Gesellschaft Kultur

Wien: Offenbar doch kein Sobieski‐Denkmal auf Kahlenberg

Seit fünf Jahren steht der Sockel für das Denkmal zu Ehren des polnischen Königs Jan III. Sobieski - das nun möglicherweise doch nicht kommt. Bild: Herzi Pinki via Wikimedia Commons [CC BY-SA 4.0] (Bild zugeschnitten)

In Wien gibt es einige Aufregung um ein Denkmal für der den polnischen König Jan III. Sobieski, welcher bei der Entsatzung der Stadt im Jahr 1683 eine wichtige Rolle spielte. 

Wien. Am Kahlenberg – am 12. September jenes Jahres Schauplatz der wichtigen abschließenden Schlacht – sollte eine Statue zu Ehren des wichtigen Verbündeten entstehen. Zu diesem Zweck stellte man bereits vor fünf Jahren einen Sockel auf. Die Statue selbst ist ebenfalls bereits fertig – nun verdichten sich jedoch die Hinweise, dass das Denkmal möglicherweise auf der Zielgerade doch noch scheitert.

Angebliche Ablehnung des Denkmalbeirats

Wie polnische Medien bereits vor einigen Tagen berichteten, hätte die Stadtregierung unter Neo‐Bürgermeister Ludwig (SPÖ) kommuniziert, dass sie das Denkmal nun doch nicht wolle. Dies gehe aus einer kritischen Nachfrage des Portals Polonika.at an den Wiener Landtagspräsidenten Ernst Woller (SPÖ) hervor. Dieser berufe sich in seiner Beantwortung auf eine angebliche negative Entscheidung des erst 2017 eingesetzten Denkmalbeirates der Stadt Wien.

Es gebe deshalb seit Juli eine Abmachung, das Sobieski‐Denkmal stattdessen in der Partnerstadt Krakau zu errichten. Der Bürgermeister der früheren polnische Königsstadt, Jacek Majchrowski, dementiert eine solche Planänderung jedoch. Er beruft sich vielmehr auf eine Übereinkunft der ehemaligen Stadtregierung, wonach dieses am Kahlenberg stehen soll. Dort sollte die Statue in weniger als zwei Wochen am 335. Jahrestag der Entsatzungsschlacht zur Aufstellung kommen.

Anti‐türkisch”: Gerüchte über Ablehnungsgrund

Als angebliche Begründung für die Ablehnung nennt der öffentlich‐rechtliche Radiosender Polskie Radio, dass das Denkmal anti‐türkisches Sentiment schüren könnte. Auch das mit dem Denkmal in Verbindung stehende Errichtungskomitee vermutet dies. Dabei handelt es sich allerdings nur um Spekulationen der Gruppe, welche gleichzeitig Vorwürfe erhebt, man hätte ihr keine schriftliche Ablehnungsgründe genannt.

Einem weiteren polnischen Portal zufolge äußerte auch der ausführende Künstler sein Unverständnis. Czesław Dźwigaj von der Akademie der Bildenden Künste in Warschau verneinte, dass seine Statue „anti‐türkische Untertöne” transportiere. Die kurzfristige Ablehnung verglich er dabei mit einem fertig errichteten Haus, welches abgerissen werden müsse, weil jemand plötzlich ein anderes Bauwerk wünsche.

Scharfe Kritik von Gedenkplattform

Kritik an diesen Vorgängen übte indes die Initiative „Gedenken 1683”, welche sich eigenen Aussagen zufolge der „Pflege des kulturellen Gedächtnisses an die Zweite Wiener Türkenbelagerung“ widmet. In einer Presseaussendung verurteilte Philipp Huemer, der Sprecher der Initiative die mutmaßliche Kehrtwende der Stadt Wien. Im Wortlaut:

Es darf nicht passieren, dass ein 2013 genehmigtes und mittlerweile fertiggestelltes Denkmal von einem erst 2017 gegründeten Beirat nachträglich und ohne ersichtlichen Grund abgelehnt wird. Das ist ein Schlag ins Gesicht all jener, die in den letzten Jahren Zeit, Energie und Geld in die Realisierung des Denkmals investiert haben.”

Huemer: Denkmal‐Verhinderung ist „verheerendes Signal”

Sollten sich die Anschuldigungen von polnischer Seite bezüglich „anti‐türkischer” Wirkung als Grund für die nunmehrige Ablehnung bewahrheite, so ist dies nach Ansicht von Gedenken 1683 ein „handfester Skandal”. Huemer weiter:

Die Befreiung der Stadt Wien im Jahr 1683 ist ein zentrales Ereignis der österreichischen und europäischen Geschichte. Die aktive Verhinderung eines Denkmals daran, aus Rücksicht auf vermeintliche Befindlichkeiten einer bestimmten Bevölkerungsgruppe, wäre ein verheerendes Signal und definitiv ein Schritt in die falsche Richtung.

Die Gruppe schließt die Ausführungen ab, indem sie für ihren eigenen Gedenkzug am Samstag, den 8. September wirbt. Dort möchte man sich um 18:30 Uhr an der Josefskirche auf dem Kahlenberg treffen. Ziel der Veranstaltung ist laut Huemer, ein „notwendiges Zeichen für eine positive Erinnerung” an 1683 zu setzen, die eigene Identität sei „nicht verhandelbar”. Man lade alle jene, welche durch die Entscheidung der Stadt „zurecht enttäuscht” seien, ein, dieser beizuwohnen.

Offener Brief an Bürgermeister

Auch Teile der polnischen Diaspora in Wien äußerten ihre „Sorge und Fassungslosigkeit” über die „widersprüchlichen Pressemitteilungen” zu diesem Thema. Emil Dyrcz, Präsident der polnischen Sportvereinigung PAKA‐s, richtet sich deshalb in einem offenen Brief an Bürgermeister Ludwig.

Man appelliere an diesen, „alle notwendigen Schritte” zu setzen, damit die Enthüllung des Denkmals am 12. September auf dem Kahlenberg stattfinden könne. Jedenfalls sei man weiterhin „voller Hoffnung und Zuversicht”, dass man am 12. September „an den Feierlichkeit der […] Denkmalenthüllung” teilnehmen könne, um „gemeinsam den Helden der Verteidigungskämpfe um Europa” zu gedenken.

1 Kommentar

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  • Auch konservative Kreise in der Katholischen Kirche feiern die Vertreibung der Türken am 12. September 2018 in Wien, zum Beispiel mit einem Zug vom Heldenplatz zur Minoritenkirche mit Pater Bernhard Vosicky von Heiligenkreuz. Zur weichgespülten Maria Namen Feier am Sonntag im Dom mit Erzbischof Schönborn sollte man nicht gehen. Es gibt sowohl bei den Katholiken als auch bei den Identitären/Nationalen gegenseitige Vorurteile, aber auch Leute, die keine Berührungsängste haben. Man sollte im Sinne eines consensus „onium bonorum” in Zeiten wie diesen neue Wege der Zusammenarbeit suchen. Am 4. September 18 findet auch ein Gottesdienst in der Minoritenkirche in Wien im alten Ritus statt, wo konservative junge Katholiken an König Stephan von Ungarn und an die Zusammenarbeit zwischen Deutschland/Österreich und Ungarn denken.

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