Gesellschaft

Werder Bremen droht AfD‐Anhänger mit Entzug der Dauerkarte

Symbolbild, Fans von Werder Bremen / Bild von UNGRY YOUNG MAN / Flickr/ CC BY-SA 2.0

Traditionell sind Politik und Fußball zwei voneinander unabhängige gesellschaftliche Bereiche. Doch damit ist schon seit geraumer Zeit Schluss. Immer öfter werden die Fankurven der Vereine zu Trägern von politischen Botschaften. Bei Werder Bremen spitzt sich dieser Konflikt jetzt zu. Der Präsident von Werder Bremen Hess‐Grunewald, droht einem Fan, aufgrund seiner Sympathien gegenüber der AfD, die Dauerkarte zu entziehen.

Bremen. Bereits im September gab Hess‐Grunewald ein klares Statement ab und ließ gegenüber dem Weser Kurier verlauten: „Werder gut finden und die AfD wählen, ist ein Widerspruch.“ Medial und auch vereinsintern erhielt Hess‐Grunewald viel Zuspruch für seine klare Positionierung. Nach einigen Aussagen habe es jedoch auch vereinzelt kritische Stimmen gegeben.

Aufforderung zum Dialog?

Ein langjähriger Dauerkarten‐Besitzer reagierte auf Hess‐Grunewalds Aussagen und legte daraufhin seine Clubmitgliedschaft an. Sein Handeln begründete er in einer E‐Mail an den Präsidenten. Dieser zeigte sich jedoch verwundert über die Reaktion des Fans. So verstand er seine eigenen Aussagen doch „als Aufforderung zum Dialog und zur Auseinandersetzung mit den Werten von Werder Bremen.” Diese Aussagen gehen aus dem E‐Mail‐Verkehr zwischen dem besagten Fan und dem Präsidenten hervor, der der WELT exklusiv vorliegt.

Es scheint jedoch so, dass die Position von Hess‐Grunewald nicht darauf abzielten, einen Dialog auf Augenhöhe über verschiedene politische Positionen zu führen. Vielmehr ginge es darum, wie Hess‐Grunewald selbst bekräftigt, sich uneingeschränkt mit der Haltung für eine „offene, tolerante Gesellschaft ohne Ausgrenzung und Populismus“ zu identifizieren.

Entzug der Dauerkarte als mögliche Konsequenz

Wenn man als Werder‐Fan seine „Dialogbereitschaft” verweigert, kennt Hess‐Grunewald jedoch auch andere Möglichkeiten damit umzugehen. So reagierte er auf die kritischen Ausführungen des langjährigen Dauerkartenbesitzers recht offensiv: „Darüber hinaus werden wir uns mit Ihrem Wunsch, die Dauerkarte behalten zu wollen, noch intensiv beschäftigen. Es ist nicht auszuschließen, dass wir in Zukunft Dauerkarten nur noch an Vereinsmitglieder ausgeben. Unabhängig davon werden wir uns ernsthaft mit der Frage beschäftigen, ob wir bei der hohen Nachfrage nach Dauerkarten von Menschen, die sich – anders als Sie – mit Werder Bremen und unseren Werten identifizieren, für die kommende Saison wieder eine Dauerkarte anbieten. Dafür haben Sie sicher Verständnis!“

Kritische Reaktionen auf die Position von Werder Bremen gab es insbesondere seitens der AfD. „Es ist Heuchelei, wenn Hess‐Grunewald seine Äußerungen als Aufforderung zum Dialog bezeichnet“, teilte der sportpolitische Sprecher der AfD der WELT mit. Auch auf den Social Media‐Kanälen der Partei tauchten weitere kritische Meldungen auf.

1 Kommentar

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  • Ein Bundesligaverein nach dem anderen sticht nun in diesen Auswuchs von Demokratieabstinenz.

    Als früher begeisterter fan trage ich schon lange nicht mehr mein erarbeites Gehalt in irgendein Stadion. Der ganze bezahlte Fußball bei uns ist doch nur noch Mittel zum Zweck des Geldverdienens, und das geht bis in die unteren Klassen und die Jugendarbeit.

    Eine Nationalmannschaft haben wir auch nicht mehr. Komisch, andere Länder regeln das anders. Aber wir sind ja bekanntlich vorbelastet. Warum existiert eigentlich noch der Name einer bekannten Autobauerstadt, der ihr von den Nazis verliehen wurde? Und zwar mitsamt dem Namen des Herstellerswerkes.

    Was hat denn der Sport, sofern man den in den oberen Klassen überhaupt noch so bezeichnen kann, mit Politik zu tun?
    Empörte man sich früher etwa über Polizistentreter und Steineschmeißer bei den Grünen, sowie deren pädophieles Programm? Empörte man sich über die Erben der SED Mauermörder Nachfolgepartei PDS? Nein. Ausgerechnet die einzige demokratische Partei in Deutschland, welche die Interessen der „schon länger hier Lebenden” wahrnimmt, wird unter verbalen Beschuss genommen.

    Mein Tipp an Werder: Kümmert euch lieber mal um die Einhaltung des Tierschutzes bei eurem Sponsor. Frühere Dokus über tote und kranke Hühner dort waren nämlich zutiefst ekelerregend. Und aus einem solchen Umfang kommt dann das Wiesenhof Hähnchen auf den Tisch, was bekanntlich wie überall ein Hühnchen ist.

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