Österreich Politik

Wegen Hitzewelle: SPÖ‐Lercher erneuert Kritik an 12‐Stunden‐Tag

SPÖ-Bundesgeschäftsführer Max Lercher (li.) - hier bei seiner Vorstellung im Dezember an der Seite von ex-Kanzler Christian Kern (re.) - bekräftigte seine prinzipielle Kritik an den neue Arbeitszeitregeln. Bild (Lercher/Kern 2017): SPÖ Presse und Kommunikation via Flickr [CC BY-SA 2.0] (Bild zugeschnitten)

SPÖ‐Bundesgeschäftsführer Max Lercher nimmt die gegenwärtige Hitzewelle zum Anlass, erneut die neuen Arbeitszeitregeln der türkis‐blauen Regierung zu kritisieren.

Bereits seit Bekanntwerden der Pläne der ab 1. September geltenden Arbeitszeitflexibilisierung laufen diverse SPÖ‐Vertreter Sturm gegen das Vorhaben. Für einige Berühmtheit sorgte in diesem Zusammenhang im Juni die Metapher des harten Arbeitstages eines Pflasterers durch den sozialdemokratischen ÖGB‐Gewerkschafter Willi Mernyi.

12‐Stunden‐Tag „völlig unzumutbar”

Auch Lercher bedient in einer Aussendung das Beispiel von Schwerarbeitern, um die soziale Verträglichkeit der neuen Arbeitszeitregeln zu hinterfragen. Um seine Ansicht zu unterstreichen, dass allfällige 12‐Stunden‐Tage für gewisse Branchen „völlig unzumutbar” seien, erwähnte er den Fall von Asphaltierern, welche „bei brütender Hitze” mit 180 Grad heißen Teer arbeiten müssten. Außerdem erinerte er an Mitarbeiter in der Gastronomie, welchen die „unsoziale Regierung” darüber hinaus die Ruhezeiten gekürzt habe.

Lercher: „Statt hitzefrei fast gar nicht mehr frei”

Für Lercher ist gerade der aktuelle Befund einer „extremen Hitzewelle” jenseits der 30 Grad Celsius ein Indiz, dass Türkis‐Blau die „Probleme der Menschen egal” seien. Während sich deren Parteiobleute in „gut klimatisierten Wiener Innenstadtbüros verschanzen” würden, zwängen sie Beschäftigten „noch größere Belastungen” auf. Dabei seien diese gerade durch die „anhaltende Gluthitze […] großen gesundheitlichen Risiken” ausgesetzt. Anstatt hitzefrei hätten die Beschäftigten künftig „fast gar nicht mehr frei”.

Überstunden: Kritiker zweifeln an Freiwilligkeit

Bei der Gesetzesänderung wird die mögliche Maximalarbeitszeit auf zwölf Stunden an einem Tag angehoben, bisher waren es zehn. Allerdings erlaubten die Kollektivverträge in einigen Branchen bereits bislang längere Arbeitstage sogar bis zu 13 Stunden. Künftig darf innerhalb einer Woche auch 60 Stunden Arbeit anfallen, wobei aufgrund von EU‐Regeln im Durchrechnungszeitraum von 17 Wochen der Durchschnitt maximal 48 Stunden pro Woche betragen darf. Die gesetzliche Normalarbeitszeit von 40h/Woche bleibt unangetastet.

Obwohl die Regierung nun die Freiwilligkeit der elften und zwölften Überstunde festschreiben ließ, zweifeln Kritiker in der Praxis daran. Deren Befürchtungen würden unlängst durch die entsprechende Ankündigung eines Wiener Großunternehmens befeuert. Dieses möchte Überstunden künftig nur mehr bezahlen, wenn diese über zwölf Stunden hinausgehen.

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