Gesellschaft

Unfassbar: Inszeniertes AfD‐Video stammt offenbar von SWR‐Satireprojekt

In der Sequenz inszenierten Komparsen einen angeblichen AfD-Wahkampfstand. Bild: Screenshot Youtube [@0:43] (Ausschnitt)

In den vergangenen Tagen gingen aufgrund eines mit Komparsen inszenierten AfD‐Wahlstandes die Wogen hoch. Nun stellte sich heraus: es waren Dreharbeiten für ein Satireprojekt.

Berlin. Am 7. September filmten aufmerksame Passanten, wie Personen teils in rechtsradikaler Szenekleidung einen vermeintlichen AfD‐Stand am Anton‐Saefkow‐Platz inszenierten. Dort veranstaltet die Partei tatsächlich regelmäßige Infostände. Dabei stellten die Schauspieler auch Jagdszenen auf Personen mit südländischem Aussehen nach – Die Tagesstimme berichtete. Nun scheint es Hinweise zu geben, dass es sich dabei um Dreharbeiten für eine Satiresendung handelt.

Dreharbeiten für Bohemian Browser Ballett

Wie das Portal correctiv.org aufdeckt, dürfte die Sequenz allerdings keine gezielte Aktion politischer Gegner darstellen. Vielmehr dient das verstörende Material als Grundlage für einen Sketch der Satire‐Sendung Bohemian Browser Ballett. Das Format versteht sich selbst als „linksgrünversiffter Stachel im Arsch der Revolutionäre“. Das Team von Head‐Autor Christian Brandes zieht dabei auf YouTube regelmäßig über diverse gesellschaftliche und politische Geschehnisse her. Eine der Darstellerinnen bezeichnete die kürzlichen Dreharbeiten in Berlin auf Instagram dabei sogar als „politische Mission”.

funk: Finanzierung aus Rundfunkgebühren

Das Projekt ist eines der Aushängeschilder der Online‐Jugendplattform funk. Dieses Angebot wird von den beiden öffentlich‐rechtlichen Rundfunkanstalten ARD und ZDF mit jährlich 45 Million Euro aus Rundfunkgebühren finanziert. Wichtig ist dabei, dass die unterstützten Formate sich am „öffentlich‐rechtlichen Bildungsauftrag” orientieren.  Wie die Tagesstimme kürzlich zeigen konnte, verfolgt funk dabei ein klar politisch formuliertes Narrativ. Die Federführung über dieses Medienangebot obliegt dem Südwestrundfunk (SWR), dem zweitgrößten ARD‐Landesrundfunk.

Öffentlich‐rechtliche Satire gegen AfD

Dass öffentlich‐rechtliche Angebote unter dem Deckmantel der Satire mitunter scharf gegen die derzeit größte Oppositionspartei im Bundestag schießen, ist keinesfalls Neuland. Im April 2017 bezeichnete ein Moderator der NDR‐Satiresendung Extra 3 die nunmehrige AfD‐Co‐Fraktionschefin Alice Weidel als „Nazi‐Schlampe”. Im Februar sorgte der Spott des ZDF‐Haussatirikers Oliver Welke (heute‐Show) über den Sprachfehler eines AfD‐Mandatars für Wirbel.

Eine ganze selbsterklärte „Bürgerrechtsbewegung” gegen diverse rechte Akteure startete im April diesen Jahres ein weiterer ZDF‐Satiriker. Jan Böhmermann warb in einer Ausstrahlung seines Neo Magazin Royale für die Teilnahme an Reconquista Internet, bis zu 65.000 Menschen folgten seinem Aufruf. Deren Aktivisten deponierten im Mai sogar Eisblöcke mit dem Grundgesetz vor der AfD‐Zentrale. Die teilweise hierarchischen Strukturen des Guerillaprojekts deckte eine Undercover‐Recherche der Tagesstimme im Frühjahr auf.


Weiterlesen: 

Berlin: Fake‐Video mit AfD‐Stand und „Jagdszenen” aufgeflogen (13.9.2018)

Jugendkultur und politische Erziehung: Was ist eigentlich „funk” (21.8.2018)

Inside „Reconquista Internet”: Die Heuchelei der Gutmenschen (28.5.2018)

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