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Italien: Bürgermeister wegen Beihilfe zu illegaler Migration verhaftet

Bild (Domenico Lucano 2017): Soledad Amarilla / Ministerio de Cultura de la Nación via Wikimedia Commons [CC BY-SA 2.0] (Bild zugeschnitten)

Der Bürgermeister der süditalienischen Kleinstadt Riace, Domenico Lucano, wurde am Dienstagmorgen unter anderem wegen des Vorwurfs der Beihilfe zur illegalen Migration verhaftet.

Riace. Konkret unterstellt man dem 60‐Jährigen Lucano, die illegale Einwanderung gemeinsam mit seiner Partnerin durch die Schließung von Scheinehen befördert zu haben. Weiters steht der Verdacht des Subventionsbetrugs im Raum. Außerdem stellten die Behörden einige Unregelmäßigkeiten bei der örtlichen Müllabfuhr fest. Linkspolitiker vermuten einem Welt-Artikel zufolge politische Motivation hinter der Verhaftung des migrationsfreundlichen Lokalpolitikers.

Lucano‐Festnahme mit Symbolwirkung

Dessen Einstellung steht nämlich der härteren Asylpolitik der neuen italienischen Regierung diametral entgegen. Seit vielen Jahren machte sich der Kalabrese einen Namen als Einwanderungsfreund. Als 1998 ein Migrantenschiff mit 218 kurdischen Einwanderern bei Riace landete, gründete Lucano zunächst einen Integrationsverein. Sein Ziel war es dabei, das Stadtleben durch Migranten wiederzubeleben. Im Jahr 2004 wählten die Bürger der Gemeinde Lucano schließlich zum Ortschef des von starker Abwanderung betroffenen Städtchens.

Im Laufe der Jahre machte er sich stets die Neuankömmlinge zunutze, etwa indem diese die verlassenen Felder rund um die Kleinstadt bewirtschaften. Nachdem die Bevölkerungszahl des Ortes, der über eine pittoreske mittelalterliche Altstadt verfügt, zwischenzeitlich von über 3.000 Menschen auf circa 800 zurückging, kam mit den Migranten das Wachstum zurück. 2016 machten Migranten bereits etwa ein Drittel der mittlerweile 2.500 Einwohner aus.

Aufenthaltungsverbot gegen Lebensgefährtin

Für seine Bemühungen kam es im Laufe der Jahre weltweit mehrfach zu Ehrungen des Bürgermeisters. Erst 2017 wurde Lucano der mit 10.000 Euro dotierte Dresdner Friedenspreis verliehen. Neben Lucano betreffen die Vorwürfe auch dessen Lebensgefährtin Tesfahun Lemlem, die ursprünglich aus Äthiopien stammt. Über diese wurde außerdem ein Aufenthaltsverbot für das Stadtgebiet verhängt. Im Ernstfall könnte sie das Land verlassen müssen.

Die Verhaftung des Stadtchefs erfolgte durch die in Italien mächtige Finanzpolizei. Die Behörden hatten zuvor ein Jahr lang gegen Lucano ermittelt.

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