Österreich Politik

Deutschklassen: Ausnahmeregelung für Wiener Schulen wegen Platzmangels

In Wien gibt es annähernd 700 Schulen, die von etwa 220.000 Schülern besucht werden. Symbolbild (Denkmalgeschützte Schule in Aspern): Invisigoth67 via Wikimedia Commons [CC BY SA 3.0]

Die Debatte rund um die Machbarkeit der ab Herbst verpflichtend einzurichtenden Deutschförderklassen reißt nicht ab. 

Nachdem bereits im April die Wiener SPÖ den Vorstoß als „widersinnig und undurchführbar” bezeichnete, planten einige Direktoren in der Bundeshauptstadt eine Umgehung der neuen Bestimmungen. Nachdem Bildungsminister Heinz Faßmann am Dienstag die neuen Lehrpläne in Begutachtung gab (Die Tagesstimme berichtete), spießt sich die geplante Umsetzung erneut an Wien – man beklagt nämlich akuten Platzmangel.

Wien: Platzmangel in 41 Schulen

Konkret handelt es sich ORF.at zufolge in der Bundeshauptstadt um 41 Schulen, welchen es nicht möglich sein wird, räumlich getrennte Klassenzimmer einzurichten. Auch aufgrund der vielen Schulkinder mit Migrationshintergrund – in manchen Schulen weit mehr als die Hälfte der Taferlklassler – müssen dort insgesamt etwa 300 Deutschklassen eingerichtet werden. In mehreren Volksschulen finden derzeit in den Sommerferien tatsächlich Bauarbeiten statt, um dem erhöhten Platzbedarf gerecht zu werden. Dies ist allerdings auch baulich nicht überall möglich.

Ausnahmen für integrierte Deutschklassen

In Verbindung mit diesem Umstand erklärte Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ), dass man sich eine Sondergenehmigung beim Ministerium ausgehandelt habe. Dementsprechend gäbe es eine Einigung, dass man die Deutschklassen an allen Standorten, wo eigene Klassenzimmer unmachbar sind, „integriert stattfinden” lässt. Diese Ausnahmen ließ man bereits im Juni ausverhandeln. Insgesamt wird es in Wien im kommenden Schuljahr 108 neue Klassenzimmer geben – nicht nur, aber auch wegen der Deutschklassen.

Nicht nur strukturelle Gründe?

Unbekannt ist indes, ob es sich dabei neben strukturellen Gründen auch um eine Variante handelt, die ungeliebten, separaten Deutschklassen zumindest teilweise zu umgehen. Denn auch nach der grundsätzlichen Einigung vertrat Czernohorsky die Ansicht, dass Schüler im gemeinsamen Unterricht am besten lernen würden. Bei den neuen Deutschklassen ist allerdings – mit Ausnahme einiger Gegenstände wie Turnen, Zeichnen und Musik – zunächst getrennter Unterricht vorgesehen.

Die vollständige Überführung in die gemeinsame Regelklasse folgt der neuen Regelung zufolge erst, wenn die Deutschkenntnisse für eine Teilnahme an dieser ausreichen. Zur Feststellung sollen dabei die Lernfortschritte der einzelnen Schüler einmal im Semester überprüft werden. Maximale Besuchsdauer der eigenen Deutschklassen sind vier Semester, also zwei Schuljahre.

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