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Meinung

Kolumne: Dürfen sich Prominente und Sportler nur für Linke einsetzen?

Julian Schernthaner

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Linke Medien im deutschsprachigen Raum sind schockiert, weil die Sportler seines Landes für ihn werben: Brasiliens Favorit in der Präsidentschaftswahl, Jair Bolsonaro. Bild (Bolsonaro 2010): Janine Moraes / Câmara dos Deputados via Wikimedia Commons [CC BY 3.0] (Bild zugeschnitten)

Im Jahr 2018 gehört es für linke Journalisten offenbar zu guten Ton, anderen Personen des öffentlichen Lebens vorzuschreiben, welche Politiker sie toll finden dürfen – und welche nicht. Bei der Berichterstattung um die Präsidentenwahl in Brasilien erreicht die beabsichtigte Bevormundung eine vorläufige Spitze. 

Kommentar von Julian Schernthaner

Dunkeldeutschland wirft seine Schatten voraus – mittlerweile sogar bis nach Lateinamerika. Hüben wie drüben haben sozialistische und mittige Politiker ein ehemals stolzes Land endgültig in den Boden gewirtschaftet. Ebenso beiderseits des Atlantiks entscheidet sich der Souverän, konservativ-patriotischen Politikern zunehmend das Vertrauen zu schenken. So weit, so gut – denn hier hören die Gemeinsamkeiten auf.

Prominente und die Politik

Denn wenigstens können sich die Meinungsmacher in Deutschland auf den Rückenwind der “Kulturschaffenden” berufen. Diese dürfen sich medienwirksam und auf Geheiß höchster Würdenträger bei Gratis-Konzerten “gegen Rechts” die Ehre geben. In Brasilien hingegen ist offenbar sogar diese Bastion gebrochen. Denn dort positionieren sich immer mehr Prominente als Unterstützer des Stichwahl-Favoriten Jair Bolsonaro. Dieser gewann kürzlich den ersten Wahlgang mit 46 Prozent.

Entsprechend groß war der hiesige mediale Aufschrei, als quasi die gesamte Sportlerelite des größten südamerikanischen Landes diesem plötzlich die Stange hält. Von den Fußball-Stars Ronaldinho, Cafu und Kaka bis hin zum zweifachen Formel-1-Weltmeister Emerson Fittipaldi: allesamt Bolsonaro-Fans. Völlig unabhängig ihres ethnischen oder sozialen Hintergrunds schließen sie sich dem ehemaligen Soldaten an. Und das, oh Schreck, völlig ohne die Erlaubnis der Tugendwächter in deutschen Redaktionsstuben!

Herbeigeschriebene Bösartigkeit

Denn, wie es die taz so schön formuliert: “Wenn Sportler für Hetzer trommeln”, dann hat beispielsweise ein Fußballer eindeutig “zu viele Kopfbälle genommen”. Denn Bolsonaro ist ein Mensch, der angeblich “rassistisch, homophob und frauenfeindlich herumpoltert”. Schon zuvor war man sich etwa in der englischsprachigen Welt einig: Dieser Mann ist noch schlimmer als Trump. Und damit, in den Worten eines australischen Journalisten, der “abscheulichste Politiker der Welt”. Und dessen Unterstützung von Prominenten deshalb nicht nur “skurril“, sondern eben ein handfester Skandal.

Freilich: Manche der früheren Aussagen des rechtskonservativen Kandidaten sind tatsächlich streitbar und schießen weit übers Ziel hinaus. Aber der abscheulichste Politiker? In Zeiten, in denen Abgeordnete unter dem Verdacht im Besitz kinderpornographischen Materials in Amt und Würden bleiben? In Zeiten, in denen linke Parteien ihren Gründer in den Nationalrat zurückholen, nachdem die Ermittlungen wegen sexueller Belästigung nicht wegen erwiesener Unschuld sondern lediglich wegen Verjährung eingestellt werden? Wohl kaum.

Bolsonaro ein Rechtsextremer?

Hier sei als Exkurs erwähnt: Die Partido Social Liberal (PSL), welcher Bolsonaro angehört, ist gleichermaßen wirtschaftlich libertär wie wertkonservativ. Weil sich allerdings fast niemand hierzulande mit dem politischen System in Brasilien auskennt, fällt es den heimischen Medien leicht, aus einem Konservativen einen Rechtsextremen zu machen. Als Indiz gelten jene exemplarische Aussagen, welche in seinem tief gespaltenen Land in Wirklichkeit eben niemanden verschrecken, hierzulande aber außerhalb des Overton-Fensters liegen.

Tatsächlich nimmt das politische Profil der Partei im dortigen Spektrum eine Position wohl irgendwo zwischen rechtem CSU-Flügel und der FPÖ ein. Aber die Brandmarkung zieht – denn ein Rechtsextremer ist und bleibt ein solcher. Ein Rechtsextremer wurde rechtsextrem geboren, lebt rechtsextrem und stirbt rechtsextrem. Für den öffentlich-rechtlichen ORF war Bolsonaro nämlich sogar noch ein Rechtsextremer, als er Anfang September nach einem feigen Messerattentat nur dank schneller medizinischer Hilfe überlebte.

Linke Positionierungen hochgelobt

Zurück zum Sport: Richtig abenteuerlich wird die Sache, wenn man bedenkt, dass politische Äußerungen für Prominente und Sportler generell kein Grund für entsprechende Medien ist, die Betreffenden zu maßregeln. Wenn es die “richtigen” Aussagen sind, so werden sie regelrecht beworben. Wenn sich ein Marcel Hirscher hinstellt und für offene Grenzen wirbt, ist dies keine Instrumentalisierung. Es ist eine “klare Botschaft” und er “setzt Zeichen“. Bei Zlatko Junuzovic, selbst einst Bürgerkriegsflüchtling, ist es immerhin noch ein “emotionales Plädoyer”.

Auch wenn Hermann Maier die Petition eines grünen Landesrats unterstützt, macht er sich “stark”. Colin Kaepernick, dessen Weigerung für die amerikanische Hymne aufzustehen, seine Karriere beschädigte, wurde in den Schreibstuben als Vorkämpfer für Bürgerrechte idealisiert. Ja, es gilt sogar für die Nachbetrachtung des umstrittenen Black-Power-Grußes bei den Olympischen Spielen 1968: Medien und Popkultur bejubeln heute Tommie Smith und John Carlos. Demgegenüber verpasste ein Schweizer Sportler wegen zugegeben fragwürdiger (rechter) Gesten und Zitate die diesjährige Leichtathletik-EM.

Unterschiedlichste Handhabung?

Auffallend ist dabei, dass sich der Maßstab des Erlaubten ständig verschiebt – und einseitig offen bleibt. Während von linker Seite goutierte Unmutsäußerungen stets in Ordnung sind, kann auf rechter Seite schon einmal die Sippenhaft gelten. Im Jahr 2012 zogen linke Medien eine deutsche Olympiaruderin wegen der rechten Kontakte ihres Lebensgefährten so lange durch den Schmutz, bis sie freiwillig aus London abreiste.

Und stellen wir uns einmal vor, Manuel Neuer hätte sich kurz vor der Fußball-WM mit Alexander Gauland von der AfD ablichten lassen. Hätte derselben Welpenschutz gegolten wie im Fall von Özil und Gündogan, die trotz ihres infamen Erdogan-Fotos mit nach Russland durften? Hätte die Zeit den Aufschrei ebenfalls als “scheinheilig” bezeichnet? Es ist ist zumindest etwas stärker zu bezweifeln. Viel eher hätte der linke Beißreflex zugeschnappt und nicht locker gelassen. Im Gegensatz zur taz bin ich aber der Meinung: Doch, wir können anders, als mit zweierlei Maß zu messen.

1 Kommentar

1 Kommentar

  1. Avatar

    Rainer Seifert

    18. Oktober 2018 at 22:04

    Diese linken Großkotze und Meinungsbestimmer sollten mal einen Monat bei ihren Helden in Venezuela verbringen.

    Gerne bei Bedarf mit Verlängerung, sollte sich die späte Einsicht noch nicht zeigen.

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Meinung

“FPÖ muss ihre Lehren ziehen, um patriotische Alternative zu bleiben”

Stefan Juritz

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ASDF Symbolbild (Strache 2008): Christian Jansky via Wikimedia Commons [CC BY-SA 3.0] [Bild zugeschnitten]

Viele Österreicher waren mit der FPÖ und ihrer Regierungsarbeit zufrieden und trotzdem ist sie vorerst gescheitert. Die Freiheitlichen müssen daraus ihre Lehren ziehen.

Kommentar von Stefan Juritz

Die “Ibiza-Affäre” hat zu einem politischen Erdbeben in Österreich geführt. Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache musste zurücktreten und Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) löste die Koalition mit den Freiheitlichen auf.

Politisches Attentat vor der EU-Wahl

Bisher weiß niemand, von wem dieses pikante und illegal aufgezeichnete Video stammt, das die FPÖ-Politiker Strache und Gudenus im Jahr 2017 bei einem Privattreffen mit einer vermeintlichen Oligarchen-Nichte zeigt. War es wirklich ein westlicher Geheimdienst, wie manch ein Experte meint, oder vielleicht doch linke Aktivisten?

Jedenfalls wurde das Video offensichtlich ganz bewusst kurz vor der EU-Wahl veröffentlicht, um der FPÖ massiv zu schaden. Strache sprach hier vollkommen zurecht von einem “politischen Attentat”.

Gegner verhalten sich wie Gegner

Nun ist die Empörung über solch einen Eingriff in die Privatsphäre eines Politikers und Menschen selbstverständlich nachvollziehbar. Methoden wie diese sind völlig abzulehnen und die Urheber müssen ausgeforscht werden. Nur ändert das nichts an den Tatsachen und sollte der FPÖ die erste Lehre sein: Gegner verhalten sich nun einmal wie Gegner und eine Falle braucht immer denjenigen, der in sie tappt.

Natürlich ist es richtig, die Heuchelei vieler Medien und Politiker in der Causa aufzuzeigen und man könnte etwas zynisch darauf hinweisen, dass es bei den anderen Parteien wohl nicht viel anders aussieht, dass dieser Lobbyismus “part of the game” ist. Jedoch hat sich gerade die FPÖ unter Strache in den letzten Jahren immer als “soziale Heimatpartei” und Alternative zum rot-schwarzen Filz stilisiert. Nur, und das ist die zweite Lehre, dann muss sich die FPÖ auch wie eine echte Alternative und nicht wie der politische Gegner verhalten.

Es braucht eine patriotische Zivilgesellschaft

Die gesamte Affäre zeigt, wie schnell man trotz guter Arbeit in vielen Bereichen und positiven Veränderungen aus einer Regierung fliegen kann. Umso wichtiger wird es für die FPÖ sein, zu verstehen, dass es nicht nur auf Mandate und Wahlergebnisse ankommt. Von enormer Bedeutung ist ebenso der Aufbau einer patriotischen Zivilgesellschaft und echten “Mosaikrechten” (Benedikt Kaiser).

Anstatt von einer Übernahme der Kronen-Zeitung zu träumen, müssen freie patriotische Medien aufgebaut und unterstützt sowie Journalisten ausgebildet werden. Anstatt die Universitäten weiterhin aufzugeben, weil “die Studenten eh links sind und nicht FPÖ wählen”, muss gerade dort eine intellektuelle Auseinandersetzung stattfinden.

Als dritte Lehre also: Ohne ein starkes politisches Vorfeld wird es keinen wirklichen patriotischen Wandel in Österreich geben. Einzelne (gute) Regierungsreformen allein werden keinen langfristigen Erfolg erzielen.

Linke jubeln zu Unrecht

Die FPÖ-Gegner jubelten am Wochenende über Straches Rücktritt und das Ende der türkis-blauen Koalition. Doch sie dürfen nicht vergessen, dass die FPÖ-Regierungsbeteiligung nicht an ihren Inhalten, nicht am Wähler, nicht an den Burschenschaften oder Identitären (vorerst) gescheitert ist.

Es liegt hingegen an einem persönlichen Fehler zweier FPÖ-Spitzenfunktionäre – und an Bundeskanzler Kurz, der die Situation für sich und seine Partei ausnützen möchte. Dieser Umstand sollte den Freiheitlichen eine weitere Lehre sein, denn er zeigt, dass es Kurz nicht um eine konservative Wende in Österreich, sondern bloß um seinen eigenen Machtausbau geht.

Glaubwürdigkeit als patriotische Alternative

Es bleibt nur zu hoffen, dass die FPÖ ihre Lehren daraus zieht und sich ihre Glaubwürdigkeit als patriotische Alternative bei jenen bewahrt, die nun enttäuscht sind – denn für eine patriotische Wende braucht es auch eine authentische FPÖ in der Regierung.

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Meinung

Die ‘Enthüllungen’ über Identitären-Chef Sellner haben null Neuigkeitswert!

Julian Schernthaner

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ASDF Bild: Martin Sellner (Identitäre Bewegung) bei einer Demonstration in Graz / Martin MAGA [CC BY-SA 4.0], von Wikimedia Commons (Bild zugeschnitten)

Am Dienstagabend gelang einem engagierten Recherchenetzwerk ein entscheidender Durchbruch im ewigen ‘Kampf gegen rechts’: Man informierte die Öffentlichkeit über längst bekannte Vorgänge und verkaufte diese Erkenntnissen als große Neuigkeit.

Kommentar von Julian Schernthaner.

Es schlug wie eine Bombe in der heimischen Medienlandschaft ein. Gleich mehrere Mails soll Martin Sellner mit dem späteren Christchurch-Attentäter gewechselt haben. Und ganz besonders schlimm: Es soll ein vermeintliches Angebot an den damals geheimdienstlich unbekannten und unbescholtenen Spender gegeben haben, sich auf einen Kaffee oder ein Bier zu treffen, sollte es diesen jemals nach Wien verschlagen.

Sellner-Gate No. 2: Staatsskandal ante portas?

Mehr brauchte es nicht, dass die versammelte linke Reichshälfte in eine Mischung aus Hysterie und Jubelstimmung verfiel. Was jeder normal denkende Mensch als Höflichkeitsfloskel an einen x-beliebigen Spender deuten würde, gilt nun als hochbrisantes Detail. Und was Sellner bereits vor Wochen in einer Pressekonferenz erklärte, wird zur Exklusivstory hochgepusht.

Und gerade, weil dieser einen Teil offenbar des Schriftverkehrs zuerst archivierte und den Verlauf dann löschte, sah SPÖ-Bundesgeschäftsführer Drozda einen hohen Aufklärungsbedarf und witterte sogleich einen neuen, handfesten Staatsskandal der Sonderklasse. Alles noch viel schlimmer als bislang angenommen!

Opposition visiert den Spielball an…

Er forderte deshalb Innenminister Kickl auf, zu erklären, ob jemand Sellner vor der Hausdurchsuchung gewarnt hätte. Die Regierung jedenfalls stecke “bis zum Hals im Identitären-Problem”. Dieses Framing bediente er übrigens unabhängig davon, dass ein solches Vorgehen als Verschleierungstaktik ganz offensichtlich untauglich wäre und in krassem Gegensatz zum Bild eines konspirativ agierenden kriminellen Netzwerks stünde.

In eine ähnliche Kerbe schlug anschließend Peter Pilz – und ein paar Stunden lang schien ein altbewährtes Rezept aufzugehen. Das Narrativ des rechtsextremen Innenministers, welcher sich medienwirksam distanzieren muss, weil innerhalb des ‘ganz widerlichen’ rechten Spektrums neue Skandälchen brutzeln würden war bereits angerichtet, das Süppchen duftete bereits den ganzen Gang entlang…

…und zielt auf vom Tisch genommene Kugel

…und Kickl spielte das perfide Spiel nicht mit. Nüchtern erklärte er, dass diese ‘Enthüllungen’ keine neuen Erkenntnisse zum Fall brächten. Die erhobenen Vermutungen seien schließlich “nichts neues” sondern die Grundlage für die Ermittlungen. Seine persönliche Einschätzung wiederum sei nicht weiter relevant.

Bäm. Die Träumereien mancher Journalisten nach Untersuchungshaft für Sellner verpufften ebenso gegenstandslos wie die persönlichen Verschwörungstheorien einiger Oppositionspolitiker. Die Billardkugel, um den ungeliebten Innenminister als Begünstiger allen Übels im Land endgültig zu versenken – sie war mit einem Stoß vom Tisch.

Sensible Informationen als politische Waffe

Was überbleibt ist also lediglich die Frage: Wie kann es sein, dass neuerlich sensible Polizeiakten so mir nichts, dir nichts in einschlägigen Medienkreisen landen? Immerhin – und sei dieser Vorwurf noch so hanebüchen und auf Unwahrheiten basierend – handelt es sich ja gegenwärtig um Terrorermittlungen und somit wahrlich um keinen Pappenstiel.

Und da sollte man doch annehmen können, dass einige Diskretion geboten sei. Gerade bei der angeblich allgegenwärtigen Sorge um den Ruf der heimischen Geheimdienste im Ausland. Aber die erwähnt man natürlich nur, wenn man sie als politische Waffe opportun gegen den rechtsrechten Innenminister verwenden kann. Als Infostrang für die linke Seite von Politik bis Antifa hingegen sind diese Datenlecks eine stets willkommene Quelle.

Schmierentheater zulasten friedlicher Patrioten

Je mehr man sich die Anatomie der Geschichte also ansieht, desto mehr gewinnt man den Eindruck: Der Hauptzweck der ganzen Sache ist gar nicht die Aufklärung. Denn zur weitreichenden Stigmatisierung unliebsamer Personen setzt man offenbar sämtliche Rechtsstaatlichkeit auf Spiel – und zwar überaus leichtfertig.

Was bislang möglicherweise am in Österreich besonders heiligen Amtsgeheimnis vorbei herauskam, hatte jedenfalls kaum tatsächliche, wirklich das öffentliche Interesse betreffende Substanz und bedingte keine derart überbordene Praxis. Es erfüllte einzig und allein den Zweck, dass “irgendwas hängen blieben sollte”, ein einziges Schmierentheater zulasten friedlicher Patrioten.

Anpatzversuche und ein zusehends nackter Kaiser

So viel ist nämlich gewiss: Irgendwelche – übrigens hier diversionell erledigten – Schweinereien aus der Jugendzeit finden sich auch bei so manchem Politiker aller Couleur. Und mit Spender- und Rundbrieflisten aus Ermittlungen, die in einem Freispruch endeten, kann man maximal halbgare Anpatzversuche gegenüber Würdenträgern und Funktionären betreiben. Freilich, nachdem man eine vormals unanstößige Sache zuerst minutiös madig machte.

Und so dient die ganze Causa immer mehr dazu, ungewollt die wirklichen Schieflagen im Land aufzudecken. Ein Rechtsstaat, der seine eigenen Gesetze nicht achtet – und eine Medienlandschaft, in der treibende Elemente die Sensation zusehends vor die journalistischen Lauterkeit stellen. Gut möglich also, dass aufgrund dieses Übereifers am Ende nicht Sellner und die Identitären isoliert dastehen. Sondern, dass sich ihre Gegner soweit entblößt haben, dass jedes Kind den Kaiser als nackt erkennt.

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Meinung

Ring frei: Auch für die Freiheitlichen Studenten

Monika Šimić

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am

ASDF Bild: Wahlplakate zur ÖH-Wahl 2019 - Plakate des RFS fehlen / Bild privat

“Während sich die Mutterpartei zu immer neuen Umfragehochs aufschwang, dümpelt der Ring Freiheitlicher Studenten (RFS) seit mehreren Jahren beinahe durch das gesamte Bundesgebiet im niedrigen einstelligen Bereich herum.”

In Österreich finden alle zwei Jahre die Wahlen zur Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) statt, wo Studenten ihre Vertreter auf Bundesebene und Hochschulebene, aber gleichzeitig auch ihre Studienvertreter wählen. In diesem Jahr fallen die Wahlen aber fast mit den EU-Wahlen zusammen. Während Bürger europäischer Länder ihre Vertreter zwischen dem 23. und 26. Mai wählen können, dürfen sich Studenten für die Wahl ihrer Vertreter zwischen dem 27. und 29. Mai zur Wahlurne begeben. Im Vorfeld gab es deshalb auch Kritik seitens der ÖH. Es wird nämlich befürchtet, dass die ohnehin schon niedrige Wahlbeteiligung unter den Studenten – 2017 nahmen nur knapp über 23 Prozent aller Wahlbeteiligten in Graz an den Wahlen teil – aufgrund der EU-Wahlen noch weiter sinken könnte.

Überall süße Wahlzuckerl

Wie bei jeder Wahl versuchen die antretenden Fraktionen auch heuer mit ihren „Wahlzuckerln“ so viele Wähler wie nur möglich zu ködern. Ihre Wahlversprechen präsentierten sie nun etwa in den jeweiligen Interviews mit der ÖH-Zeitschrift Libelle, die im Rahmen der Wahl allen antretenden Fraktionen dieselben Fragen gestellt hat. Nämlich warum man gerade sie wählen sollte, welche Schwerpunkte sie auszeichnen und welche drei Dinge sie an den Unis ändern würden, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten. Außerdem wurden sie gefragt, welche Ideen sie haben, um die Situation sozial schlechter gestellten Studenten zu verbessern und was sie zu jenen Studenten sagen wollen, die die ÖH-Wahlen für sinnlos bzw. uninteressant halten. Abschließend kam auch die Frage, mit welcher Fraktion eine Koalition denkbar wäre. Eine Sammlung der “besten” Aussagen finden Sie am Ende des Beitrags.

Hat der RFS aufgegeben?

An der Grazer Karl-Franzens-Universität (KFU Graz) werden bei den Wahlen Ende Mai die unabhängige Fachschaftsliste Uni Graz (FLUG), die Jungen Liberalen Studierenden (JUNOS), die Aktionsgemeinschaft (AG), der Verband Sozialistischer Studenten (VSSTÖ), die Grünen Alternativen Studenten (GRAS) und der Kommunistische Studentenverband (KSV-KJÖ), antreten. Und während sich die Mutterpartei zu immer neuen Umfragehochs aufschwang, dümpelt der Ring Freiheitlicher Studenten (RFS) seit mehreren Jahren beinahe durch das gesamte Bundesgebiet im niedrigen einstelligen Bereich herum. Als hätte man sich damit abgefunden, dass radikale Hochschulpolitik eine linke Spielwiese ist und das mit dem Marsch zurück durch die Institutionen nichts wird, tritt der RFS in Graz nur an einer der vier Hochschulen überhaupt an.

Die versprochene Sammlung der „besten“ Aussagen

Im Folgenden Abschnitt noch die versprochene Sammlung der “besten” Aussagen aus den Interviews mit den einzelnen Fraktionen:

“Wir wollen eine Mensa, bei der man gerne essen geht, da auch wir ab und zu Hunger haben!” (RFS)

“Studieren ist schon stressig genug, da sind NahtodErlebnisse auf dem Weg zur Prüfung eindeutig zuviel.” (GRAS)

“Mit jeder, die sich für einen freien und offenen Hochschulzugang einsetzt und unsere Werte teilt.” (KSV-KJÖ)

“Es ist nötig, die Vertretung der Interessen der breiten Mehrheit der Studierenden wieder in den Vordergrund zu stellen.” (KSV-KJÖ)

“In der momentanen politischen Lage ist es besonders wichtig, dass Interessensvertretungen stark agieren können und dabei bestärkt sie gerade eine hohe Wahlbeteiligung!” (VSSTÖ)

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