Kultur

Von Pjöngjang nach Graz: Die Band Laibach eröffnete den „steirischen herbst”

Laibach-Konzert in Graz. Bild: privat/Tina Vojnik

Die neue Intendantin und Chefkuratorin des Festivals „steirischer herbst”, Ekaterina Degot, führt das heurige – traditionell stark links geprägte – Festival unter dem Titel „Volksfronten“ aus. Unschwer zu erkennen – offenbar eine künstlerische Auseinandersetzung mit der gegenwärtigen politischen Lage in Europa. Ein besonderes Schmankerl war dabei das Konzert der Band „Laibach”.

Gastbeitrag von Tina Vojnik

Zur Eröffnungsperformance am letzten Donnerstagabend (20.9.) lud Degot die kontroverse slowenische Band „Laibach” auf die Kasematten‐Bühnen ein, die wie im Programm schon angekündigt, bekannt ist „für ihre raffinierte Subversion totalitärer Ästhetik […] und ihrer Fähigkeit, Spuren und Ideologien einer solchen in scheinbar unschuldigen Zusammenhängen auszumachen.“

Auftritt der slowenischen Band „Laibach”. Foto: privat/Tina Vojnik

Einführend ertönte in den dezent beleuchteten Arkaden, die eine beeindruckende Kulisse boten, welche stark an die Freilichtbühne der Salzburger Festspiele erinnerte, eine Stimme aus der Soundanlage.  Sie erklärte den Besuchern, wie es um Österreich im Jahre 2018 stehe. Regiert von einer „schwarzbraunen Koalition“ sei „die Zensur […] in alle Poren der österreichischen Gesellschaft eingedrungen“ und auch „die Freiheit sei gefährdet oder ist mit neuen Inhalten versehen.“ Natürlich „solchen, die von der FPÖ diktiert werden“. Und „daher sind der Intendantin […] bei der Gestaltung des Kulturprogramms, zum Teil die Hände gebunden.“ Zu erwähnen vergaß man natürlich auch nicht, dass die eingeladene Band, auch vom „ Landeshauptmann, Jörg Haider sehr geschätzt“ wurde.

Realität? Fiktion: „Nichts, oder nur sehr wenig von alledem ist wahr.“

Inspirationsquelle „Sound of Music“

Laibach” wurde nahegelegt, das Bühnenmusical „Sound of Music“ aus dem Jahre 1959 zu interpretieren. Das Musical hat ein widersprüchliches Narrativ, in der die Familie Trapp einerseits nach innen ein äußerst konservatives, katholisches Weltbild lebt, in dem es vor Heimatliebe nur so strotzt, und andererseits nach außen dem „Druck des kosmopolitischen und modernisierenden Nazismus widersteht“.

Jugoslawien, Nordkorea, Trachten, Heimat

Das „Do-Re-Mi”-Sextett führte sachte mit Streichmusik in die Lieder und die Thematik ein, bis Milan Fras nach alter „Laibach”-Manier loslegte und ins Mikrofon grölte. Der Sänger Boris Benko und die Sängerin Marina Martenssons untermalten gemeinsam das Ganze mit dem Kinderchor „Edelweiss”, während im Hintergrund Screenings und Filmausschnitte ausgetauscht wurden. Propagandamaterial aus dem alten Jugoslawien und Nordkorea, Trachten, Heimatsymbole, Süßspeißen aus der traditionellen österreichischen Küche wurden genauso gezeigt wie der slowenisches Hirtenjunge „Kekec“, mit Stab und Filzhut beim Wandern in der Krain. Es war nur allzu offensichtlich, welche mehrdeutigen Assoziationen dabei entstehen sollen.

Laibach” schaffte es jedenfalls mit seinem polyvalenten Auftritt, einen anregenden Abend zu bieten. Die Intendantin dazu: „Das ist genau das, was wir wollten: sehr konzeptionell, politisch, provokativ, aber dennoch eine spektakuläre, interessante und humorvolle Eröffnung.“

Was der „steirische herbst” sonst noch zu bieten hat, ist bis zum 14. Oktober in Graz zu sehen.

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