Meinung

Mord in Offenburg: „Tagesschau‐Vorgehen wirft fahles Licht auf Presselandschaft”

Symbolbild (Ehemaliges Tagesschau-Studio in Hamburg): Juliane via Wikimedia Commons [CC BY-SA 2.0 DE] (Bild zugeschnitten)

Ein Asylwerber aus Somalia erstach in Offenburg einen Arzt in seiner Praxis. Die große Nachrichtensendung Tagesschau fand den Mordfall nicht berichtenswert. Nach Kritik ergeht sie sich in Rechtfertigungen, die weitere Reaktionen hervorriefen.

Kommentar von Tino Taffanek

In Offenburg hat ein 26‐jähriger Asylwerber aus Somalia einen Arzt in seiner Praxis erstochen. Die Polizei konnte den mutmaßlichen Täter nach einer kurzen Großfahndung festnehmen und es liegt ein Haftbefehl wegen Mordverdachts vor. Ein solche Bluttat wurde naturgemäß, vor allem in den sozialen Medien, heftig diskutiert.

Tagessschau verschweigt Mord und rechtfertigt sich

Für besondere Diskussionen sorgte jedoch die Tatsache, dass die Tagesschau, eine der größten deutschen Nachrichtensendungen, nicht über diesen Fall berichtete. Andere Medien hingegen taten dies sehr wohl. Die Wogen gingen so hoch, dass Kai Gniffke, der Chefredakteur der Tagesschau, sich genötigt sah in einem Blogeintrag darzulegen, warum eben nicht berichtet wurde. Man könne eben nicht „über jeden Mordfall berichten”.

Übrigens: Wenn jedoch umgekehrt ein Deutscher einen Asylwerber getötet hätte, ist davon auszugehen dass die Tagesschau dem Fall einen prominenten Platz eingeräumt hätte. Das wäre schließlich ein Skandal, eine rassistische Tat, ein Hassverbrechen wie man in den USA sagen würde. In Gniffkes Worten, eine Sache von „gesellschaftlicher, nationaler oder internationaler Relevanz” halt.

Tübinger Oberbürgermeister prangert Vorgehen an

Das Statement der Tagesschau wurde dann wiederum von Medien und Politikern aufgegriffen. Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Bündnis 90/Die Grünen) widmete sich beispielsweise in zwei Facebookpostings den Ausführungen des Tagesschau Chefredakteurs.

Er bezeichnete die Tat als „Fall von besonderer Abscheulichkeit“. Der mutmaßliche Täter soll zielstrebig, jedoch ohne erkennbaren Grund in das Behandlungszimmer des Arztes gegangen sein und hat dort zugestochen. Ein unprovozierter Angriff auf einen behandelnden Arzt ist für Palmer definitiv eine Nachricht der Tagesschau wert.

Wirbel um Prozentsatz ausländischer Täter

Ein weiteres Argument des Tagesschau-Chefredakteurs, nach dem nicht berichtet wurde, ist dass Asylwerber nicht überproportional an Tötungsdelikten beteiligt seien. Dies löste bei Palmer weiteres Kopfschütteln aus. Er verstehe die Argumentation nicht, da dann ein häufigeres Vorkommen einer Tätergruppe zu Berichten führen müsste. Auch sei das Argument falsch, da es als gesichert anzusehen sei, dass Asylbewerber bei schweren Gewalttaten überrepräsentiert sind, so Palmer auf Facebook:

Bei Mord und Totschlag sind rund 40% der Tatverdächtigen nicht deutsch.

In einem weiteren Posting ging er erneut auf die falschen Zahlen der Tagesschau ein. Er bezeichnete es als schlimm, sich nicht darauf verlassen zu können, dass eine der bekanntesten Nachrichtensendungen Deutschlands nicht sauber recherchiere.

Rechtfertigungsversuch der Mainstreammedien

Als Gegenbeispiel zu dieser kritischen Auseinandersetzung mit dem Verhalten der Tagesschau soll ein Beitrag der Onlineplattform DerWesten.de dienen. DerWesten.de gehört zur Funke Mediengruppe, einem der größten Verlagskonzerne Deutschlands, ist also ein klassischer Vertreter der sogenannten Mainstreammedien.

Im Beitrag kam sowohl das Statement der Tagesschau, die Kritik von Palmer und sogar der Hinweis auf zwei andere Mordfälle, bei denen die Tagesschau ebenfalls von einer Berichterstattung absah. Was dabei jedoch unter den Tisch fiel, ist die Kritik von Palmer an den falschen Zahlen, die von der Tagesschau zur Argumentation ihres Vorgehens verwendet wurden.

Versuch, falsche Zahlen zu untermauern, scheitert kläglich

Im Gegenteil, es wurde sogar versucht die Zahlen argumentativ zu untermauern. Dazu wurde das BKA zitiert: „Die überwiegende Mehrheit der Zuwanderer trat nicht im Zusammenhang mit einer Straftat in Erscheinung.“ Dieses Zitat sagt jedoch rein gar nichts über die Unter‐ oder Überrepräsentation von Asylwerbern bei Straftaten aus. Immerhin machen straffällige Personen generell einen kleinen Anteil der Gesamtbevölkerung aus.

Auch in dem dazu verlinkten Artikel finden sich keine Informationen über die Straffälligkeit von Deutschen im vergleich mit Asylwerbern. Es wird ausschließlich die Straffälligkeit von Asylwerbern unterschiedlicher Herkunftsländer verglichen. Somalia, das Herkunftsland des Täters in diesem Fall, wird ebenfalls nicht erwähnt. Der angebrachte Hinweis „Dazu passen die Zahlen des BKA“ ist also nicht als Humbug.

DerWesten.de verschweigt also nicht nur die Kritik des Tübinger Oberbürgermeisters an den falschen Zahlen der Tagesschau, sondern versucht diese Zahlen zu untermauern. Sie scheitert darin aber grandios.

Messerattacken als „Einzelfälle“

Dieses Verhalten von großen Playern im deutschen Medienmarkt wirft ein fahles Licht auf den Zustand der Presselandschaft. Der Mordfall selbst wirft ein fahles Licht auf die deutsche Gesellschaft. Er ist ein weiter der berühmten „Einzelfälle“. Ein Irrtum bei der ersten Googlesuche nach einer Messerattacke in „Oldenburg“ statt in „Offenburg“ förderte gleich zwei weitere Messerstechereien mit Migrationshintergrund zutage.

Anscheinend sind diese Delikte doch keine Einzelfälle, wie es uns die Tagesschau weismachen will, sondern ein verbreitetes Problem in ganz Deutschland.

1 Kommentar

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  • Einer der ganz wenigen Grünen Funktionsträger, Boris Palmer, wird für sein mutiges und wahrheitsgetreues Auftreten von der Masse der wirklichtsfernen Mitglieder seiner Partei mit Schimpf und Schande überzogen. Wen wundert das noch?

    Gespannt bin ich, ob er nun trotzdem wieder mal in eine talkshow von ARD oder ZDF eingeladen wird. Das ist wohl zuriskant und nicht mainstreamkonform.

    Dafür möchte man schon meinen, die Anti‐Experten Habeck (es gibt gar kein Volk in Deutschland) und Baerbock (Strom in den Netzen speichern) wären Fixangestellte der jeweiligen Sender, so oft wie man die dort ertragen muss, wenn man bereit ist, sich die Propagand‐shows anzuschauen.

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