Gesellschaft

Migrationsexpertin spricht sich für Kopftuchverbot an Volksschulen aus

Ein geplantes Kopftuchverbot in Österreich für Mädchen in Volksschulen und Kindergärten sorgt derzeit für eine politische und gesellschaftliche Debatte. Symbolbild: Pixabay [CC0]

Die Migrationsexpertin und Feministin Emina Saric bezog kürzlich klar Stellung gegen Kopftuchzwänge. Ein gesetzliches Verbot für Kinder im Kindergarten‐ und Volksschulalter hält sie für sinnvoll. 

Rückenwind aus unerwartenen Gefilden gibt es nun für die Pläne der Bundesregierung, an Kindergärten und Volksschulen das Kopftuch zu verbieten. Die selbst aus dem mehrheitlich muslimischen Bosnien stammende Feministin und Migrationsexpertin Emina Saric sprach sich am Dienstag in einem Interview mit dem Standard gegen die Verschleierung junger Mädchen aus und warnt vor einer Sexualisierung der Kinder.

Saric hält Kopftuchverbot für „richtigen Weg”

Die Entscheidung, entsprechende Einflüsse in den Schulen zurückzudrängen, hält Saric für „einen richtigen Weg”. In traditionell muslimischen Familien werde die Kopftuchtracht „praktisch tradiert”. Auf diese Art und Weise würden bereits „im Kindesalter als Sexualobjekte” gesehen, dies gehöre „einfach verboten”, solche Praktiken hätten „keinen Platz” in der Gesellschaft.

Gerade in patriarchal ausgerichteten Familien käme es dabei zur Vermittlung von Sozialisierungsmerkmalen aus den Herkunftsländern. Damit bliebe kein Raum, sich in der neuen Mehrheitsgesellschaft „für neue Werte zu öffnen”. Die Schule müsse für alle Kinder, unabhängig von deren Herkunft als neutraler Raum gelten. So könnten Kindern auch abseits von familiärem und religiösem Einfluss „Möglichkeiten und Perspektiven” in der Gesellschaft erfahren.

Kopftuch als „Feldzug gegen Frauenkörper”

Auch aus der feministischen Perspektive hält die studierte Germanistin und Genderwissenschaftlerin das Kopftuch für „sehr fragwürdig”. Sie vertrete die Position, wodurch dieses einen unterdrückenden Mechanismus der „patriarchalen Strukturen” darstelle. Da es ausschließlich die Kontrolle der weiblichen Sexualität betreffe, erscheine ihr dies wie ein „Feldzug gegen den Frauenkörper”. Suren im Koran, welche eine Bedeckung von Frauen zu deren Schutz vorsehen, sollte man „im historischen Kontext” sehen, aufgrund politischer Errungenschaften sei es allerdings „heute obsolet”.

Saric: Kopftuchverbot fördert Frauen‐ und Menschenrechte

Auch der Ansicht von Kritikern eines Kopftuchverbots für Volksschülerinnen, wonach es sich um ein ‚absolutes Randphänomen’ handle, kann Saric wenig abgewinnen. Man müsse für die Gesellschaft die „Klarheit schaffen”, was man eigentlich wolle. Sie vertritt die Position, dass die „diskriminierenden Verhaltensweisen”, welche sich „in erster Linie gegen Frauen richten” nicht zu akzeptieren sind.

Ein gesetzlicher Rahmen mache dementsprechend auch den Unterschied zwischen Zwangsheiraten in den Herkunftsländern und Kopftuchzwängen und einem Raum in welchem sich alle Kinder und Jugendliche frei entwickeln könnten. Egal ob es fünf oder zehntausend Mädchen beträfe – man käme mit einem Kopftuchverbot in der Frage von Frauen‐ und Menschenrechten einen Schritt weiter. Außerdem verhindere ein solches das Aufkeimen einer Debatte in Folgejahren, sobald weitaus mehr Mädchen beträfe.

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