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Urteil in Schweden: Muslimin durfte Handschlag verweigern

Symbolbild: By https://pixabay.com/de/users/TeroVesalainen-809550/ [CC0], via Wikimedia Commons [Bild zugeschnitten]

Bei einem Bewerbungsgespräch vor zwei Jahren verweigerte die Muslimin ihrem potentiellen Arbeitgeber den Handschlag, woraufhin dieser das Gespräch vorzeitig beendete. Die junge Muslimin fühlte sich deswegen ungerecht behandelt und klagte.

Farah Alhajeh hatte sich im Mai 2016 bei einem in der schwedischen Stadt Uppsala ansässigen Unternehmen, das Sprachdienste anbietet, beworben. Als es schließlich zum Bewerbungsgespräch kam und der männliche Interviewer die Bewerberin mit einem Handschlag begrüßen wollte, verweigerte sie diesen aus religiösen Gründen. Daraufhin beendete der potentielle Arbeitgeber das Bewerbungsgespräch und schickte sie nach Hause.

Es war wie ein Schlag ins Gesicht“, erklärte Farah Alhajeh in einem Telefongespräch mit der New York Times. Die Firma argumentierte ihre Entscheidung damit, dass alle Mitarbeiter ungeachtet des Geschlechts gleich behandelt werdem müssten. Eine Person einzustellen, die anderen den Handschlag also aufgrund ihres Geschlechts verweigert, würde gegen die Prinzipien des Unternehmens gehen.

Firma muss 40.000 schwedische Kronen zahlen

Die Muslimin fühlte sich von der Entscheidung ungerecht behandelt und wandte sich an einen Ombudsmann gegen Diskriminierung, der den Fall dann vor das Arbeitsgericht brachte. Das Gericht gab der Frau letztlich recht und begründet das Urteil damit, dass die Europäische Konvention für Menschenrechte die Weigerung der Frau durchaus schütze. Außerdem habe die damalige Bewerberin „ihre Hand auf ihr Herz gelegt, um sowohl Männer als auch Frauen“ zu begrüßen, berichtet die Nachrichtenseite BBC.

Das Gericht gibt der Firma zwar recht, wenn es um die eingeforderte Gleichbehandlung von Männern und Frauen in ihrer Firma geht. Auf eine bestimmte Form des Grußes zu bestehen, benachteilige dennoch Muslime, urteilte das Arbeitsgericht. Die Firma muss Farah Alhajeh nun 40.000 schwedische Kronen, also umgerechnet etwa 3.800 Euro zahlen.

Diskussion um Handschlag

In den vergangenen Jahren sorgten ähnliche Fälle immer wieder für Diskussionen in Europa. Vor zwei Jahren etwa hatten in der Schweiz zwei Schüler sich geweigert, ihrer Lehrerin die Hand zu geben. Laut Bericht der deutschen Zeit urteilte die verantwortliche Schulbehörde des Kantons Basel‐Land urteilte damals, dass der Handschlag von der Lehrkraft eingefordert werden könne. Bei Nichtbeachtung droht den Erziehungsberechtigten eine Geldstrafe von bis zu 5.000 Franken (4.500 Euro).

7 Kommentare

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  • Ich bin der Meinung sie kann den Handschlag verweigern. Und genau so kann der Gegenüber das Gespräch verweigern. Sich dann darüber zu beschweren das mit ihr nicht gesprochen wurde zeigt wieder einmal mehr die kruden und kranken Gedankengänge der Moslems. Genau so gut hätte sich ihr „Gesprächspartner” über den verweigerten Handschlag beschweren können, allerdings stand er über den Dingen und hat die „Angelegenheit” unter Ulk verbucht.

  • Weg mit den alten Sitten. Vertragsabschluss per Handschlag is mega out… Heute zählen nur noch schriftliche Verträge oder Mündliche unter Zeugen… oder etwa nicht? LOL. Lustig dabei ist, dass ja gerade Nichteuropäer so gerne Geschäfte mit Handschlag machen… aber augenscheinlich eben nicht mit Frauen. Und nun klagte eine Frau für ein Recht, diskriminiert bzw. ausgegrenzt zu werden. Wogegen westliche Frauen wohl seit über 100 Jahren gekämpft haben.

    • Darum ging es doch gar nicht. Der Handschlag galt der Begrüßung und nicht einem Geschäftsabschluss.

      Ich dachte bislang immer, Frauen werden eher in islamischen Ländern ausgegrenzt und diskriminiert. Und zwar deutlich stärker als in Europa.

      Aber nein, saudische Frauen dürfen jan nun sogar schon hinters Lenkrad, nachdem sie schon lange Kampfflugzeuge steuern durften.

  • Was für ein Bärendienst, den hier alle Beteiligten, Klägerin, Obmann, Richter, den sich künftig um Arbeit bewerbenden Musliminnen und Muslimen geleistet haben.

    Ob Firmenchefs es sich nun nicht zweimal überlegen, Muslime überhaupt zu einem Gespräch einzuladen?

    Das selbe Procedere ist ja auch im umgekehrten Fall, Personalchefin, männlicher Bewerber, möglich und sogar wahrscheinlich.

    Aber ich denke, die Firma ist mit der Zahlung weit besser bedient, als so eine, in ihren heimatlichen Gepflogenheiten weiter dahinträumende Person einzustellen. Kann sie ja machen, aber dann doch bitte nicht in Europa. Vielleicht sollte sie mal ein selfie mit einer Kanzlerin versuchen.

  • Einbürgerung abgelehnt.
    Allein die Tatsache, dass so etwas berichtenswert ist, zeigt die Massivität des Problems, das man mit der Intoleranz einer bestimmten Gruppe hat. Terror ist nur ein Randbereich. Das Problem sind die tiefgreifenden Eingriffe ins Alltags‐ und Berufsleben, die traditionellen Gepflogenheiten zuwider laufen und mühsam errungene Standards des Zusammenlebens unterminieren.
    Bei den Einbürgerungen in der Schweiz schlägt Quantität allerdings immer noch Qualität.

    • Wenn ein Mann ohne Konsequenz den Handschlag verweigern dürfte, wäre es einer Frau auch aus Gründen der Gleichbehandlung zu gestatten. Aber sowohl ein Mann wie auch eine Frau missachtet die Menschenwürde eines Mitbürgers/einer Mitbürgerin, wenn er/sie den Handschlag verweigert, weil er sich „beschmutzen” würde.

      Die religiöse Begründung wird hier, wie in den meisten Fällen, erst garnicht in den Blick genommen:
      Gibt ein Muslim/eine Muslimin einem Nichtmuslim/einer Nichtmuslimin, also einem Mitbürger gleichen Geschlechts die Hand?
      Wenn ja, dann ist das Geschlecht des Gegenüber der „Verschmutzungsfaktor”,
      wenn nicht dann ist es die andere Religion des Gegenüber.
      Im ersten Fall verstößt die Weigerung gegen die Menschenwürde, im anderen Fall gegen die Religionsfreiheit.

      Merkwürdig ist der Standpunkt der Europäischen Konvention für Menschenrechte, der es als gerechtfertigt ansieht, dass eine Religion das andere Geschlecht als unrein definieren darf, ohne gegen die Grund‐ und Menschenrechte zu verstoßen. Damit wird die religiöse Vorschrift über die staatliche Rechtsordnung gestellt.

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