Gesellschaft

Nordrhein‐Westfalen: Mehr als jede zehnte Moschee unter Verfassungsschutz‐Beobachtung

Bild: Fatih Moschee (Fatih Camii) in Essen-Katernberg (NRW) / von NatiSythen [CC BY-SA 3.0 ], vom Wikimedia Commons (Bild zugeschnitten)

Die Sicherheitsbehörden in NRW beobachten derzeit eine größere Anzahl der landesweiten Moscheegemeinden. Dabei fällt auf, dass der Salafismus jünger, gewaltbereiter, verborgener und weiblicher wird.

Düsseldorf. Die Katholische Nachrichten‐Agentur (KNA) hat am Dienstag aus Kreisen des Innenministeriums in Düsseldorf erfahren, dass der Verfassungsschutz in Nordrhein‐Westfalen derzeit mehr als jede zehnte Moschee wegen extremistischer Aktivitäten beobachtet. Insgesamt stünden 109 der landesweit 850 Moscheegemeinden unter Beobachtung. Im Vorjahr waren es nur 45 Moscheen.

Radikale Salafisten werben neue Aktivisten an

71 der beobachteten Moscheen stehen unter Salafismusverdacht, wie es hieß. Weitere 38 Gemeinden würden dem Einfluss von Islamisten oder radikalen Moslembruderschaften zugerechnet, wie die Plattform domradio.de schreibt. Außerdem nutzen radikale Salafisten nach Beobachtungen der Sicherheitsbehörden Moscheen zunehmend, um dort neue Aktivisten anzuwerben. Die eigentlichen Aktivitäten der Extremisten fänden jedoch meist außerhalb der Moscheegemeinden statt. In einigen Gebetshäusern träten sogenannte „Hassprediger” auf, weshalb diese ebenfalls beobachtet werden.

Salafismus jünger, gewaltbereiter, verborgener und weiblicher

Der Islamismus in NRW ist nach Einschätzung des Verfassungsschutzes zuletzt weniger stark angewachsen. Die Zahl der Salafisten habe sich im letzten Jahr landesweit um 100 auf 3.100 erhöht. Davor waren jährlich 500 neue Mitglieder zu dieser Gruppierung gekommen. Die Sicherheitsbehörden sind dennoch weiterhin alarmiert. Der Salafismus sei jünger, gewaltbereiter, verborgener und auch weiblicher geworden. Der Frauenanteil habe sich demnach von 12 auf 18 Prozent erhöht.

Kampf gegen extremistischen Salafismus

NRW hat schon seit Längerem mit dem Salafismus zu kämpfen. Allein zwischen November 2016 und Juli 2017 wurden dort Dutzende Gerichtsverfahren gegen militante Salafisten angestrengt. Gebetsvereine wurden verboten, Auftritte untersagt und Razzien durchgeführt, Prediger inhaftiert und Stellen beim Verfassungsschutz und der Polizei verstärkt. Um sich nun aktiv gegen den extremistischen Salafismus einsetzen zu können, veröffentlichte das Ministerium des Innern des Landes Nordrhein‐Westfalen eine Broschüre. In dieser sind verschiedene „Module” aufgelistet, die eine Möglicheit bieten, um mit Schülern ins Gespräch zu kommen und so „vor den Gefahren des Extremismus zu schützen”. Die Module enthalten unter anderem Theaterstücke, Kinofilme und Workshops.

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