Gesellschaft

Menschenverachtende Äußerung von DÖW‐Experten sorgt für Aufregung

Symbolbild (DÖW-Gebäude in der Wipplingerstraße): Waltharis via Wikimedia Commons[CC BY-SA 3.0 AT] (Bild zugeschnitten)

Ein sieben Jahre altes Video von einem „Spaziergang” rund um Burschenschaften in Wien mit Andreas Peham vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) sorgt in sozialen Medien derzeit für Aufregung.

Wien. – Konkret handelt es sich um einen Ausschnitt, in welchem der hier unter seinem Pseudonym „Heribert Schiedel” auftretende DÖW‐Experte über die Burschenschaft Teutonia erzählt. Prominentestes gegenwärtiges Mitglied der als besonders konservativ geltenden Studentenverbindung ist der FPÖ‐Nationalratsabgeordnete Reinhard Eugen Bösch. Die Fehde ist alt: bereits in den 1990ern bezeichnete das DÖW die Verbindung als „Hochburg der militant‐rechten Wiener Szene“.

Peham: „Leider” erst ein Mensur‐Todesfall

Als Peham vor dem Teutonen‐Haus eintrifft, erklärt er seinen Zuhörern, dass es sich dabei – neben der „Olympia” – um „sicherlich die rechtsextremistischste” Studentenverbindung in Wien handle. Sie sei „nicht umsonst” bereits 1888 erstmalig behördlich aufgelöst worden. Dies geschah damals übrigens „wegen Überschreitung des satzungsgemäßen Wirkungskreises“. Die Homepage der pflichtschlagenden Verbindung bezeichnet dies als „Schimmelausdruck […] ohne konkret Begründung” bei Vereinsauflösungen.

In der Sequenz, die im zugehörigen YouTube‐Video bei Minute 26:28 beginnt, setzt Peham allerdings noch einen drauf. Während die Kamera auf die vor dem Haus versammelten Aktiven filmt, erzählt er einen weiteren Schwank aus der Geschichte der Teutonia. 1933 kam es demnach „bei einer Mensur” zu einem Todesfall. Dabei handle es sich „leider” bisher um den einzigen.

 

 

Jugendjournalist sieht Glaubwürdigkeit beschädigt

Am Mittwoch taggte der freie Journalist Roman Möseneder, Chefredakteur der Jugendpresse Österreich, den Hochlader des Videos – den Journalisten Daniel Hrncir. Aus seiner Sicht rüttelt dieses Zitat an der Glaubwürdigkeit von Pehams Einschätzungen zu schlagenden Verbindungen.

Jemand der sich über Todesfälle bei Mensuren freue, sei nicht in der Lage „differenzierte Einschätzungen” über die Standpunkte des betreffenden Vereins zu treffen, so Möseneder weiter.


Zuletzt hinterfragte er die Einladungspolitik des ORF, indem er den Anchor der ZiB2, Armin Wolf, um eine Stellungnahme bat. Dieser möge Stellung beziehen, ob derartige Äußerungen „vertretbar” seien.

FP‐Sickl: Öffentliche Hand finanziert Peham-„Gewaltfantasien”

Der Beitrag blieb unterdessen auch in der Politik nicht ohne Reaktion. Der Grazer FPÖ‐Gemeinderat Heinrich Sickl etwa erinnerte an die Subventionierungen des DÖW aus der öffentlichen Hand. Damit würde die Öffentlichkeit die „Gewaltfantasien” von Peham „mitfinanzieren”.

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