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Großbritannien: Nur jeder fünfte erwachsene Muslim am Arbeitsmarkt

In Großbritannien leben über 3 Millionen Muslime, welche mehr als 1.750 Moscheen besuchen - viele davon im Großraum London. Symbolbild: Ian Wright via Flickr [CC BY-SA 2.0]

Eine Studie im Auftrag einer britischen Behörde stellte fest, dass sich weniger als jeder fünfte Muslim derzeit in einem Vollzeitjob befindet.

Die Social Mobility Commission (SMC) ist eine nicht‐ministeriale Körperschaft des öffentlichen Rechts und veröffentlicht einen jährlichen Bericht, welcher die Aufstiegschancen der britischen Bürger bewertet. Dabei stellte die jüngste Ausgabe heraus, dass nur 18,9 Prozent aller Muslime zwischen 16 und 74 Jahren voll auf dem Arbeitsmarkt aktiv sind. Der Vergleichswert im Bevölkerungsquerschnitt liegt bei 34,9 Prozent – also beinahe doppelt so hoch.

Integrationsmängel bei britischen Muslimen

Die Vergleichsdaten stammen bereits aus dem September 2017. Obwohl der Befund in krassem Widerspruch etwa zur Situation in Deutschland steht, fand das Thema in deutschsprachigen Medien damals kaum Niederschlag. Während sich dort nämlich die Erwerbsbeteiligung immer mehr dem Bundesdurchschnitt angleicht, beobachten die britischen Experten markante Unterschiede. Immer wieder werden besonders Muslimen in Großbritannien einige Integrationsmängel bescheinigt.

Muslimische Frauen bleiben oft zuhause

Tatsächlich führte die Behörde einen Anteil der Ergebnisse auch auf soziale und religiöse Vorstellungen zurück. Dabei ist unter britischen Muslimen der Anteil an Alleinverdienern besonders hoch, die Frauen bleiben dreimal so oft zur Kindererziehung zuhause als autochthone Britinnen. Viele Muslime hätten außerdem das Gefühl für die gleichen Chancen „zehn Mal so hart” arbeiten zu müssen. Arbeitende Musliminnen beklagen außerdem regelmäßige Konflikte rund um das Tragen eines Kopftuchs.

Schlechte Aufstiegschancen?

Auch die Aufstiegschancen bewertet die SMC dabei als eher schlecht, nur sechs Prozent aller Muslime befänden sich in Führungspositionen. Wie das Boulevardblatt Sun berichtete, ortet die Behörde deshalb strukturelle Diskriminierung gegenüber Muslimen. Gemessen an der Gesamtbevölkerung (10 Prozent) ist dieser Anteil zwar tatsächlich unterdurchschnittlich. Im Vergleich mit anderen Bevölkerungsgruppen ist sie jedoch sogar leicht über dem Schnitt.

Muslime überdurschnittlich oft ohne Arbeit

Da die Statistik eine Vielzahl weiterer Gründe für Nichtarbeit wie Ausbildung und Ruhestand umfasst, sind die Ergebnisse nur schwer einzuordnen. Allerdings betrifft Arbeitslosigkeit auch nach der offiziellen Arbeitslosenquote Personen aus vordergründig muslimischen Ethnien überdurchschnittlich oft – auch gegenüber anderen Migrationshintergründen. Insgesamt befinden sich mit 4 Prozent ‚weiße Briten’ am seltensten auf Arbeitssuche (Stand: 2017).

Höchste Arbeitlosenquoten aller Gruppen

Während sich die Zahl zumeist hinduistischer Personen aus Indien (5 Prozent) kaum maßgeblich unterscheidet, beträgt jene für Pakistaner und Bangladescher ganze 11 Prozent. Diese ist damit sogar höher als der Gesamtschnitt für ‚schwarze Afrikaner’, welcher 10 Prozent beträgt. Der Befund trifft sogar zu, obwohl letztere Statistik auch die mehrheitlich muslimischen Somalier mitzählt. Diese weisen mit Abstand die höchste Arbeitslosigkeit aller Migrantengruppen auf, Schätzungen beliefen sich 2013 auf bis zu 65 Prozent.

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