Interview Meinung

AfD‐naher Akademikerverband: DAV‐Sprecher Dr. Birghan im Interview

Der Vorsitzende des "Deutschen Akademikerverbandes" (DAV), Dr. Christoph Birghan. Bildrechte: Dr. Christoph Birghan

Erst vor kurzem hat sich der patriotische „Deutsche Akademikerverband” (DAV) gegründet (Die Tagesstimme berichtete). Der Verein steht der AfD zwar nahe, ist ansonsten aber parteiunabhängig. Die Tagesstimme wollte von DAV‐Sprecher Dr. Christoph Birghan mehr über die Ziele und Pläne des neuen Akademikerverbandes erfahren.

Die Tagesstimme: Seit September gibt es den „Deutschen Akademikerverband (DAV). Warum haben Sie sich zur Gründung eines solchen AfD‐nahen Verbandes entschlossen?

Dr. Birghan: Die Idee entstand vor bald einem Jahr in Gesprächen zwischen AfD‐Mitgliedern mit akademischem Hintergrund und parteilosen Akademikern, die keine Parteimitgliedschaft anstreben, aber dennoch mit den wesentlichen Inhalten und Forderungen der AfD sympathisieren. Es sollte eine Organisation geschaffen werden, die langfristige politische Fragestellungen in den Mittelpunkt stellen und diese auf akademischem Niveau angehen kann, ohne den Zwängen der Tagespolitik und der Parteidisziplin unterworfen zu sein. Ein weiteres Ziel ist natürlich eine Vernetzung und das Ausstrahlen in akademische Milieus, die eine Partei alleine nicht erreichen kann.

Die Tagesstimme: Sie sehen sich in der Tradition der Freiheitsbewegungen von 1815, 1848 und 1989. Können Sie unseren Lesern erklären, wieso Sie sich genau auf diese Jahre beziehen?

Dr. Birghan: Diese Jahreszahlen stehen für die positiven Anknüpfungspunkte in der teilweise schwierigen deutschen Geschichte. Ihnen gemein ist, dass sich dort der Freiheitswille der Deutschen manifestierte: Sei es in der Abschüttelung der napoleonischen Fremdherrschaft, der bürgerlich‐demokratischen Revolution gegen die reaktionäre Restauration oder die friedliche Überwindung der kommunistischen Diktatur östlich der Elbe. Uns Deutschen wird gerne nachgesagt, dass wir aufgrund eines uns angeblichen innewohnenden Untertanengeistes zu keinem Freiheitskampf fähig seien. Diese Jahreszahlen zeigen das genaue Gegenteil.

Die Tagesstimme: Wie war die Reaktion aus der AfD und wie viele Mitglieder hat der DAV bisher?

Dr. Birghan: Bisher gab es nur positive Reaktionen und viele Unterstützungsangebote aus den Reihen der AfD. Um eine konstruktive Arbeit an der Satzung und Organisation zu gewährleisten, haben wir mit einem relativ kleinen, aber ausgewogenen Personenkreis von 15 Gründungsmitgliedern begonnen. Die bei uns seit der Veröffentlichung unserer Gründung Ende Oktober eingegangenen Aufnahmewünsche werden uns noch einige Wochen beschäftigen und es kommen täglich neue dazu.

Die Tagesstimme: In Österreich gibt es den FPÖ‐nahen Freiheitlichen Akademikerverband (FAV). Er besteht zu einem großen Teil aus Mitgliedern von Studentenverbindungen. War der FAV ein Vorbild bei der Gründung des DAV?

Dr. Birghan: Der FAV ist mit Sicherheit das große Vorbild für uns. Dennoch darf man nicht verkennen, dass die gesellschaftlichen Verhältnisse in Deutschland etwas unterschiedlich sind. Studentenverbindungen spielen in der deutschen Politik eine andere Rolle – insbesondere gibt es hier keine so starke Lagerbildung wie in der Republik Österreich.

Für uns ist das Korporationswesen ein wichtiger Faktor, da Mitglieder von Studentenverbindungen aufgrund ihrer Prägung und Ausbildung innerhalb der Korporationen gute Voraussetzungen haben, eine solche Organisation aufzubauen: Korporationsangehörige sind gut vernetzt, wissen, wie man Vereine leitet und weiterentwickelt, und sie haben in der Regel langjährige Erfahrungen mit ehrenamtlichem Engagement im akademischen Umfeld. Dennoch wird dies auf lange Sicht nicht das einzig tragende Milieu sein können, d.h., der DAV versteht sich selbstverständlich nicht als korporativer Verband und steht allen patriotisch und freiheitlich gesinnten Akademikern – männlich wie weiblich – offen.

Die Tagesstimme: Auf der Facebook‐Seite heißt es, dass der DAV sich „als Bindeglied zu gleichgesinnten akademischen Verbänden und Milieus in Deutschland und Europa“ sehe. Gibt es schon konkrete Kontakte und Zusammenarbeiten?

Dr. Birghan: Es gibt erste inoffizielle Gespräche und Kontaktanbahnungen. Das Interesse ist groß, und wenn sich die bisherige Entwicklung fortsetzt, sind wir guter Dinge, dass wir schon bald ein Partner auf Augenhöhe sein werden. Für uns haben die negativen Auswirkungen der Globalisierung, die wir insbesondere in den letzten Jahren erleben durften, gezeigt, dass wir ein freies Europa der Regionen, Völker und Nationen nur erhalten können, wenn wir auf europäischer Ebene freundschaftlich zusammenarbeiten.

Die Tagesstimme: Wo sehen Sie das weitere Arbeits‐ und Aufgabengebiet des DAV?

Dr. Birghan: Die Vernetzung im akademischen Bereich hatte ich schon genannt. Daneben ist die Erarbeitung von langfristigen Konzepten zu politischen Fragestellungen eine Aufgabe, die wir uns gestellt haben. Schließlich ist ein Ziel auch die berufliche Unterstützung unserer Mitglieder und der Akademiker allgemein. Das sind natürlich alles Ziele, die wir nur mit einer ausreichenden Mitgliederzahl erreichen können. Daher bieten wir jedem Akademiker, der sich mit unseren Inhalten identifizieren kann, an, sich uns anzuschließen. Außer Arbeit haben wir zur Zeit nicht viel zu bieten, aber es wird auch gesellschaftliche Veranstaltungen geben, die die schönen und musischen Seiten des Lebens ansprechen sollen.

Die Tagesstimme: Wann kann man mit den ersten Veranstaltungen rechnen?

Dr. Birghan: Derzeit nimmt uns der organisatorische Aufbau natürlich sehr in Beschlag. Dennoch ist für das Frühjahr 2019 eine erste größere Veranstaltung mit deutschlandweiter Relevanz geplant, auf der es um politische Fragestellungen gehen wird, wo aber auch das Feiern nicht zu kurz kommen soll. Wir sind ja keine schlechtgelaunten Linken.

Die Tagesstimme: Vielen Dank für das Interview!

Homepage: http://dakadv.de

Kontaktmöglichkeit über vorstand@dakadv.de

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