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Belgien: Rassismus-Debatte kocht vor Wahlen hoch

Redaktion

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Symbolbild (Palais de la Nation, Brüssel): User Oakenchips via Wikimedia Commons [CC BY-SA 3.0] (Bild zugeschnitten)

Im Oktober finden in Belgien Kommunalwahlen statt. Sowohl in Flandern als auch im französischsprachigen Wallonien dominieren dabei aktuelle Rassismusdebatten das Vorfeld der Lokalwahlen im zerrissenen Land. 

Brüssel. Vergangene Woche strahlte das flämische Fernsehen eine Reportage über die Jugendorganisation „Schild en Vrienden“ aus. Dabei wurde der Organisation „Rechtsextremismus” vorgeworfen. Die Journalisten belegten ihre Behauptung mit Bildern und Videos, die sie angeblich aus geheimen, internen Chatgruppen hätten – ein symptomatisches Bild für die Lage in Belgien.

Gerüchte über rassistische Witze

Die Aufdecker thematisierten dabei einen Chat, welcher über etwa 900 Teilnehmer verfügte. Dort sei man unter anderem auf Bilder und Videos mit geschmacklosen Witzen über Schwarze, Muslime oder den Holocaust gestoßen. Zwar wies ein Sprecher von „Schild en Vrienden“ sämtliche Anschuldigungen zurück – doch der Imageschaden war unumkehrbar.

Zusätzliche Brisanz bergen die Enthüllungen auch, weil zahlreiche Mitglieder der Gruppe für die kommenden Kommunalwahlen als Kandidaten beinahe aller konservativer flämischer Parteien fungieren. Besonders heikel ist die Situation dabei für die auf Bundesebene mitregierende, rechtskonservative N‑VA. Gleich 20 Parteimitglieder sind bei „Schild en Vrienden“ aktiv. Die Parteiführung reagierte mit umgehender Distanzierung von der Gruppierung.

Moderatorin klagt über Diskriminierung

Beinahe zeitgleich wandte sich im französischsprachigen Teil des Landes die aus dem dortigen Fernsehen bekannte, aus dem Kongo stammende Wettermoderatorin Cécile Djunga in einem Facebook-Video an die Öffentlichkeit. Unter Tränen berichtete sie von einer Zuschauerin, die sie im Büro angerufen und als „zu schwarz fürs Fernsehen“ bezeichnet habe. Des Weiteren erklärte sie, bereits seit einem Jahr Beleidigungen dieser Art zu hören, doch sie habe nie etwas gesagt, um ihrer Karriere nicht zu schaden.

Mittlerweile wurde ihr Video mehr als zwei Millionen Mal angeklickt. Die linksliberale Zeitung „Le Soir“ titelte im Zuge dessen am Freitag „Rassismus lassen wir nicht durchgehen“ und verwies auf fünf Seiten auf diesen und andere Vorfälle. Die rassistische Gefahr sei groß in Belgien. Auch diverse deutschsprachige Medien wie der österreichische Kurier griffen das Thema auf.

Angespannte Stimmung in Belgien

Wie überall in Europa ist die Stimmung zwischen den politischen Lagern angespannt – um nicht zu sagen, umsomehr. Belgien kämpft seit Jahren mit einer inneren Zerrissenheit, vor wenigen Jahren stand sogar eine Trennung der beiden Landesteile im Raum. Diese Zerrissenheit spiegelt sich auch in der Politik wider. Während das wirtschaftlich starke Flandern tendenziell rechte und konservative Parteien bevorzugt, favorisieren Wallonen eher linke und liberale Parteien.

Debatten als Beibrot der Masseneinwanderung

Dass beide Landesteile sich nun quasi ‚vereint’ mit einer Rassismusdebatte konfrontiert sehen, ist symptomatisch für das ebenfalls ständig präsente Migrationsthema. Etwa ein Viertel der über elf Millionen Belgier besitzen einen Migrationshintergrund, jeder Zehnte hat seine Wurzeln außerhalb Europas.

Der Großteil der Personen mit Migrationshintergrund verfügt über eine belgische oder andere europäische Staatsbürgerschaft und ist damit für den baldigen Urnengang wahlberechtigt.

Die größte Gruppe bilden dabei Menschen aus Marokko und deren Nachfahren mit etwa 450.000 Menschen, gefolgt von türkischstämmigen Personen (etwa 220.000). Insgesamt acht Prozent der belgischen Bevölkerung sind Muslime.

Großes Radikalisierungspotenzial unter Muslimen

Innerhalb dieser großen muslimischen Gemeinde haben auch radikale Strömungen einigen Zulauf. Kaum ein europäisches Land musste die Folgen des politischen Islam derart intensiv einstecken wie Belgien. Erst Ende Mai verübte ein islamistischer Gefährder einen tödlichen Angriff auf Passanten und Polizisten – Die Tagesstimme berichtete.

Auch generell gilt Belgien als jenes europäische Land mit den meisten kampfbereiten Islamisten. Der flämische Politiker Filip Dewinter (Vlaams Belang) stellte sogleich einen Zusammenhang zwischen diesem Umstand und der S&V‑Doku her. Seiner Ansicht nach wäre es in Belgien niemals zu Anschlägen gekommen, wenn Medien in muslimischen Milieus so eifrig nach Extremisten gesucht hätten, wie dies nun in patriotischen Jugendgruppen der Fall sei.

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IS-Kämpfer: Türkei startet Abschiebung

Monika Šimić

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ASDF Symbolbild: Flugzeug der Turkish Arilines / Bild: Mehmet Mustafa Celik [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons (Bild zugeschnitten)

Bereits Anfang vergangener Woche erklärte der türkische Innenminister Süleyman Soylu, dass die Türkei kein „Hotel” für IS-Mitglieder sei.

Ankara. Laut Medienberichten hat die Türkei damit begonnen, gefangene ausländische Anhänger der radikalislamischen Terrormiliz Islamischer Staat (IS) wieder in ihre Heimatländer zurückzuschicken. Das berichtete der Staatssender TRT Haber heute. Innenminister Süleyman Soylu hatte das bereits angekündigt.

Keine genauen Zahlen

Wie viele Dschihadisten nun rückgeführt werden, war vorerst aber nicht bekannt. Solyu sprach davon, dass die Türkei 1.200 IS-Anhänger gefangen halte. Allein während der jünsten Offensive der Türkei in Nordsyrien seien 287 gefangen genommen worden. Seit einer Reihe von Anschlägen des IS 2015 und 2016 geht die Türkei verstärkt gegen diesen vor und nimmt bei Razzien regelmäßig mutmaßliche Anhänger fest.

In den vergangenen Jahren wurden zudem zahlreiche IS-Kämpfer und deren Angehörige in Syrien und dem Irak gefangen genommen. Allein die syrische Kurdenmiliz YPG hält Zehntausende Dschihadisten und ihre Frauen und Kinder in Haft, darunter viele aus Europa, wie der ORF berichtet.

Türkei ist kein „Hotel” für IS-Kämpfer

Der Umgang mit ihnen sorgt seit Langem für Kontroversen, da sich die meisten Heimatländer unter verweis auf Sicherheitsrisiken bisher weigern, ihre Staatsbürger zurückzuholen. So etwa auch Deutschlands Bundesinnenminister Horst Seehofer. Er und Außenminister Heiko Maas sind sich einig, dass zunächst rechtssicher festgestellt werden müsse, ob die verhafteten Deutschen, die in Syrien und im Irak für den IS gekämpft haben sollen, wirklich deutsche Staatsbürger sind.

In der Türkei ist die Weigerung des Westens, die eigenen Bürger zurückzuholen, indes auf Kritik gestoßen. Die Türkei sei kein „Hotel” für IS-Mitglieder, hatte Soylu bereits Anfang vergangener Woche erklärt. Dass Staaten wie die Niederlande und Großbritannien IS-Verdächtigen die Staatsbürgerschaft entzogen haben, bezeichnete Soylu als „inakzeptabel und unverantwortlich”.

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Orbán: „Migration kann ohne die Türkei nicht aufgehalten werden“

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ASDF Symbolbild: flickr; European People's Party- Viktor Orbán [CC BY 2.0]

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan besuchte am 7. November Ungarn. Aus diesem Anlass bekräftigte der ungarischer Ministerpräsident Viktor Orbán die Wichtigkeit von guten Beziehungen zur Türkei. Orbán betonte, dass die Migration nach Europa ohne die Türkei nicht gestoppt werden könne.

Budapest. – Erdogan wurde von Viktor Orbán sowie dem ungarischen Präsidenten János Áder herzlich in Budapest empfangen. Man schloss zehn bilaterale Abkommen und vertiefte die wirtschaftliche Kooperation. In der gemeinsamen Pressekonferenz lobte Orbán die Türkei dafür, dass sie in diesem Jahr bereits 350.000 illegale Grenzgänger aufgegriffen habe. Ohne die Türkei wären diese Menschen jetzt an der ungarischen Südgrenze, so Orbán. Auch in diesem Fall wäre allerdings kein Einziger nach Ungarn gelangt, fügte Orbán hinzu, denn Ungarn könne seine Grenzen vor illegaler Einwanderung jeder Größenordnung schützen.

Das Ziel sei, so Orbán, dass jeder Migrant nach Hause zurückkehre. Probleme sollten nicht nach Europa gebracht, sondern vor Ort gelöst werden. Orbán sicherte Erdogan Hilfe beim Wiederaufbau in der von der Türkei geplanten Sicherheitszone in Syrien zu. Ungarn hatte die Militäroffensive der Türkei in Syrien nicht verurteilt und unterstützt die Schaffung einer Sicherheitszone zur Ansiedlung syrischer Migranten.

Erdogan droht EU mit Grenzöffnung

Erdogan sagte in der Pressekonferenz, dass sich aktuell nahezu vier Millionen Flüchtlinge in der Türkei befänden, von denen viele nach Europa wollten. Die Türkei halte diese geduldig zurück mit der Absicht, die Flüchtlinge in einer Sicherheitszone in Syrien anzusiedeln. Zur Versorgung der Flüchtlinge benötige die Türkei aber finanzielle Unterstützung der EU, wie sie in einem Abkommen vereinbart worden sei. Sollte diese Unterstützung nicht eintreffen, müsse die Türkei ihre Tore nach Europa öffnen, betonte Erdogan.

Der türkische Präsident lobte Ungarn für die Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus sowie dafür, dass Ungarn stets für den EU-Beitritt der Türkei eintrat. Die EU habe die Türkei sehr abweisend behandelt, was zu ihrem eigenen Nachteil sei, da die EU durch den Beitritt der Türkei gewinnen würde. Die Beziehungen der Türkei zu allen Visegrad-Staaten seien gut, so Erdogan, und er wolle sie noch weiter vertiefen.

Orbán: Linke wollen Erdogan stürzen, um Migranten hereinzulassen

Linke ungarische Oppositionspolitiker kritisierten den Staatsbesuch Erdogans scharf. Sowohl Vertreter der Demokratischen Koalition als auch der LMP nannten Erdogan einen Kriegsverbrecher, dessen Besuch eine Schande sei. In Budapest fand eine Demonstration gegen Erdogan statt. Viktor Orbán verteidigte in einem Radiointerview am 8. November den Besuch des türkischen Präsidenten. Die Opposition wolle nicht verstehen, dass die Migration nach Europa nur mit Hilfe der Türkei aufgehalten werden könne. Solange Erdoğan die Tore für die Migranten nicht nach Europa, sondern nach Syrien aufmache, sei man in Europa in Sicherheit, so Orbán.

Die Befürworter der Einwanderung wollten laut Orbán Erdogan stürzen, damit er die Migranten nicht weiter aufhalten könne. Dadurch würde für sie ein Traum in Erfüllung gehen, denn durch eine instabile Türkei ohne Erdoğan würden weitere Millionen Migranten nach Europa gelangen. Erdogans Sturz sei laut Orbán auch im Sinne des sogenannten „Soros-Plans”, demzufolge Europa jährlich eine Million Einwanderer aufnehmen solle.

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Nach anhaltendem Druck: Migrantenlager in Vučjak wird geschlossen

Monika Šimić

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ASDF Migranten im Lager Vučjak / Bild: Mario Kunasek via Screenshot YouTube, "Droht eine neue Asylkrise [Teil 2]" [@01:22 min]

Rund 800 Migranten, die sich aktuell im Lager Vučjak befinden, sollen in drei andere bosnische Migrantenlager verlegt werden.

Bihać . Medienberichten zufolge wird das bosnische Migrantenlager Vučjak in den kommenden sieben Tagen geschlossen. Die Schließung erfolge wegen des anhaltenden Drucks der internationalen Staatengemeinschaft, hieß es dazu im bosnischen Internetportal klix. Das Lager wird wegen der dortigen hygienischen und medizinischen Zustände scharf kritisiert.

Migranten kommen in andere Lager

Bis zur Errichtung einer neuen Aufnahmestelle würden die rund 800 Migranten, die sich derzeit in Vučjak befinden, in die im Kanton Una-Sana bestehenden Aufnahmezentren Bira bei Bihać, Miral bei Velika Kladuša sowie in das Aufnahmezentrum Usivak in Hadžići bei Sarajevo verlegt. Unterdessen ersuchte der bosnische Sicherheitsminister Dragan Mektić laut Klix die Internationale Organisation für Migration (IOM), die von dieser Organisation betriebenen Aufnahmelager Bira und Miral bis zur Errichtung eines neuen Migrantenzentrums weiterzuführen. Zuvor hatte man die Schließung der beiden Aufnahmelager mit rund 2.000 Personen für den 15. November angekündigt.

Verstärkte Polizeipatrouillen in Bihać

Unterdessen verstärkte man auf den Straßen der bosnischen Grenzstadt Bihać die Präsenz von Sicherheitsbeamten. Aufgrund des andauernden Migrantenstroms halten Polizeipatrouillen auf beliebten Migrantenrouten Ausschau nach Migranten. Zwar gab es diese Patrouillen schon zuvor, nun wolle man sie jedoch verstärken und häufiger durchführen. Dadurch sollen sich die Bürger sicherer fühlen. Weiters will Mektić eine Zugverbindung von Sarajevo nach Bihać einstellen, mit der die Migranten in Richtung kroatische Grenze fahren würden.

Wie das Internetportal Klix weiter berichtet, erteilte man im Rahmen der letzten Stadtratssitzung der Stadt Bihać die Genehmigung, dass im Ort Lipa nahe der kroatischen Grenze ein vorübergehendes Aufnahmezentrum eingerichtet werden darf.

Forderung nach Sicherung der österreichischen Staatsgrenze

Aufgrund der angespannten Lage am Balkan forderten sowohl Ex-Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) als auch FPÖ-Bundesparteiobmann Norbert Hofer die Sicherung der österreichischen Grenze. „Ob es den realitätsblinden Migranten-Solidaritätsromantikern gefällt oder nicht: Wenn sich Szenen wie 2015/2016 in Österreich nicht wiederholen sollen, dann wird man die illegalen Migranten aufhalten müssen, bevor sie unser Staatsgebiet betreten”, sagte Kickl in einer Aussendung.

Laut Hofer würden uns die Bilder aus Bosnien eindrucksvoll zeigen, „dass sich fast ausschließlich junge Männer auf den Weg zu uns machen”. Daher müssten umgehend Maßnahmen ergriffen werden, „um unsere Grenze dicht zu machen und illegale Migranten notfalls abzuwehren“, so Hofer.

Weiterlesen:

Besuch in Bosnien: Kunasek (FPÖ) bestätigt großen Migrationsdruck (24.10.2019)

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