Kultur

19. IfS‐Sommerakademie: Die Zukunft Europas und der Nationalstaat

IfS-Leiter Dr. Erik Lehnert begrüßt die Teilnehmer der 19. Sommerakademie. Bild: Die Tagesstimme

Mehrere internationale Redner sprachen in Schnellroda über „Die Zukunft Europas und der Nationalstaat”. Über 120 junge Patrioten nahmen an der Sommerakademie teil. Der linke Gegenprotest fiel hingegen äußerst mager aus.

Steigra. Es ist ein weiter Weg nach Schnellroda (Sachsen‐Anhalt), den viele junge Patrioten am vergangenen Wochenende zurückgelegt haben. Aus dem gesamten deutschen Bundesgebiet und Österreich reisten über 120 junge Menschen an, um an der 19. Sommerakademie des Instituts fürs Staatspolitik teilzunehmen.

Im beschaulichen Schnellroda kommen die jungen „Neuen Rechten” zweimal im Jahr zusammen. Sie gehören unterschiedlichen Gruppen, Organisationen und Strukturen im patriotischen Milieu an. Hier können sie sich kennenlernen, vernetzen und diskutieren. An den Abenden sitzt man zusammen, trinkt, plaudert und singt bündische Lieder. Es ist eine entspannte Atmosphäre, die man gerne in Erinnerung behält und die in dieser Weise in den patriotischen Zusammenhängen ansonsten kaum zu finden ist. Doch neben all dem geht es bei den Akademien vor allem um das Studium, um geistige Vertiefung und Erkenntnisgewinn.

Unterschiedliche Perspektiven auf Europa

Das Thema lautete diesmal „Die Zukunft Europas und der Nationalstaat”. Neun Vorträge, eine Filmvorführung, eine Podiumsdiskussion und eine Gruppendiskussion warteten auf die Teilnehmer.

Die Redner kamen aus Deutschland, Dänemark, Kroatien, Rumänien, Serbien, Ungarn und der Türkei. Und ihre Vorträge zeigten die unterschiedlichen Perspektiven der Länder auf Europa und die EU. Der deutsche Vertreter Benedikt Kaiser forschte einem „jungen Europa” jenseits von EU und Nationalstaaten nach, dessen Basis der Dreiklang „Region – Nation – Europa” sein solle. Der dänische Pfarrer und Leiter der C.S.-Lewis-Gesellschaft, Torben Bramming, wiederum machte auf das Problem der Islamisierung aufmerksam und betonte vor allem das christliche Erbe der europäischen Nationalstaaten.

Dr. Dusan Dustanic, Carl‐Schmitt‐Experte aus Serbien, sprach über „Serbiens Lage am Rande der EU”. Er kritisierte das supranationale Gebilde der EU und verwies dabei auf Parallelen zum „Jugoslawismus”, der für die Serben die Aufgabe der Nation bedeutet habe. Der kroatische Publizist und Herausgeber der Zeitschrit „Obnova”, Leo Maric, gab einen Überblick über Lage und Stimmung in Kroatien. Dabei fokussierte er sich vor allem auf die wirtschaftlichen und demographischen Probleme des Landes.

Türkei und Europa

Gabor Tallai, stellvertretender Leiter der Gedenkstätte „Haus des Terrors” in Budapest, rechnete mit den totalitären Systemen des 20. Jahrhunderts ab. Tallai warf ihnen vor, Identitäten umgeformt und den Sprachgebrauch vereinnahmt zu haben, um dadurch die absolute Deutungshoheit über die Realität zu erlangen. Ein weiterer Vortragender war Winfried Ziegler, Angehöriger der deutschen Minderheit in Rumänien. Er gab Rumäniens Blickwinkel auf Europa und Deutschland wieder und betonte dabei, dass in Rumänien gesellschaftspolitische Diskurse viel offener als in Deutschland geführt würden.

Ebenfalls als Vortragender geladen war Ali Mercan, ein Vertreter der linksnationalistischen und eurasischen Vatan Partisi aus der Türkei. Sein Thema lautete „Die türkische Nation, Europa und Eurasien – wie weiter?”. Mercan hielt fest, dass die Türkei der EU nicht beitreten sollte. „Wir wollen nicht von Brüssel regiert werden”, sagte der Vortragende und erhielt dafür großen Applaus. Außerdem sprach sich Mercan für eine gute Zusammenarbeit mit Deutschland in Fragen der Wirtschaft, Verteidigung und Außenpolitik aus. Seine türkischen Landsleute in Deutschland rief er auf, in ihre Heimat zurückzukehren.

AfD‐Meuthen fordert „Festung Europa”

Am letzten Tag der Akademie sprachen AfD‐Chef Prof. Dr. Jörg Meuthen und AfD‐Bundestagsabgeordneter Prof. Dr. Harald Weyel über die Europa‐Positionen ihrer Partei. Vor allem Meuthen konnte mit seinen teils skurril anmutenden Anekdoten aus dem EU‐Parlament für einige Lacher im Publikum sorgen. Der AfD‐Bundessprecher kritisierte die EU scharf, betonte aber, dass er weiterhin an die Reformierbarkeit der Union glaube. Weiters forderte Meuthen in seiner Rede eine „Festung Europa”. Den Abschluss der Akademie bildete schließlich eine Podiumsdiskussion mit den beiden AfD‐Funktionären und dem ehemaligen FPÖ‐Nationalratsabgeordneten Johannes Hübner.

Kaum Teilnehmer bei Antifa‐Gegenprotest

Der im Vorfeld groß angekündigte Antifa‐Protest „IfS dichtmachen” gegen die Sommerakademie fiel hingegen überschaubar aus. An die 20 Personen demonstrierten in Schnellroda gegen das Institut für Staatspolitik.

Kommentar hinzufügen

Hier Klicken, um zu kommentieren

Newsletter

Jetzt in den Newsletter eintragen und wöchentlich die Top-Nachrichten erhalten!
Newsletter

Neues von Anbruch

Jordan Peterson – Gegengift oder Gift?

Der Name Jordan Peterson ist momentan in aller Munde. Doch worum geht es in seinem neuen Buch überhaupt und birgt seine Weltsicht auch Problematiken?

 

… weiterlesen