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Gesellschaft

Staatsfunk lobt Spruchband: „Deutschland, du mieses Stück Scheiße!”

Julian Schernthaner

Veröffentlicht

am

Bild Weserstadion: Henning Ihmels via Wikimedia Commons [CC BY-SA 3.0 / Bild Tweet: Screenshot Twitter / Collage: Die Tagesstimme

Für einige Aufregung in sozialen Medien sorgt eine Positionierung des staatlichen Auslandsrundfunks Deutsche Welle (DW) im Zusammenhang mit einem antideutschen Spruchband bei einem Fußballspiel.

Bremen/Bonn. Die DW‐Sportredaktion teilte auf Twitter eine Choreographie von Fans des deutschen Fußball‐Bundesligisten SV Werder Bremen. Diese hielten als Reaktion auf die Vorfälle in Chemnitz einige Banner herauf, welche eine staatliche Duldung vermeintlicher oder tatsächlicher rechtsextremer Ausschreitungen unterstellte. Besonders die Bewerbung einer Aktion mit teils mutmaßlich linksradikaler Diktion sorgte dabei für Kritik.

Deutschland, du mieses Stück Scheiße”

Die Spruchbänder zieren die Textstellen: „Chemnitz / Lichtenhagen /Hoyerswerda / Connewitz / Heidenau / Der Nazimob wütet und der Staat spielt mit / Deutschland, du mieses Stück Scheiße”. Nach Ansicht der Redaktion handelt es sich dabei um eine „wichtige und richtige Aktion” der Bremen‐Fans, welche damit ein „starkes Zeichen gegen Rechts” setzen würden:


Unter dem Beitrag weist ein aufmerksamer Nutzer hin, dass es sich dabei allerdings nicht um Eindrücke vom Werder‐Spiel gegen den 1. FC Nürnberg handelt. Vielmehr seien die Aufnahmen bereits zwei Wochen zuvor beim gegen Eintracht Frankfurt entstanden. Daraufhin berichtigt „DW Sport” den Fehler – und teilt auch ähnliche Spruchbänder vom Spiel am Wochenende.

Teils scharfe Kritik an DW‐Lob

Die lobenden Worte für die Choreographie sorgen allerdings für einigen Gegenwind. Mehrere Kommentatoren kritisierten den Sender aufgrund ihres Lobes für „Fäkalsprache” beziehungsweise werteten die ganze Aktion als „lächerlich”. Einige wiesen auf den vermeintlichen Umstand hin, dass es sich bei der Deutschen Welle um eine Rundfunkanstalt des öffentlichen Rechts handle.

Klare Worte fand unterdessen auch der Politikwissenschaftler Benedikt Kaiser. Er kritisierte, dass auf diese Art und Weise „Inhalte und Parolen der extremen Linken salonfähig” gemacht würden.

Deutsche Welle: Gesetzlicher Auftrag verfehlt?

Der gesetzliche Auftrag des Staatsmediums ist es eigentlich, „Deutschland als europäisch gewachsene Kulturnation und freiheitlich verfassten demokratischen Rechtsstaat verständlich” zu machen (§4 DWG). Er gilt somit als Träger der Kulturpolitik der Bundesrepublik Deutschland. Der staatliche Rundfunk unterscheidet sich von öffentlich‐rechtlichen Sendern durch seine Finanzierung aus Steuergeldern anstelle von Rundfunkbeiträgen. Außerdem untersteht er direkt der Rechtsaufsicht einer Behörde, im Fall der Deutschen Welle der Bundesregierung.

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2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Rainer Seifert

    17. September 2018 at 21:16

    Das ist sicher ganz im Sinne von der Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Claudia Roth, die bekanntlich auch in einer solchen Gruppe mitlief.

    Aber bei einer Demo gegen kriminelle Ausländer hat man sich als anständiger Bürger natürlich umgehend zu entfernen, wenn 3000 Menschen hinter einem irgend ein Idiot – womöglich noch gedungener Provokateur – den Arm zum „deutschen Gruß” ausstreckt.

  2. Avatar

    Walter Gräbeldinger

    21. März 2019 at 13:08

    Natürlich soll jeder seine Meinung ungehindert sagen dürfen. Man muß ihr ja nicht zustimmen, vielmehr riskiert der seine Meinung äußernde ja selbst Gegenkritik. Aber könnte man das nicht auf eine argumentative Ebene bringen, über das blödsinnige „Er schreit halt” hinaus. Wenn jeder sich mit Namen und klar identifizierbar zu einer Meinung bekennt, so ist er entschuldigt in jedem Fall, er stellt sich ja, und wer ihn dann strafen will, ist ein Vermessener. Anonyme sollte man ausschließen. Aber Bekennende wozu auch immer, wenn sie es aufrichtig tun, auf keinen Fall bedrohen. Man kann ihnen argumentativ entgegnen. Das ergibt, tut man es fair, eine entkrampfende Diskussion, die zu Erkenntnissen führen kann. Aber bloßes Geschrei, wozu soll das führen?

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Gesellschaft

Theaterverband erfand Meuthen‐Zitat

Joshua Hahn

Veröffentlicht

am

ASDF Bild (Meuthen beim Bundesparteitag der AfD im Jahr 2017): Olaf Kosinsky [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons [Bild zugeschnitten]

In einem Interview mit der „dpa“ führte der Bühnenvereinspräsident ein Zitat an, welches angeblich von Jörg Meuthen (AfD) getätigt wurde. Nun stellte sich heraus, dass die Worte so nie benutzt wurden.

Berlin. – Trotz des falschen Zitats wurden die Leser zum Großteil nicht auf den Fehler hingewiesen.

Linksversiffter Kunstkadaver“

Wie die „Junge Freiheit“ berichtet, erklärte der Bühnenvereinspräsident Ulrich Khuon gegenüber der „dpa“, dass die „Neue Rechte“ lediglich ein „Gesinnungstheater“ wünsche, welches ihren Idealen entspräche. So habe Jörg Meuthen beispielsweise die Worte „linksversiffter Kunstkadaver“ benutzt. Diese Wortwahl gleiche der der Nationalsozialisten und ähnele dem Propagandabegriff der „entarteten Kunst“.

Ein Pressesprecher der Alternative für Deutschland intervenierte damals und erklärte, dass das Zitat so nie getätigt wurde. 

Der Bühnenverein sagte daraufhin aus, Khuon habe sich „geirrt“.

Keine weitreichenden Richtigstellungen

Obwohl der Bühnenverein dem AfD‐Politiker mit dem falschen Zitat und dem daraus resultierenden Vorwurf, Meuthen würde dem Nationalsozialismus nahestehen, erheblich hätte schaden können, fand keine umfassende Richtigstellung statt.

Die Nachrichtenagentur „dpa“ schickte zwar eine neue Fassung inklusive eines Korrekturhinweises an die Abonnenten und Kunden. 

Da allerdings nicht erwähnt wurde, dass ein inkorrektes Zitat gestrichen worden war, wurde zwar von den gängigen Medien die korrigierte Fassung übernommen, jedoch ohne den Hinweis, um welchen Fehler es sich handelte. 

Für den Leser war der Fehler also nicht ersichtlich. 

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Gesellschaft

Joachim Gauck fordert „erweiterte Toleranz in Richtung rechts“

Joshua Hahn

Veröffentlicht

am

ASDF Bild (Ex-Bundespräsident Joachim Gauck):Tohma (Diskussion) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons (Bild zugeschnitten)

Der Ex‐Bundespräsident Joachim Gauck warnte in einem Interview mit dem „Spiegel“ vor dem Erstarken des Nationalismus. Trotzdem plädierte er für eine „erweiterte Toleranz in Richtung rechts“.

Berlin. – Gauck sprach sich außerdem gegen den laut ihm vorherrschenden „Antipluralismus“ aus.

Wir verlieren uns selbst“

Wie unter anderem die „Welt“ berichtet, sagte Gauck bereits in der Vergangenheit mehrmals, dass der Umgang mit der AfD nicht optimal gewesen sei. Es habe eine mediale Tendenz gegeben, „zu früh Stoppschilder zu setzen“. 

Zwar lehne er selbst die Positionen der Alternative vehement ab, trotzdem sei es ein Fehler, permanent „das Höllentor von Auschwitz“ ins Spiel zu bringen. 

In einem Interview kritisierte er nun erneut den Umgang mit dem rechts‐konservativen Lager. Wörtlich sagte er: „Wir verlieren uns selbst, wenn wir so tun, als wäre es zu gefährlich, in großer Offenheit zu debattieren, weil das Volk sofort wieder umkippen könnte und eine Diktatur wählen würde“.

Regierung hat Themen nicht ausreichend versorgt“

Man müsse einräumen, dass die Regierung durchaus Versäumnisse bei bestimmten Themen zu verzeichnen habe. 

Gauck plädierte dafür, nicht jeden, der konservativ ist, „für eine Gefahr für die Demokratie zu halten und aus dem demokratischen Spiel am liebsten hinauszudrängen“. Generell solle es mehr Toleranz gegenüber dem rechten Lager geben.

Wie die „Zeit“ berichtet, erklärte Gauck jedoch im gleichen Interview, dass man ebenfalls lernen müsse, „mutiger intolerant zu sein“. Gegenüber Personen, welche das Gesetz missachten, dürfe keine falsche Toleranz gezeigt werden – egal, „ob sich diese politisch links oder rechts verorten oder dem islamischen Fundamentalismus angehören“.

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Gesellschaft

Abdullah‐Zentrum: Vertreter wirft Österreich „Heuchelei” vor

Monika Šimić

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ASDF Bild: Das umstrittene König-Abdullah-Zentrum am Wiener Schottenring / Thomas Ledl [CC BY-SA 3.0 at], via Wikimedia Commons (Bild zugeschnitten)

Der Rabbiner David Rosen kritisiert, dass sich ÖVP und SPÖ, die das Zentrum vor sieben Jahren in Wien ansiedelten, nun dagegenstellen.

Wien. Erst vor wenigen Tagen stimmten im Angesicht der Menschenrechtslage in Saudi‐Arabien alle Parteien außer der ÖVP für einen Entschließungsantrag, das maßgeblich vom arabischen Staat finanzierte und umstrittene Internationale König Abdullah bin Abdulahziz Zentrum für interreligiösen und interkulturellen Dialog (KAICIID) in Wien sperren zu lassen (Die Tagesstimme berichtete). Nun wirft der britische Rabbiner David Rosen Österreich „unglaubliche Heuchelei” vor.

Kontroversen rund um das Zentrum

Das KAICIID‐Direktoriumsmitglied kritisiert, dass sich ÖVP und SPÖ, die das Zentrum vor sieben Jahren in Wien ansiedelten, nun dagegenstellen. Doch das KAICIID sorgt seit Jahren für innenpolitische Kontroversen. FPÖ‐Chef Norbert Hofer verwies darauf, dass die Freiheitlichen dem saudischen Zentrum stets „mit großer Skepsis” begegnet seien.

Das im Herbst 2012 von Saudi‐Arabien, Österreich und Spanien eröffnete Zentrum wird größtenteils von Riad mit rund 15 Millonen Euro pro Jahr finanziert.

Zentrum hat zur „Öffnung der Gesellschaft” beigetragen

Seit Jahren steht die Menschenrechtslage in Saudi‐Arabien in der Kritik – und diente bereits in der Vergangenheit als Katapult für Diskussionen über das König‐Abdullah‐Zentrum. Vorwürfe, wonach das KAICIID sich nicht zu Menschenrechtsverletzungen in Saudi‐Arabien äußere und von saudischem Geld abhängig sei, wies der britische Rabbiner zurück. Man habe von den Gründungsstaaten nicht den Auftrag bekommen, sich zu politischen Fragen zu äußern, verteidigte sich Rosen. Das KAICIID habe seiner Ansicht nach zur Öffnung der Gesellschaft in Saudi‐Arabien beigetragen.

Österreich keinen „Gefallen” tun

Mittlerweile zweifelt Rosen die Entscheidung, die internationale Organisation in Wien anzusiedeln, an. Er sprach sich für eine Umsiedelung etwa nach Spanien oder Saudi‐Arabien aus: „Wenn Österreich den Wert des Zentrums nicht erkennt, sollten wir dem Land nicht auch noch den Gefallen tun, zu bleiben”, so Rosen. Diese Entscheidung obliegt jedoch den Gründungsstaaten.

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