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Gesellschaft

Studie: Jeder zweite Deutsche fühlt sich fremd im eigenen Land

Julian Schernthaner

Veröffentlicht

am

Symbolbild (Pixabay/CC0)

Einer Studie der Universität Leipzig zufolge sehen große Anteile der Deutschen die wandelnden demographischen Verhältnisse kritisch. Die Wissenschaftler wähnen darin einen steigenden Rechtsextremismus.

Leipzig. – Wie die Hochschule in einer Aussendung mitteilt, ist dies ein Ergebnis der sogenannten „Leipziger Autoritarismus‐Studie”. Bei dieser befragte man im sogenannten Paper‐to‐Pencil‐Verfahren 2.416 im ganzen Bundesgebiet (West: 1.918, Ost: 498). Gegenstand der repräsentativen Erhebung war die Zustimmung zu Aussagen, welche die Forscher den Themenbereichen rechtsautoritäre Diktatur, Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus, Sozialdarwinismus, Chauvinismus, Verharmlosung des Nationalsozialismus und autoritäre Persönlichkeitsmerkmale zuordnen.

Drittel sieht „gefährliche Überfremdung”

Das Kompetenzzentrum für Rechtsextremismus‐ und Demokratieforschung (KreDo) erfasste hierfür die Zustimmung der Bevölkerung zu einzelnen Aussagen, welche das der theologischen Fakultät zugehörige Institut als ausländerfeindlich wertet. Die Präsentation fand gemeinsam mit der gewerkschaftlichen Otto‐Brenner‐Stiftung und der Heinrich‐Böll‐Stiftung, welche den Grünen nahesteht, statt.

Die zwischen 2006 und 2012 unter dem Namen „Mitte‐Studien” bekannte Erhebung stellte fest, dass etwa 36 Prozent der Deutschen der Ansicht sind, die Bundesrepublik sei „in gefährlichem Maß überfremdet”. Ebenso hoch ist die Zustimmung zur Aussage, wonach eine Einwanderung in den Sozialstaat stattfinden würde. Immerhin noch mehr als ein Viertel würde sich für eine Remigration von Ausländern aussprechen, wenn Arbeitsplätze in Deutschland knapp würden.

Forscher sehen steigende „Ausländerfeindlichkeit”

Die Zustimmung zu diesen Aussagen war insgesamt in den neuen Bundesländern höher als im Westen. Die Autoren der Studien werten dies als Zeichen eines Anstiegs einer „geschlossenen, manifesten Ausländerfeindlichkeit”. Im Vergleich zur vorigen Erhebung im Jahr 2016 habe man bei all diesen Thesen einen Anstieg beobachten können. Rückläufig seien hingegen antisemitische Denkmuster, gleichbleibend hoch antiziganistische Ansichten.

Als „erschreckend hoch” bezeichneten die Forscher, dass insbesondere Muslimen mit zunehmendem Argwohn begegnet wird. Sowohl im Osten als auch im Westen fanden 55 Prozent, dass sie sich aufgrund deren hohem Bevökerungsanteil als „Fremde im eigenen Land” betrachten. Noch im Jahr 2010 empfanden dies nur 33 Prozent. Die Zustimmung zu dieser Aussage werten die Studienautoren als „Abwertung” von Menschen, die als „fremd” oder „abweichend” wahrgenommen werden.

Zustimmung zu Aussagen als „Einstiegsdroge”

Kurios ist die – nicht besonders neutrale – Bewertung dieser Feststellungen durch die Wissenschaftler. Eine niedrige „Hemmschwelle” zur Zustimmung dieser Ansichten sei nämlich eine „Einstiegsdroge in den Rechtsextremismus”. Solche Personen würden sich heute von CDU und SPD abwenden und eine „neue Heimat bei der AfD” finden. Gleichzeitig erfreue sich aber auch die Demokratie zusehender Beliebtheit, besonders in Ostdeutschland sind diesmal wachsende Bevölkerungsanteile mit deren Funktionieren zufrieden.

Gleichzeitig glaubt man, bei 40 Prozent der Deutschen einen „autoritären Typus” zu erkennen. Diese zeige sich in einer Neigung zu „rigiden Ideologien”, welche eine gleichzeitige Unterwerfung unter eine Autorität und einer Teilhabe an deren Macht gestatten würden. Dies äußere sich in einer Forderung nach der „Abwertung anderer”. Einen entsprechenden Wunsch zur Ausgrenzung Andersdenkender – den Forschern zufolge „autoritäre Aggressionen” -würden sogar zwei Drittel aller Deutschen teilen.

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3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Zickenschulze

    7. November 2018 at 23:23

    Jeder zweite Deutsche fühlt sich fremd im eigenen Land“

    Aber nicht auf die Idee kommen einmal anders zu wählen , und
    dabei aber den Nationalstolz in den Keller sperren.
    Gspassige Leut.

  2. Avatar

    Peter Hofmueller

    8. November 2018 at 12:48

    Auch mir geht es so in meinem „Geburtsland” Österreich!

  3. Avatar

    Rainer Seifert

    9. November 2018 at 0:46

    Dann verstehe ich aber die Wahlergebnisse nicht mehr. Oder liegen hier tatsächlich Fälschungen vor? Diese wären dann allerdings massiv.

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Gesellschaft

Theaterverband erfand Meuthen‐Zitat

Joshua Hahn

Veröffentlicht

am

ASDF Bild (Meuthen beim Bundesparteitag der AfD im Jahr 2017): Olaf Kosinsky [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons [Bild zugeschnitten]

In einem Interview mit der „dpa“ führte der Bühnenvereinspräsident ein Zitat an, welches angeblich von Jörg Meuthen (AfD) getätigt wurde. Nun stellte sich heraus, dass die Worte so nie benutzt wurden.

Berlin. – Trotz des falschen Zitats wurden die Leser zum Großteil nicht auf den Fehler hingewiesen.

Linksversiffter Kunstkadaver“

Wie die „Junge Freiheit“ berichtet, erklärte der Bühnenvereinspräsident Ulrich Khuon gegenüber der „dpa“, dass die „Neue Rechte“ lediglich ein „Gesinnungstheater“ wünsche, welches ihren Idealen entspräche. So habe Jörg Meuthen beispielsweise die Worte „linksversiffter Kunstkadaver“ benutzt. Diese Wortwahl gleiche der der Nationalsozialisten und ähnele dem Propagandabegriff der „entarteten Kunst“.

Ein Pressesprecher der Alternative für Deutschland intervenierte damals und erklärte, dass das Zitat so nie getätigt wurde. 

Der Bühnenverein sagte daraufhin aus, Khuon habe sich „geirrt“.

Keine weitreichenden Richtigstellungen

Obwohl der Bühnenverein dem AfD‐Politiker mit dem falschen Zitat und dem daraus resultierenden Vorwurf, Meuthen würde dem Nationalsozialismus nahestehen, erheblich hätte schaden können, fand keine umfassende Richtigstellung statt.

Die Nachrichtenagentur „dpa“ schickte zwar eine neue Fassung inklusive eines Korrekturhinweises an die Abonnenten und Kunden. 

Da allerdings nicht erwähnt wurde, dass ein inkorrektes Zitat gestrichen worden war, wurde zwar von den gängigen Medien die korrigierte Fassung übernommen, jedoch ohne den Hinweis, um welchen Fehler es sich handelte. 

Für den Leser war der Fehler also nicht ersichtlich. 

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Gesellschaft

Joachim Gauck fordert „erweiterte Toleranz in Richtung rechts“

Joshua Hahn

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am

ASDF Bild (Ex-Bundespräsident Joachim Gauck):Tohma (Diskussion) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons (Bild zugeschnitten)

Der Ex‐Bundespräsident Joachim Gauck warnte in einem Interview mit dem „Spiegel“ vor dem Erstarken des Nationalismus. Trotzdem plädierte er für eine „erweiterte Toleranz in Richtung rechts“.

Berlin. – Gauck sprach sich außerdem gegen den laut ihm vorherrschenden „Antipluralismus“ aus.

Wir verlieren uns selbst“

Wie unter anderem die „Welt“ berichtet, sagte Gauck bereits in der Vergangenheit mehrmals, dass der Umgang mit der AfD nicht optimal gewesen sei. Es habe eine mediale Tendenz gegeben, „zu früh Stoppschilder zu setzen“. 

Zwar lehne er selbst die Positionen der Alternative vehement ab, trotzdem sei es ein Fehler, permanent „das Höllentor von Auschwitz“ ins Spiel zu bringen. 

In einem Interview kritisierte er nun erneut den Umgang mit dem rechts‐konservativen Lager. Wörtlich sagte er: „Wir verlieren uns selbst, wenn wir so tun, als wäre es zu gefährlich, in großer Offenheit zu debattieren, weil das Volk sofort wieder umkippen könnte und eine Diktatur wählen würde“.

Regierung hat Themen nicht ausreichend versorgt“

Man müsse einräumen, dass die Regierung durchaus Versäumnisse bei bestimmten Themen zu verzeichnen habe. 

Gauck plädierte dafür, nicht jeden, der konservativ ist, „für eine Gefahr für die Demokratie zu halten und aus dem demokratischen Spiel am liebsten hinauszudrängen“. Generell solle es mehr Toleranz gegenüber dem rechten Lager geben.

Wie die „Zeit“ berichtet, erklärte Gauck jedoch im gleichen Interview, dass man ebenfalls lernen müsse, „mutiger intolerant zu sein“. Gegenüber Personen, welche das Gesetz missachten, dürfe keine falsche Toleranz gezeigt werden – egal, „ob sich diese politisch links oder rechts verorten oder dem islamischen Fundamentalismus angehören“.

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Gesellschaft

Abdullah‐Zentrum: Vertreter wirft Österreich „Heuchelei” vor

Monika Šimić

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ASDF Bild: Das umstrittene König-Abdullah-Zentrum am Wiener Schottenring / Thomas Ledl [CC BY-SA 3.0 at], via Wikimedia Commons (Bild zugeschnitten)

Der Rabbiner David Rosen kritisiert, dass sich ÖVP und SPÖ, die das Zentrum vor sieben Jahren in Wien ansiedelten, nun dagegenstellen.

Wien. Erst vor wenigen Tagen stimmten im Angesicht der Menschenrechtslage in Saudi‐Arabien alle Parteien außer der ÖVP für einen Entschließungsantrag, das maßgeblich vom arabischen Staat finanzierte und umstrittene Internationale König Abdullah bin Abdulahziz Zentrum für interreligiösen und interkulturellen Dialog (KAICIID) in Wien sperren zu lassen (Die Tagesstimme berichtete). Nun wirft der britische Rabbiner David Rosen Österreich „unglaubliche Heuchelei” vor.

Kontroversen rund um das Zentrum

Das KAICIID‐Direktoriumsmitglied kritisiert, dass sich ÖVP und SPÖ, die das Zentrum vor sieben Jahren in Wien ansiedelten, nun dagegenstellen. Doch das KAICIID sorgt seit Jahren für innenpolitische Kontroversen. FPÖ‐Chef Norbert Hofer verwies darauf, dass die Freiheitlichen dem saudischen Zentrum stets „mit großer Skepsis” begegnet seien.

Das im Herbst 2012 von Saudi‐Arabien, Österreich und Spanien eröffnete Zentrum wird größtenteils von Riad mit rund 15 Millonen Euro pro Jahr finanziert.

Zentrum hat zur „Öffnung der Gesellschaft” beigetragen

Seit Jahren steht die Menschenrechtslage in Saudi‐Arabien in der Kritik – und diente bereits in der Vergangenheit als Katapult für Diskussionen über das König‐Abdullah‐Zentrum. Vorwürfe, wonach das KAICIID sich nicht zu Menschenrechtsverletzungen in Saudi‐Arabien äußere und von saudischem Geld abhängig sei, wies der britische Rabbiner zurück. Man habe von den Gründungsstaaten nicht den Auftrag bekommen, sich zu politischen Fragen zu äußern, verteidigte sich Rosen. Das KAICIID habe seiner Ansicht nach zur Öffnung der Gesellschaft in Saudi‐Arabien beigetragen.

Österreich keinen „Gefallen” tun

Mittlerweile zweifelt Rosen die Entscheidung, die internationale Organisation in Wien anzusiedeln, an. Er sprach sich für eine Umsiedelung etwa nach Spanien oder Saudi‐Arabien aus: „Wenn Österreich den Wert des Zentrums nicht erkennt, sollten wir dem Land nicht auch noch den Gefallen tun, zu bleiben”, so Rosen. Diese Entscheidung obliegt jedoch den Gründungsstaaten.

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