Gesellschaft Kultur

Speyer: Migrationskritische Texte sorgen bei Poetry Slam für Aufsehen

In der Postgalerie Speyer fand der Poetry Slam mit dem Motto "Zivilcourage" statt. Symbolbild (Postgalerie Speyer): Sundar1 via Wikimedia Commons [CC BY-SA 3.0] (Bild zugeschnitten)

Die Gedichtbeiträge einer 14‐Jährigen, sorgten bei einer Veranstaltung in Speyer für Applaus – und einen Eklat um die Preisvergabe.

Aktualisiert (28.09.2018 16:40): Wir beriefen uns zwischenzeitlich auf Angaben aus dem Umfeld der Bundestagsabgeordneten, wonach Mutter und Tochter über Nachnamensgleichheit verfügen würden. Dies stellte sich mittlerweile als falsch heraus, wir haben den Artikel entsprechend angepasst. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

Speyer. Wie die regionale Tageszeitung Die Rheinpfalz berichtet, lösten die Texte der 14‐jährigen Teilnehmerin Ida‐Marie Müller einige Diskussionen aus. Beim Poetry Slam des Jugendstadtrats unter dem Motto „Zivilcourage” bezog sie Stellung zur Einwanderungsfrage und schaffte es durch ihre kontroverse Kritik, die Anwesenden in der Postgalerie zu spalten. Während weite Teile des Publikums anerkennend applaudierten, kam vor allem von Kritik und Veranstaltern Kritik.

Vorrunde: Kräftiger Applaus für laute Merkel‐Kritik

In der Vorrunde sorgte ein Beitrag mit einem kritisch auf Angela Merkel umgedichteten Paternoster für Begeisterung im Publikum. Abgerundet wurden diese Ausführungen daraufhin mit provokanten Versen wie „Seht im Spiegel die Heuchler und liebt euren Nächsten, den Meuchler“.  Für diesen Beitrag erhielt sie den lautesten Applaus aller Teilnehmer und buchte damit problemlos das Ticket für die Finalrunde.

Neben Müller zog auch Laura Wolber mit einem Gedicht über ein 14‐jähriges Flüchtlingsmädchen aus dem Sudan, sowie Yvonne Wittmann mit ihrem Beitrag über Erfahrungen in einer Erstaufnahmeeinrichtung für Migranten, in die nächste Runde ein. Auf der Strecke blieben ein Beitrag über Rassismus sowie einer, welcher zur eigenständigen Meinungsbildung aufrief. Maßgeblich für den Aufstieg war in dieser Runde allein der Zuspruch des Publikums, nicht jener einer Jury.

Hier eine Videoaufzeichnung der ersten Runde, der Beitrag von Müller beginnt bei ca. 01:30 Minuten:

Finalbeitrag rechnet mit Willkommenskultur ab

Im Finale legte Müller schließlich noch eine Schippe drauf und hielt den Befürwortern der Willkommenskultur schonungslos den Spiegel vor. Sie kritisierte dabei eine ihrer Ansicht nach fehlerhafte Auslegung des Wortes „Zivilcourage”. Eingangs kritisiert sie die sprachpolitischen Auswirkungen der ‚political correctness’ und widmet sich anschließend den Folgen der Masseneinwanderung.

Der Reihe nach spricht sie dann über ‚Einzelfälle’, das „breite Bündnis” welches sich für die Multikulti‐Ideologie hergibt und die Übertretungen im ‚Kampf gegen rechts’. Abgerundet wird der Beitrag von einem Fazit, welches den kolportierten Widerspruch nebeneinander stellt. Insgesamt ein mutiger Beitrag einer Jugendlichen, der trotz einzelner Buhrufe von den Zuschauern offenbar weitgehend gefeiert wurde.

Eklat um Ausschluss von Preisverleihung

Bereits während der Aufführung war den Verantwortlichen dieses Thema aber offenbar zu heiß. Zwischenzeitlich versuchten sie der Teilnehmerin dabei sogar das Mikrofon abzudrehen. Letztendlich entschied der Veranstalter, Müller von der Preisvergabe auszuschließen. Dies wurde bei Weitem nicht von allen in Publikum wohlwollend auf. Es kam folglich zu lauten Protesten einiger Zuschauer.

Den ersten Platz sprach das Kommittee letztlich Wolber für den Beitrag „Unsere liberale Welt” zu. Auf den zweiten Platz kam Wittmann, deren Beitrag „No Hatespeech/Vollidiot” sich mit Hetze im Netz beschäftigte.

Bürgermeisterin verteidigt Ausschluss

Am Folgetag verteidigte die Stadtpolitik die Entscheidung, den Beitrag Höchsts von der Preisverleihung auszuschließen. Gegenüber der Rheinpfalz befand Bürgermeisterin Monika Kabs (CDU), die Veranstaltung habe dadurch eine Plattform für eine öffentliche AfD‐Provokation geboten. Diese Zuschreibung bezieht sich auf den Umstand, dass ihre Mutter, Nicole Höchst, für die größte Oppositionspartei im Bundestag sitzt.

Die städtische Pressesprecherin Barbara Fresenius ergänzte, dass einige Passagen gar nicht zum Wettbewerbsthema passen würden. Diese fielen nach Ansicht von Fresenius eher in die Kategorie „Geistige Brandstifter schüren Ängste”. Dies vertrage sich allerdings nicht mit der Ausrichtung des Veranstaltungsrahmens. Die sogenannte „Interkulturelle Woche”, zu dem auch der Poetry Slam gehörte, wolle vielmehr ein „klare Bekenntnis” schaffen, dass Speyer eine „weltoffene, vielfältige und friedliche Stadt” sei.


Wir haben mit Erlaubnis der Mutter der Betroffenen den Volltext des zweiten Redebeitrages in einem Folgebeitrag veröffentlicht. Sie finden diesen hier

4 Kommentare

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  • 2009 war ich der erste Vortragende beim ersten Deggendorfer poetry slam, was mir als Neuling die ersten zwei Minuten einige Nervosität bescherte. Zumal auch noch mehrmals das Mikro an mein eher durchschnittliches Körperformat angepasst werden musste. Im Jahr 2010 nahm ich noch einmal teil.

    Ich erinnere mich an keinen einzigen politischen Beitrag von anderen Teilnehmern. Obwohl einige wenige Kollegen dort ebenfalls wirklich gute Dichtkunst offerierten war das Ereignis doch eher eine Veranstaltung für Jugendliche, auf die auch die meisten Texte zugeschnitten waren. Aber das war schon alles ok so wie es stattfand.

    Dass nun heute diese Veranstaltungen zur Werbung für die schier unbegrenzte Aufnahme „Schutzsuchender” benutzt werden, hätte man sich denken können. Meine Anerkennung gilt daher allen Künstlern, die sich diesem Irrsinn entgegen stellen und deshalb vielleicht hinterher nach stalinistisch bewährter Art auch noch zur „Selbstkritik” genötigt werden. Wundern würde mich schon fast gar nichts mehr in diesem Linksstaat.

  • Also ich habe den ihren Beitrag der Vorrunde eigentlich sogar besser, gefunden, weil dieser auch eine humoreske Komponente hatte („Multikulti Trallala, hurra die ganze Welt ist da…”). Bei dem abgewandelten Gebet muss es sich aber um das Ave Maria gehandelt haben. Wäre es der Redaktion nicht möglich, auch die Erlaubnis zur Veröffentlichung des Vorrundenbeitrages zu erhalten.

  • Nach Meinung der Bundeskanzlerin und ihrer Ja‐Sager von CDU, CSU, SPD, FDP, Linke und Grüne bedeutet „weltoffene, vielfältige und friedliche Stadt” allerdings inzwischen, dass Deutsche davon ausgeschlossen sind. Und das betrifft nicht nur die sogenannte „rechte Ecke” des Landes, sondern generell alle Deutschen – einschließlich derer, die sich für ganz besonders Gute Menschen halten.
    Wir haben doch auch alle damals das Video des ZDF gesehen, wo Merkel die Deutschlandfahne angewidert entfernen ließ. War das nicht schon das deutlichste Zeichen?

    Ich begrüße den Mut der jungen Frau in Speyer außerordentlich. Sie hat es wirklich nicht leicht in dieser Welt der Gutmenschen. Eines Tages wird man sie für ihren Mut feiern. Aber dazu müsste das Merkel‐Regime samt ihren Lakaien erst einmal aus den Angeln gehoben werden – wie schon im Jahr 1989 das DDR‐Honecker‐Regime aus den Angeln gehoben wurde – auch von jungen Leuten.

  • Es ist beschämend zu sehen, dass in einer Stadt wie Speyer nicht das offene Wort, nicht die Meinungsfreiheit, nicht die Freiheit der Kunst gilt. Stattdessen ist nur die herrschende Meinung erwünscht, bei Abweichung muss selbst eine Minderjährige mit schärfsten Angriffen auch von Seiten der Stadt rechnen. Wenn es drauf ankommt, ist von Toleranz plötzlich nichts mehr zu spüren. Erbärmlich. Man will keine Künstler, man will Hofschranzen. Gewollt ist nicht Kunst, gewollt ist Kitsch.
    Dass es nur um die Selbstbestätigung einer Ideologie ging, macht Frau Fresenius ja selbst deutlich:

    Die sogenannte „Interkulturelle Woche”, zu dem auch der Poetry Slam gehörte, wolle vielmehr ein „klare Bekenntnis” schaffen, dass Speyer eine „weltoffene, vielfältige und friedliche Stadt” sei.”

    Ein „klare Bekenntnis”! Amen.

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