neue Wehrbeauftragte Eva Högl bereits vermeintliche Probleme anpacken. So sprach sie sich dafür aus, den Kampf gegen angeblich vorherrschenden Rechtsextremismus innerhalb der Truppe intensivieren zu wollen.  

Berlin. – Högl zufolge könne nicht mehr die Rede von „Einzelfällen“ sein, nachdem bei einem Soldaten des KSK Waffen in dessen Privatwohnung gefunden wurden.

Ganz gründlich über Rechtsextremismus diskutieren“

Die Wehrbeauftragte gab laut Zeit an, man müsse nun „wirklich ganz gründlich, ganz grundsätzlich und ganz generell über das Thema Rechtsextremismus in der Bundeswehr diskutieren. Früher habe man Verdachtsfälle innerhalb der Bundeswehr vernachlässigt – „Ich glaube, dass da noch Luft nach oben ist“.

Högl: Soldaten unterstützen, die sich „dagegenstellen”

Trotzdem dürfe man die Soldaten nicht unter Generalverdacht stellen. Vielmehr müsse man nun den Soldaten den Rücken stärken, welche sich „dagegenstellen“. Erst am Donnerstag legte Eva Högl vor dem Parlament ihren Amtseid ab. Sie folgte damit ihrem Parteikollegen Hans-Peter Bartels nach, der den Posten fünf Jahre lang bekleidete.

Ihre Wahl sorgte für Aufsehen, weil der Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs nach der Abstimmung sein Mandat niederlegte. Offiziell weil er selbst das Amt besetzen wollte – kritische Beobachter munkeln aber, dass auch Gerüchte über Ungereimtheiten bei seinem Staatsexamen ihren Anteil am Rückzug hatten.


Weiterlesen: 

Eva Högl (SPD) ist neue Wehrbeauftragte (8.5.2020)

Knalleffekt: SPD-Politiker Kahrs legt Bundestagsmandat zurück (5.5.2020)

Kilic’ neuer Streich: Staatsexamen-Täuschungsvorwurf gegen SPD-Kahrs (21.04.2020)


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Gesellschaft

Ostholstein: Brandanschlag auf PKW von AfD-Mitarbeiterin

Julian Schernthaner

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Die Liste mutmaßlich linksextremer Angriffe auf Personal der AfD und deren Eigentum ist eine Episode reicher: Diesmal schlugen bislang unbekannte Täter in Schleswig-Holstein zu. 

Niendorf/Ostsee. – Die Angreifer gingen dabei einmal mehr im Schutz der Nacht zu Werke. In der Nacht auf Donnerstag setzten sie gegen 2 Uhr morgens den Privat-PKW von Sabine Düllmann, AfD-Fraktionsvorsitzende im Kreistag Ostholstein, in Brand, indem sie eine Brandbombe unter den Motorblock legten. Diese ist zudem Wahlkreismitarbeiterin des Bundestagsabgeordneten Uwe Witt.

Staatsschutz ermittelt wegen politischen Motivs

Dem Ostholsteiner Anzeiger zufolge ermittelt das Lübecker Staatsschutzkommissariat in der Causa, ein politischer Anschlag gilt als mögliches Motiv. Auch Witt glaubt daran, dass es darum gehe, „politisch Andersdenkende einzuschüchtern und mundtot zu machen”. Ein Account der „Antifa Lübeck” hätte Düllmann in sozialen Medien seit Monaten „bloßgestellt und angeprangert”.

Über den Angriff zeigte sich er sich über den Angriff schockiert. Er sei „zutiefst entsetzt über diese abscheuliche und feige Tat” und stelle sich selbstverständlich hinter seine Mitarbeiterin. Zudem könne man „nur von Glück sprechen, dass niemand körperlich zu Schaden gekommen ist”.  Er fordert vonseiten des Landeskriminalamts eine „lückenlose Aufklärung” der Umstände. Außerdem teilte er ein Video des brennenden PKWs.

Beispiellose Serie politischer Gewalt gegen AfD

Im gesamten Bundesgebiet sehen sich Akteure aus dem Umfeld der AfD als Ziel einer beispiellosen Serie an Gewalt. Erst in der Vorwoche warfen in Hamburg mutmaßliche Linksextremisten einen Stein durch das Fenster eines AfD-Politikers. Dieser verfehlte das Bett, in dem der Mann schlief nur um Haaresbreite – Die Tagesstimme berichtete.

Unter allen Parteien ist die AfD mit Abstand am häufigsten die Zielscheibe politischer Gewalt. Alleine im ersten Quartal gab es nicht weniger als 41 Angriffe auf AfD-Einrichtungen, 68 Angriffe auf Politiker und 151 zerstörte Wahlplakate. Die in dieser Statistik jeweils am zweitmeist betroffenen Parteien mussten jeweils etwa die Hälfte an Attacken hinnehmen.


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