Interview Meinung

Huemer (Gedenken 1683): „Brauchen Bewusstsein für Geschichte und Identität”

Hintergrundbild: Copyright Gedenken 1683 / Bild Huemer: privat / Collage: Die Tagesstimme

Die frisch gegründete Plattform „Gedenken 1683” hat sich zur Aufgabe gemacht, die Erinnerung an die Zweite Türkenbelagerung Wiens zu pflegen. Der Sprecher der Initiative, Philipp Huemer, erzählt im Tagesstimme-Interview über die Wichtigkeit, das Gedächtnis in einem breiteren Kontext zu bewahren und kritisiert das Vorgehen der Stadt Wien bezüglich des geplanten Denkmals zu Ehren des polnischen Königs Jan III. Sobieski (Die Tagesstimme berichtete)

Die Tagesstimme: Herr Huemer, Sie sind Sprecher der neuen Plattform „Gedenken 1683”. Worum geht es in diesem Projekt?

Philipp Huemer: Nun, wie bereits in unserer Selbstbeschreibung zu lesen, widmen wir uns der Pflege des kulturellen Gedächtnisses an das Schicksalsjahr 1683, als Wien und damit auch große Teile Westeuropas vor der Eroberung durch eine Armee des osmanischen Reichs standen.

Wir stellen dieses Gedenken jedoch ausdrücklich nicht in einen luftleeren Raum, sondern halten es gerade im Kontext der Herausforderungen, die durch Masseneinwanderung und Islamisierung entstehen, für wichtig, dass sich die Europäer ihrer eigenen Geschichte und Identität wieder bewußt werden.

Die Tagesstimme: Warum ist die Erinnerung an das Jahr 1683 Ihrer Ansicht nach so wichtig?

Philipp Huemer: Die Zweite Wiener Türkenbelagerung ist ein zentrales Ereignis der europäischen Geschichte, die mit ihren Folgen auch die Zukunft unseres Kontinents maßgeblich mitbestimmt hat.

Die Schlacht am Kahlenberg am 12. September 1683 hat nicht nur die Belagerung Wiens beendet, sondern war auch der Startschuss für die bis 1699 dauernde Rückeroberung der osmanisch besetzten Teile Ungarns und des Balkans. Damit wurde die Expansion des Osmanischen Reiches nach Europa, die für den südöstlichen Teil unseres Kontinents de facto Unterdrückung und islamische Herrschaft bedeutet hat, beendet und man trat in eine friedliche Koexistenz ein.

Letztlich geht es darum, sich zu vergegenwärtigen, dass ein friedliches Leben in Europa zunächst einmal die Selbstbehauptung und die Verteidigung nach Außen zur Grundlage hat. Geht diese Grundeinsicht verloren, werden wir zum Opfer von Interessen anderer und sind als europäische Völker und Kulturen dem Untergang geweiht.

Die Tagesstimme: Im vergangenen Jahr hatte die Identitäre Bewegung zum Gedenkzug am Kahlenberg aufgerufen, in diesem Jahr ist es die neue Plattform „Gedenken 1683”. Aus welchem Grund hat sich die Organisation des Gedenkzugs geändert?

Philipp Huemer: Bereits im letzten Jahr waren wir darum bemüht, den Gedenkzug nicht als politische Veranstaltung einer bestimmten Organisation oder Bewegung zu propagieren, sondern schlicht den Startschuss für eine neue kulturelle Tradition zu geben. Die Gründung einer unabhängigen Plattform war daher nur der nächste logische Schritt.

Uns geht es damit letztlich um die Wiederbelebung unserer Kultur und Identität, denn nur dadurch werden wir zukünftig in der Lage sein, auch politisch wieder Entscheidungen zugunsten unserer Heimat zu treffen.

Die Tagesstimme: Mit wie vielen Teilnehmern rechnen Sie diesmal?

Philipp Huemer: Bereits beim „Testballon“ im letzten Jahr konnten wir relativ kurzfristig etwa 200 Teilnehmer mobilisieren. Ich rechne für heuer jedoch mit keiner ruckartigen Steigerung der Teilnehmerzahl, sondern eher mit einem kontinuierlichen Anstieg in den nächsten Jahren.

Die Tagesstimme: Auf Ihrem Blog haben Sie darauf aufmerksam gemacht, dass die Stadt Wien das geplante Sobieski‐Denkmal offenbar verhindern möchte. Können Sie unseren Lesern über den Vorfall berichten?

Philipp Huemer: 2013 haben sich die Stadt Wien, die Stadt Krakau und ein eigens dafür gegründetes Baukomitee zur Errichtung eines Denkmals zu Ehren des polnischen Königs Jan III. Sobieski geeinigt. Mittlerweile ist das Denkmal fertiggestellt, doch bei einem Gespräch im Juli ruderte die Stadt Wien plötzlich zurück und berief sich auf eine angebliche negative Entscheidung einer im Jahr 2017 gegründeten Denkmalkommission.

Ein solches Vorgehen ist im Grunde bereits höchst problematisch, doch laut polnischen Medien gäbe es auch Hinweise, dass eine mögliche Rücksichtnahme auf die türkische Bevölkerung der Grund für die Entscheidung der Stadtbehörden sein könnte. Das ist allerdings nicht gesichert. Fakt ist jedoch, dass es die vom Wiener Landtagspräsidenten Ernst Woller (SPÖ) behauptete Vereinbarung mit dem Baukomitee, das Denkmal in Krakau anzusiedeln, nicht gibt.

Sowohl der Vorsitzende des Komitees als auch der Stadtpräsident von Krakau weisen dies zurück. Diese hoffen vielmehr darauf, dass die Stadt Wien sich doch noch an die Abmachung aus dem Jahr 2013 halten und das Denkmal am Kahlenberg seinen Platz finden wird, so wie ursprünglich geplant. Wie wahrscheinlich das ist, ist derzeit nicht einzuschätzen.

Die Tagesstimme: Was hat die Plattform neben dem jährlichen Gedenkzug noch geplant?

Philipp Huemer: Mit dem jährlichen Gedenkzug haben wir den Startschuss für eine „Renaissance des Jahres 1683“ gegeben und wir hoffen, in Zukunft auch mit anderen Veranstaltungen dazu beitragen zu können. Denkbar wären etwa Vortragsveranstaltungen oder Podiumsdiskussionen mit Historikern und anderen Wissenschaftlern, künstlerische Projekte und manches mehr.

In den nächsten Monaten werden wir uns allerdings konkret der Vernetzung und dem Ausbau der Plattform selbst widmen. Bereits heuer wurde unsere Plattform beispielsweise bei der Mobilisierung für den Gedenkzug von zahlreichen anderen Organisationen unterstützt. Genau diese Zusammenarbeit wollen wir zukünftig verstärken.

Die Tagesstimme: Vielen Dank für das Interview!

Weiterlesen:

Wien: Offenbar doch kein Sobieski‐Denkmal auf Kahlenberg (31.8.2018)

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